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Cantillon-Effekt

Als Cantillon-Effekt wird in der Ökonomie der Effekt bezeichnet, dass sich eine Erhöhung der (Giral-)Geldmenge (Nettokreditvergabe) nicht automatisch …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Grundgedanke und Definition
  2. 2. Ablauf der Geldvermehrung
  3. 3. Wirkung auf die Einkommensverteilung

Grundgedanke und Definition

Der Cantillon-Effekt beschreibt, dass eine Erhöhung der (Giral-)Geldmenge, also insbesondere durch Nettokreditvergabe, nicht automatisch gleichmäßig in der gesamten Volkswirtschaft wirksam wird. Das neu geschaffene Geld gelangt stufenweise in den Wirtschaftskreislauf. Zuerst profitieren bestimmte Empfänger, insbesondere der Banksektor, staatsnahe Unternehmen, der Unternehmersektor und politisch begünstigte Gruppen. Andere Teile der Volkswirtschaft erhalten das Geld später oder gar nicht.

Der Effekt ist nach Richard Cantillon benannt. Seine „Abhandlung über die Natur des Handels im Allgemeinen“ wurde 1755 erstmals veröffentlicht. Cantillon untersuchte ursprünglich eine Geldvermehrung durch Gold- oder Silberminen. Heute geht die Geldschöpfung in der Regel nicht mehr von Minen, sondern von Zentralbanken aus und kommt dadurch zunächst besonders der Finanzbranche zugute.

Ablauf der Geldvermehrung

In Cantillons Beispiel erzielen die Eigentümer der Minen sowie Unternehmer und Beschäftigte höhere Gewinne und Einkommen. Sie erhöhen ihre Ausgaben, kaufen mehr und bessere Waren und geben dadurch zusätzlichen Handwerkern Beschäftigung. Diese steigern wiederum ihre Ausgaben.

Die stärkere Nachfrage nach Fleisch, Wein, Wolle und anderen Gütern lässt deren Preise steigen. Pächter werden deshalb dazu veranlasst, mehr Boden für die Produktion dieser Waren einzusetzen, und erzielen durch die höheren Preise Gewinne. Die Wirkung breitet sich also nicht gleichzeitig, sondern über bestimmte Empfänger, Ausgaben und Preisänderungen aus.

Belastet werden zunächst vor allem Grundeigentümer während der Laufzeit ihrer Pachtverträge, außerdem Diener, Arbeiter und Angestellte mit festen Gehältern. Sie müssen ihre Ausgaben wegen der gestiegenen Preise einschränken. Nach Cantillons Darstellung können manche deshalb den Staat verlassen, Eigentümer können Beschäftigte entlassen, und andere Beschäftigte verlangen höhere Löhne. Insgesamt führt die beträchtliche Geldvermehrung zu höherem Konsum und höheren Ausgaben derjenigen, die zuerst davon profitieren, zugleich aber zu einer Verringerung des Anteils anderer Bewohner und möglicherweise zu einer Verminderung der Einwohnerzahl.

Wirkung auf die Einkommensverteilung

Der Cantillon-Effekt wird besonders von Vertretern der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, darunter Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek, hervorgehoben. Sie fordern eine Begrenzung der Geldmenge.

Kritiker betrachten die Geldpolitik der US-Zentralbank seit der Finanzkrise 2008 als typisches Beispiel: Vor allem Banken hätten profitiert, während das Geld die Realwirtschaft erst deutlich später und bestimmte Sektoren gar nicht erreicht habe. Der Effekt wird außerdem genutzt, um den Einfluss politisch begünstigter Gruppen auf die Geldschöpfung zu beschreiben, etwa in Entwicklungsländern ohne starke Zentralbank.

Auch die private Schöpfung von Giralgeld durch Banken kann eine Rolle spielen. Bei einer exzessiven Kreditvergabe profitieren zunächst die Kreditnehmer. Einkommensschwache Menschen verfügen häufig nicht über ausreichende Sicherheiten und können deshalb keine Kredite erhalten. Eine großzügige Kreditvergabe kann dadurch die Einkommensungleichheit vergrößern.

Als Verlierer gelten diejenigen, bei denen das neu geschaffene Geld nicht ankommt, die aber dennoch die dadurch gestiegenen Preise bezahlen müssen. Nach Thomas Mayer ist dieser Zusammenhang für die zunehmende Ungleichheit bei der Verteilung der Geldvermögen wichtiger als die von Thomas Piketty genannten Faktoren.

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