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Deutsch-Französisches Zukunftswerk
Das Deutsch-Französische Zukunftswerk (französisch Forum pour l'avenir franco-allemand) wurde 2020 gegründet. Es dient der Umsetzung von Artikel 22 des …
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Aufgabe und Einordnung
Das Deutsch-Französische Zukunftswerk (französisch: Forum pour l’avenir franco-allemand) wurde 2020 gegründet. Es setzt Artikel 22 des Aachener Vertrages um. Diesen Vertrag unterzeichneten Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron im Januar 2019, um die deutsch-französische Zusammenarbeit zu stärken.
Beide Regierungen beauftragten das Zukunftswerk damit, Visionen für große gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln. Dabei soll ein Gleichgewicht zwischen ökologischen, gesellschaftlichen, technologischen und wirtschaftlichen Erwägungen entstehen, das die Lebensqualität in Deutschland und Frankreich verbessert.
Arbeitsweise und Themen
Das Zukunftswerk will aus gesellschaftlichen Veränderungsprozessen lernen, die bereits in beiden Ländern stattfinden. Auf dieser Grundlage entwickelt es Visionen, konkrete Ziele und Maßnahmen für einzelne Politikfelder.
Es betreibt Aktionsforschung, also Forschung, die Veränderungsprozesse praktisch begleitet. Außerdem bringt es Menschen aus innovativen lokalen und regionalen Initiativen in Dialogformaten zusammen und erarbeitet Handlungsempfehlungen für beide Regierungen.
Der Arbeitsprozess folgt einem Bottom-Up-Ansatz: Wissen und Erfahrungen lokaler Akteure sollen erkannt, sichtbar gemacht und gestärkt werden. Politische Entscheidungsträger sollen diese Erkenntnisse wirksam in ihre Politik aufnehmen können. So sollen Bundesebene und lokale Ebene sich gegenseitig stärken.
Im ersten Zyklus setzte der Lenkungskreis die Themen „Ökologischer Wandel“ sowie „Wirtschaftliche und soziale Resilienz“ in den Mittelpunkt. Für jeden thematischen Zyklus werden Initiativen aus Deutschland und Frankreich ausgewählt und miteinander in Austausch gebracht.
Trägerschaft und Leitung
Das Zukunftswerk wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Auf deutscher Seite ist es am Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (RIFS) angesiedelt, auf französischer Seite beim Think Tank France Stratégie.
Patrizia Nanz leitete die deutsche Seite von 2020 bis 2022. Gilles de Margerie ist bei France Stratégie tätig und seit 2020 Direktor. Seit April 2022 leitet Frank Baasner das deutsche Sekretariat.
Austausch zwischen Initiativen
Visionen und Handlungsempfehlungen entstehen in enger Zusammenarbeit mit vier bis sechs lokalen oder regionalen Initiativen aus Frankreich und Deutschland. Diese Initiativen engagieren sich für sozialen, wirtschaftlichen oder ökologischen Strukturwandel in ihrer jeweiligen Region.
Peer-to-Peer-Dialoge sind Gespräche zwischen gleichrangigen Beteiligten. Sie sollen den Initiativen ermöglichen, Wissen und Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam zu reflektieren. Ergänzend begleitet das Team des Zukunftswerks die Beteiligten bedarfsorientiert und passend zu ihrem jeweiligen Kontext. Dadurch sollen Handlungskompetenzen aufgebaut werden.
Das Zukunftswerk gewinnt aus diesen Dialogen vertieftes Wissen über die Partnerinitiativen, Erkenntnisse zu innovativem lokalem Wissen sowie Muster in Herausforderungen und Lösungsansätzen. Gesellschaftliche Transformationsprobleme sollen so herausgearbeitet und an politische Entscheidungsträger weitergeleitet werden.
Von lokalen Erfahrungen zu Empfehlungen
Die Erkenntnisse aus der Zusammenarbeit werden im Resonanzraum zusammengetragen. Er besteht aus 40 nichtständigen Mitgliedern. Dazu gehören Praktiker, NGOs, öffentliche Institutionen, Fachleute, Verbände und Vereinigungen sowie Parlamentarier.
Das erarbeitete Material dient dort als Grundlage für politische Handlungsempfehlungen. Die Arbeit wird wiederholt mit den lokalen Initiativen rückgekoppelt. Vertreter der lokalen Initiativen können bei Interesse selbst am Resonanzraum teilnehmen.
Lenkung und Beispiele aus dem Zyklus 2020/21
Der Lenkungskreis hat 16 Mitglieder, je zur Hälfte aus Deutschland und Frankreich. Er tagt zweimal jährlich, bestimmt die thematischen Zyklen und übernimmt die im Resonanzraum entwickelten Handlungsempfehlungen. Anschließend leitet er sie an den Deutsch-Französischen Ministerrat und die Deutsch-Französische Parlamentarische Versammlung weiter. Seine Bedeutung liegt besonders in der Sichtbarkeit und Qualität des Zukunftswerkes.
Im Themenzyklus 2020/21 arbeitete das Zukunftswerk mit drei deutschen und drei französischen Initiativen. Deutsche Beispiele sind Marburg, das die Klimaziele bis 2030 und die Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft und Stadtverwaltung behandelt, Nebelschütz als Beispiel für nachhaltige Entwicklung und kulturelle Identität im ländlichen Raum sowie der Burgenlandkreis mit Zeitz und Hohenmölsen zum Kohleausstieg und zu stärkerer Bürgerbeteiligung.
Zu den französischen Partnern gehören Loos-en-Gohelles, Mouans-Sartoux und Dünkirchen. Loos-en-Gohelles ist besonders für den Burgenlandkreis relevant: Dort musste der Kohleausstieg bereits in den 1980ern bewältigt werden; die Gemeinde gestaltete die Region um und wertete das Bergbauerbe unter starker Bürgerbeteiligung auf. Mouans-Sartoux befasst sich mit Nahrungsmittelversorgung und nachhaltigem Bauen, Dünkirchen mit industrieller Ökologie und dem regionalen Zusammenschluss lokaler und regionaler Akteure.