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Emil Kowalski
Emil Kowalski (* 23. November 1937 in Hradec Králové, Tschechoslowakei; heimatberechtigt in Cham ZG) ist ein Schweizer Physiker und Autor.
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Person und wissenschaftliche Ausbildung
Emil Kowalski (* 23. November 1937 in Hradec Králové, Tschechoslowakei; heimatberechtigt in Cham ZG) ist ein Schweizer Physiker und Autor. Seine Arbeit verbindet Kernphysik, industrielle Steuerungs- und Regelungstechnik, Technologiefolgen-Abschätzung sowie gesellschafts- und demokratiepolitische Fragen.
Kowalski wuchs in Bratislava auf und legte 1955 in Nitra das Abitur ab. Er begann sein Physikstudium an der Komenius-Universität in Bratislava und wechselte 1957 an die Fakultät für Kernphysik der Technischen Hochschule Dresden. 1960 emigrierte er in die Schweiz. Dort arbeitete er zwei Jahre als Entwicklungsingenieur in der kernphysikalischen Abteilung von Landis & Gyr in Zug.
Von 1962 bis 1967 war er Assistent am Institut für Angewandte Physik der Universität Bern. 1965 promovierte er zum Doktor der Philosophie (Dr. phil. II). Aus seinen Vorlesungen über Elektronik in der Kernphysik entstand die Monografie Nuclear Electronics. Sie behandelt elektronische Schaltungen und Instrumente zur Messung ionisierender Strahlung und wurde von der Universität Bern als Habilitationsschrift anerkannt.
Industrie und Managementkritik
1967 kehrte Kowalski zu Landis & Gyr zurück. Er leitete dort den Produktbereich Industrielle Prozesssteuerung und erweiterte ihn in Richtung großer rechnergeführter Anlagen. Von 1977 bis 1982 war er Direktor des Geschäftsbereichs Steuer- und Regelungstechnik bei CMC Carl Maier & Cie AG, zuletzt auch Mitglied der Geschäftsleitung.
Seine Erfahrungen in der Industrie verarbeitete er in Management durch Fehlentscheidungen. Darin untersucht er verbreitete Managementtheorien in kritisch-sarkastischer Form. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung verglich seine Bedeutung für die Wirtschaft mit derjenigen Cyril Northcote Parkinsons für die öffentliche Verwaltung.
In Die Magie der Drucktaste beschreibt Kowalski die problematische Beziehung vieler Menschen zur technischen Zivilisation. Seine zentrale Beobachtung lautet, dass das Verständnis technischer Vorgänge häufig nur bis zur Bedienung einer Drucktaste und zur dadurch ausgelösten Anwendung reicht. Vierzig Jahre später nahm er das Thema in Dummheit, eine Erfolgsgeschichte erneut auf und verband es mit politischen Folgen für die westliche industrielle Zivilisation. Der Titel beruht auf seiner Auffassung, westliche Staaten hätten einen geeigneten Umgang mit kollektiver Ignoranz gefunden. Das Buch erschien auch in einer zweiten, aktualisierten und erweiterten Auflage.
Technikfolgen und radioaktive Abfälle
Kowalski beschäftigte sich mit der Bewertung neuer Technologien. Seine Veröffentlichung Möglichkeit und Grenzen des Technology Assessments entstand im Rahmen des Zentrums für Technologiefolgen-Abschätzung, das heute TA-Swiss heißt. Seit der Gründung gehörte er dem Lenkungsausschuss dieses Gremiums an. Eine überarbeitete und ergänzte Darstellung erschien später als Technology Assessment (TA).
Technology Assessment, kurz TA, soll verfügbare Technologien sowie deren voraussichtliche Chancen und Risiken für Nicht-Fachkundige verständlich erklären. Dadurch soll es die öffentliche Meinungsbildung unterstützen und zu rationalen politischen Entscheidungen beitragen. Kowalskis Buch gibt einen Überblick über die Entstehung von TA in verschiedenen Ländern und behandelt besonders entsprechende Vorhaben in der Schweiz.
