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Gendoping

Streng molekularbiologisch versteht man unter Gendoping das Einschleusen von DNA- oder RNA-Molekülen in den menschlichen Organismus. „Gendoping“ im Labor: Bei …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Abgrenzung
  2. 2. Zwei Formen des Gendopings
  3. 3. Gendoping durch Medikamente
  4. 4. Direkte Veränderung von DNA
  5. 5. Dopingfall und Nachweis

Begriff und Abgrenzung

Die Welt-Antidoping-Agentur definiert Gendoping als „den nicht-therapeutischen Gebrauch von Zellen, Genen, genetischen Elementen oder die Beeinflussung der Genexpression mit der Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit zu steigern.“ Genexpression bedeutet, dass die Information eines Gens genutzt wird, um beispielsweise einen Stoff im Körper herzustellen.

Streng molekularbiologisch bezeichnet Gendoping das Einschleusen von DNA- oder RNA-Molekülen in den menschlichen Organismus. Die weite WADA-Definition ist jedoch nicht eindeutig von klassischer Pharmakologie abzugrenzen: Auch bekannte Arzneistoffe wie anabole Steroidhormone können die Genexpression leistungssteigernd beeinflussen.

Ein Laborbeispiel zeigt die mögliche Wirkung von Genmanipulation: Bei einer transgenen Maus wurde das für Myostatin codierende Mstn-Gen abgeschaltet. Myostatin hemmt das Muskelwachstum. Die Muskelmasse dieser Maus war um den Faktor vier höher als beim Wildtyp.

Zwei Formen des Gendopings

Es werden zwei Formen unterschieden, die dieselbe Zielsetzung haben, aber unterschiedlich funktionieren. Gendoping im engeren Sinn missbraucht gentherapeutische Maßnahmen: Genetisches Material wie DNA oder RNA wird gezielt zugeführt. Gendoping im weiteren Sinn verändert die Genexpression durch Medikamente. Nach dieser weiten Auffassung gilt bereits die Regulierung der Genexpression als Gendoping, unabhängig vom Verfahren.

Gendoping durch Medikamente

Beim Gendoping im weiteren Sinn werden Substanzen eingenommen, die die Genexpression verändern. Die Wirkstoffe hemmen oder aktivieren die Transkription. Transkription ist der Vorgang, bei dem die Information eines Gens in RNA übertragen wird.

Diese Einordnung ist umstritten, weil auch ältere Dopingmittel wie Steroidhormone auf diese Weise wirken. Laut Artikel besteht hier ein wesentlich größeres Missbrauchspotenzial als beim Gendoping im engeren Sinn: Die Technologie sei weiter entwickelt, Risiken seien geringer, die Anwendung einfacher und die Wirkung nur temporär. Die Angaben dieses Abschnitts sind laut Artikel jedoch nicht hinreichend mit Belegen ausgestattet.

Direkte Veränderung von DNA

Gendoping im engeren Sinn ist die gezielte Manipulation der DNA von außen. Beim Gentransfer werden Genfähren, meist Retroviren, in Zellen eingebracht. Sie enthalten eine veränderte Version eines Gens. Diese soll ein vorhandenes Gen ersetzen oder ein zusätzliches Gen hinzufügen.

Die Methode wird vor allem dort beschrieben, wo Gendoping im weiteren Sinn nicht wirksam oder nicht praktikabel wäre. Das Ziel ist eine langfristige, normalerweise irreversible Veränderung des Genoms. Dadurch ist die Wirkung praktisch unbegrenzt; der Körper produziert den Wirkstoff selbst. Gerade deshalb kann ein unerwünschter Effekt nicht einfach durch Absetzen eines Wirkstoffs beendet werden.

Die Missbrauchsmöglichkeiten seien bisher noch nicht sehr groß. Schwierigkeiten bestehen beim Einbau und bei der Steuerung übertragener Gene, etwa beim Ein- und Ausschalten zu bestimmten Zeitpunkten oder bei der Dosierung der herzustellenden Wirkstoffmenge. Langfristige Auswirkungen einer DNA-Veränderung sind unbekannt und stellen ein großes Risiko dar.

Dopingfall und Nachweis

Im Zuge der durch die Operation Aderlass ausgelösten Ermittlungen warfen österreichische Behörden dem Skilangläufer Alexei Poltaranin vor, Repoxygen verwendet zu haben; sie klassifizierten dies als Gendoping.

Gendoping im weiteren Sinn lässt sich prinzipiell durch den Nachweis der zugeführten Fremdsubstanz belegen, welche die Transkription verändert; dies ist oft einfach realisierbar. Gendoping im engeren Sinn ist prinzipiell über den Nachweis von außen eingebrachter transgener DNA in konventionellen Blutproben über einen längeren Zeitraum belegbar.

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