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Dänisch-Hanseatischer Krieg (1509–1512)

Der Dänisch-Hanseatische Krieg von 1509 bis 1512, auch als Dänisch-Lübischer Krieg bezeichnet, war ein militär- und wirtschaftspolitischer Konflikt zwischen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Vorgeschichte: der Krieg um Schweden
  3. 3. Vom politischen Gegensatz zum offenen Krieg
  4. 4. Kämpfe zu See und zu Lande
  5. 5. Frieden von Malmö und Folgen

Überblick und Bedeutung

Der Dänisch-Hanseatische Krieg von 1509 bis 1512, auch Dänisch-Lübischer Krieg genannt, war ein militärischer und wirtschaftspolitischer Konflikt zwischen der von Dänemark beherrschten Kalmarer Union und den von Lübeck geführten wendischen Hansestädten. Schweden war mit Lübeck verbündet und bildete damit eine wichtige dritte Kraft. Der Krieg entstand, weil Lübeck in den Dänisch-Schwedischen Krieg von 1501 bis 1512 eingriff, um den dänischen Einfluss in Schweden zu schwächen. Der Konflikt wurde vor allem zur See ausgetragen und endete mit dem Frieden von Malmö im April 1512.

Beteiligt waren auf dänischer Seite die Kalmarer Union mit Dänemark und Norwegen, auf hanseatischer Seite vor allem Lübeck, Rostock, Stralsund und Wismar sowie Schweden. Zu den wichtigen Befehlshabern gehörten König Johann I. (Hans), Kronprinz Christian, Jens H. Ulfstand, Henrik Krummedike, Søren Norby und Otte Rud für Dänemark sowie Svante Sture, Hemming Gadh, Hermann Messmann, Berend Bomhover, Hermann Falcke und Fritz Grawert für Schweden und die Hanse. Die Angaben zur Truppenstärke nennen für die Hanse 36 Kriegsschiffe mit 1.200 Lübeckern und 3.500 weiteren Hanseaten; Schweden wird mit 9 Kriegsschiffen angegeben.

Die Hanse verlor den Krieg. Sie musste ihre militärische Unterstützung für Schweden einstellen, verlor ihr bisheriges Meistbegünstigungsprivileg im dänischen Ostseehandel zugunsten einer Gleichstellung mit Holland und musste Kriegsreparationen zahlen.

Vorgeschichte: der Krieg um Schweden

Die 1397 gebildete Kalmarer Union, die vor allem auch gegen die Hanse gerichtet gewesen war, zerfiel 1448. Schweden löste sich aus der dänischen Vorherrschaft und behauptete sich 1471 in der Schlacht am Brunkeberg. König Johann I. gelang es 1497, in Stockholm wieder anerkannt zu werden und die Union vorübergehend zu erneuern. Nach seiner Niederlage gegen die Dithmarschener Bauern erhoben sich die Schweden jedoch 1501 unter dem Reichsverweser Sten Sture erneut. Johann floh nach Dänemark, während seine Gemahlin Königin Christina Stockholm mit einer kleinen dänischen Garnison verteidigte.

Lübeck unterstützte Schweden, weil es die Schwächung der nordischen Reiche begrüßte. Hanseschiffe unterbrachen die Versorgung der dänischen Garnisonen in Stockholm, Borgholm auf Öland, Kalmar, Åbo und Wyborg. Christina musste 1502 in Stockholm kapitulieren; auch Åbo und Wyborg fielen an die Schweden. Einen Aufstand in Norwegen unter Knut Alvsson schlug Kronprinz Christian nieder. Danach fiel Christian in das schwedische Västergötland ein. Besonders um die Festung Älvsborg wurde heftig gekämpft.

Nach Sten Stures Tod 1503 setzte sein Nachfolger Svante Sture den Krieg fort. Ein Schiedsspruch Kaiser Maximilians I. erkannte Johann den schwedischen Thron zu und verbot den Hansestädten, den schwedischen Aufstand weiter zu unterstützen. Bei Zuwiderhandlung drohte die Reichsacht. Der Papst verhängte außerdem den Kirchenbann über Svante Sture und über friedensunwillige Mitglieder des schwedischen Reichsrates. Trotzdem griff der gebannte Bischof von Linköping, Hemming Gadh, Kalmar an. Schwedische Truppen verwüsteten unter anderem Blekinge und Halland.

Lübeck und Schweden schlossen 1506 einen Waffenstillstand mit Dänemark und zeigten sich später verhandlungsbereit. Der Handel mit Schweden wurde jedoch über das als „neutral“ behandelte Reval fortgesetzt. Als Dänemark im August 1509 unter Admiral Otte Rud in Finnland landete und Åbo plünderte, wurde ein dänisch-schwedischer Frieden vermittelt. Schweden sollte jährlich 12.000 Mark zahlen, solange sich Johanns Wiedereinsetzung als König verzögerte. Die schwedische Seite setzte diese Vereinbarung jedoch nie um.

