Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Brienne (Adelsgeschlecht)

Das Haus Brienne war eine Familie des Feudaladels der hochmittelalterlichen Champagne in Frankreich, deren namensgebende Stammburg bei der heutigen Gemeinde …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Kern und historische Bedeutung
  2. 2. Ursprünge und Aufstieg
  3. 3. Hauptlinie und wichtige Nebenzweige
  4. 4. Wappen und heraldische Entwicklung

Kern und historische Bedeutung

Das Haus Brienne war eine Familie des Feudaladels der hochmittelalterlichen Champagne in Frankreich. Seine namensgebende Stammburg lag bei der heutigen Gemeinde Brienne-le-Château im Département Aube. Die Familie ist besonders wegen ihrer generationenübergreifenden Beteiligung an den Kreuzzügen des 12. und 13. Jahrhunderts bekannt. Aus ihr gingen ein König von Jerusalem und ein Kaiser von Konstantinopel hervor. Außerdem stellte das Haus drei Connétable von Frankreich und zwei Lord High Constable in England.

Die Grafschaft Brienne war keine der großen Territorialherrschaften des mittelalterlichen Frankreichs. Sie umfasste nicht den gesamten alten fränkischen pagus Breonensis, sondern nur dessen südliche Hälfte, ungefähr das Gebiet des heutigen Kantons Brienne-le-Château. Das politische Gewicht der Grafen war deshalb begrenzt. Spätestens ab dem 11. Jahrhundert mussten sie die lehnsrechtliche Oberhoheit der mächtigen Grafen der Champagne anerkennen, deren Hauptresidenz Troyes etwa zwanzig Kilometer westlich von Brienne lag. Regionale Bedeutung gewann die Familie vor allem durch ihre Verbindungen zu benachbarten Adelsfamilien, insbesondere zu den Herren von Joinville.

Ursprünge und Aufstieg

Die Ursprünge des Hauses reichen bis in die Mitte des 10. Jahrhunderts zurück. Für das Jahr 951 berichtet Flodoard von Reims, König Ludwig IV. „der Überseeische“ habe die Burg von Brienne belagert und schleifen lassen, weil ihre Herren, die Brüder Gotbert und Engelbert I., das Umland durch Raubzüge geschädigt hatten. Engelbert I. konnte die Burg offenbar später wiederaufbauen; sie blieb für ihn und seine Nachkommen Stammsitz und Mittelpunkt einer dauerhaften Herrschaft über das Umland.

Die Genealogie der frühesten Vertreter lässt sich wegen unzureichender Quellen nur vage rekonstruieren. Offenbar folgten bis in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts drei Personen namens Engelbert aufeinander. Schon Engelbert I. beanspruchte den Grafentitel. Sicherer nachvollziehbar wird die Familiengeschichte erst mit Walter I. von Brienne, der in der Mitte des 11. Jahrhunderts auftritt und 1035 als Graf von Brienne bezeugt ist.

Mit Graf Erhard I. († ca. 1114) begann die lange Kreuzfahrertradition des Hauses. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts beteiligten sich nicht weniger als zwölf Familienmitglieder aktiv an Kreuzzügen. Die Familie knüpfte dadurch Verbindungen zu den Herrschaftsgebieten im östlichen Mittelmeerraum und stieg trotz ihrer begrenzten territorialen Ausgangslage zu größerer internationaler Bedeutung auf.

Besonders wichtig war Johann von Brienne († 1237). Als nachgeborener und geringbegüterter Sohn wurde er 1210 als Ehemann für Maria von Montferrat, die Königin von Jerusalem, ausgewählt und dadurch in die Herrschaft über das Königreich Jerusalem einbezogen. Von 1218 bis 1221 führte er den Kreuzzug von Damiette, den Fünften Kreuzzug. Kurz vor seinem Tod wurde er zum lateinischen Kaiserthron in Konstantinopel erwählt. Über seine Tochter, Königin Isabella II. († 1228), wurde Johann außerdem Großvater der letzten Herrscher des Staufergeschlechts.

Hauptlinie und wichtige Nebenzweige

Die Hauptlinie der Grafen von Brienne erlosch 1360 mit Gräfin Isabella als letzter Vertreterin im Mannesstamm. Die Grafschaft Brienne ging anschließend an ihre Erben aus dem Haus Enghien über. Von Johann von Brienne stammende Nebenzweige bestanden jedoch länger fort: als Grafen von Eu und als Vizegrafen von Beaumont in Frankreich bis in das 14. Jahrhundert sowie in England als Viscount Beaumont bis in das 16. Jahrhundert.

