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Berlin-Kolleg
Das Berlin-Kolleg (vollständige Eigenbezeichnung: BERLIN KOLLEG – Institut zur Erlangung der Hochschulreife) ist eine staatliche Tagesschule des zweiten …
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Profil und Entwicklung
Das Berlin-Kolleg – vollständig „BERLIN KOLLEG – Institut zur Erlangung der Hochschulreife“ – ist eine staatliche Tagesschule des zweiten Bildungswegs in Berlin-Moabit. Erwachsene mit Berufserfahrung können dort den mittleren Schulabschluss, die Fachhochschulreife und die allgemeine Hochschulreife (Abitur) erwerben. Das Institut wird vom Land Berlin getragen und besteht seit dem 1. April 1960. Es ist berlinweit das älteste und größte Institut dieser Art. Die Schulnummer lautet 01A04.
Der heutige Standort ist die Turmstraße 75, 10551 Berlin. 1995 wechselte der Standort; nach einem 2002 beschlossenen, kostenbedingten Umzug zog das Berlin-Kolleg 2006 in das Gebäude der ehemaligen Fontane-Schule. Der Gebäudekomplex in der Turmstraße und Zwinglistraße ist ein gelistetes Baudenkmal. Seit September 2024 gibt es außerdem den größtenteils online-basierten Lehrgang ABITUR ONLINE mit Präsenzunterricht an zwei Tagen pro Woche.
Die Schule entwickelte sich aus einem 1960 gegründeten Sonderlehrgang zum Erwerb der Hochschulreife. Wichtige Stationen waren die erste regulierende Vereinbarung über Institute zur Erlangung der Hochschulreife im Juli 1965, eine Reform des Berlin-Kollegs im Jahr 1968 und die Einführung einer elternunabhängigen BAföG-Förderung im August 1971. Eine Vereinbarung der Kultusministerkonferenz von 1979 schränkte den Gestaltungsrahmen des zweiten Bildungswegs ein; die Reform des Berlin-Kollegs lief 1983 aus. 1976 wurde eine eigene Schulaufsicht für den zweiten Bildungsweg eingerichtet.
Aufnahme und Schullaufbahn
Für die Aufnahme zur Erlangung der allgemeinen Hochschulreife gelten im Land Berlin grundsätzlich folgende Voraussetzungen: Die Bewerberinnen und Bewerber müssen mindestens 18 Jahre alt sein, eine Berufsausbildung abgeschlossen oder mindestens zwei Jahre berufstätig gewesen sein und mindestens den Hauptschulabschluss, die Berufsbildungsreife (BBR) oder eine gleichwertige Schulausbildung besitzen. Anrechenbar können unter anderem die Führung eines Familienhaushalts mit mindestens einer erziehungs- oder pflegebedürftigen Person, Wehr- und Zivildienstzeiten sowie nachgewiesene Arbeitslosigkeit sein. Fehlende Voraussetzungen können teilweise auch in Kursen der Volkshochschulen erworben werden.
Teilnehmende ohne mittleren Bildungsabschluss oder mit einem Alter von mehr als 30 Jahren müssen einen halbjährigen Vorkurs besuchen. Er vermittelt Grundkenntnisse und wiederholt Grundlagen in Mathematik, Englisch und Deutsch. Bei geringen Vorkenntnissen können zusätzliche Deutsch- und Englisch-Auffrischungskurse angeboten werden. Für geflüchtete Teilnehmende gibt es Vorbereitungskurse.
Die einjährige Einführungsphase bereitet auf die Qualifikationsphase vor. Wer die Fachhochschulreife oder bereits eine gymnasiale Einführungsphase abgeschlossen und Kenntnisse in zwei Fremdsprachen nachgewiesen hat, kann die Einführungsphase nach persönlicher Beratung gegebenenfalls überspringen. Wer den mittleren Schulabschluss noch nicht besitzt, erhält ihn nach erfolgreichem Abschluss der Einführungsphase automatisch und ohne gesonderte Prüfung.
Die anschließende Qualifikationsphase vertieft die Inhalte der Einführungsphase und umfasst Leistungs- und Grundkurse. Leistungskurse vermitteln vertiefte Kenntnisse; Grundkurse bieten ebenfalls umfangreiches Wissen. Die Fächerkombination richtet sich nach dem Berliner Schulrecht und ermöglicht eine individuelle Auswahl.
Abschlüsse und Finanzierung
In der Qualifikationsphase können der schulische Teil der Fachhochschulreife und die allgemeine Hochschulreife erworben werden.
Die Fachhochschulreife besteht aus einem schulischen und einem berufsbezogenen Teil. Der schulische Teil umfasst mindestens die ersten beiden von insgesamt vier Semestern der Qualifikationsphase. In den Leistungskursen müssen in zwei aufeinanderfolgenden Semestern insgesamt 20 Punkte erreicht werden. Verpflichtend sind Deutsch, Mathematik, eine Fremdsprache sowie jeweils ein gesellschaftswissenschaftliches und ein naturwissenschaftliches Fach. Der berufsbezogene Teil kann durch ein mindestens einjähriges Vollzeitpraktikum, einen Freiwilligendienst oder eine abgeschlossene Ausbildung nachgewiesen werden. Unter bestimmten Voraussetzungen können auch Wehr- und Zivildienstzeiten sowie begonnene, aber nicht abgeschlossene Ausbildungen angerechnet werden. Eine nachträgliche Zuerkennung ist möglich.
