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Gute Arbeit
Es dient als Leitbild einer modernen, humanen Arbeitswelt und soll wieder den Blick auf die Qualität der Arbeitsbedingungen richten. Gute Arbeit ist auch ein …
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Bedeutung und Ziel
„Gute Arbeit“ ist das Fahnenwort einer vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ausgehenden Initiative einiger deutscher Gewerkschaften. Es ist ein Leitbild für eine moderne und humane Arbeitswelt. Im Mittelpunkt steht die Qualität der Arbeitsbedingungen, also nicht nur die Frage, ob Menschen Arbeit haben, sondern auch, unter welchen Bedingungen sie arbeiten.
Der Begriff bezeichnet außerdem den vom DGB definierten Index „Gute Arbeit“. Mit ihm wird die Entwicklung der Arbeitsqualität in Deutschland beobachtet. Daneben gibt es seit 1988 die Zeitschrift Gute Arbeit mit dem Untertitel „Gesundheitsschutz und Arbeitsgestaltung“, die im Bund-Verlag erscheint.
Leitbild und Gestaltung der Arbeit
Das Konzept knüpft an das Projekt „Humanisierung des Arbeitslebens“ aus den 1970er und 1980er Jahren an. Es orientiert sich außerdem am weiterentwickelten, an das Anspruchsniveau industrialisierter Länder angepassten Leitbild der Internationalen Arbeitsorganisation: „Decent Work“, auf Deutsch „anständige Arbeit“.
Als arbeitspolitisches Leitbild brachte die IG Metall „Gute Arbeit“ Anfang der 1990er Jahre erstmals in die tarifpolitische Diskussion über eine „Tarifreform 2000“ ein. In den 1990er Jahren konzentrierten sich Gewerkschaften wegen umfassender betrieblicher Reorganisationen zunächst auf Beschäftigungs- und Einkommenssicherung. 2002 wurde das Thema durch die IG-Metall-Tagung „Gute Arbeit – Menschengerechte Arbeitsgestaltung als gewerkschaftliche Zukunftsaufgabe“ wieder aufgegriffen. Im Oktober 2003 wurde das bisherige IG-Metall-Projekt zur Querschnittsaufgabe der gewerkschaftlichen Interessenvertretung. Erst 2006 wurde es beim DGB-Bundeskongress zu einem umfassenden Thema gewerkschaftlicher Arbeitspolitik; beschlossen wurden gemeinsame Anstrengungen für „humane und gute Arbeit“ sowie die Entwicklung des Index „Gute Arbeit“.
Das Leitbild beschreibt den gewerkschaftlichen und betriebsrätlichen Entwurf einer idealtypischen Arbeitsgestaltung im Interesse der Beschäftigten. Es beruht auf vier Säulen: Gute Arbeit ist gut bezahlt, sicher, menschengerecht und bietet Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Sicherheit umfasst Kündigungsschutz sowie die Rückdrängung von Leiharbeit, Befristungen und Werkverträgen. Menschengerechte Arbeit bedeutet unter anderem begrenzte Arbeitsbelastung, wirksamen Arbeitsschutz und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch ob Beschäftigte ihre Arbeit als sinnvoll empfinden, kann ein wichtiges Kriterium sein.
Betriebsräte gestalten Gute Arbeit im Betrieb, indem sie ihre Rechte aus dem Betriebsverfassungsgesetz möglichst weit nutzen. Wichtige Themen sind Arbeitszeitregelungen und zunehmend die strategische Personalplanung. Gewerkschaften ergänzen dies durch Tarifarbeit. Quantitative Forderungen verlangen ein Mehr oder Weniger, etwa mehr Lohn, mehr freie Tage oder weniger Arbeitszeit bei gleichem Lohn. Qualitative Tarifpolitik fordert ein Besser, zum Beispiel durch einen Arbeitszeittarifvertrag mit einer besseren Verteilung der Arbeitszeit oder durch den Ausschluss bestimmter Befristungsarten. Ziel ist eine nachhaltige und langfristige Gestaltung von Arbeit im Sinne der Beschäftigten. Das Leitbild ist ein Gegenentwurf zu neoliberalen Ansätzen, nach denen Unternehmer und Markt allein die Arbeitsbedingungen festlegen sollen.
Politische und gesellschaftliche Bedeutung
Seit Mai 2002 arbeiten Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Sozialversicherungsträger, Länder, Bund und Unternehmen in der „Initiative Neue Qualität der Arbeit“ (INQA) zusammen. Diese Initiative ging von der damaligen Bundesregierung aus. Sie soll die sozialen Interessen der Beschäftigten an gesunden und gesundheitsförderlichen Arbeitsbedingungen mit den wirtschaftlichen Interessen der Unternehmen verbinden.
Die Europäische Union nahm das Konzept Guter Arbeit in einer Entschließung des Europäischen Rates vom Mai 2007 in ihre „Gemeinschaftsstrategie zu Gesundheit und Sicherheit bei der Arbeit für den Zeitraum 2007 bis 2012“ auf. Im Oktober 2007 wurde Gute Arbeit auch in das neue SPD-Grundsatzprogramm aufgenommen. Kirchen und Sozialverbände diskutieren das Konzept zunehmend als Grundlage für eine menschengerechte Arbeitswelt.