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Claudius Schulze

Bekannt ist er für seine Arbeit an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft und zu Themen des Globalen Wandels und der Klimagerechtigkeit. Er …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ausbildung und Forschung
  3. 3. Themen und künstlerische Arbeiten
  4. 4. Klimakunst und Forschungsschiffe
  5. 5. Leitung von Festivals und Biennalen
  6. 6. Auszeichnungen und Publikationen

Überblick

Claudius Schulze (* 1984) ist ein deutscher Künstler und Kunstmanager. Bekannt ist er für Arbeiten an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft, besonders zu Globalem Wandel, Klimakrise, Artensterben und Klimagerechtigkeit. Er initiierte Arca Futuris und leitete dort 2022 das erste internationale Klimakunstfestival, das ClimateArtFest in Hamburg. Außerdem war er künstlerischer Leiter und Gründungsdirektor der Klima Biennale Wien 2024.

Seine Arbeit verbindet künstlerische Forschung, kulturelle Bildung und wissenschaftliche Methoden. Dabei geht es häufig darum, ökologische Veränderungen sichtbar oder erfahrbar zu machen, etwa durch Fotografie, Installationen, Forschungsschiffe, Sensorik, Bilderkennung und künstliche Intelligenz.

Ausbildung und Forschung

Nach dem Abitur in München studierte Schulze von 2004 bis 2007 Politik- und Islamwissenschaft in Hamburg. Anschließend studierte er bis 2010 Konfliktstudien (M.A.) in Istanbul. 2011 schloss er das M.A.-Programm „Photojournalismus und Dokumentarfotografie“ am London College of Communication der University of the Arts London ab.

Danach arbeitete er zunächst freischaffend für Magazine, unter anderem für Der Spiegel, Stern, Neon und GEO. Später wandte er sich stärker künstlerischen Projekten zu. Gegenwärtig forscht er im Rahmen einer Doktorarbeit (Ph.D., Practice as Research) an der University of the Arts London über Maschinenkognition und -sensorik sowie über das anthropogene Artensterben. „Anthropogen“ bedeutet: durch den Menschen verursacht.

Schulze ist regelmäßig als Dozent tätig, etwa an der Leuphana Universität Lüneburg, der Hochschule Hannover und dem National Institute of Design in Ahmedabad und Bangalore in Indien. Außerdem hält er Vorträge und nimmt an Podiumsdiskussionen teil, unter anderem bei der Konrad-Adenauer-Stiftung, beim Chaos Computer Club, im WEIS RAUM Innsbruck, für das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz sowie beim Umweltbundesamt.

Themen und künstlerische Arbeiten

Schulzes Arbeitsschwerpunkte sind der Globale Wandel und die damit verbundenen Fragen der Klimakrise, des Artensterbens und gesellschaftlicher Herausforderungen. Er betrachtet die Krisen der Gegenwart ganzheitlich, also als miteinander verbundene Phänomene. Im Artikel wird seine Sicht so beschrieben: Er versteht diese Krisen als Folgen einer objektifizierenden, auf Extraktivismus beruhenden, neo-liberal beziehungsweise spätkapitalistisch geprägten Weltsicht. „Extraktivismus“ meint eine Wirtschafts- und Denkweise, die vor allem auf das Entnehmen und Ausbeuten von Ressourcen ausgerichtet ist.

In seiner ersten Monografie „Socotra“ (2011) nimmt Schulze die Perspektive eines Eroberers ein, der eine abgelegene Insel erkundet. Damit setzt er sich kritisch mit dem kulturellen und besonders literarischen Erbe des Kolonialismus auseinander.

Sein zweiter Bildband „State of Nature“ / „Naturzustand“ dokumentiert Maßnahmen zum Schutz vor Klima- und Naturkatastrophen in europäischen Landschaften. Das Werk stand auf der Shortlist der „Rencontres de la Photographie Arles“ und von „Aperture/Paris Photo“ und wurde für den „Prix Pictet“ nominiert.

Ein weiteres Projekt war eine Reise mit einem selbstgebauten Hausboot von Hamburg nach Amsterdam und Paris. Das Projekt war Teil der Hamburger Phototriennale 2018, von Unseen Amsterdam und Paris Photo. Das Hausboot liegt heute im Rummelsburger See in Berlin und dient Schulze als Atelier.

Klimakunst und Forschungsschiffe

2022 setzte Schulze das „FIDS Open Research Lab“ um, gefördert unter anderem durch den Elbkulturfonds und die Kulturstiftung des Bundes. Es war ein künstlerisches Forschungsschiff im Hamburger Hafen. Das Schiff untersuchte die Auswirkungen von Lärm und Lichtverschmutzung auf das Verhalten von Vögeln. Dafür nutzte es Bilderkennung, Sensoren und künstliche Intelligenz.

