Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Fleischmann (Unternehmen)

Die Gebr. Fleischmann GmbH und Co. KG war ein Spielzeug- und Modellbahnhersteller mit Sitz ursprünglich in Nürnberg und später in Heilsbronn im Landkreis …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Unternehmen und Bedeutung
  2. 2. Entwicklung der Modellbahnen
  3. 3. Produktlinien und Marktstrategie
  4. 4. Digitale Zugsteuerung
  5. 5. Weitere Produkte, Medien und Ausstellungen
  6. 6. Übernahme und Ende des Restbetriebs

Unternehmen und Bedeutung

Die Gebr. Fleischmann GmbH und Co. KG war ein deutscher Hersteller von Spielzeug und Modelleisenbahnen. Das Unternehmen wurde 1887 gegründet, hatte zunächst seinen Sitz in Nürnberg und später in Heilsbronn im Landkreis Ansbach. Die Rechtsform war eine GmbH und Co. KG, die Branche die Spielwarenindustrie.

Zuletzt stellte Fleischmann fast ausschließlich Modelleisenbahnen her. Im Jahr 2014 war das Unternehmen in Europa nach Märklin, Hornby und Roco der viertgrößte Anbieter. Es erzielte 15 Millionen Euro Jahresumsatz und hatte etwa 10 % Marktanteil; rund 20 % der Produktion gingen in den Export. 2015 beschäftigte das Unternehmen 33 Mitarbeiter. Seit 2008 gehört Fleischmann zur deutsch-österreichischen Modelleisenbahn GmbH beziehungsweise zur Modelleisenbahn Holding, unter deren Dach auch Roco geführt wird. Seit 2019 ist Fleischmann nur noch als Marke für Modelleisenbahnen der Spur N aktiv.

Entwicklung der Modellbahnen

Jean Fleischmann gründete das Unternehmen 1887. Anfangs entstanden vor allem Blechspielzeuge, darunter Schiffe, Flugzeuge und magnetische Schwimmtiere. 1938 übernahm Fleischmann im Zuge der Arisierung Doll & Co. in Nürnberg von seinem jüdischen Eigentümer zu einem Bruchteil des Verkehrswerts. Dadurch kamen Modelleisenbahnen der Spur 0 und Modelldampfmaschinen als neue Schwerpunkte hinzu. Eigene originalgetreue Eisenbahnmodelle wurden bereits im Winter 1938/1939 entwickelt. Die Dampfmaschinen und Antriebsmodelle von Doll wurden nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst unter dem Namen Doll, später unter dem Namen Fleischmann weiterproduziert. 1969 endete diese Produktion.

1949 stellte Fleischmann als erstes Unternehmen eine Spur-0-Bahn im Zweischienen-Zweileiter-Gleissystem vor. Die Produktion der Spur 0 wurde jedoch 1959 wegen des Erfolgs der seit 1952 angebotenen Spur H0 eingestellt.

Die H0-Produktion begann 1952. Anfangs verwendete Fleischmann den Maßstab 1:82. Das 1952 eingeführte Gleissortiment der Serie 1600 besaß Stahlblech-Hohlprofilschienen auf Pappschwellen. 1957 folgte das Modellgleis der Serie 1700 mit Messing-Vollprofilschienen auf Kunststoffschwellen. Ab 1965 wurden Neukonstruktionen im Übergangsmaßstab 1:85 gefertigt; ein frühes Beispiel war die DB-Baureihe E 10.3 mit der sogenannten Bügelfalte. Ab 1971 wurde für Neukonstruktionen der bei H0 übliche Maßstab 1:87 verwendet.

1967 führte Fleischmann die H0-Edelweiss-Zahnradbahn ein. Zahnstange und passende Triebfahrzeuge sind heute unter dem Markennamen Roco erhältlich. Ebenfalls 1967 ersetzte das Gleissortiment der Serie 1900 die Serie 1600. Es bestand aus Stahlblech-Hohlprofilschienen auf Kunststoffschwellen und war mit dem Modellgleis der Serie 1700 kompatibel. Die Serie 1900 wurde 1974 eingestellt.

