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Du-Reform

Die Du-Reform (schwedisch: du-reformen) bezeichnet eine Änderung im Gebrauch der Personalpronomen in der Anrede, die in Schweden im Laufe der 1960er und …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern der Du-Reform
  2. 2. Verlauf der Reform
  3. 3. Frühere Anredeformen
  4. 4. Gescheiterte Ni-Reform
  5. 5. Heutiger Sprachgebrauch

Kern der Du-Reform

Die Du-Reform (schwedisch: du-reformen) war eine Änderung der schwedischen Anredegewohnheiten in den 1960er und 1970er Jahren. Das Pronomen du wurde zur allgemein üblichen Anrede – auch gegenüber unbekannten, älteren oder in der Hierarchie höher stehenden Personen. Zuvor sprach man solche Menschen häufig indirekt in der dritten Person mit ihrem Namen oder Titel an.

Die Reform gilt in Schweden allgemein als demokratischer und egalitärer Fortschritt, weil sie gesellschaftliche Rangunterschiede in der Sprache verringerte.

Verlauf der Reform

Die Initiative wird meist Bror Rexed zugeschrieben, dem damaligen Direktor der nationalen Gesundheits- und Sozialbehörde Socialstyrelsen. Bei seinem Amtsantritt 1967 erlaubte er allen Beschäftigten, ihn mit seinem Vornamen statt mit seinem Titel anzusprechen. Welches Pronomen sie verwenden sollten, legte er allerdings nicht fest.

Die Veränderung hatte bereits einige Jahre zuvor bei der großen schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter begonnen. In den folgenden Jahren setzte sich du als allgemeines Anredepronomen durch.

Frühere Anredeformen

Anders als etwa in Deutschland oder Frankreich gab es in Schweden lange kein allgemein anerkanntes Personalpronomen für die höfliche Anrede. Von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis weit ins 20. Jahrhundert redete man ältere oder höherstehende Personen häufig nur indirekt über ihren Namen, Titel oder ihre Stellung an. Dieser Gebrauch entstand zunächst in bürgerlichen und höfischen Kreisen und verbreitete sich später auch auf dem Land.

Beispiele sind Skulle fru Carlsson vilja hjälpa mig med det? („Möchte Frau Carlsson mir dabei behilflich sein?“), Vad tycker professorn? („Was denkt der Professor?“) oder Farfar ser blek ut i dag; är farfar sjuk? („Großvater sieht heute bleich aus, ist Großvater krank?“). Gemeint war jeweils eine direkte Anrede im Sinne von „Möchten Sie …?“ oder „Was denken Sie?“

Weil die Wahl der passenden Anrede oft unsicher war, entstanden auch unpersönliche oder passive Formulierungen. Hur var namnet? bedeutet wörtlich „Wie war der Name?“ statt „Wie heißen Sie?“. Önskas socker? heißt wörtlich „Wird Zucker gewünscht?“ statt „Wünschen Sie Zucker?“.

Gescheiterte Ni-Reform

Um die umständliche indirekte Anrede durch eine Form nach kontinentaleuropäischem Vorbild zu ersetzen, wurde ab 1875 und erneut in den 1930er-Jahren die Ni-Reform propagiert. Fremde, ältere und höherstehende Personen sollten mit der 2. Person Plural Ni angesprochen werden, etwa Vad tycker Ni? („Was denken Sie?“, wörtlich „Was denkt Ihr?“).

Schon im Mittelalter und in der Frühneuzeit hatte es eine Anrede in der 2. Person Plural gegeben. Das frühere Pronomen I („Ihr“) veraltete im 19. Jahrhundert zunehmend. Daneben war ni entstanden, und zwar durch eine falsche Abtrennung der früheren Verbendung -en.

Der Versuch, Ni als allgemeines höfliches Anredepronomen einzuführen, scheiterte. Die Anrede mit Ni galt und gilt in manchen Kreisen als unhöflich.

Heutiger Sprachgebrauch

Heute ist du die normale Anrede. Die traditionelle indirekte Höflichkeitsform wird jedoch weiterhin in besonderen Situationen verwendet, beispielsweise gegenüber Mitgliedern der königlichen Familie: Är det första gången Prinsen besöker Afghanistan? bedeutet wörtlich „Ist es das erste Mal, dass der Prinz Afghanistan besucht?“, gemeint ist „… dass Sie Afghanistan besuchen?“

Auch ältere oder höherstehende Personen können noch mit indirekten Bezeichnungen wie damen oder herrn („die Dame“, „der Herr“) angeredet werden. Im schwedischen Reichstag spricht man den Parlamentspräsidenten, den talman, mit dem Amtstitel herr talman oder fru talman an.

Seit dem Ende der 1980er Jahre erlebt Ni als höfliche Anrede eine gewisse Renaissance, besonders im Dienstleistungssektor, etwa in Restaurants und Geschäften. Auch in Geschäftsbriefen ist die 2. Person Plural gegenüber Einzelunternehmern oder Privatpersonen nicht ungewöhnlich und kann großgeschrieben werden: Vi tackar för den order Ni sänt oss („Wir danken für die Bestellung, die Sie uns geschickt haben“). Die Verwendung von ni als Höflichkeitspronomen bleibt jedoch umstritten und wird nicht allgemein erwartet.

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