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Birkenstock

Der faktische Sitz befindet sich in Linz am Rhein. Mehrheitseigentümer ist die Beteiligungsgesellschaft L Catterton, hinter der unter anderem der französische …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Unternehmen und Bedeutung
  2. 2. Entwicklung bis 1945
  3. 3. Fußbett-Sandale und internationale Verbreitung
  4. 4. Restrukturierung, Modekooperationen und Börse
  5. 5. Arbeitskonflikte und Gleichbehandlung
  6. 6. Streit um Nachahmungen

Unternehmen und Bedeutung

Die Birkenstock Holding plc ist die börsennotierte Konzernobergesellschaft eines deutschen Schuhherstellers. Der rechtliche Sitz liegt in Saint Helier auf der britischen Kanalinsel Jersey, der Verwaltungssitz in London; der faktische Sitz befindet sich in Linz am Rhein. Mehrheitseigentümer ist die Beteiligungsgesellschaft L Catterton, hinter der unter anderem LVMH und Bernard Arnault stehen. 2025 hatte Birkenstock 8400 Mitarbeitende, 2023 lag der Umsatz bei 2,09 Milliarden Euro.

Bekannt ist Birkenstock vor allem für Sandalen mit einem anatomisch geformten Fußbett. Ein Fußbett ist eine Einlage oder Sohlenform, die den Fuß stützen und sich an Fußform und Bewegung anpassen soll. Zentrale Modelle sind die Sandalen „Madrid“, „Arizona“, „Boston“ und „Gizeh“. Birkenstock entwickelte sich von einer orthopädischen Schuhmacherei zu einer weltweit bekannten Marke, die sowohl mit bequemen Alltags- und Arbeitsschuhen als auch mit Modekooperationen verbunden wird.

Entwicklung bis 1945

Die Geschichte der Schuhmacherdynastie Birkenstock ist seit 1774 belegt. Damals wurde der Schuhmachermeister Johannes Birkenstock (1749–1812) im hessischen Langen-Bergheim erstmals urkundlich erwähnt. Konrad Birkenstock, ein Enkel des Firmengründers, eröffnete 1896 in Frankfurt am Main eine orthopädische Schuhmacherei und begann mit der Herstellung von Fußbetteinlagen. 1897 gründete er die Konrad Birkenstock GmbH.

Konrad Birkenstock entwickelte 1897 einen vollplastischen Leisten und 1902 eine vollplastische flexible Innensohle. Schuhe mit diesem Leisten und dieser Innensohle nannte er „Gesundheitsschuhwerk“. 1925 ließ er für seine Einlagen das Warenzeichen „Fußbett“ eintragen. In den 1920er Jahren wurden die Einlagen auch in mehrere europäische Länder geliefert. Die in der Werbung genannten gesundheitlichen Wirkversprechen wurden jedoch nie nachgewiesen.

Während des Ersten Weltkriegs trat Konrads ältester Sohn Carl Birkenstock (1900–1982) die Nachfolge an. Er entwickelte die Einlagen weiter, betrieb von 1923 bis 1926 ein eigenes Geschäft in Wien und gründete 1929 mit seinen Brüdern Heinrich und Konrad Birkenstock jr. die Gebr. Birkenstock GmbH in Steinhude. Ab 1939 führte Carl das Unternehmen mit damals 13 Beschäftigten ohne seine Brüder weiter. Er verkaufte Einlagen nur an Fachhändler und Schuhmacher, die bei ihm einen Lehrkurs absolviert hatten.

1940 trat Carl Birkenstock in die NSDAP ein. Nach Darstellung des Artikels beschäftigten die Unternehmen der Familie Birkenstock in der Zeit des Nationalsozialismus keine Zwangsarbeiter. Es kam zu keinen Lieferverträgen mit Wehrmacht, NSDAP oder deren Organisationen, die Verkäufe gingen an Privatpersonen. Birkenstock ließ keine Materialien oder Einlagen auf der Schuhprüfstrecke des Konzentrationslagers Sachsenhausen prüfen und profitierte nicht von der als Arisierung bezeichneten Enteignung.