Vom politischen Gegensatz zum offenen Krieg

König Johann betrieb die Zusammenlegung der dänischen und norwegischen Flotte sowie den Aufbau einer dauerhaft einsatzbereiten königlichen Marine. Lübeck empfand diese Aufrüstung als Bedrohung und drängte auf einen Präventivschlag. Hamburg, Danzig und weitere Hansestädte verweigerten jedoch ihre Unterstützung. Lübeck erhielt diplomatische Hilfe von Kaiser Maximilian I., der inzwischen eigene Interessen an der schwedischen Thronfolge verfolgte. Dänemark suchte dagegen Unterstützung in Holland, England, Schottland, Polen, Brandenburg und beim Papst.

Zusätzlich verschärften sich die wirtschaftlichen Gegensätze zwischen der Hanse und den holländischen Handelshäfen. Im Frühjahr 1509 begann ein Kaperkrieg zwischen dänischen, holländischen und Lübecker Schiffen. Kaperkrieg bedeutet, dass bewaffnete Schiffe gegnerische Handels- und Versorgungsschiffe auf See angreifen und Beute machen. Lübeck errichtete außerdem eine Seeblockade über den Öresund.

Im September 1509 überfiel und plünderte eine Lübecker Flotte Bornholm und anschließend Gotland. Sie brachte Kriegsgüter und Versorgung für die schwedische Seite. Rostock, Stralsund und Wismar schlossen sich dem Bündnis Lübecks mit Schweden an. Im April 1510 erklärte die Hanse Dänemark offiziell den Krieg.

Kämpfe zu See und zu Lande

Der Kaperkrieg wurde intensiver. Auf dänischer Seite beteiligten sich auch schottische Freibeuter, auf hanseatischer Seite eine Flotte aus Kolberg. Besonders holländische Hanseschiffe waren von den Angriffen in der Ostsee betroffen und suchten deshalb Schutz in einem Bündnis mit Dänemark.

Im Juli 1510 plünderte die Hanse Bornholm erneut. Zusammen mit einem schwedischen Geschwader verwüstete sie anschließend die Küste Schonens. Lübecker Truppen plünderten und zerstörten außerdem Nakskov, wo sich eine wichtige dänische Kriegswerft befand. Vor Nakskov wurde die Lübecker Flotte jedoch vom dänischen Admiral Henrik Krummedike geschlagen. Dänische Gegenangriffe auf Travemünde und Warnemünde scheiterten trotz hoher Verluste.

Im August 1511 besiegte Krummedike vor Bornholm eine von Fritz Grawert geführte Flotte aus Lübecker, Stralsunder und schwedischen Schiffen, die als Geleitschutz für einen holländischen Handelskonvoi diente. Dennoch erbeuteten die Lübecker zahlreiche holländische Handelsschiffe. Die Kämpfe zeigten damit, dass militärische Niederlagen nicht immer verhinderten, dass eine Seite wirtschaftliche Schäden oder Beute erzielte.

Auch an Land errangen die Verbündeten Erfolge. Schwedische Truppen unter Hemming Gadh eroberten mit Lübecker Hilfe das von Dänemark gehaltene Kalmar; anschließend fiel auch Borgholm. Ein erneuter Einfall des dänischen Kronprinzen Christian in Västergötland scheiterte. Bei Gegenangriffen plünderten und brandschatzten schwedische Truppen unter Svante Sture Halland und Schonen.

Frieden von Malmö und Folgen

Kaiser Maximilian I. zog seine Unterstützung für die Hanse zurück. Daraufhin schloss die Hanse im November 1511 in Flensburg einen Waffenstillstand mit Dänemark. Nach dem Tod des schwedischen Reichsverwesers Svante Sture im Januar 1512 nahm auch in Schweden die Kriegsbereitschaft ab. Lübecker Bürgermeister und der neue Reichsverweser Erik Trolle drängten auf Verhandlungen. In Schweden wurde Trolle allerdings von der Kriegspartei um Svante Stures Sohn nicht anerkannt.

Im April 1512 kam der Frieden von Malmö zustande. Die Hanse behielt ihre bisherigen Rechte im dänischen Ostseehandel, musste aber die niederländische Konkurrenz gleichberechtigt zulassen. Dadurch verlor sie ihr Meistbegünstigungsprivileg. Außerdem musste sie die militärische Unterstützung Schwedens beenden. Dänemark und Schweden vereinbarten zumindest einen Waffenstillstand.

Die Hanse durfte den Handel mit Schweden wieder aufnehmen, musste ihn aber sofort einstellen, sobald neue dänisch-schwedische Kämpfe ausbrachen. Lübeck und die übrigen am Krieg beteiligten Hansestädte mussten innerhalb der folgenden zwölf Jahre zusammen 30.000 Gulden Kriegsreparationen an Dänemark zahlen.

Der Frieden beendete den Krieg, löste den Gegensatz zwischen Dänemark, Schweden und Lübeck aber nicht dauerhaft. Nach Johanns Tod im Februar 1513 führte sein Sohn Christian II. ab 1517 erneut Krieg gegen Schweden. Dieser Konflikt mündete 1520 in den Schwedischen Unabhängigkeitskrieg. In diesem Krieg unterstützte Lübeck Schweden wiederum gegen Dänemark.

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