Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Dekret 770

Ziel war es, die Zahl der rumänischen Bevölkerung zu erhöhen und eine neue Generation im Sinne des Kommunismus heranwachsen zu lassen. Zu diesem Zweck wurden …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Ziel und Maßnahmen
  2. 2. Illegale Abtreibungen und staatliche Verfolgung
  3. 3. Bevölkerungsentwicklung und Dekretkinder
  4. 4. Soziale Folgen

Ziel und Maßnahmen

Das Dekret 770 war ein Erlass des rumänischen Diktators Nicolae Ceaușescu vom Oktober 1966. Es sollte die Bevölkerung Rumäniens vergrößern und eine neue Generation im Sinne des Kommunismus hervorbringen. Angestrebt waren durchschnittlich vier Kinder pro Frau und ein Bevölkerungszuwachs von zehn Millionen Menschen innerhalb von 24 Jahren.

Dazu wurden alle Verhütungsmethoden und Schwangerschaftsabbrüche verboten. Gebärfähige Frauen wurden systematisch überwacht, damit Schwangerschaften früh erkannt werden konnten. Gleichzeitig förderte der Staat Kindergärten und Schulen finanziell. Abtreibungen waren zunächst nur für Frauen über 40 Jahre oder mit bereits vier Kindern zulässig; später wurden die Grenzen auf 45 Jahre beziehungsweise fünf Kinder erhöht.

Illegale Abtreibungen und staatliche Verfolgung

Viele betroffene Frauen widersetzten sich der staatlichen Geburtenpolitik. Es entstand ein illegales Netzwerk für Schwangerschaftsabbrüche. Nach offiziellen Statistiken starben mehr als 11.000 Frauen bei Abtreibungsversuchen, die von Kurpfuschern, also nicht ausreichend medizinisch qualifizierten Personen, durchgeführt wurden.

Auf Abtreibungen standen lange Haftstrafen, auch für die Schwangeren selbst. Frauen, die nach Komplikationen ins Krankenhaus kamen, wurden teilweise noch auf dem Operationstisch verhört; manchen wurde ärztliche Hilfe verweigert.

Bevölkerungsentwicklung und Dekretkinder

Das Dekret bewirkte ein künstliches Bevölkerungswachstum um zwei Millionen Menschen, die ohne die staatliche Anordnung nicht geboren worden wären. Diese Generation wurde als Decreței bezeichnet, auf Deutsch „Dekretkinder“ und auf Siebenbürgisch-Sächsisch „Dekretzell“.

Soziale Folgen

Die anfangs geförderten sozialpolitischen Maßnahmen reichten im Laufe der Jahre nicht aus. Nach illegalen und unsachgemäßen Abtreibungsversuchen wurden häufig Kinder mit Behinderungen geboren. Viele von ihnen sowie ungewollte Kinder kamen in Sozialwaisenhäuser, beispielsweise in das Kinderheim Cighid nahe Oradea.

Dort wurden sogenannte Irecuperabili – rumänisch für „die Unwiederbringlichen“ – unter menschenunwürdigen Bedingungen gehalten. Bereits vor der Rumänischen Revolution von 1989 gab es außerdem das Phänomen der Straßenkinder in Rumänien.

Weiterlesen