Fußbett-Sandale und internationale Verbreitung

Nach 1945 führte Carl Birkenstock am neuen Sitz in Bad Honnef bei Bonn die Idee eines handgefertigten Schuhs fort. 1954 trat sein Sohn Karl Birkenstock in das Unternehmen ein. Karl entwickelte 1962 eine standardisierte, fest verbaute anatomisch geformte Einlage. Dadurch konnten die Schuhe in größerer Stückzahl produziert werden. 1963 brachte er das erste Modell der Original Birkenstock-Fußbett-Sandale auf den Markt; 1979 folgte, nur wenig verändert, das Modell „Madrid“.

Zunächst fand die Erweiterung des Modellangebots nur geringe Resonanz. 1970 beschäftigte das Unternehmen 57 Mitarbeitende. In den USA entdeckte Ende der 1960er Jahre die Hippiebewegung die Sandalen, dort auch „Birks“ genannt. Die Deutschamerikanerin Margot Fraser baute ab 1966 den Vertrieb in Kalifornien auf. In den 1970er Jahren verkaufte sie Birkenstock-Sandalen erfolgreich über Bio-Supermärkte. Ihr Unternehmen Footprint Inc., später Birkenstock USA, wirkte auf dem seit den 1980er Jahren größten Markt für Birkenstock.

In Deutschland wurden Birkenstock-Sandalen in den 1980er Jahren populär. Sie waren seit den 1960er Jahren zunächst in Pflegeberufen sowie in der Alternativ- und Friedensbewegung verbreitet und wurden später auch in bürgerlichen Haushalten als Haus- und Freizeitschuhe getragen. Wichtige Produktentwicklungen waren 1973 die Sandale „Arizona“, 1976 das Modell „Boston“ und 1983 die erste Zehenstegsandale, unter anderem das Modell „Gizeh“.

Restrukturierung, Modekooperationen und Börse

2013 wurde Birkenstock grundlegend restrukturiert. Aus zuvor 38 einzelnen Unternehmen entstand eine einheitliche Unternehmensgruppe, die Birkenstock Group. Die Gruppe wurde in die Geschäftsbereiche Produktion, Vertrieb und Services gegliedert. Erstmals übernahm ein Führungsteam die Leitung, das nicht aus der Familie Birkenstock stammte. Im Zuge der Restrukturierung wurden die Marken Alpro, Betula, Birki, Footprints, Papillio und Tatami eingestellt.

Der Sitz war seit den 1990er Jahren Vettelschoß in Rheinland-Pfalz. Von 2014 bis 2020 wurde die Verwaltung auf den Birkenstock-Campus in Rahms in Neustadt (Wied) verlegt; dieser Standort wurde 2020 aufgegeben. Danach wurde fast die Hälfte aller Arbeitsplätze in den Rheinauhafen in Köln verlegt, während sich der Verwaltungssitz seitdem auf Burg Ockenfels in Linz am Rhein befindet. Produktionsstandorte liegen in Sankt Katharinen, Bernstadt, Görlitz, Steinau-Uerzell und seit September 2023 auch in Pasewalk. Das Logistikzentrum befindet sich in Vettelschoß.

Seit Anfang der 2000er Jahre arbeitet Birkenstock mit internationalen Modemarken und Designerinnen und Designern zusammen. 2003 gab es eine Kooperation mit Heidi Klum. 2012 zeigte Phoebe Philo bei Céline Sandalen, die Birkenstock-Arizonas nachempfunden waren. Weitere Kooperationen gab es unter anderem mit Valentino Garavani, der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin, Dior und Manolo Blahnik. Frances McDormand trat bei der Oscarverleihung 2019 mit einem eigens angefertigten Paar auf. 2019 gründete Birkenstock in Paris das Kreativ-Team „1774“, benannt nach dem Gründungsjahr.