Ab 1982 arbeitete Kowalski zwanzig Jahre lang für die schweizerische Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (NAGRA): zunächst als Berater, ab 1984 als Mitglied der Geschäftsleitung. Sein Arbeitsgebiet war die dauerhafte Entsorgung schwach- und mittelradioaktiver Abfälle. Als Leiter des Endlager-Projekts Wellenberg im Kanton Nidwalden war er für einen vorgesehenen Standort verantwortlich. Trotz umfassender Abklärungen und des grundsätzlichen Einverständnisses der zuständigen Bundesbehörden und des Kantons wurde die Standortwahl in kantonalen Volksentscheiden 1996 und erneut 2002 abgelehnt.
Demokratie und spätere Tätigkeit
Neben seiner Berufstätigkeit untersuchte Kowalski gesellschaftliche und politische Probleme, die mit modernen Technologien verbunden sind. Nach seiner Auffassung ist Demokratie nicht selbstverständlich, sondern kann leicht gefährdet werden. In Liberté, Egalité, Fragilité: Über die Zerbrechlichkeit der Demokratie behandelt er die Verletzlichkeit der liberalen Demokratie. Er verweist auf geschichtliche Beispiele, in denen Stimmbürger ihre Wahlfreiheit dazu einsetzten, eine Demokratie abzuschaffen.
In einem demokratischen Rechtsstaat sind alle Bürger vor dem Gesetz gleich. Kowalski sieht jedoch wachsende Ungleichheiten beim Kenntnisstand in einer immer komplexeren Welt und beim wirtschaftlichen Stand in einer Meritokratie, also einer Ordnung, in der gesellschaftliche Positionen nach Leistung vergeben werden. Als wichtigen Vorteil der liberalen Demokratie betrachtet er die Möglichkeit, Unvollkommenheiten und Fehlentwicklungen zu korrigieren. Dies beschreibt er als einen Regelkreis, bei dem Rückmeldungen Korrekturen ermöglichen.
Nach dem Ende seiner beruflichen Laufbahn im Jahr 2002 arbeitete Kowalski für Bracher und Partner AG unter der Leitung von Ivo Bracher. Dort befasste er sich mit der Gestaltung generationenübergreifender Wohnformen und von Altersheimen. Zugleich setzte er seine publizistische Arbeit fort.
Weitere Themen und Publikationen
Kowalskis weitere Veröffentlichungen behandeln Kernenergie, Nachrichtentechnik, radioaktive Abfälle, gesellschaftlichen Wandel und liberale Demokratie. 1978 erschien 33x Kernenergie: 33 Fragen – Antworten, eine deutsch-französische Veröffentlichung, in der Schweizer Experten Fragen aus der Öffentlichkeit beantworten.
In den 1980er-Jahren schrieb Kowalski zahlreiche Zeitschriftenbeiträge, besonders für die Beilage Technologie und Gesellschaft der Neuen Zürcher Zeitung. Sein Beitrag Nachrichtentechnische Entwicklungen als Ursache gesellschaftlicher Veränderungen in Vergangenheit und Gegenwart erschien 1983 in einem Band zum Nachrichtentechnischen Kolloquium der Universität Bern 1982/83. 1990 veröffentlichte er Die Zeitdimension der Endlagerung radioaktiver Abfälle im Sammelband Warnungen an die ferne Zukunft.
Von 1991 bis 2005 verfasste er Beiträge zu einer breiten Themenpalette für die Wochenberichte der Bank Julius Bär. 2023 erschien Pathologie des Wohlstands – Bewährungsprobe der liberalen Demokratie im Verlag W. Kohlhammer. Das Buch umfasst 179 Seiten und führt seine Beschäftigung mit den Herausforderungen der liberalen Demokratie fort.