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Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie

Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie ist ein 1899 veröffentlichtes Buch von Eduard Bernstein. Dieses Buch war eine …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern des Buches
  2. 2. Bernsteins Kritik an Marx
  3. 3. Evolutionärer Sozialismus
  4. 4. Kritik aus der SPD
  5. 5. Öffentliche Wirkung und Einordnung
  6. 6. Gesellschaftlicher Hintergrund

Kern des Buches

Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie ist ein 1899 veröffentlichtes Buch von Eduard Bernstein. Es fasste zwei Artikel aus den Jahren 1897 und 1899 zusammen und erweiterte sie; diese Artikel waren in der von Karl Kautsky herausgegebenen Zeitschrift Die Neue Zeit erschienen.

Das Buch wurde schnell wichtig für die deutsche Sozialdemokratie. Bernstein gilt als Begründer der revisionistischen Strömung in der SPD. Revisionismus bedeutet hier, zentrale Aussagen der marxistischen Theorie zu überprüfen, zu verändern oder zu verwerfen. Mit diesem Buch erhielt diese Strömung ihren ersten wichtigen theoretischen Ausdruck.

Bernsteins Kritik an Marx

Bernstein wollte die Theorien von Karl Marx nicht einfach übernehmen, sondern sie modifizieren oder verwerfen. Er kritisierte, Marx habe sich stark auf David Ricardo und Hegel gestützt; deshalb seien manche Analysen nicht wissenschaftlich genug und nicht geeignet, die Wirklichkeit zu erklären.

Im Anschluss an die damaligen bürgerlichen Wirtschaftswissenschaften verwarf Bernstein die Arbeitswerttheorie. Diese Theorie erklärt den Wert einer Ware aus der in ihr enthaltenen Arbeit. Damit lehnte er auch die Mehrwerttheorie ab, die erklärt, wie im Kapitalismus aus der Arbeit der Beschäftigten ein Mehrwert für die Kapitalbesitzer entsteht. Friedrich Engels hatte die Mehrwerttheorie noch als eine der bedeutendsten Leistungen von Marx beschrieben.

Evolutionärer Sozialismus

Bernstein stellte zentrale Erwartungen von Marx infrage. Er meinte, der Klassenkampf nehme nicht zu, sondern ab. Klassenkampf bezeichnet den Gegensatz zwischen gesellschaftlichen Klassen, besonders zwischen Kapitalbesitzern und Arbeitenden.

Außerdem bestritt Bernstein, dass es zur von Marx behaupteten Konzentration und Zentralisation des Kapitals komme. Konzentration und Zentralisation bedeuten, dass Kapital immer stärker bei wenigen Unternehmen oder Eigentümern gesammelt wird. Bernstein versuchte seine Ansicht mit deutschen, niederländischen und englischen Statistiken zu belegen.

Er sah Kartelle und Geschäftssyndikate als Faktoren, die eine harmonischere Entwicklung des Kapitalismus ermöglichen könnten. Deshalb zweifelte er auch an Marx’ Überlegungen zur Krisenhaftigkeit der kapitalistischen Produktion. Statt einer revolutionären Zuspitzung setzte Bernstein auf ein Konzept des evolutionären Sozialismus: Sozialismus sollte schrittweise durch Reformen entstehen.

Kritik aus der SPD

Der theoretische Vorstoß des revisionistischen Flügels der SPD rief sofort Widerspruch vom linken Flügel und von der marxistischen Orthodoxie hervor. Marxistische Orthodoxie meint hier die Richtung, die an den zentralen Lehren von Marx festhalten wollte.

Rosa Luxemburg griff Bernstein bereits 1898 an und entwickelte dabei erste Züge ihrer Zusammenbruchstheorie. Sie warf Bernstein vor, das Endziel der Sozialdemokratie, also die soziale Umwälzung, aufzugeben und Sozialreform nicht mehr als Mittel des Klassenkampfes, sondern als Zweck an sich zu behandeln. Sie zitierte dazu Bernsteins Satz: „Das Endziel, was es immer sei, ist mir Nichts, die Bewegung alles.“

Auch Karl Kautsky übte ausführliche Kritik an Bernsteins Thesen.

Öffentliche Wirkung und Einordnung

Das Buch hatte auch deshalb große Wirkung, weil Bernstein lange Zeit Freund und Mitarbeiter von Friedrich Engels gewesen war. Engels galt in der Arbeiterbewegung als Autorität. Bernstein verfügte zusammen mit anderen über Engels’ Nachlass und besaß dadurch ebenfalls Ansehen.

Die bürgerliche Presse griff Bernsteins Schrift ebenfalls auf. Nach Kautskys Darstellung wurde sie dort als Zeichen verstanden, dass ein bedeutender Sozialdemokrat und früherer orthodoxer Marxist an seiner Partei und ihren bisherigen Gewissheiten zu zweifeln beginne. Für Gegner der Sozialdemokratie erschien dies als politischer Erfolg.

Gesellschaftlicher Hintergrund

Bernsteins Position wird im Artikel auch mit gesellschaftlichen Entwicklungen erklärt. Seit 1895 setzte eine längere wirtschaftliche Boomphase ein. Sie konnte eine Grundlage für bessere Lebensbedingungen der arbeitenden Massen schaffen. Dadurch erschien es leichter, für allmähliche und friedliche Reformen innerhalb des Kapitalismus einzutreten.

Als weiterer Hintergrund wird die imperialistische Epoche genannt. In den imperialistischen Zentren konnte der Kapitalismus Teilen der Arbeiterklasse Zugeständnisse machen, um soziale Spannungen zu beruhigen. Der Artikel nennt dafür den Begriff Arbeiteraristokratie. Diese Entwicklung konnte eine Grundlage für reformpolitische Vorstellungen bilden.

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