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Das Versprechen (Dürrenmatt)

Das Versprechen (1958) ist ein Kriminalroman des Schweizer Autors Friedrich Dürrenmatt, der aus seiner Drehbuchvorlage zum Film Es geschah am hellichten Tag …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk und Grundidee
  2. 2. Rahmen und Ausgangspunkt
  3. 3. Matthäis Ermittlungen
  4. 4. Zufall und Scheitern
  5. 5. Deutung, Wirkung und Bearbeitungen

Werk und Grundidee

Das Versprechen ist ein 1958 erschienener Kriminalroman des Schweizer Autors Friedrich Dürrenmatt. Er entstand aus Dürrenmatts Drehbuchvorlage zu Es geschah am hellichten Tag. Der Roman trägt den Untertitel „Requiem auf den Kriminalroman“: Er stellt typische Regeln des Genres infrage. Anders als im Film gelingt Kommissär Matthäi die Aufklärung nicht. Sein sorgfältiges, logisch aufgebautes Ermittlungsverfahren scheitert letztlich an einem Zufall.

Dürrenmatt verschiebt den Schwerpunkt vom einzelnen Verbrechen auf den Ermittler. Aus einem Kriminalfall wird „der Fall des Detektivs“. Damit kritisiert der Roman die Vorstellung, ein Detektiv könne durch Logik stets die Wahrheit finden und jeder Täter werde bestraft.

Rahmen und Ausgangspunkt

Ein Ich-Erzähler, der selbst Kriminalromane schreibt, hält in Chur einen Vortrag. Danach begegnet er dem ehemaligen Chef der Kantonspolizei Zürich, Dr. H. Dieser kritisiert Kriminalgeschichten, weil dort der Zufall keine Rolle spiele und die Wahrheit den Regeln der Dramaturgie untergeordnet werde. Für ihn ist die Behauptung, alle Verbrecher fänden ihre Strafe, eine „staatserhaltende Lüge“; der Wirklichkeit sei „mit Logik nur zum Teil beizukommen“.

Auf der Fahrt nach Zürich zeigt Dr. H. dem Autor einen verwahrlosten, nach Schnaps riechenden alten Mann an einer Tankstelle. Es ist der frühere Kommissär Matthäi, einst Dr. H.s „fähigster Mann“. Dr. H. erzählt dessen Geschichte.

Matthäis Ermittlungen

Kurz vor seiner Delegation nach Amman in Jordanien wird Matthäi nach Mägendorf gerufen: Der Hausierer von Gunten hat im Wald die Leiche der ermordeten Gritli Moser gefunden. Sie wurde mit einem Rasiermesser getötet. Matthäi verspricht ihrer Mutter bei seiner Seligkeit, den Mörder zu fassen. Die Dorfbewohner halten von Gunten für schuldig, doch Matthäi schützt ihn zunächst vor der aufgebrachten Menge.

Gritlis Freundin Ursula berichtet, ein Riese habe Gritli kleine Igel geschenkt. Gritli wird jedoch als fantasievolles Kind angesehen. Weil zwei ähnliche Mädchen zuvor im Kanton St. Gallen und im Kanton Schwyz auf gleiche Weise ermordet wurden und von Gunten wegen Sittlichkeitsdelikten vorbestraft ist, sprechen die Indizien gegen ihn. Nach einem unerlaubten, 20-stündigen Dauerverhör gesteht er und erhängt sich in der Nacht darauf. Der Fall gilt als abgeschlossen. Matthäi zweifelt trotzdem an seiner Schuld, kehrt am Flughafen um und ermittelt privat weiter.

