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Default-Effekt
Der Default-Effekt (englisch default für Vorgabe oder Voreinstellung) bzw. die Voreinstellungsüberzeugung ist eine kognitive Verzerrung, eine übermäßige …
Grundidee und Bedeutung
Der Default-Effekt, auch Voreinstellungsüberzeugung genannt, ist eine kognitive Verzerrung. Damit ist eine systematische Beeinflussung von Entscheidungen gemeint: Menschen bevorzugen übermäßig häufig die Option, die als Vorgabe oder Voreinstellung festgelegt ist und bei der sie keine aktive Entscheidung treffen müssen. Diese Option heißt Default-Option.
Der Effekt wird von der Psychologie und von interdisziplinären Forschungsgebieten wie der Verhaltensökonomie untersucht. Experimente zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, eine Option zu wählen, wenn sie als Default gestaltet ist. Das gilt auch dann, wenn die Voreinstellung willkürlich festgelegt wurde und nur ein geringer Aufwand nötig wäre, um eine andere Möglichkeit auszuwählen.
Ein verwandter Effekt ist die Status-quo-Verzerrung. Sie bezeichnet die übermäßige Bevorzugung des bestehenden Zustands gegenüber einer Veränderung. Im Gesundheitswesen können Default-Optionen die Qualität von Entscheidungen maßgeblich verbessern.
Typische Beispiele
Besonders deutlich wird der Default-Effekt bei der Organspende. Bei der Widerspruchsregelung wird grundsätzlich von einer Zustimmung ausgegangen, solange die betroffene Person nicht ausdrücklich widerspricht. Diese Voreinstellung wird auch Opt-out genannt. Bei der Zustimmungsregelung muss dagegen zuerst eine aktive Zustimmung erfolgen; dieses Verfahren heißt Opt-in.
Beim Vergleich verschiedener Länder zeigte sich ein deutlicher Unterschied: In allen Ländern mit Opt-out-Regelung lagen die Spendenraten – mit Ausnahme von Schweden – bei etwa 99 Prozent. In Ländern mit Opt-in-Regelung schwankten sie zwischen 4 und 28 Prozent.
Auch Unternehmen nutzen Voreinstellungen. Drucker sind beispielsweise häufig standardmäßig auf beidseitigen Druck eingestellt, um Papier zu sparen. Zwar kann technisch eine andere Einstellung ausgewählt werden, doch viele Menschen behalten die vorgegebene Einstellung bei.
Eine Studie aus den USA untersuchte die Einstellung zu Reanimationsversuchen im Kreißsaal bei zu früh geborenen Säuglingen. 80 % der Teilnehmenden sprachen sich für eine Wiederbelebung aus, wenn diese als Default präsentiert wurde. War dagegen „sterben lassen“ als Default eingestellt, befürworteten dies nur 39 % der Personen. Das Beispiel zeigt, dass Voreinstellungen auch bei relativ wichtigen Entscheidungen eine große Bedeutung haben können.
Erklärungen und Bedingungen
Default-Effekte können teilweise rational und teilweise irrational sein. Welcher Anteil überwiegt, hängt vom jeweiligen Thema ab. Dieser Zusammenhang wird als Inhaltseffekt bezeichnet.
Neben psychologischen Gründen gibt es auch nicht-psychologische Ursachen. Statistisch können etwa Personen erfasst werden, die eine alternative Wahlmöglichkeit nicht kennen oder nicht in der Lage sind, sie auszuwählen. Außerdem kann der Status quo bereits dadurch bevorzugt werden, dass für eine Zustandsänderung mehrere zeitliche oder formale Bedingungen erfüllt sein müssen.
Für die Lenkungswirkung zufälliger Voreinstellungen wurden verschiedene Erklärungen entwickelt. Dazu zählen Bequemlichkeit beziehungsweise cognitive effort, Transaktionskosten oder switching costs, Verlustaversion, die Wirkung einer Empfehlung, eine Bedeutungsveränderung (change of meaning), die „Qual der Wahl“, die Status-quo-Verzerrung (status quo bias), der Unterlassungseffekt sowie Besitztumseffekte. Zu den Besitztumseffekten gehört der Endowment-Effekt; er steht dem Mere-Exposure-Effekt nahe.