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Dromos (Musik)

Bei Skalen aus deren Tonvorrat Dominante und Subdominante gebildet werden können, folgt die Harmonisierung der Funktionsharmonik. Man spricht hier vom …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Einordnung
  2. 2. Herkunft und Bezeichnungen
  3. 3. Aufbau der Skalen
  4. 4. Verwandtschaften und Familien
  5. 5. Harmonisierung
  6. 6. Musikalische Verwendung

Grundidee und Einordnung

Ein Dromos, Plural dromoi, ist eine modale Tonleiter in der städtischen griechischen Volksmusik. In der griechischen Popularmusik heißen diese Tonleitern laïkoí dromoi. Sie bilden außerdem die tonale Grundlage des Rembetiko. Die Skalen stammen aus orientalischen Musikstilen, besonders aus den Maqamat, haben sich aber durch den Kontakt mit den harmonischen Tonsystemen Mittel- und Westeuropas zu eigenen Systemen entwickelt.

In der griechischen Popularmusik unterscheidet man eine westliche Strömung, élafro, und eine östliche Strömung, varý. Die westliche Richtung beruht stärker auf Funktionsharmonik, also auf dem Dominant-Subdominant-System. Die östliche Richtung beruht stärker auf modaler Melodiebildung, die an arabische Maqam-Systeme angelehnt ist.

Eine eindeutige Einteilung der griechischen Skalen ist schwierig, weil mehrere Kriterien möglich sind. Der Artikel ordnet sie nach dem Bau des unteren Pentachords, also einer Folge von fünf Tönen. Diese Art der Einteilung gibt es auch in der Maqam-Theorie. Neben Dur- und Moll-Skalen werden vor allem phrygische, lydische, lokrische und alternierende Tonleitern unterschieden. Die Bezeichnungen nach Kirchentonarten sind dabei nur veranschaulichend und nicht ganz korrekt.

Alle Skalen werden mit dem Grundton D angegeben. Das vermeidet Doppelkreuze und Doppel-bs und passt außerdem zur Bouzouki, der dreisaitigen Langhalslaute, die als Hauptinstrument der Rhembetiko- und Laïkó-Musik gilt. Die Tonbezeichnungen folgen der internationalen Schreibweise: H wird als B notiert, B als Bb.

Herkunft und Bezeichnungen

Die meisten Laïkí Drómi gehen auf die Maqamat zurück. Ihre Namen stammen teils von Personen, zum Beispiel Hüşşeyni, teils von Regionen, zum Beispiel Sabáh. Meist werden türkische Bezeichnungen verwendet; unter bestimmten Bedingungen kommen auch arabische Namen vor, etwa Bayati.

Bei manchen Skalen gibt es mehrere Namen. Nikríz heißt zum Beispiel auch Pimenikós, Roumanikós oder Souzinák. Umgekehrt kann ein Name mehrere Skalen bezeichnen, wie bei Houzám. Außerdem haben sich manche Skalen verändert: Niavént ist im Türkischen reines Moll, im Griechischen aber Zigeunermoll.

Die griechischen Skalen bilden nur einen kleinen Ausschnitt aus der Vielfalt der Maqamat. Deshalb können innerhalb eines Namens Varianten vorkommen, die im Türkischen schon eigene Namen hätten. Ein Beispiel ist die Bayati-Familie: Im Griechischen heißen alle entsprechenden Skalen Ousák, obwohl Uşşaq nur eine von vielen Bayati-Skalen ist. Das hängt mit der Vereinfachung der Intervalle auf die temperierten 12 Halbtöne zusammen, die auf den meisten Instrumenten der populären griechischen Musik durch Bünde festgelegt sind.

Einige Drómi tragen keine türkischen, sondern italienische Namen. Dazu gehören Dur, Matzóre, und Moll, Minóre, mit ihren Varianten. Diese Skalen existieren auch im Maqam-System, wo sie Çargar und Buselik heißen, werden in Griechenland aber dem westlichen System zugerechnet und entsprechend harmonisiert.

Aufbau der Skalen

Ein Dromos besteht aus zwei Teilen: einem Pentachord und einem Tetrachord. Ein Pentachord umfasst fünf Töne, ein Tetrachord vier Töne. Der oberste Ton des Pentachords ist zugleich der unterste Ton des Tetrachords. Der untere Pentachord bestimmt den Modus, also den grundlegenden Skalentyp. Der obere Tetrachord gibt der Skala einen genaueren Charakter.

