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Fokaler Punkt
Ein fokaler Punkt (auch Schellingpunkt oder fokales Gleichgewicht) stellt in der Spieltheorie eine Lösung dar, die alle Spieler, wenn sie nicht miteinander …
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Grundidee des fokalen Punkts
Ein fokaler Punkt, auch Schellingpunkt oder fokales Gleichgewicht, ist in der Spieltheorie eine Lösung, die mehrere Spieler ohne gegenseitige Kommunikation unabhängig voneinander wählen. Sie wählen sie, weil sie ihnen im Vergleich zu anderen Möglichkeiten „natürlich“ oder besonders herausragend erscheint. Das Konzept wurde 1960 von Thomas Schelling in seinem Buch The Strategy of Conflict eingeführt.
Wichtig ist der Begriff bei Koordinationsproblemen: Die Spieler gewinnen nur, wenn sie sich gleichzeitig für dasselbe Ergebnis entscheiden. Ein fokaler Punkt erleichtert diese Abstimmung, obwohl keine Absprache möglich ist. Er muss nicht objektiv besser als alle Alternativen sein; entscheidend ist, dass alle erwarten können, dass die anderen ihn ebenfalls auswählen.
Beispiel eines Treffpunkts
Zwei Geschäftsleute wollen sich um 12 Uhr in Paris treffen, doch ihr Telefonat wird unterbrochen, bevor sie einen Ort festlegen können. Nun muss jeder einen Treffpunkt wählen, an dem er den anderen erwartet. Der Eiffelturm kann zum fokalen Punkt werden, weil er unter vielen möglichen Orten besonders hervorsticht – nicht, weil er zwangsläufig der beste Treffpunkt ist.
Welche Lösung gewählt wird, hängt vom Wissen der Beteiligten ab. Wer Paris besser kennt, könnte auch den Louvre oder den Arc de Triomphe für ebenso wahrscheinliche Treffpunkte halten. Dadurch wird es schwieriger, denselben Ort vorherzusagen.
Rolle im Gleichgewichtsspiel
Ein fokaler Punkt ist eine Koordinationsstrategie in simultanen strategischen Spielen, die mehrere Gleichgewichtssituationen besitzen. Ein Nash-Gleichgewicht ist dabei eine stabile Lösung: Wenn es einmal gewählt wurde, hat kein einzelner Spieler einen Anreiz, allein davon abzuweichen.
Bei fehlender Kommunikation besteht jedoch die Aufgabe darin, vorherzusagen, welches Gleichgewicht die anderen Spieler erwarten. Das fokale Gleichgewicht hebt sich durch eine auffällige Eigenschaft von den übrigen Gleichgewichten ab. Deshalb wird seine Wahl wahrscheinlicher und von allen Spielern bevorzugt. Oft hat daher nicht das insgesamt beste Gleichgewicht, sondern das besonders herausstechende Gleichgewicht die besten Erfolgschancen. Hat sich ein fokales Gleichgewicht etabliert, ist die zu ihm führende Strategie für keinen Spieler durch eine bessere Strategie zu ersetzen.
Kontext, Konventionen und typische Fälle
Die Auswahl eines fokalen Gleichgewichts richtet sich weniger nach reiner Logik als nach Konventionen und Kontext. Kontext meint persönliche Hintergründe, Erfahrungen und Vorstellungskraft der Spieler; Konventionen sind gesellschaftliche und kulturelle Normen. Ähnliche Kontexte erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines gemeinsamen fokalen Punkts, unterschiedliche Hintergründe verringern sie. Bei wenigen möglichen Gleichgewichten blendet die Spieltheorie kulturelle Einflüsse oft aus.
Typische Fälle sind:
- Bestes Ergebnis: Gibt es drei Nash-Gleichgewichte mit € 30, € 20 und € 10 für jeden Spieler, wählen alle die Strategien für € 30. Ein für alle gleichzeitig bestes Ergebnis ist automatisch ein fokaler Punkt.
- Sicheres Ergebnis: Bei Auszahlungen von € 10, € 20 und € 20 sind die beiden 20-€-Gleichgewichte zwar besser, aber nicht eindeutig. Um das Risiko unterschiedlicher Wahl zu vermeiden, können beide das einzige 10-€-Gleichgewicht wählen. Das einzigartige sichere Ergebnis wird zum fokalen Punkt.
- Faires Ergebnis: Zwei Spieler teilen 10 € durch ganzzahlige eigene Anteile. Es gibt elf Nash-Gleichgewichte: 0-10, 1-9, 2-8, 3-7, 4-6, 5-5, 6-4, 7-3, 8-2, 9-1 und 10-0. Im gleichen Kontext ist 5-5 als 50:50-Aufteilung wahrscheinlich. Sie ist zusätzlich Pareto-effizient, also kann kein Spieler besser gestellt werden, ohne den anderen schlechter zu stellen. Je nach Kulturraum können zwischen Frau und Mann aber auch 40:60 oder 20:80 als fair und damit fokal gelten.
- Ungewöhnliches Ergebnis: Aus 8, 12, 11, 16, 14, 15 wählen viele Spieler 8, weil sie die erste und einzige einstellige Zahl ist. Unter ausschließlich Mathematikern könnte dagegen 11 auffallen, weil sie die einzige Primzahl ist. Das zeigt erneut, dass der gemeinsame Deutungsrahmen die Wahl bestimmt.