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Christiane Felscherinow
Vera Christiane Felscherinow (* 20. Mai 1962 in Hamburg) ist eine deutsche Musikerin und Autorin. Sie wurde Ende der 1970er Jahre durch das Buch Wir Kinder …
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Bedeutung und Bekanntwerden
Vera Christiane Felscherinow, geboren am 20. Mai 1962 in Hamburg, ist eine deutsche Musikerin und Autorin. Bekannt wurde sie Ende der 1970er Jahre als drogensüchtige Jugendliche unter dem Namen Christiane F. durch das Buch Wir Kinder vom Bahnhof Zoo. Wegen der großen Verbreitung des Buchs und der erfolgreichen Verfilmung wurde sie zu einer Symbolfigur für eine Jugendkultur der 1970er und 1980er Jahre, die stark von Drogen geprägt war.
Das Buch machte einer breiten Öffentlichkeit den Alltag der Drogenszene und den Teufelskreis der Drogensucht bekannt. Es entstand nach Gesprächen mit den Stern-Reportern Kai Hermann und Horst Rieck und stand von 1979 bis 1981 insgesamt 95 Wochen auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. 1981 wurde der Stoff von Uli Edel unter dem Titel Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo verfilmt, mit Natja Brunckhorst in der Hauptrolle.
Kindheit, Drogenabhängigkeit und öffentliches Leben
Felscherinow ist die Tochter von Ursula und Klaus-Dieter Felscherinow. Ihre Kindheit war durch die Alkoholkrankheit ihres Vaters belastet. Als sie sechs Jahre alt war, zog die Familie nach West-Berlin in ein Hochhaus im Joachim-Gottschalk-Weg in der Neuköllner Gropiusstadt. Auch nach der Scheidung der Eltern verbesserte sich ihre soziale Situation nur begrenzt.
Mit zwölf Jahren begann sie, Drogen zu konsumieren. Mit 14 Jahren war sie heroinabhängig. Heroin ist eine stark abhängig machende illegale Droge. Um Geld für Drogen zu bekommen, prostituierte sie sich auf dem Kinderstrich an der Kurfürstenstraße und am Bahnhof Zoo. Ihre Mutter bemerkte erst nach zwei Jahren das Doppelleben ihrer Tochter.
1978 sagte Felscherinow in einem Prozess als Zeugin aus. Dadurch wurden Kai Hermann und Horst Rieck auf sie aufmerksam. Aus ihren Gesprächen mit ihr und weiterer Recherche entstand Wir Kinder vom Bahnhof Zoo. Die Veröffentlichung machte Felscherinow berühmt, brachte aber auch ihr Privatleben dauerhaft in die Öffentlichkeit.
Musik, Film und spätere Lebensstationen
In den frühen 1980er Jahren lebte Felscherinow in einer Künstler-WG in Hamburg-St. Pauli, in den alten Redaktionsräumen der St. Pauli-Nachrichten in der Hein-Hoyer-Straße. Sie war als Musikerin und Schauspielerin aktiv, blieb aber kommerziell erfolglos. Zwischen 1981 und 1983 versuchte sie mit Unterstützung ihres damaligen Lebensgefährten Alexander Hacke eine Karriere als Sängerin und Filmschauspielerin zu beginnen. Sie trat teils unter dem Namen „Christiane F.“, teils als „Christiana“ auf. Mit Hacke bildete sie das Duo Sentimentale Jugend und trat unter anderem im September 1981 beim Festival Genialer Dilletanten in Berlin auf.
1982 nahm sie mehrere Schallplatten im Stil der Neuen Deutschen Welle auf und spielte in den Filmen Neonstadt und Decoder mit. Ebenfalls 1982 nahm sie an einer Promotiontour für den Film Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo durch die USA teil. Dabei nannte sie erstmals öffentlich ihren vollständigen Namen. In der KROQ-Radioshow von Rodney Bingenheimer hatte sie eine Kassette mit dem Lied 99 Luftballons von Nena dabei. Nachdem der Moderator das deutschsprachige Lied gespielt hatte, fragten viele Hörer danach; weitere Radiostationen spielten es ebenfalls. So kam das Lied in die amerikanischen Charts, bevor Nenas Plattenfirma Columbia Records reagieren konnte.