Die Skalen werden intervallisch vom untersten Ton, dem Grundton, aus empfunden. Deshalb wird in Soli, den Taqsim, nicht über Harmonie-Folgen improvisiert, sondern über einen Grundton. Die einzelnen Töne werden daher als Intervalle verstanden.

Die Grundstruktur jedes Drómou besteht aus Prim, Quart, Quint und Oktav. Dazwischen liegen große oder kleine Sekund, Terz, Sext und Septim. In einigen Skalen gibt es Alterierungen, also Veränderungen, von Sekund, Quart, Quint und Oktave. Der Artikel verwendet dafür die Zeichen g für groß, k für klein, ü für übermäßig und v für vermindert.

Viele Skalen haben verwandte Formen mit arabischen Tonstufen. Diese werden oft als Vierteltöne dargestellt, sind laut Artikel aber eigentlich eigene Intervallstrukturen, die aus ganzzahligen Obertonverhältnissen entstehen und eher in den Dritteltonbereich gehören. Sie werden mit n für neutral angegeben.

Maqamat und daraus abgeleitete Drómi haben nicht nur einen Tonvorrat, sondern auch eine Bewegungsrichtung. Das bedeutet: aufwärts kann eine Skala andere Töne verwenden als abwärts. Ein bekanntes Beispiel aus Mitteleuropa ist melodisch Moll. Neutrale Intervalle werden häufig durch solche Bewegungsrichtungen umspielt. Der Artikel nennt zwei Möglichkeiten: g aufwärts und k abwärts; oder k und g aufwärts sowie g und k abwärts. Oft werden die Unterschiede zwischen Skalen erst durch die Bewegungsrichtung erkennbar, etwa bei Rast-Huséïni oder Moll-melodisch Moll.

Bei vielen Skalen kommen zusätzlich Unterskalen vor. Sie dienen dazu, den Grundton stärker zu betonen. Für Dur und Houzám wird A B B# C# genannt, für alle anderen G A B C. Aus Unterskalen und Bewegungsrichtungsformeln sind feste Varianten entstanden. Bei Houzám ist eine verbreitete Variante: (B# C#) D E# F# G# A B C D C B A G F# E# D. Auffällig ist dabei die kleine Septim, die aus der abwärtsführenden Bewegungsrichtung entsteht. Bei Sabáh kann die durch die Bewegungsrichtung verminderte Oktave mit bis zu vier weiteren darüberliegenden Tönen ausgeziert werden: (G A B C) D E F Gb A Bb C Db (E F Gb A).

Verwandtschaften und Familien

Dromoi können miteinander verwandt sein. Eine wichtige Form sind parallele Skalen. Ähnlich wie bei der Dur-Moll-Verwandtschaft entstehen sie, wenn Skalen mit gleichem Tonvorrat übereinandergesetzt werden. Der Charakter des neuen Drómou ergibt sich dann durch den neuen Grundton.

Es gibt Tonvorräte, bei denen die Grundtonarten austauschbar sind. Das bedeutet: Der Tonvorrat wiederholt sich je Oktave, sodass jede Skala Hauptskala sein kann. Daneben gibt es festgelegte Tonvorräte. Dort verändert sich der Tonvorrat je Oktave, sodass nur die unterste Skala Hauptskala sein kann und darüber Oberparallelen entstehen.

Innerhalb paralleler Skalen können weitere Verwandtschaften durch den Wechsel eines einzelnen Tons entstehen. Besonders häufig ist der Wechsel von C zu C# zwischen Dur und harmonisch Moll. Dieser Wechsel stammt aus westlichen Systemen und entstand durch die Verwendung einer Dur-Dominante in Moll.

Außerdem lassen sich Skalen zu Familien ordnen, wenn sie denselben unteren Pentachord haben. Dazu zählen auch Skalen, bei denen sich derselbe Tonvorrat erst durch die Bewegungsrichtung ergibt. Der Artikel nennt unter anderem Dur-Skalen wie Madzóre, Rast, Tabahaniótikos und Houséïni aufwärts; Moll-Skalen wie Minóre, Armonikó Minóre, Melodikó Minóre und Houséïni abwärts; „Arabisch-Moll“-Skalen wie Hitzáz und Hitzaskár; hochalterierte Moll-Skalen wie Nikríz und Niavént; phrygische Skalen wie Ousák und Bayati beziehungsweise Neva Ousák; tiefalterierte Moll-Skalen wie Sabáh und Nevesér; sowie lokrische Skalen wie Kartsigiár und Kioúrdi abwärts. Tabahaniótikos und Sengáh gelten ebenfalls oft als verwandt, weil sie ein Pentachord einer Dur-Skala und ein Tetrachord einer Moll-Skala verwenden.

