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Einzelfallbeschaffung

Die beschafften Güter werden im Bedarfsfall bestellt und direkt in die Produktion geliefert. Weitverbreitete Anwendung findet diese Art der Materialbeschaffung …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee
  2. 2. Voraussetzungen und Ablauf
  3. 3. Typische Einsatzbereiche
  4. 4. Kostenwirkung
  5. 5. Vorteile
  6. 6. Nachteile

Grundidee

Die Einzelbeschaffung im Bedarfsfall ist eine Beschaffungsstrategie der Beschaffungslogistik. Neben Vorratsbeschaffungspolitik, fertigungssynchroner Anlieferung (Just-in-time-Produktion) und anlieferungssynchroner Fertigung gehört sie zu den Hauptbeschaffungsstrategien.

Ihr Kernprinzip lautet: Güter werden erst dann bestellt, wenn sie konkret gebraucht werden. Eine Lagerhaltung wird weitestgehend vermieden. Die beschafften Güter werden nach der Bestellung direkt in die Produktion geliefert, ohne vorher im Unternehmen eingelagert zu werden.

Voraussetzungen und Ablauf

Damit Einzelbeschaffung im Bedarfsfall funktioniert, muss es am Markt genügend Lieferanten mit einer passenden Sortimentsbreite geben. Sortimentsbreite bedeutet, dass Lieferanten viele verschiedene benötigte Produkte anbieten können. Wenn Liefer- und Bedarfsstrukturen zueinander passen, sind schnelle Lieferungen möglich.

Die Materialwirtschaft muss genau wissen, welche Lieferanten welche Produkte zu welchen Konditionen anbieten. Diese Beschaffungsmarktforschung ist wichtig, weil kleine Bestellmengen die Marktmacht des Unternehmens verringern. Ohne gute Marktkenntnis können Wartezeiten entstehen.

Häufig handelt es sich bei einzelbeschafften Gütern um Sonderwünsche. Dadurch können lange Bereitstellungszeiten entstehen. Bereitstellungszeit bezeichnet die Zeit, bis ein benötigtes Gut verfügbar ist. Lange Wartezeiten können den Servicegrad verschlechtern, also die Fähigkeit eines Unternehmens, Bedarfe zuverlässig und schnell zu erfüllen. Deshalb soll die Materialwirtschaft darauf achten, dass Sonderwünsche interner Bedarfsträger möglichst gering bleiben.

Typische Einsatzbereiche

Die Einzelbeschaffung im Bedarfsfall wird besonders häufig in der Einzel- und Kleinserienfertigung eingesetzt. Beispiele aus dem Artikel sind Schiffbau als Einzelfertigung und exklusive Uhren als Kleinserienfertigung.

Sie deckt nicht alle Politikfelder der Materialwirtschaft ab, also nicht alle Fragen rund um Materialwirtschaft, Lieferanten und Bedarfsträger. Trotzdem gilt sie im Bereich der Beschaffungsstrategien als ein sehr probates, also gut geeignetes, Mittel.

Kostenwirkung

Ein wichtiger Vorteil ist der Wegfall von Lagerkosten. Dadurch können Kapitalbindungskosten und Kosten für Lagerinfrastruktur eingespart werden. Kapitalbindungskosten entstehen, wenn Geld in gelagerten Materialien gebunden ist und nicht anderweitig genutzt werden kann.

Dem stehen höhere Einstandspreise gegenüber, weil wegen der kleinen Beschaffungsmengen oft schlechtere Stückpreise entstehen. Einstandspreis meint den Preis, zu dem ein Unternehmen ein Gut beschafft. Diese höheren Preise können einen Teil der Einsparungen wieder ausgleichen.

Der Artikel betont, dass Einzelbeschaffung häufig in Bereichen genutzt wird, in denen der Materialkostenanteil nicht dominiert. Um das Kostensenkungspotenzial besser auszuschöpfen, sollten lange Zahlungsziele vereinbart werden. Das ist wichtig, weil der Zeitpunkt der Beschaffung und der Zeitpunkt der Bezahlung durch den Kunden weit auseinanderliegen können.

Vorteile

Die wichtigsten Vorteile sind geringe Lagerkosten und eine geringe Kapitalbindung, weil kaum Material auf Vorrat gehalten wird. Dadurch sinken auch Raumkosten und der Aufwand für Lagerhaltung.

Weitere genannte Vorteile sind Lieferantenautonomie, weniger Aufwand, Aktualität der beschafften Güter und eine übersichtliche Materialwirtschaft. „Stets aktuell“ bedeutet hier, dass Güter nicht lange gelagert werden und daher eher dem aktuellen Bedarf entsprechen.

Nachteile

Nachteile entstehen vor allem durch fehlende sofortige Liefer- und Produktionsbereitschaft. Wenn ein Gut nicht rechtzeitig geliefert wird, kann es zu Ausfällen oder Verzögerungen in der Produktion kommen.

Weitere Nachteile sind ein niedriger Servicegrad, häufige Lieferantenwechsel, intensive Marktforschung und häufigere Bestellungen. Außerdem können Produkte pro Stück teurer sein, weil kleine Mengen bestellt werden. Auch Preisschwankungen sind möglich.

Ein Nachteil ergibt sich besonders dann, wenn das Unternehmen mit schlechten Konditionen oder langen Bestellzeiten seitens des Lieferanten rechnen muss.

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