Der Besuch des Berlin-Kollegs ist kostenlos. Ab der Einführungsphase besteht grundsätzlich BAföG-Berechtigung. Personen, die älter als 30 Jahre sind, müssen zuvor die Teilnahme am Vorkurs nachweisen. Zusätzliche Stipendien vergeben unter anderem die Hans-Böckler-Stiftung, die Schimmelpfennig-Stiftung und das IKAROS-Stipendium der Kreuzberger Kinderstiftung.
Fächer und Zusatzangebote
Zum Fächerkanon gehören Deutsch und Mathematik als Pflichtfächer im Vorkurs und in der Einführungsphase; in der Qualifikationsphase werden beide als Grund- und Leistungskurse angeboten. Politikwissenschaft, Physik, Chemie und Biologie sind in der Einführungsphase Pflichtfächer. Bildende Kunst, Darstellendes Spiel, Geschichte, Psychologie, Sozialwissenschaft, Geographie, Philosophie, Musik und Informatik können dort als Wahlfächer belegt werden. In der Qualifikationsphase stehen diese Fächer überwiegend als Grund- und Leistungskurse zur Verfügung; Geographie, Philosophie und Informatik werden als Grundkurse angeboten.
Englisch ist durchgehend Pflichtfach bis zur Einführungsphase und kann in der Qualifikationsphase als Grund- oder Leistungskurs belegt werden. Französisch und Latein sind Wahlfächer der Einführungsphase und Grundkurse der Qualifikationsphase. Spanisch kann in der Einführungsphase gewählt werden und wird in der Qualifikationsphase als Grund- und Leistungskurs angeboten.
Als zweisemestrige Zusatzkurse gibt es „Digitale Welten“ sowie „Studium und Beruf“. Einsemestrige Ergänzungskurse behandeln beispielsweise wissenschaftliches und journalistisches Schreiben, (Post-)Apartheid South Africa, Advanced Reading, Sprachmittlung, Ausgrenzung als identitätsstiftendes Merkmal in Geschichte und Gegenwart, Aktzeichnen, Fotografie, Beweisverfahren und komplexe Zahlen sowie Chemie im Kontext von Technik und Natur.
Weitere Angebote sind unter anderem das Queer Café, eine Garten-AG, eine offene Turnhalle, eine Rock- und Pop-Werkstatt, das Tandem-Projekt, Politisches Kino, ein Mediationsteam, eine Film-AG und eine Aktien-AG. Pädagogik und Wirtschaft wurden früher angeboten, gehören aber nicht mehr zum aktuellen Fächerangebot.
Ausstattung, Unterstützung und Kooperationen
Das Berlin-Kolleg bietet Beratung zur Berufs- und Studienplanung, unter anderem in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Zur Ausstattung gehören WLAN im Gebäude und im Hof, interaktive Whiteboards in allen Unterrichtsräumen, ein breites E-Learning-Angebot, eine Bibliothek mit Computerarbeitsplätzen, ein Mikroskopierraum, ein Kinosaal, ein Greenscreen-Raum und ein Schulgarten mit Teich, Wiese und Freiluft-Klassenraum. Hinzu kommen Exkursionen, Kursfahrten, Lerncoaching, psychosoziale Beratung sowie Zeitungen und Zeitschriften.
Der Förderverein unterstützt das Schulleben und das Gemeinschaftsgefühl. Er kann in kurzfristigen finanziellen Notlagen kleinere zinsfreie Darlehen vergeben, etwa bei einem Wohnungswechsel oder verspäteten BAföG-Zahlungen. Der gemeinnützige Verein finanziert sich ausschließlich durch Spenden.
Das Schulgebäude wurde 1875/1876 errichtet. Bis 1934 beherbergte es die 82. und 90. Gemeindeschule sowie eine städtische Fortbildungsschule für Mädchen. Nach der Nutzung durch Berufsschulen und kriegsbedingter Zerstörung wurde es ab 1952 wiederaufgebaut. Bis 1982 befand sich dort unter anderem die Elsa-Brändström-Schule; außerdem wurden Räume für ein bezirkliches Kulturzentrum und die Volkshochschule genutzt.
Seit November 2011 nimmt das Berlin-Kolleg am Projekt „Berlin wird kreidefrei“ teil und wird im Rahmen des eEducation MasterPlans des Landes Berlin gefördert. Seit März 2019 ist es Partnerorganisation im vom LSVD organisierten Bündnis gegen Homophobie. Am 30. September 2021 erhielt die Schule das Qualitätssiegel „Exzellente Digitale Schule“ für ihre digitale Infrastruktur.