Eine Zeichnung Gritlis zeigt ein Mädchen, einen Riesen, Igel, ein vermutlich amerikanisches Auto und ein Tier mit Hörnern. Ein Psychiater deutet die Tat nach Matthäis Hypothese als Racheakt an Frauen, nicht als Lustmord; der Täter sei vermutlich „recht primitiv“. Matthäi erkennt im gehörnten Tier den Steinbock des Bündner Nummernschildes. Er übernimmt eine Tankstelle an der damals einzigen Straße von Graubünden nach Zürich. Die Tochter seiner Haushälterin Heller, Annemarie, wird zum Köder: Falls der Täter wieder nach Zürich fährt, müsse er dort vorbeikommen.

Nach Monaten wartet Annemarie im Wald auf einen „Zauberer“. Sie besitzt Schokoladentrüffel, die den Igelchen aus Gritlis Zeichnung entsprechen. Die Polizei observiert sie, doch der Täter erscheint nicht. Der Staatsanwalt verliert die Geduld und die Männer schlagen Annemarie, weil sie nicht antwortet. Ihre Mutter beendet die Situation. Matthäi wartet trotz allem weiter; Jahre vergehen ohne weitere Morde.

Zufall und Scheitern

Die tatsächliche Lösung erfährt Dr. H. erst viel später von einer sterbenden Frau Schrott. Ihr deutlich jüngerer Ehemann Albertchen Schrott hatte die drei Mädchen getötet. Er behauptete, eine Stimme vom Himmel habe ihm die Taten befohlen. Nach dem Mord an Gritli Moser wollte er Annemarie an Matthäis Tankstelle töten. Seine Frau hatte ihm dies verboten. Als er dennoch losfuhr, starb er bei einem Verkehrsunfall mit einem Lastwagen.

Damit war Matthäis Methode im Kern richtig: Der Täter war auf dem Weg zu Annemarie. Er konnte jedoch nicht erscheinen, weil er zufällig zuvor starb. Dr. H. berichtet Matthäi die Wahrheit, doch dieser ignoriert ihn. Für Dr. H. ist dies die „banalste aller möglichen ‹Lösungen›“: Matthäi wird zunächst zum Genie, doch der Zufall führt seine ganze Ermittlungsarbeit ad absurdum. „Nichts ist grausamer als ein Genie, das über etwas Idiotisches stolpert.“

Deutung, Wirkung und Bearbeitungen

Matthäi wird „Matthäi am letzten“ genannt. Dies verweist auf Matthias, den Apostel, der nach dem Tod Judas’ als letzter der zwölf berufen wurde, sowie auf die damals gebräuchliche Redewendung „Matthäus am Letzten“ im Sinn von „am Ende“. Seine ersten Worte, „Ich warte, ich warte, er wird kommen, er wird kommen“, greifen dies auf. Der Name des Mörders, „Schrott“, zeigt Dürrenmatts Sprachwitz. Das Lied „Mariechen saß auf einem Stein“ sowie die Bildfelder Rot und Laubwald werden als Hinweise auf Kindesmissbrauch gedeutet, den der Roman nicht offen reflektiert.

In der Wirkung und Rezeption wird hervorgehoben, dass Dürrenmatt den Glauben der Detektivgeschichte an eine rational geordnete Welt als anachronistisch zeigen wolle. Gleichzeitig wurde der Roman für seinen realistischen Kriminalfall, das Psychogramm des Täters und seine Sprachgewalt gelobt. Als möglicher Vorläufer wird Georges Simenons Maigret tend un piège (1955) genannt; beide Romane ähneln sich unter anderem in Täterbild, Motiv und der Falle mit einem Köder.

Der Stoff wurde mehrfach bearbeitet. Es geschah am hellichten Tag (1958) ist die Drehbuch- und Filmausgangslage, keine Verfilmung des Romans. Verfilmungen erschienen 1979, 1990, 1996, 1997 und 2001; die Fassung The Pledge (2001) führte Sean Penn. Außerdem gibt es eine Hörspielbearbeitung von Walter Baumgartner aus dem Jahr 1996 mit einer Länge von etwa 244 Minuten sowie mehrere Theateradaptionen von 2005 bis 2021.

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