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Höranalyse
Höranalyse (Hörerziehung) ist ein musikpädagogischer Fachbegriff, der in dem Fach Gehörbildung seit einigen Jahrzehnten benutzt wird.
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Grundidee
Höranalyse, auch Hörerziehung genannt, ist ein musikpädagogischer Fachbegriff aus dem Fach Gehörbildung. Gemeint ist eine Analyse, die vom Hören ausgeht: Musik oder andere akustische Erscheinungen werden nicht zuerst über Noten oder Bilder untersucht, sondern über das, was auditiv wahrgenommen wird.
Grundsätzlich setzt jedes hörende Verstehen eine Art Höranalyse voraus. Das gilt ähnlich für Sprache und Musik. Beim Verstehen gesprochener Sprache findet zum Beispiel eine grammatische Analyse statt, entweder intuitiv oder bewusst reflektiert. Die Kognitionspsychologie kann solche Wahrnehmungsvorgänge beschreiben und die dabei entstehenden Kategorisierungen benennen.
Höranalyse in der Gehörbildung
In der musikpädagogischen Gehörbildung wird besonders die bewusst reflektierte Höranalyse behandelt. Sie kann sich zum Beispiel auf die formale Analyse beziehen, also auf den Aufbau eines Musikstücks, oder auf die Besetzung, also darauf, welche Stimmen oder Instrumente zu hören sind.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen auditiver und visueller Analyse. Höranalyse ist auditiv: Sie untersucht das Gehörte. Eine visuelle Analyse, etwa mithilfe von Notenschrift, steht nach dem Verständnis einiger Theoretiker eher im Mittelpunkt der Musiktheorie.
Abgrenzung zu kleinteiligen Übungen
Höranalyse unterscheidet sich von manchen kleinteiligen Übungen eines konservativen Gehörbildungsunterrichts. Dort kann zum Beispiel das Hören einzelner Intervalle im Mittelpunkt stehen. Ein Intervall ist der Abstand zwischen zwei Tönen.
Die Höranalyse fragt dagegen nach größeren musikalischen Zusammenhängen. Diese liegen weit über einzelnen musikalischen „Einzelbuchstaben“ und oft auch über dem, was das Kurzzeitgedächtnis im Detail festhalten kann. Deshalb ist die klassische Notenschrift für Höranalyse im Regelfall nur begrenzt geeignet, weil sie zunächst vom Detail jeder einzelnen Note ausgeht.
Methoden und Darstellung
Ganzheitliche Höranalysemethoden wurden erstmals 1956 von Siegfried Borris beschrieben. Borris forderte eine Unterrichtsmethode, die sich grundlegend von der klassischen Gehörbildung unterscheidet, und nannte sie Hörerziehung.
Eine Höranalyse kann unterschiedlich dargestellt werden: als exakte Timeline, als frei formulierter Text oder grafisch, auch ohne Timeline. Ein Hörprotokoll kann grundsätzlich für alle auditiv wahrgenommenen akustischen Erscheinungen erstellt werden. In vielen Fällen ist eine Höranalyse einfacher, besonders wenn eine Komposition konventionelle Gestaltungsmerkmale oder bekannte formale Muster enthält.
Beispiel und offener Diskurs
Ein besonders anschauliches Beispiel stammt von Reiner Wehinger. Er analysierte György Ligetis Komposition „Artikulation“ von 1958 auditiv und stellte seine Analyse mit einer grafischen Notation dar. Dafür verwendete er eigens geschaffene Farben und Symbole. Der Komponist hatte dieses Werk nicht in visueller Form vorgelegt.
Wehingers Beispiel gilt als hochkomplex. Es zeigt, dass Höranalyse auch dort möglich ist, wo keine konventionellen Gestaltungsmerkmale oder bekannten formalen Muster vorhanden sind. Der Diskurs über Definition und Methoden der Höranalyse ist laut Artikel noch nicht abgeschlossen und wird inzwischen auch mit Konzepten verglichen, die außerhalb der deutschsprachigen Musiktheorie entwickelt wurden.