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Fritz Jahr

ALTERNATIVNAMEN, Jahr, Paul Max Fritz ; KURZBESCHREIBUNG, deutscher Theologe, Pastor und Lehrer, Begründer der Bioethik ; GEBURTSDATUM, 18. Januar 1895.

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Grundidee
  2. 2. Weitere Themen und Schriften
  3. 3. Leben

Bedeutung und Grundidee

Paul Max Fritz Jahr (* 18. Januar 1895 in Halle (Saale); † 1. Oktober 1953 ebenda) war ein deutscher Theologe, Pastor und Lehrer. Er gilt als Begründer der Bioethik, also der ethischen Beschäftigung mit dem menschlichen Umgang mit Leben.

1926 begründete Jahr im Aufsatz „Wissenschaft vom Leben und Sittenlehre“ den Begriff und die Idee der Bioethik. Darunter verstand er, dass moralische Rücksicht nicht nur Menschen, sondern auch Tiere und Pflanzen einschließen soll. Sein bioethischer Imperativ lautet: „Achte jedes Lebewesen grundsätzlich als einen Selbstzweck, und behandle es nach Möglichkeit als solchen!“

Ein Selbstzweck ist dabei ein Lebewesen, das nicht nur als Mittel für menschliche Zwecke betrachtet werden soll. Nach May und Sass ersetzte Jahr Kants rationales kategorisches Gebot durch ein moralisch abwägendes Gebot, das auf der „Ehrfurcht vor dem Bios, der Welt allen Lebens“ beruht.

Weitere Themen und Schriften

Neben der Bioethik beschäftigte sich Jahr mit sexueller Aufklärung, technischem Fortschritt sowie dem Umgang mit und dem Verständnis von Kindern. Dazu zählen unter anderem „Wege zum sexuellen Ethos“ (1928) und „Kind und Technik“.

Zu seinen Schriften gehören:

  • „Wissenschaft vom Leben und Sittenlehre“ (1926)
  • „Bio-Ethik. Eine Umschau über die ethischen Beziehungen des Menschen zu Tier und Pflanze“ (1927)
  • „Der Tod und die Tiere. Eine Betrachtung zum 5. Gebot“ (1928)
  • „Wege zum sexuellen Ethos“ (1928)
  • „Gesinnungsdiktatur oder Gedankenfreiheit? Gedanken über eine liberale Gestaltung des Gesinnungsunterrichts“ (1930)
  • „Vom Leben nach dem Tode“ (1930)
  • „Der Sonntag – ein weltlicher Feiertag. Eine Betrachtung zu Artikel 10 des Verfassungsentwurfs“ (1947)

Leben

Jahr besuchte Schulen der Franckeschen Stiftungen und machte zu Ostern 1914 Abitur. Von 1914 an studierte er in Halle acht Semester, zunächst vor allem Philosophie, außerdem Musik, Geschichte und Volkswirtschaft. Von 1915 bis 1919 konzentrierte er sich auf Theologie; 1919 legte er das erste, 1921 das zweite Examen ab. Im Sommer 1915 war er freiwillig als Kanonier im Mansfelder Feldartillerie-Regiment Nr. 75 eingesetzt.

Ab 1917 arbeitete er als Lehrer, ab 1925 im Kirchendienst: zunächst als Vikar in Dieskau, danach in Braunsdorf und bis 1933 als Pastor in Kanena. Wegen längerer Krankheit wurde er am 1. März 1933 pensioniert und arbeitete anschließend nur noch sporadisch als Lehrer und im Kirchendienst.

1934 wurde Jahr Mitglied im Nationalsozialistischen Lehrerbund und veröffentlichte zwischen 1933 und 1945 zahlreiche Artikel, auch in der deutlich antisemitisch geprägten Monatsschrift des Bibelbundes „Nach dem Gesetz und Zeugnis“. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er wieder als Lehrer, unterschrieb im Oktober 1946 mit anderen Pastoren einen Aufruf zur Wahl der SED und war zuletzt Musikpädagoge. Er starb am 1. Oktober 1953 um 10.00 Uhr an einem Hirnschlag, vermutlich infolge von Bluthochdruck.

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