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Des Kaisers neue Kleider

Des Kaisers neue Kleider (dänisch „Kejserens nye Klæder“) ist ein bekanntes Kunstmärchen des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern des Märchens
  2. 2. Handlung
  3. 3. Aussage und Vorlage
  4. 4. Bearbeitungen für Bühne und Film
  5. 5. Musikalische Bearbeitungen

Kern des Märchens

„Des Kaisers neue Kleider“ ist ein bekanntes Kunstmärchen des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen. Es erschien am 7. April 1837 in der Reihe „Märchen, für Kinder erzählt“ („Eventyr fortalte for Børn“). Im Mittelpunkt steht ein Kaiser, der großen Wert auf prachtvolle Kleidung legt und durch Betrüger dazu gebracht wird, öffentlich ohne Kleider aufzutreten.

Das Märchen ist wichtig, weil es zeigt, wie Menschen offensichtliche Wahrheiten verschweigen können, wenn sie Angst um ihren Ruf, ihre Stellung oder ihr Ansehen haben. Es kritisiert Leichtgläubigkeit und die unkritische Akzeptanz angeblicher Autoritäten.

Handlung

Am Hof eines Kaisers erscheinen zwei Weber. Sie behaupten, sie könnten einzigartige Kleider herstellen, die nicht nur besonders schön seien, sondern auch eine besondere Eigenschaft hätten: Wer dumm sei oder für sein Amt nicht tauge, könne die Kleider nicht sehen. Der Kaiser ist begeistert und gibt ihnen den Auftrag.

Die Weber arbeiten nur zum Schein auf leeren Webstühlen. Sie verlangen immer mehr Geld und feinste Seide, behalten aber alles für sich. Die Minister, die der Kaiser zur Kontrolle schickt, sehen nichts. Auch der Kaiser selbst sieht nichts. Niemand wagt jedoch, das zuzugeben, weil dies bedeuten würde, dumm oder unfähig zu sein. Deshalb loben alle die angeblich prachtvollen Muster und Farben.

Bei einem großen Festumzug will der Kaiser seine neuen Kleider dem Volk zeigen. Auch das Volk kennt inzwischen die angebliche Eigenschaft der Kleider und tut so, als könne es sie sehen. Erst ein kleines Kind ruft überrascht aus, der Kaiser habe gar nichts an. Der Vater des Kindes versteht dies als „Stimme der Unschuld“ und verbreitet es weiter, bis das ganze Volk es ruft. Der Kaiser erkennt schließlich, dass er betrogen wurde, führt den Umzug aber trotzdem zu Ende.

Aussage und Vorlage

Das Märchen wird als Beispiel dafür verwendet, wie Menschen aus Angst vor Nachteilen eine offensichtliche Wahrheit nicht aussprechen. Selbst der treueste Minister des Kaisers sagt nichts, obwohl er die Kleider nicht sehen kann. Vor die Entscheidung zwischen „Ansehen und Wohlstand oder Wahrheit“ gestellt, entscheiden sich die Menschen gegen die Wahrheit.

Andersens Tagebuchnotizen verweisen auf eine Anregung durch Karl Eduard von Bülows Novellensammlung. Bülow hatte eine Geschichte aus der spanischen Sammlung von Don Juan Manuel übersetzt. Diese erschien 1337 im Buch „El Conde Lucanor“ („Der Graf von Lucanor“). Dort ist die Täuschung in einem maurischen Umfeld angesiedelt.

In der mittelalterlichen spanischen Vorlage geht es nicht um Dummheit oder berufliche Untauglichkeit. Dort kann angeblich derjenige das Gewebe nicht sehen, der nicht der Sohn dessen ist, der als sein Vater gilt. Das hätte neben Schande auch erbrechtliche Folgen. Außerdem spricht dort nicht ein unschuldiges Kind die Wahrheit aus, sondern ein schwarzer Rossknecht, der am unteren Ende der sozialen Rangordnung steht und deshalb wenig zu verlieren hat.

Bearbeitungen für Bühne und Film

Das Motiv des Märchens wurde mehrfach für Theater und Film aufgegriffen. Der russische Dramatiker Jewgeni Schwarz nutzte es 1934 zusammen mit dem Märchen „Der Schweinehirt“ in seinem Stück „Der nackte König“, um sich satirisch mit dem aufkommenden Faschismus auseinanderzusetzen.

Zu den Verfilmungen gehören unter anderem „Das Kleid“ von 1961, ein DEFA-Spielfilm aus der DDR unter der Regie von Konrad Petzold, der an das Märchen angelehnt ist, sowie „Des Kaisers neue Kleider“ von 1987 aus den USA/Israel unter der Regie von David Irving. Weitere Fassungen erschienen unter anderem 1994 als deutsch-tschechisch-spanischer Märchenfilm von Juraj Herz, 2001 als „I vestiti nuovi dell'imperatore“ von Alan Taylor, 2006 in „Die ProSieben Märchenstunde“, 2010 in der ARD-Reihe „Sechs auf einen Streich“ und 2010 als Folge der Zeichentrickserie „SimsalaGrimm“.

Musikalische Bearbeitungen

Auch in der Musik wurde das Märchen vielfach verarbeitet. Dazu zählen Opern, Kammeropern, Schauspielmusik, Ballett, Kinderkonzerte und Songs. Beispiele sind Hans Lofers beziehungsweise Rudolf Hindemiths komische Oper „Des Kaisers neue Kleider“ aus der Zeit circa 1934 bis 1952, Eberhard Werdins musikalisch-szenisches Werk von 1947, György Ránkis Oper „Pomádé király új ruhája“ von 1953 und Bertold Hummels Kammeroper von 1955.

Spätere musikalische Bearbeitungen stammen unter anderem von Reinhard Mey mit dem Song „Des Kaisers neue Kleider“ von 1980, Sinéad O’Connor mit „Emperor’s New Clothes“ von 1990, Spock’s Beard mit „The Emperor’s Clothes“ von 2010, Saltatio Mortis mit „Des Bänkers neue Kleider“ von 2015, Panic! at the Disco mit „Emperor’s New Clothes“ von 2016 und dem SWR Vokalensemble mit einem Kinderkonzert von 2018.

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