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Crif
Die CRIF S.p.A. ist eine internationale Gruppe von Wirtschaftsauskunfteien mit Hauptsitz in Bologna. Im Schatten der Schufa.
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Überblick und Bedeutung
Die CRIF S.p.A. ist eine internationale Gruppe von Wirtschaftsauskunfteien mit Hauptsitz in Bologna. Wirtschaftsauskunfteien sammeln und verarbeiten Daten, um Unternehmen unter anderem bei Bonitätsprüfungen, Kredit- und Risikomanagement sowie Betrugsprävention zu unterstützen. Eine Bonitätsprüfung soll einschätzen, wie wahrscheinlich es ist, dass eine Person ihre finanziellen Verpflichtungen erfüllt.
Zum Konzern gehören die deutsche CRIF GmbH mit Sitz in München und eine gleichnamige Gesellschaft mit Sitz in Wien. Beide Unternehmen bieten ihren Kunden über Programmierschnittstellen sogenannte Scores an. Ein Score ist ein berechneter Zahlenwert zur Einschätzung der Kreditwürdigkeit. Solche Bewertungen können beeinflussen, ob und zu welchen Bedingungen Verbraucher beispielsweise einen Kauf auf Rechnung, einen Mobilfunkvertrag oder andere Verträge erhalten.
Deutsche Konzerngesellschaft
Die deutsche CRIF GmbH arbeitet als Wirtschaftsauskunftei in den Bereichen Bonitätsprüfung, Kredit- und Risikomanagement, Betrugsprävention und Adressmanagement. Für den Stand 31. Dezember 2020 nennt der Artikel 305 Beschäftigte und einen Umsatz von 59,8 Millionen Euro.
Die Ursprünge des Unternehmens reichen bis 1885 zurück, als Martin Bürgel in Berlin die Martin Bürgel GmbH gründete. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden 300 Bürgel-Auskunftsstellen in Deutschland. 1903 wurde die Filialorganisation in das „Cartell der Vereinigten Auskunfteien Bürgel“ mit inhabergeführten Büros umgewandelt; zugleich entstand in Aachen die Bürgel Centrale GmbH. 1904 unterzeichneten rund 300 Bürgel-Partner einen Partnerschaftsvertrag. Die Zentrale zog 1994 nach Hamburg.
Bis 2016 gehörte die Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH & Co. KG der Euler Hermes Deutschland AG aus der Allianz-Gruppe und der EOS Holding GmbH aus der Otto Group. Im Februar 2016 übernahm die CRIF-Gruppe sämtliche Anteile an der Bürgel-Gruppe. Im Juli 2016 erwarb sie außerdem die Deltavista GmbH in Karlsruhe. Beide Unternehmen wurden im Juli 2017 zur CRIF Bürgel GmbH zusammengeschlossen. Seit November 2021 lautet der Firmenname CRIF GmbH.
Struktur und Nutzung in Deutschland
Die Verwaltungssitze der deutschen Gesellschaft befinden sich in Hamburg und Karlsruhe. Ihre 40 Standorte in Deutschland werden teils von der CRIF GmbH selbst und teils von selbstständigen Franchise-Partnern betrieben. Zur Gruppe gehören die hundertprozentigen Tochtergesellschaften Euro-pro Gesellschaft für Data Processing mbH und CRIF Credit Solutions GmbH. Supercheck ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Euro-pro und wird seit 2018 als deren Marke weitergeführt.
Kunden können über eine Programmierschnittstelle auf Scores zugreifen. Versandhändler wie Zalando verwenden solche Dienste beispielsweise bei der Entscheidung, ob sie einem Kunden die Zahlung auf Rechnung anbieten oder verweigern.
Daneben betreibt CRIF für Mobilfunkanbieter die „Telco Information Platform“. Darin werden Vertragsdaten der Kunden von Mobilfunkunternehmen gesammelt. Die Daten dienen auch zur Ermittlung der Kreditwürdigkeit. Öffentlich bekannt wurde die Plattform durch eine dagegen gerichtete Klage von Datenschützern.
Daten und Scores in Österreich
Die österreichische CRIF GmbH mit Sitz in Wien ging aus Deltavista Österreich hervor, die 2011 von der italienischen CRIF übernommen wurde. Zuvor war Deltavista in einen Datenschutzskandal verwickelt, bei dem rechtswidrig Insolvenzdaten von Gerichten gesammelt worden waren. Die heutige CRIF Österreich bietet über verschiedene Programmierschnittstellen Produkte zur Bewertung der Kreditwürdigkeit von Privatpersonen an. Versandhändler, Telekommunikationsunternehmen und Banken nutzen diese Scores.
Einen großen Teil ihrer Stammdaten kaufte CRIF von AZ Direkt, einem Tochterunternehmen von Bertelsmann. AZ Direkt hatte diese Angaben nach § 151 der österreichischen Gewerbeordnung für „Direktmarketingzwecke“ gesammelt. CRIF setzte sie anschließend für Kreditbewertungen ein. Laut Artikel verstieß diese Nutzung gegen die Zweckbindung nach Artikel 5 Abs. 2 DSGVO und war rechtswidrig. Die Zweckbindung verlangt, dass personenbezogene Daten grundsätzlich nur für den festgelegten Erhebungszweck verarbeitet werden. CRIF verarbeitet diese Stammdaten zu einem großen Teil der Bevölkerung als „Positivdaten“.
Daneben erhält das Unternehmen von verschiedenen Inkassobüros sogenannte „Negativdaten“, etwa Informationen über nicht bezahlte Rechnungen. Nur zu ungefähr 10 % der Personen im Datenbestand soll es solche Negativdaten geben.
Die österreichischen Scores reichen von 250 bis 750. Nach Angaben von CRIF beruhen die Bewertungen von Personen ohne Negativdaten ausschließlich auf Alter, Anschrift und Geschlecht. Dabei hat die Anschrift des Verbrauchers mit Abstand den größten Einfluss. Auch Personen, die nicht in der CRIF-Datenbank vorhanden sind, erhalten einen Score. Das kann etwa Menschen betreffen, die erst nach Österreich gezogen sind. In solchen Fällen verwendet CRIF nur die Daten der Anfrage. Weil diese Angaben nicht verifiziert sind, wird ein schlechterer Score ausgegeben, der mitunter zur Ablehnung eines Vertrags führen kann.
Datenschutzrechtliche Auskunft
Artikel 15 der Datenschutz-Grundverordnung gibt betroffenen Personen ein Recht auf Auskunft über die Verarbeitung ihrer personenbezogenen Daten. CRIF Österreich war wegen fehlerhafter Auskünfte nach dieser Vorschrift Gegenstand mehrerer Verfahren vor der österreichischen Datenschutzbehörde und dem Europäischen Gerichtshof.