Nach einer Geldstrafe wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz im Jahr 1985 wurde Felscherinow im Januar 1986 zu zehn Monaten Haft verurteilt. 1987 ging sie nach Griechenland und lebte dort bis 1993 mit einem Griechen zusammen. Danach kehrte sie nach Berlin zurück.
Familie, Autobiografie und Rückzug
1996 brachte Felscherinow einen Sohn zur Welt. Als er zwölf Jahre alt war, gab sie ihm Wir Kinder vom Bahnhof Zoo zum Lesen; er griff jedoch erst zwei Jahre später aus eigenem Interesse zu dem Buch. 2008 nahm das Jugendamt ihren Sohn in Obhut, und Felscherinow verlor das Sorgerecht. 2010 bekam sie es zurück, holte ihren Sohn aber nicht wieder zu sich.
Am 10. Oktober 2013 erschien ihre Autobiografie Christiane F. – Mein zweites Leben. Darin bestätigte sie, in ihrem späteren Leben immer wieder rückfällig geworden zu sein. Eine „Fan-Ausgabe“ erschien zehn Tage früher und enthielt zusätzliche Zeichnungen, Bilder und Videos. Aus einem Teil des Erlöses wurde die Christiane-F-Stiftung gegründet, die Kinder von substanzabhängigen Eltern unterstützen und für deren Situation sensibilisieren soll. Die Autobiografie hielt sich fast ein Jahr lang auf der Spiegel-Bestsellerliste.
Im November 2013 sprach Felscherinow in der n24-Talkshow Deutschland akut über ihre finanzielle Lage. Sie sagte, sie sei in dem Sinn reich, dass sie beim Einkaufen nicht überlegen müsse, ob sie sich bestimmte Lebensmittel leisten könne. Sie besitze aber kein Haus und kein Auto und habe ihr Geld für ihr persönliches Leben ausgegeben.
Im Januar 2014 gab sie in ihrem Blog einen vorläufigen Rückzug aus der Öffentlichkeit bekannt. Als Gründe nannte sie ihren schlechten Gesundheitszustand und die Angst, im Internet anonym verurteilt zu werden. Nach Aussage eines ehemaligen Gruppenmitglieds war sie um 2013 Teil einer Gruppe heroinabhängiger Obdachloser am Berliner Hermannplatz. Ihr Lebensgefährte sei 2016 an den Folgen seines Heroinkonsums gestorben. Danach habe sie den Kontakt zur Gruppe abgebrochen und sei in eine Obdachlosenunterkunft gezogen. Im Mai 2023 sei sie dort wieder ausgezogen mit dem Plan, den Rest ihres Lebens auf dem Land und drogenfrei zu verbringen.
Werke und Medienadaptionen
Felscherinows wichtigste eigene Buchveröffentlichung ist Christiane F. – Mein zweites Leben, das sie zusammen mit Sonja Vukovic veröffentlichte. Es erschien 2013 im Deutschen Levante Verlag in Berlin, ISBN 978-3-943737-12-7.
Ihre Diskografie umfasst unter anderem die Single Wunderbar / Der Tod holt mich ein mit Alexander Hacke von Einstürzende Neubauten, die EP Gesundheit, die Maxi-Single CHRISTIANA – Final Church, den Song Süchtig auf dem Supermax Surprise Sampler und die Maxi-Single Wunderbar – Health Dub von 2003.
Neben der bekannten Buchverfilmung Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo aus den Jahren 1980/81 gibt es weitere Medienbearbeitungen und Dokumentationen. Dazu gehören ein dreiteiliges Dokumentarhörspiel des RIAS Berlin von 1979, die Filme Neonstadt und Decoder, mehrere Spiegel-TV-Dokumentationen sowie spätere Produktionen wie Das Berlin der Kinder vom Bahnhof Zoo, Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo: Lost Generation und Kino im Rausch. 2021 erschien außerdem die achtteilige Serie Wir Kinder vom Bahnhof Zoo von Philipp Kadelbach und Sophie von Uslar, mit Jana McKinnon als Christiane F.