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Die Marquise von O. (1976)
Für ihn war es wichtiger, für Kleist und seinen Stoff, der ihn interessierte, Deutsch zu lernen, als Kleist nicht in seiner Sprache inszenieren zu können.
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Einordnung und Kerndaten
Die Marquise von O. ist eine westdeutsch-französische Literaturverfilmung von Éric Rohmer aus dem Jahr 1976. Sie basiert auf der gleichnamigen Novelle von Heinrich von Kleist. Der 102 Minuten lange Film wurde in deutscher Originalsprache gedreht, trägt die Altersfreigabe FSK 12 und entstand in der BRD und Frankreich.
Regie führte Éric Rohmer, der auch das Drehbuch schrieb. Die Kameraarbeit übernahm Néstor Almendros. In den Hauptrollen spielen Edith Clever die Marquise von O. und Bruno Ganz den Grafen. Weitere wichtige Rollen übernehmen Edda Seippel und Peter Lühr als Eltern der Marquise sowie Otto Sander als ihr Bruder.
Handlung
Die Marquise von O. ist eine verwitwete Tochter des Kommandanten. Nach einer Vergewaltigung durch einen russischen Grafen kann sie sich auch angesichts ihrer Schwangerschaft an nichts erinnern. Ihre Eltern reagieren empört und verstoßen sie. Gegen den Willen ihres Vaters nimmt die Marquise ihre beiden Kinder mit.
Um den Vater ihres erwarteten Kindes zu finden, gibt sie eine Annonce auf. Daraufhin meldet sich anonym eine Person und kündigt ihr Erscheinen an. Die Marquise darf in ihr Elternhaus zurückkehren. Am Tag, nachdem der Graf sich als Vater offenbart hat, findet auf Veranlassung der Eltern die Hochzeit statt. Sie wird in einer ansonsten leeren Kirche gefeiert.
Produktion und Dreharbeiten
An der deutsch-französischen Koproduktion waren Filmproduktion Janus, Artemis, HR, Les Films du Losange und Gaumont beteiligt.
Die Dreharbeiten fanden von Mai bis Juli 1975 im mittelfränkischen Obernzenn statt. Gedreht wurde im barocken Schlossensemble der Gemeinde, das aus dem Roten Schloss und dem Blauen Schloss besteht. Die Produktion prägte über mehrere Wochen das Leben im Ort; unter anderem waren die Hotelkapazitäten schnell ausgelastet, sodass Beteiligte auch privat untergebracht wurden.
Rohmer inszenierte den Film auf Deutsch an einem deutschen Schauplatz. Nach einer späteren Schilderung von Christian Schmidt begründete Rohmer dies damit, dass es für ihn wichtiger gewesen sei, für Kleist und den ihn interessierenden Stoff Deutsch zu lernen, als Kleist nicht in seiner Sprache verfilmen zu können. Rohmer betonte dabei die größere Modulation der deutschen Sprache.
Kritische Einordnung
Das Lexikon des internationalen Films beschreibt Rohmers Verfilmung als das demonstrative Gegenteil eines sentimentalen Dramas. Rohmer lege mit Sinn für die Absurdität der Geschichte die ironische Moralkritik von Kleists Vorlage frei. Daraus entwickle der Film ein heiteres Plädoyer für praktizierte Menschlichkeit jenseits bürgerlicher Konventionen.
Auszeichnungen
Der Film erhielt mehrere Auszeichnungen und Nominierungen:
- 1976: Großer Preis der Jury bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes für Éric Rohmer; außerdem Nominierung für die Goldene Palme als bester Film.
- 1976: Deutscher Filmpreis für Bruno Ganz als bester Hauptdarsteller, Edith Clever als beste Hauptdarstellerin sowie für Bernhard Frey, Hervé Grandsart, Helo Gutschwager, Rolf Keden und Roger von Moellendorf für das beste Szenenbild.
- 1976: National Board of Review Award als bester fremdsprachiger Film.
- 1977: BAFTA Award für die besten Kostüme an Moidele Bickel.
- 1978: Gilde-Filmpreis in Gold.