Harmonisierung

Die griechische populäre Musik wird harmonisiert, also mit Akkorden begleitet. Bei Skalen, aus deren Tonvorrat Dominante und Subdominante gebildet werden können, folgt die Harmonisierung der Funktionsharmonik. Dieses Verfahren gehört zum westlichen System. Bei Skalen, in denen das nicht möglich ist, orientiert man sich an wichtigen Bezugstönen innerhalb der Skala oder weicht auf parallele Skalen aus. Das gehört zum östlichen System. Grundsätzlich soll die Harmonisierung den Charakter der jeweiligen Skala unterstützen.

Bei der Harmonisierung nach Funktionen werden Quintverwandtschaften gebildet. Die drei Grundfunktionen sind Tonika, Dominante und Subdominante. Die Tonika ist die Grundtonart und wird mit T bezeichnet, die Dominante mit D, die Subdominante mit S. Das Tongeschlecht, also Dur, Moll oder eine andere skaleneigene Klangart, wird durch die Töne der Skala bestimmt und darf nicht verändert werden.

Bei manchen Skalen kann keine Dominante gebildet werden. Dann werden Ersatzakkorde verwendet. Der Artikel nennt als Beispiele: In D-Hitzáz wird Eb-Dur als Dominante verwendet, in D-Ousák C-Moll. Auch bei reinem Moll kann man auf einen Ersatzakkord zurückgreifen, wenn die Musik eher östlich wirken soll.

Eine andere Methode ist die Harmonisierung nach Bezugstönen. Dabei werden wichtige Tonstufen der Skala harmonisiert. Eine Möglichkeit ist, die ganze Skala unter eine einzige Grundharmonie zu stellen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, über einzelnen Tönen neue Harmonien zu bilden, die nicht unbedingt nur aus skaleneigenen Tönen bestehen müssen. Dadurch können Modulationen in parallele Skalen entstehen.

Musikalische Verwendung

In sehr frühen Rhembétiko-Aufnahmen sind oft noch türkische oder arabische Maqamat erkennbar. Deshalb tragen manche Stücke Namen, die aus heutiger Sicht irreführend sein können. Rhembetiko-Kompositionen der 1930er Jahre zeigen die Skalen dagegen sehr genau.

Im frühen Laïkó Tragoúdi der 1950er Jahre wurde zwischen Varý und Élafro unterschieden. Élafro bedeutet fröhlich oder leicht und ist gut zu harmonisieren; hier überwiegen westliche Dur- und parallele Moll-Skalen. Varý wirkt schwer und ist auch schwerer zu harmonisieren, weil östliche Skalen überwiegen. Besonders in den 1950er und 1960er Jahren entstanden dadurch Stücke mit vielen Modulationen und Modus-Wechseln. Später verlagerte sich der Schwerpunkt auf Hitzáz und Ousák, die auch heute noch eine tragende Rolle im Varý Laïkó Tragoúdi spielen.

Über die Bouzoúkimusik von den 1920er-Jahren bis heute betrachtet, kommen Dur, Houzám, harmonisch Moll, Hitzáz und Ousák am häufigsten vor. Am seltensten findet man Pireótikos, Tsiggánikos und Houséïni. Tsiggánikos und melodisch Moll erscheinen meist nur zusammen mit anderen Modi. Tsiggánikos wird vor allem in Hitzás-Taqsimen eingebaut, seltener als Variation von Liedern in Hitzás oder Hitzaskár. Melodisch Moll wird häufig in Zwischenspielen oder Durchgängen innerhalb von Stücken in harmonisch Moll verwendet. In der Variante mit kleiner Septim, also der dorischen Variante, kommt es auch oft in Reinform vor.

Die Klangbeispiele des Artikels bestehen aus einer auf- und abwärts gespielten Tonleiter auf dem Bouzoúki, einem Taqsim und einem Ausschnitt aus griechischen Rhembetiko-Stücken. Diese Stücke gehören heute zum traditionellen Liedrepertoire Griechenlands.

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