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Frida-Levy-Gesamtschule
Die Frida-Levy-Gesamtschule ist eine Gesamtschule mit zwei Standorten in Essen. Das einstige Humboldtgymnasium, die spätere Gesamtschule Essen-Mitte, …
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Profil der Schule
Die Frida-Levy-Gesamtschule ist eine Integrierte Gesamtschule mit zwei Standorten in Essen. Sie trägt die Schulnummer 189080, wurde 1986 gegründet und wird von der Stadt Essen getragen. Die Schule befindet sich an der Varnhorststr. 2 in Essen, Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Sie hat etwa 1200 Schülerinnen und Schüler und wird von Stefan Bergmann geleitet. Die geografischen Koordinaten sind 51° 27′ 31″ N, 7° 1′ 6″ O. Die Website lautet www.frida-levy-gesamtschule.de.
Die Schule ging aus dem früheren Humboldtgymnasium beziehungsweise der späteren Gesamtschule Essen-Mitte hervor. Im September 2001 erhielt sie ihren heutigen Namen. Damit erinnert sie an Frida Levy, eine jüdische Essener Frauenrechtlerin, die 1881 geboren und 1942 im Ghetto Riga ermordet wurde.
Bildungsangebote und Schwerpunkte
Ein zentrales Merkmal der Frida-Levy-Gesamtschule ist die individuelle Förderung. Am 7. April 2008 erhielt sie als erste Gesamtschule in Essen das „Gütesiegel Individuelle Förderung“ des Schulministeriums Nordrhein-Westfalen. Die Schule bietet Fördermöglichkeiten für lernstarke und lernschwache Jugendliche, bilinguales Englisch, musisch-künstlerische Bildung sowie individuelle Unterstützung bei der Berufsvorbereitung. Nach Einschätzung der Gütesiegel-Kommission setzte die Schule individuelle Förderung in allen vier Handlungsfeldern auf hohem Niveau systematisch um. Das Konzept war seit der Gründung handlungsleitend und wurde gemeinsam mit Kollegium, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern entwickelt.
Ab dem 5. Jahrgang gibt es eine Musikklasse. Je nach Begabung und Interesse lernen die Schülerinnen und Schüler dort ein Instrument.
Der bilinguale Englischzweig richtet sich besonders an sprachlich begabte Schülerinnen und Schüler. Er soll eine selbstständige Sprach- und Handlungskompetenz in interkulturellen Zusammenhängen fördern. In den Klassen 5 und 6 gibt es zwei zusätzliche Englischstunden. Ab Klasse 7 wird bilingual im Sachfach Biconomics (Bilingual Economics/Wirtschaft) gelernt, ab Klasse 9 im Fach Cultural Studies (Landeskunde). Am Ende der Jahrgangsstufe 10 legen die Schülerinnen und Schüler eine Abschlussprüfung bei der Berlitz School ab und erhalten ein Abschlusszertifikat. In der Sekundarstufe II kann zusätzlich ein externes Zertifikat der Londoner Industrie- und Handelskammer erworben werden. Beide Zertifikate werden als Zusatzqualifikationen für Bewerbungen beschrieben.
Das BerufsInformationsBüro (BIB) steht allen Schülerinnen und Schülern ab Klasse 8 offen. Es informiert und berät individuell bei der Suche nach einem passenden Ausbildungsberuf oder Studiengang. Außerdem organisiert und koordiniert es die Maßnahmen zur Berufswahlorientierung. Dazu gehören Betriebspraktika für alle Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 und der gymnasialen Oberstufe, Besuche im Berufsinformationszentrum und Kontakte zu Universitäten. Die Schule arbeitet dabei eng mit den Berufsberatern des Arbeitsamtes zusammen.
Im Rahmen der Wahlpflichtdifferenzierung werden neben den traditionellen Wahlpflichtfächern an Gesamtschulen auch Musik, Kunst und Darstellendes Spiel als eigenständige Hauptfächer angeboten. Der Unterricht ist handlungsorientiert: Praktisches Musizieren, Theaterspielen, Lernen mit allen Sinnen, die Schulung des Wahrnehmungsvermögens und die gestalterische Umsetzung eigener Gedanken und Ideen stehen im Mittelpunkt. In Zusammenarbeit mit dem Kulturagentenprogramm wurden künstlerisch-kulturelle Projekte umgesetzt.