Für die Spur N mit einer Spurweite von 9 mm und dem Maßstab 1:160 bot Fleischmann ab 1969 unter dem Namen Fleischmann Piccolo ein vollständiges Sortiment an. Damit folgte das Unternehmen auf Arnold, das diese Baugröße zuvor unter Arnold Rapido eingeführt hatte.

Produktlinien und Marktstrategie

Fleischmann bot vollständige Sortimente mit Lokomotiven, Wagen, Gleisen und Zubehör wie Drehscheiben oder Lokschuppen an. Zu den wichtigsten Produktlinien gehörten:

  • Magic Train in 0e, Maßstab 1:45: eine robuste Spielbahn, die auf H0-Gleisen fuhr und von 1992 bis 2008 produziert wurde.
  • H0 im Maßstab 1:87, überwiegend für das Zweileiter-Gleichstrom-System. Dieses Sortiment wurde 2019 vollständig beendet; H0-Modelle werden seitdem unter der Marke Roco vertrieben.
  • Piccolo in Spur N, Maßstab 1:160. Dieses Sortiment wird weiterhin unter dem Fleischmann-Label produziert und vertrieben.

Ein Versuch, in den TT-Markt einzusteigen, blieb auf eine Drehscheibe beschränkt. Nur ein kleiner Teil der H0-Lokomotiven war für Märklins Zweischienen-Mittelleiter-Gleissystem mit Wechselspannung erhältlich. Ab 1969 fertigte Fleischmann außerdem Fahrzeuge für dieses System; sie besaßen eine mit Märklin-Fahrzeugen kompatible Bügelkupplung.

Kennzeichnend war die lange Verfügbarkeit vieler Produkte. Das H0-Modellgleis mit 2,7 Millimetern Profilhöhe wurde von 1957 bis 2008, also mehr als 50 Jahre, hergestellt, obwohl es technisch bereits überholt war. Bis zum Ende des H0-Sortiments waren einzelne Lokomotiven und Wagen noch im Maßstab 1:85 erhältlich, etwa die Baureihe 50. Die UIC-X-Reisezugwagen mit einer Vorbildlänge von 26,4 Metern wurden seit Beginn der 1990er Jahre im Längenmaßstab 1:93,5 angeboten und waren im Regelfall 282 mm lang.

Bis 2010 war das Sortiment stark auf deutsche Vorbilder und die Deutsche Bundesbahn ausgerichtet. Ausländische Bahngesellschaften waren in Deutschland weniger umfangreich vertreten, für einzelne Länder gab es jedoch spezielle Serien. Modelle privater Bahngesellschaften erschienen grundsätzlich nur als Einmalserien, während bestimmte Bundesbahn-Einzelstücke langfristig erhältlich waren. Im Januar 2010 kündigte die Modelleisenbahn Holding an, H0 auf historische Modelle bis etwa 1950 zu konzentrieren und das N-Vollsortiment fortzuführen. 2018 wurde die vollständige Aufgabe der Marke Fleischmann in H0 ab 2019 angekündigt. Überschneidende H0-Sortimente von Fleischmann und Roco sollten geprüft und das jeweils bessere Modell unter Roco verkauft werden.

Digitale Zugsteuerung

1986 präsentierte Fleischmann die digitale Mehrzugsteuerung Fleischmann-FMZ. Wie die meisten damaligen Digitalsysteme war FMZ zunächst nicht mit anderen Digitalsystemen kompatibel. Eine besondere Eigenschaft war der gleichzeitige Betrieb digitaler FMZ-Lokomotiven und analoger Lokomotiven.

