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Dolmetschen

Das Dolmetschen fällt, wie auch das Übersetzen, unter den Oberbegriff der Sprach- und Kulturmittlung (Translation). Im Gegensatz zum Übersetzer im engeren …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee des Dolmetschens
  2. 2. Simultan-, Flüster- und Gebärdensprachdolmetschen
  3. 3. Konsekutiv- und Schriftdolmetschen
  4. 4. Sonderformen und KI-gestützte Übertragung
  5. 5. Konferenzen, Medien und öffentliche Auftritte

Grundidee des Dolmetschens

Dolmetschen gehört zusammen mit dem Übersetzen zur Sprach- und Kulturmittlung (Translation). Anders als Übersetzer im engeren Sinn übertragen Dolmetscher nicht fixierte, also meist gesprochene Texte mündlich oder mithilfe von Gebärdensprache aus einer Sprache in eine andere.

Die wichtigsten Modi sind Simultan- und Konsekutivdolmetschen. Sie unterscheiden sich vor allem darin, ob die Übertragung beinahe gleichzeitig mit dem Ausgangstext oder erst nach einer Sprechpause erfolgt. Welche Form geeignet ist, hängt unter anderem von Anlass, Zahl der Zuhörer, benötigten Sprachen und verfügbarer Technik ab.

Simultan-, Flüster- und Gebärdensprachdolmetschen

Beim Simultandolmetschen erfolgt die Verdolmetschung beinahe zeitgleich mit dem Redner. Zwischen Lautsprachen wird dafür bei Konferenzen gewöhnlich Technik eingesetzt: Der Dolmetscher sitzt in einer schallisolierten Kabine, hört über Kopfhörer zu und spricht die Übertragung in ein Mikrofon. Die Teilnehmer hören sie über Kopfhörer.

Simultandolmetschen kann zwischen Lautsprachen, zwischen Laut- und Gebärdensprache oder zwischen Gebärdensprachen stattfinden. Es verlangt wegen der hohen Konzentration und der stimmlichen Belastung eine ausgefeilte Technik und hohe professionelle Kompetenz. Deshalb arbeiten Simultandolmetscher in der Regel mindestens zu zweit und wechseln sich in Abständen ab.

Flüsterdolmetschen, auch Chuchotage, ist Simultandolmetschen ohne Kabine. Der Dolmetscher flüstert die Übertragung höchstens zwei Personen zu und sitzt dabei zwischen oder hinter ihnen. Diese Form ist besonders anstrengend für die Stimme und nur begrenzt möglich. Der Begriff wird heute auch für Anlagen mit drahtlosem Mikrofon und etwa 10 bis 20 Funkempfängern verwendet. Für kleine Gruppen kann dies passen; bei vielen Zuhörern oder mehreren Sprachen kann das Flüstern störend sein.

Gebärdensprachdolmetschen bezeichnet die Übertragung von Lautsprachen in Gebärdensprachen und umgekehrt. Da es keine weltweite Gebärdensprache gibt, kann auch von einer Gebärdensprache in eine andere gedolmetscht werden.

Konsekutiv- und Schriftdolmetschen

Beim Konsekutivdolmetschen wird zeitversetzt übertragen. Der Dolmetscher notiert bei Bedarf während eines Vortrags mit einer besonderen Notizentechnik wichtige Informationen und formuliert anschließend den Text in der Zielsprache. Die zielsprachliche Fassung soll gestrafft und besonders klar gegliedert sein, weil dieser Modus die Vortragszeit deutlich verlängert. Die Abschnitte sind meist längere, inhaltlich zusammenhängende Passagen.

Beim unilateralen Konsekutivdolmetschen wird nur in eine Richtung gedolmetscht; Textpassagen dauern in der Regel bis zu zehn Minuten. Beim bilateralen Konsekutivdolmetschen, meist Gesprächsdolmetschen genannt, dolmetscht eine Person in beide Richtungen, etwa bei Interviews oder Verhandlungen. Die Abschnitte sind hier gewöhnlich kürzer, sodass häufig das Gedächtnis und nur teilweise Notizen genutzt werden.

Wegen des hohen Zeitbedarfs wird Konsekutivdolmetschen bei Konferenzen heute selten eingesetzt. Typische Anlässe sind Tischreden, Empfänge, bilaterale Treffen von Staats- und Regierungschefs, Autorenlesungen und Filmpremieren.

Schriftdolmetschen ist die unilaterale Übertragung von Lautsprache in geschriebene Sprache. Dafür werden unterschiedliche Schriftdolmetschverfahren eingesetzt.

Sonderformen und KI-gestützte Übertragung

Im Relais- oder Leitkabinen-Modus wird beim Simultandolmetschen eine weniger verbreitete Sprache, zum Beispiel Maltesisch, zunächst in eine größere Arbeitssprache wie Englisch oder Französisch gedolmetscht. Dieser Text dient nicht nur den Zuhörern, sondern auch als Ausgangstext für weitere Kabinen, die ihn in ihre jeweilige Konferenzsprache übertragen. Der Dolmetscher in der Leitkabine heißt Pivot, französisch für „Dreh- und Angelpunkt“. Retour-Dolmetschen bedeutet, aus der Muttersprache in eine Fremdsprache zu dolmetschen.

KI-gestütztes Dolmetschen, auch AI Live Translation, nutzt Fortschritte der Künstlichen Intelligenz und maschinellen Übersetzung. Rein maschinelle Echtzeitsysteme transkribieren Gesprochenes zuerst durch automatische Spracherkennung (ASR) und übersetzen es dann maschinell in die Zielsprache. Solche Systeme sind jedoch bei Dialekten, Hintergrundgeräuschen und Fachbegriffen fehleranfällig.

Beim Human-in-the-loop-Ansatz arbeiten Menschen und KI zusammen: Professionelle Schriftdolmetscher verschriftlichen Gesprochenes quasi-simultan als fehlerfreien, strukturell korrekten Echtzeittext. Eine Übersetzungs-Engine übersetzt diesen Text im selben Moment in eine oder mehrere Fremdsprachen. Das Publikum liest die Live-Übersetzung auf seinen Endgeräten, statt sie zu hören.

Konferenzen, Medien und öffentliche Auftritte

Konferenzdolmetschen ist der Oberbegriff für das Dolmetschen bei internationalen Gipfeln oder Fachkongressen. Besonders häufig wird simultan gedolmetscht; auch Konsekutiv- oder Flüsterdolmetschen können eingesetzt werden.

Mediendolmetschen in Hörfunk und Fernsehen ist eine Form des Simultandolmetschens. Es soll so zeitnah erfolgen, dass kein Sendeloch entsteht. Neben der sprachlichen Leistung sind Stimmführung, Intonation und Klang der Stimme besonders wichtig. Daher benötigen Mediendolmetscher entweder besondere natürliche Fähigkeiten oder spezielle Stimmschulungen.

Bei Dolmetschsituationen vor Publikum werden zunehmend Bühnendolmetscher eingesetzt, die oft zusätzlich als Moderatoren oder Journalisten ausgebildet sind. Weitere wichtige Einsatzbereiche sind Polizei und Gericht.

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