Die wichtigsten genealogischen Linien lassen sich so zusammenfassen:

  • Die Herren und frühen Grafen von Brienne: Auf Engelbert I., 951 und 968 bezeugt, folgten vermutlich Engelbert II. († vor 1027/31) und Engelbert III. († vor 1035). Walter I. wurde 1035 als Graf von Brienne bezeichnet.

  • Die Grafen von Brienne und Bar-sur-Seine: Zu dieser Linie gehörten unter anderem Walter III. († 1205), Thronprätendent von Sizilien und Fürst von Tarent, sowie Walter IV. († ermordet 1244/47), der um 1210 Graf von Brienne und 1221/24 Graf von Jaffa war. Hugo war † 1296 Graf von Brienne, ab 1269 Graf von Lecce und ab 1289 Herr von Conversano. Walter V. war Graf von Brienne und Lecce und wurde 1308 Herzog von Athen; er fiel 1311. Walter VI. war Graf von Brienne und Lecce, Graf von Conversano, Herr von Florenz, Titularherzog von Athen und Connétable von Frankreich; er fiel 1356.

  • Die Grafen von Eu: Alfons von Akko († 1270), ein Sohn Johanns von Brienne aus dessen dritter Ehe, wurde Graf von Eu und Großkämmerer von Frankreich. Ihm folgten Johann II. († 1294), Johann III. († 1302 in der Sporenschlacht), Raoul I. († 1344), der 1327 Connétable von Frankreich wurde, und Raoul II. († 1350), der dieses Amt 1344 übernahm. Johanna, † 1389, war Dame de Château-Chinon und heiratete zuerst Walter VI. von Brienne und später Ludwig von Évreux.

  • Die Vizegrafen von Beaumont: Ludwig von Akko, † nach 1297, wurde durch seine Ehe mit Agnes Vizegraf von Beaumont-au-Maine. Die französische Linie führte über Johann, Robert und weitere Träger des Titels bis zu Marie de Chamaillart († 1425), die Peter II., Graf von Alençon, heiratete; dadurch erbte dieser die Vizegrafschaft Beaumont. Ein englischer Zweig begann mit Henry de Beaumont († 1340), dem 1. Baron Beaumont. John Beaumont wurde 1436 Graf von Boulogne, 1440 1. Viscount Beaumont und 1445/50 Konstabler von England. Sein Sohn William Beaumont († 1507) war 2. Viscount Beaumont und 7. Lord Beaumont.

Zur weiteren Verwandtschaft gehörten unter anderem Johann von Akko († 1296), 1258–94 Bouteiller de France, sowie mehrere Ehen mit Angehörigen der Häuser Lusignan, Châtillon, Coucy, Lancaster und anderen Adelsfamilien.

Wappen und heraldische Entwicklung

Die frühesten heraldischen Darstellungen des Hauses Brienne stammen aus dem 13. Jahrhundert. Das Grundmotiv ist ein goldener, aufrecht stehender Löwe auf blauem Schild. Dieses Motiv erscheint erstmals auf einem Siegel Johanns von Brienne aus dem Jahr 1209.

Auf Siegeln der gräflichen Hauptlinie wurde der Löwe später durch Schindeln ergänzt. Dieses Wappen dient heute als Wappen der Commune Brienne-le-Château. Ein in Ramerupt ansässiger Seitenzweig führte einen gold-blau gestreiften Schild. Das Wappen der Vizegrafen von Beaumont war mit goldenen Fleur-de-Lys besetzt und wird heute von der Commune Beaumont-sur-Sarthe verwendet.

Eine besondere, aber nicht durch die bekannten Siegel bestätigte Darstellung findet sich in der Historia Anglorum des englischen Chronisten Matthäus Paris aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Bei der Nachricht vom Tod Johanns von Brienne wurde ein auf den Kopf gestelltes Wappen mit einem goldenen Fisch auf blauem Schild abgebildet. Ein Fischmotiv ist jedoch auf keinem der bekannten Siegel des Hauses Brienne nachgewiesen.

Weiterlesen