Da sich FMZ langfristig nicht am Markt durchsetzen konnte, ergänzte Fleischmann das System durch Twin-Decoder und Twin-Center. Beide unterstützten sowohl das FMZ- als auch das DCC-Protokoll. Dadurch konnten ältere FMZ-Fahrzeuge zusammen mit DCC-Fahrzeugen anderer Hersteller über ein Twin-Center auf derselben Anlage gesteuert werden. Fahrzeuge mit Twin-Decoder konnten auch auf reinen DCC-Anlagen eingesetzt werden. Später bot Fleischmann zunehmend nur noch DCC-Produkte an, die nicht mehr FMZ-kompatibel waren.

Weitere Produkte, Medien und Ausstellungen

Von 1961 bis 2008 erschien der Fleischmann-Kurier vierteljährlich. Das Magazin vermittelte Tipps und Informationen zum Vorbild und zu seiner Umsetzung im Modell und berücksichtigte dabei besonders Fleischmann-Produkte.

1967 nahm das Unternehmen das Autorennbahn-System Auto Rallye ins Sortiment auf, das später Rallye Monte Carlo hieß. Bis 1969 wurden Modelle in den Maßstäben 1:24 und 1:32 gebaut, ab 1970 nur noch in 1:32. Das Schienensystem entsprach dem internationalen Zweileiter-Standard, war breiter als das von Carrera, bot aber weniger Radien und Sonderfahrbahnen. Es hatte haltbare Schienenverbindungen, ein kontaktstarkes Schleifersystem und eine hohe Modellqualität. Gegen die preiswertere Konkurrenz von Carrera konnte sich das System dennoch nicht durchsetzen und wurde 1989 vom Markt genommen.

Im Schwabacher Stadtmuseum befindet sich auf 800 m² die weltweit größte Fleischmann-Ausstellung. Das Verkehrsmuseum Nürnberg besitzt eine 80 m² große Demonstrationsanlage, die stündlich zehn Minuten betrieben wird. Sie wurde zwischen 1960 und 1970 erbaut und mit 5000 Relais gesteuert. Im Niederrheinischen Freilichtmuseum in Grefrath gibt es ebenfalls eine große Anlage; sie wird täglich um 11:30, 14:30 und 15:30 Uhr in Betrieb genommen. Zum 125. Firmenjubiläum gelang Fleischmann im Oktober 2012 außerdem der Bau des längsten H0-Modellbahngleises der Welt, der in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen wurde.

Übernahme und Ende des Restbetriebs

Anfang 2008 übernahm die deutsch-österreichische Modelleisenbahn Holding, Eigentümerin des Mitbewerbers Roco, Fleischmann. Gleichzeitig wurde der Firmensitz von Nürnberg nach Heilsbronn verlegt. Eine anschließende Restrukturierung verringerte die Beschäftigtenzahl von 340 im Jahr 2007 auf 180 im Jahr 2010; ein weiterer Abbau auf 130 Stellen wurde angekündigt. Das Nürnberger Firmengelände wurde verkauft, die Fabrikgebäude zu Wohnraum umgebaut und auf freien Flächen neue Wohnhäuser errichtet.

Von 2009 bis 2014 sank der Jahresumsatz innerhalb von fünf Jahren von 18,2 Millionen Euro um rund 20 % auf 15 Millionen Euro. Anfang August 2015 wurde ein Insolvenzantrag beim Amtsgericht Ansbach bekannt. Die verbliebenen 33 Beschäftigten führten den Betrieb in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung mit dem Sanierungsgeschäftsführer Maximilian Breitling fort. Am 16. Dezember 2015 wurde mitgeteilt, dass Fleischmann gerettet worden war. Das Insolvenzverfahren endete im Januar 2016 mit einer Gläubigerquote von 16 %.

2019 wurde der Restbetrieb in Heilsbronn eingestellt. Fleischmann blieb als Marke der Modelleisenbahn Holding für Modelleisenbahnen der Spur N bestehen.

Weiterlesen