Im Februar 2021 verkaufte die Familie Birkenstock die Mehrheit der Kapitalanteile an L Catterton. 2023 brachte die Beteiligungsgesellschaft Birkenstock an die New York Stock Exchange. Erster Handelstag war der 11. Oktober 2023. Vor der Börsennotierung wurde das Unternehmen mit 4 Milliarden Euro bewertet; am ersten Handelstag fiel der Aktienkurs jedoch um fast 13 Prozent unter den Ausgabepreis.

Arbeitskonflikte und Gleichbehandlung

Birkenstock geriet mehrfach wegen Konflikten um unabhängige Betriebsräte in die Kritik. Teilweise führten diese Auseinandersetzungen zu Gerichtsverfahren und Verurteilungen der Geschäftsleitung. 1993 wurde im Werk Sankt Katharinen für die Birko Schuhtechnik GmbH der erste Betriebsrat eingerichtet. Dort war das Stammwerk inzwischen auf 700 Beschäftigte angewachsen. Es kam zu schweren Konflikten zwischen Eigentümerfamilie, Betriebsratsangehörigen und der Gewerkschaft Holz und Kunststoff.

Ein Streitpunkt war der Haustarifvertrag; außerdem wollte die Gewerkschaft ein von Birkenstock entwickeltes Prämiensystem für Arbeitsgruppen abschaffen. Die Unternehmensleitung reagierte mit einer Restrukturierung. In den folgenden Jahren prägten gegenseitige Vorwürfe das öffentliche Bild. Beschäftigte der neu gegründeten DeP GmbH berichteten über schlechte Arbeitsbedingungen, unter anderem abgestellte Heizung und Kontrollen durch Sicherheitsmitarbeiter. Schlichtungsversuche des CDU-Bundestagsabgeordneten Ulrich Schmalz scheiterten 1994, Interventionen des Arbeitsministers Norbert Blüm blieben 1995 erfolglos.

Anfang 1997 einigten sich Geschäftsführung, Gewerkschaft und Mitarbeitende auf die Schließung der DeP GmbH, einen Sozialplan über rund 1,8 Millionen Deutsche Mark und die Zulassung gewerkschaftsnaher Betriebsräte in Zweigbetrieben. Im März 2019 wurde auch am größten Standort in Görlitz ein Betriebsrat gewählt.

Bis 2012 zahlte Birkenstock Frauen in der Produktion bei gleicher Tätigkeit und Qualifikation einen Euro pro Stunde weniger als Männern. Auch Weihnachts- und Urlaubsgeld waren niedriger. Das Arbeitsgericht urteilte, dass diese Ungleichbehandlung nicht gerechtfertigt war. Nach Änderungen in der Gesellschafterstruktur 2013 wurde sie aufgehoben und teilweise durch Nachzahlungen und Entschädigungen ausgeglichen.

Streit um Nachahmungen

Birkenstock führte mehrere Konflikte um Produktfälschungen und Nachahmungen. Im Dezember 2017 kündigte das Unternehmen an, Amazon ab dem 1. Januar 2018 nicht mehr zu beliefern. Als Grund nannte Birkenstock, dass Amazon auf dem Amazon Marketplace nicht entschieden genug gegen den Handel mit Produktfälschungen vorgehe. Geschäftsführer Oliver Reichert kritisierte Amazon deutlich. Im September 2023 war die Marke Birkenstock wieder auf Amazon vertreten.

Vor dem Landgericht Köln wehrte sich Birkenstock erfolglos gegen die Nachahmung von Schuhen. Das Gericht entschied 2018, Birkenstock habe Nachahmer zu lange geduldet; die wettbewerbsrechtliche Eigenart der Modelle sei mit der Zeit verwässert worden. 2023 klagte Birkenstock erneut gegen Konkurrenten und berief sich diesmal auf urheberrechtlichen Schutz angewandter Kunst. Das Landgericht Köln gab Birkenstock zunächst Recht, doch das Oberlandesgericht Köln sah in der Berufung die notwendige Schöpfungshöhe nicht als gegeben an. Der Bundesgerichtshof bestätigte diese Entscheidung im Februar 2025.

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