Seit dem 22. Dezember 2010 gehört die Schule zum bundesweiten Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Die Mitgliedschaft ist eine Selbstverpflichtung zu einer gewaltfreien Schulkultur und zu regelmäßigen Projekten und Aktionen gegen alle Formen von Diskriminierung. Die Schülerinnen und Schüler verpflichten sich, aktiv gegen Rassismus einzutreten und ein demokratisches Miteinander zu fördern. Schulpate ist der Essener Kabarettist Herbert Knebel, alias Uwe Lyko. Die Mitgliedschaft ging auf eine Initiative der Schülervertretung FRIDA-SV zurück.
Gebäude und geplanter Neubau
Die Schulgebäude stammen aus den 1950er Jahren. Ihre Bausubstanz gilt als stark sanierungsbedürftig und erfüllt die Anforderungen an ein leistungsfähiges Schulgebäude nur noch eingeschränkt.
Auf Grundlage einer Machbarkeitsstudie strebt die Stadt Essen einen Neubau am bisherigen Hauptstandort an der Varnhorststraße und auf dem benachbarten Grundstück an der Hollestraße an. Dieses Grundstück war das Areal der 2014 abgerissenen alten Volkshochschule.
Der Rat der Stadt Essen beschloss am 25. März 2020 die Ausschreibung und Durchführung eines Architekturwettbewerbs. Gegenstand war der Neubau einer sechszügigen Gesamtschule mit einer Dreifach-Sporthalle und zwei Einfach-Sporthallen. Der europaweite Wettbewerb umfasste 13 Beiträge und wurde in der Preisgerichtssitzung vom 13. Januar 2023 abgeschlossen. Einstimmig wurde der Entwurf des Generalplaners Bez+Kock Architekten Generalplaner GmbH aus Stuttgart ausgewählt. Laut Artikel sollte 2025 mit ersten Erdarbeiten begonnen werden. Danach waren der Teilabbruch eines alten Schultraktes und der Sporthalle sowie die Errichtung eines Übergangsgebäudes auf dem bisherigen Schulgelände vorgesehen. Das Übergangsgebäude soll den Unterricht während der Bauphase ermöglichen.
Historische Entwicklung
Die Vorgeschichte der Schule reicht zur Humboldtschule zurück, einem städtischen Gymnasium, das bis 1972 „für Jungen“ war. Es war nach dem Naturforscher Alexander von Humboldt (1769–1859) und seinem Bruder, dem Bildungsreformer Wilhelm von Humboldt (1767–1835), benannt. Die Humboldtschule bestand genau 130 Jahre, von 1864 bis 1994.
Die „Städtische Oberrealschule“ befand sich bis 1943 an der nördlichen Seite der Steeler Straße neben der alten Synagoge, gegenüber dem alten und heutigen Hauptbad. Das heutige Schulgebäude wurde von 1953 bis 1955 gemeinsam von Rolf Allerkamp und Wilhelm Eggeling errichtet. Wegen besonderer architektonischer und gestalterischer Merkmale, vor allem des Treppenhauses, der Pausenhalle und der Aula, gilt es als einer der interessantesten Essener Schulbauten der Nachkriegszeit.
Eine Besonderheit des Treppenhauses war ein geplantes 18 Meter langes Foucaultsches Pendel. Es sollte auf Versuchen des französischen Physikers Léon Foucault beruhen und die Umdrehung der Erde sichtbar machen. Die Schule wäre damit laut zeitgenössischer Beschreibung weithin die einzige mit einem solchen Pendel gewesen.
Die Umwandlung des Gymnasiums in die Gesamtschule Essen-Mitte begann 1986 und war 1994 abgeschlossen. 1995 legte der erste Jahrgang der Gesamtschule das Abitur ab. Im April 2000 begann eine von Lehrkräften, Eltern und Schülerinnen und Schülern getragene Initiative für eine neue Namensgebung. Im September 2001 wurde die Schule nach Frida Levy benannt. Am 27. Juni 2005 wurde zu ihrer Erinnerung als Opfer des Holocaust ein Stolperstein verlegt. Am 8. und 9. September 2006 feierte die Schule ihr 20-jähriges Bestehen.
Bekannte ehemalige Schüler
Das frühere Humboldt-Gymnasium besuchten unter anderem Oliver Bierhoff (* 1968), Manager der deutschen Fußballnationalmannschaft, der Industrielle Carl Funke (1855–1912), die Schauspieler Lars Gärtner (* 1974), Diether Krebs (1947–2000), Uli Krohm (* 1948), Martin Lindow (* 1965) und Heinz Rühmann (1902–1994), der Bankmanager Alfred Herrhausen (1930–1989), der Bürgermeister Carl Meyer (1857–1925), der Politiker Georg Nauheim (1871–1930) sowie der Essener Oberbürgermeister Hans Toussaint (1902–1977).