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Eldrid Lunden
Eldrid Lunden (* 5. Oktober 1940 in Naustdal) ist eine norwegische Lyrikerin und Professorin für Kreatives Schreiben an der Hochschule Telemark.
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Bedeutung und literarisches Profil
Eldrid Lunden (* 5. Oktober 1940 in Naustdal) ist eine norwegische Lyrikerin und Professorin für Kreatives Schreiben an der Hochschule Telemark. Sie schreibt auf Nynorsk, einer der beiden offiziellen norwegischen Schriftsprachen. Ihre Gedichte wurden in viele Sprachen übersetzt.
Lundens Lyrik ist häufig sehr kurz, stark verdichtet und beinahe aphoristisch. „Aphoristisch“ bedeutet hier, dass wenige Zeilen einen Gedanken knapp und prägnant ausdrücken. Neben Gedichten verfasste sie auch Essays. In „Til stades“ (2000), einer Art Reisejournal, verbindet sie Gedichte mit lyrischer Prosa.
Ausbildung, Lehre und literarisches Umfeld
Lunden begann 1961 ihr Studium in Oslo und arbeitete gleichzeitig als Assistentin beim Norwegischen Meteorologischen Institut. 1973 wurde sie Dozentin an der Hochschule Oslo, 1976 Assistenzprofessorin an der Hochschule Volda. Seit 1996 ist sie an der Hochschule Telemark die erste und zugleich einzige norwegische Professorin für Kreatives Schreiben.
In den 1960er Jahren wirkte sie an der studentischen Literaturzeitschrift „Profil“ mit und war zeitweise deren einziges weibliches Redaktionsmitglied. Die Zeitschrift entwickelte modernistische Formen weiter und wollte einen auch politisch motivierten Paradigmenwechsel, also eine grundlegende Veränderung, in der norwegischen Kultur herbeiführen. Ab 1970 entfernte sich Lunden allmählich von den politischen Aktivitäten der Gruppe und verfolgte ihren eigenen literarischen Weg.
Zentrale Werke und Themen
1968 veröffentlichte Lunden mit „F.eks. juli“ („z. B. Juli“) ihren ersten Gedichtband. Besonders wichtig ist die von 1975 bis 1977 erschienene Trilogie „Inneringa“ („Eingekreist“), „Hard, mjuk“ („Hart, weich“) und „Mammy, blue“. Darin behandelt sie Fragen der Frauenbewegung und der Selbstbestimmung.
„Mammy, blue“ ist als Blues über die Situation der Frau angelegt und nimmt auf den Titel eines 1971 veröffentlichten Liedes von Roger Whittaker Bezug. Die Figur „Mammy“ steht dabei für eine schwarze Sklavenfrau des 19. Jahrhunderts, die in eine Mutterrolle gedrängt wird, obwohl sie selbst keine Mutter ist. Der Gedichtzyklus schildert einen Weg zunehmender Identitätsbildung.
Weitere norwegische Veröffentlichungen sind unter anderem „Gjenkjennelsen“ und „Essays“ (beide 1982), „Det omvendt avhengige“ (1989), „Noen må ha vore her før“ (1990), „Slik Sett“ (1996), „Til stades“ (2000), „Kvifor måtte Nora gå?“ (2004), „Flokken og skuggen“ (2005) sowie „Modernisme eller litterær populisme? Eit essay om Arne Garborg og Knut Hamsun“ (2008). Sammel- und Auswahlausgaben erschienen als „Dikt i utval“ (1987), „Dikt i samling 1968–1990“ (1994) und „Samla dikt, 1968–2000“ (2001).
Ein charakteristisches Zitat lautet: „Wohin sollen wir gehen an dem Tag, wenn wir sehen / daß es ein Dort / nicht gibt? Wenn alle Türen gleich sind / offen wie vorher verschlossen, wenn nichts / als ein offener rauschender Raum übrig ist / von all deiner Sehnsucht?“
Deutschsprachige Ausgaben
Gedichte Lundens erschienen 1991 unter dem Titel „Du mußt dich jetzt entscheiden, Wiedererkennen u. a.“ in der Zeitschrift „die horen“, Nr. 163. Der Band „Gjenkjennelsen / Wiedererkennen“, aus dem Norwegischen übersetzt von Hannah Möckel-Riehe, wurde 1992 in Oslo und Münster veröffentlicht. Im Jahr 2000 erschien außerdem „Gjennomblikk / Durchblicke“ zu Texten von Eldrid Lunden, herausgegeben von Gerlinde Creutzburg und Inga Rensch; die Übersetzungen stammen von Verena Krusché und Mareike Holfeld.
Auszeichnungen
Lunden erhielt zahlreiche Literaturpreise und Ehrungen. Dazu zählen der Nynorsk litteraturpris (1982), Sokneprest Alfred Andersson-Ryssts fond (1984), der Doblougpreis (1989), der Aschehougprisen (1992), der Melsom-prisen (1997), der Brageprisen und der Amalie Skram-prisen (beide 2000), Mads Wiel Nygaards legat (2005), der Halldis Moren Vesaas-prisen (2007) sowie der Nordische Preis der Schwedischen Akademie (2021). 2003 verlieh ihr die Universität Göteborg die Ehrendoktorwürde.