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Gerrit Engelke
Gerrit Ernst Manilius Engelke (* 21. Oktober 1890 in Hannover; † 13. Oktober 1918 in Etaples bei Cambrai, Frankreich) war ein deutscher Schriftsteller und …
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Person und Bedeutung
Gerrit Ernst Manilius Engelke (* 21. Oktober 1890 in Hannover; † 13. Oktober 1918 in Étaples bei Cambrai, Frankreich) war ein deutscher Schriftsteller und Arbeiterdichter. Seine Dichtung gehört zur Arbeiterdichtung, nimmt aber innerhalb dieser Richtung eine Sonderstellung ein. Engelke verarbeitete besonders die Erfahrungen der Großstadt und der modernen Technik. Dabei entwickelte er neue sprachliche und formale Ausdrucksmöglichkeiten, statt sich vor allem an überlieferten künstlerischen Formen zu orientieren.
Familie und Werdegang
Engelkes Vater Louis Emil Engelke (1869–1931) war zunächst kaufmännischer Angestellter und später Inhaber eines Weißwarengeschäftes. Er wanderte 1904 nach Amerika aus; Mutter und Schwester folgten ihm 1910.
Nach der Volksschule absolvierte Gerrit Engelke eine Malerlehre und bestand die Gesellenprüfung. Ab 1909 arbeitete er in verschiedenen Unternehmen. Gleichzeitig besuchte er Abendkurse an der hannoverschen Kunstgewerbeschule, an der er zwei Preise erhielt. Das Museum August Kestner kaufte 1914 etwa 80 seiner Aquarelle und Zeichnungen an. Die Stadtbibliothek Hannover verwahrt 50 Zeichnungen und Aquarelle aus der Zeit ab 1907.
1913 begegnete Engelke dem Schriftsteller Richard Dehmel. Dieser verhalf ihm zu ersten Veröffentlichungen in Paul Zechs Zeitschrift Das neue Pathos und vermittelte den Kontakt zu den Werkleuten auf Haus Nyland. Die Werkleute nahmen Engelkes Textsammlung Dampforgel und Singstimme. Rhythmen in ihre Zeitschrift Quadriga auf. Engelke wurde Mitglied der Werkleute und veröffentlichte 1916 gemeinsam mit Heinrich Lersch und Karl Zielke den Kriegslyrikband Schulter an Schulter. Gedichte von drei Arbeitern.
1915 bot Heinrich Lersch ihm an, ihn für seine Kesselschmiede zu reklamieren, damit er nicht zum Kriegsdienst eingezogen würde. Engelke lehnte ab und wurde Soldat. Am 11. Oktober 1918 geriet er bei Cambrai als Soldat der deutschen Armee schwer verwundet in britische Kriegsgefangenschaft. Zwei Tage später starb er in einem britischen Lazarett. Er wurde auf dem Soldatenfriedhof von Étaples an der französischen Kanalküste beigesetzt.
Dichtung und Nachwirkung
Engelkes Werk ist stark von seiner Zeit geprägt. Seine lyrischen Zeugnisse zu Großstadt und Technik geben die Stimmung der modernen Welt in einer für ihn charakteristischen Weise wieder. Er suchte dafür neue Formen und eine neue sprachliche Gestaltung seiner erlebten Wirklichkeit. Zugleich zog er sich, wie auch die Arbeiterdichter Karl Bröger, Heinrich Lersch, Ernst Preczang und Bruno Schönlank, auf politisch unverbindliche Positionen zurück. Ob Engelke sich wegen seines frühen Todes später anders entwickelt hätte, lässt sich nicht entscheiden und bleibt Spekulation.
Gedichte aus der Sammlung Rhythmus des neuen Europa wurden von Julius Gatter aus Plauen für Sopran- und Tenorsolo, gemischten Chor und Orchester vertont; das Werk trägt die Opuszahl 50.
Werke, Ehrungen und Nachlass
Zu Engelkes wichtigen Veröffentlichungen gehören Schulter an Schulter – Gedichte von 3 Arbeitern (1916), gemeinsam mit Heinrich Lersch und Karl Zielke, sowie Rhythmus des neuen Europa – Gedichte (1921), das Jakob Kneip aus dem Nachlass herausgab. Weitere Ausgaben sind Gesang der Welt – Gedichte, Tagebuchblätter und Briefe (1927), Briefe der Liebe (1926), Vermächtnis (1937) und Das Gesamtwerk. Rhythmus des neuen Europa (1960; Reprint 1979). Engelkes Gedichte wurden außerdem in Anthologien zur expressionistischen Lyrik, zur Großstadtlyrik und zur deutschen Arbeiterdichtung 1910–1933 aufgenommen.
In Hannover erinnert die Gerrit-Engelke-Straße im Stadtteil List an ihn. Das Gebäude der Gerrit-Engelke-Schule am Welfenplatz wurde 1978 von der Realschule Werner-von-Siemens Hannover übernommen. Zwischen 1979 und 2005 verlieh die Stadt Hannover alle zwei Jahre den Gerrit-Engelke-Preis für Literatur. Weitere nach ihm benannte Straßen gibt es unter anderem in Bremen-Habenhausen, Dortmund, Gotha, Köln und Seelze.
Sein Nachlass befindet sich im Gerrit Engelke-Archiv der Stadtbibliothek Hannover und im Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt in Dortmund.