Das Forschungsschiff „Zoë X“ war mit einer hochauflösenden Kamera, vielen Sensoren und weiterer Technik ausgestattet. Es beobachtete Zug- und Standvögel automatisch. Informationen über Orientierung, Flugrouten und Kommunikation der Vögel wurden gesammelt und von künstlicher Intelligenz interpretiert. Ein Textgenerator übersetzte die Analyseergebnisse in deutsche Sätze.

Am Heck des Schiffes befand sich ein „Flight Information Display System“, kurz FIDS. Das ist eine Anzeigetafel, wie man sie von Flughäfen für Ankünfte und Abflüge kennt. Dort wurden die computergenerierten Aussagen angezeigt. Von Mai bis Oktober 2022 war die Installation im Hamburger Hafen unterwegs. Menschen am Hafenrand oder Elbstrand konnten dadurch live in Sprache übersetzte Bioindikatoren ablesen, also biologische Hinweise auf den Zustand der beobachteten Vögel.

Leitung von Festivals und Biennalen

Im Oktober 2022 fand im Hamburger Hafen erstmals das internationale, spartenübergreifende Kunstfestival „ClimateArtFest“ statt. Es war als Pilotprojekt für eine zukünftige Biennale der Klimakunst gedacht. Unter Schulzes Leitung und mit der Kuration von Bettina Freimann stellte das Festival künstlerische, politische und soziale Konventionen infrage und sollte kreative individuelle und kollektive Antworten auf die Klimakrise anregen.

Auf dem historischen Hafenkahn „Arca Futuris“ im Sandtorhafen in der Hamburger Hafencity wurden Arbeiten internationaler und lokaler Künstlerinnen gezeigt, darunter Werke von Martha Atienza, Mandy Barker, Andres Gonzales und Tomás Saraceno. Hamburger Künstlerinnen konnten sich über einen Open Call bewerben; ausgewählt wurden Sophie Allerdings, Maximilian Glas und Carl Maria Kemper. Das Programm umfasste Performances, Ausstellungen, Diskussionen, Filme und Workshops.

Von April bis Juli 2024 fand unter der Gründungsdirektion von Claudius Schulze und mit Sithara Pathirana als Programmleitung die erste internationale Klima Biennale Wien statt. Sie verband ökologische Herausforderungen mit Kunst, Design, Architektur und Wissenschaft. Beteiligt waren etablierte Kunstinstitutionen und Festivals wie Belvedere 21, Weltmuseum, MAK, Naturhistorisches Museum und Wiener Festwochen sowie Vertreterinnen der freien Szene und Organisationen wie die Volkshilfe.

Die erste Ausgabe der Klima Biennale Wien umfasste 500 mitwirkende Künstlerinnen, darunter Eva Fàbregas, Adrián Villar Rojas und Laure Prouvost, 28 Ausstellungen und über 750 Veranstaltungen. Insgesamt wurden 225 000 Besuche gezählt. Die Biennale wird von den drei Ressorts Wirtschaft, Klima & Umwelt sowie Kultur & Wissenschaft der Stadt Wien mit 1,5 Millionen Euro grundfinanziert.

Auszeichnungen und Publikationen

Schulze erhielt mehrere Auszeichnungen, Stipendien und Förderungen. Dazu gehören 2024 die Auszeichnung „Nachhaltiger Gestalter 2024“ von BUSINESSART / LEBENSART, 2022 eine Ausstellungsförderung des Bundes bildender Künstler Deutschland, 2022 ein Stipendium der Stiftung Kunstfonds, 2021 eine Dive-In-Förderung der Kulturstiftung des Bundes und 2021 eine Förderung des Elbkulturfonds.

Weitere genannte Stationen sind ein Arbeitsstipendium der VG Bild Kunst, Stiftung Kulturwerk, 2020 und 2012, eine Künstlerresidenz am Goethe-Institut Bangalore 2019, mehrere Auszeichnungen und Shortlist-Platzierungen für „State of Nature“ in den Jahren 2016 und 2017, der Hansel Mieth Preis 2014 für die GEO-Reportage „Killer als Retter“, das „Vocer Medialab“-Stipendium 2013 für „die Dinge Europas“ zusammen mit dem Journalisten Oskar Piegsa sowie die Nennung „30 unter 30“ im Medium Magazin 2012.

Als Publikationen nennt der Artikel „State of Nature“, erschienen 2017 bei Hartmann books in Stuttgart, ISBN 978-3-96070-010-4, sowie „Socotra. An Island“, erschienen 2011 bei Lonely Island Publishing in München, ISBN 3-00-035338-0.

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