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Bahnwärter Thiel (Club)

Der Bahnwärter Thiel ist benannt nach der Novelle Bahnwärter Thiel von Gerhart Hauptmann. Einzelne Veranstaltungen des Bahnwärter Thiel werden …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Club und Kulturzentrum
  2. 2. Gründung und erste Clubanlage
  3. 3. Ausbau am Viehbahnhof
  4. 4. Konflikte und Brände
  5. 5. Pelzverbot und Zukunft

Club und Kulturzentrum

Der Bahnwärter Thiel ist ein Techno-Club und alternatives Kulturzentrum im Münchner Stadtbezirk Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt. Er liegt auf dem Gelände der ehemaligen Großviehhalle, dem Viehhof. Seine Anlage besteht aus mehreren Dutzend Seefracht-Containern aus dem Hamburger Hafen, einem ehemaligen Ausstellungspavillon des Lenbachhauses und mehreren ausrangierten Triebwagen der Münchner U-Bahn.

Das Programm verbindet Nachtleben und Kultur. Dazu gehören Techno-Clubnächte, Raves unter freiem Himmel und in den U-Bahn-Wagen, Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Improvisationstheater und Flohmärkte. Regelmäßig finden kostenlose Veranstaltungen statt, darunter die als „Bahnsteig Open Air“ bezeichneten Raves. Einzelne Veranstaltungen werden vom Kulturreferat der Stadt München und vom Bezirksausschuss 2 Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt gefördert.

Kennzeichnend sind ein Funktion-One-Soundsystem und eine ungewöhnliche Gestaltung mit Graffiti, Jahrmarktsgondeln, Schiffschaukeln, Lagerfeuerstellen und vielfältigen Sitzmöglichkeiten. In der Clubhalle befinden sich eine große Tanzfläche mit übergroßen Diskokugeln und Scheinwerferinstallationen sowie Rückzugsbereiche mit Vintage-Möbeln und ungewöhnlicher Dekoration. Neben bekannten Münchner Residents treten häufig DJs aus Clubs wie dem Berliner Kater Blau oder dem Ritter Butzke auf. Der Name verweist auf die Novelle „Bahnwärter Thiel“ von Gerhart Hauptmann.

Gründung und erste Clubanlage

Daniel Hahn gründete die Bahnwärter-Kulturstätten 2015. Bereits 2012 hatte er gemeinsam mit seinen Brüdern und Schulfreunden den Verein Wannda gegründet. Der Bahnwärter Thiel eröffnete 2015 an seinem ersten Standort auf dem Viehhof. Zur damaligen Anlage gehörten eine schwarze Clubhalle, ein ausgesonderter MAN-Schienenbus von 1952 und auffällige Objekte wie riesige Diskokugeln, Kronleuchter, Schiffschaukeln und Berggondeln. Der Schienenbus war im November 2015 zunächst Teil des alternativen Weihnachtsmarktes „Märchenbazar“ von Wannda.

Im Mai 2016 wurde der Schienenbus für den Sommer auf das Gelände der Hochschule für Fernsehen und Film München gebracht. Im Oktober kehrte er vorübergehend zum Club zurück. Dort errichteten Hahn und seine Mitstreiter eine quadratische „Containerburg“ aus 54 Schiffscontainern. Sie war 40 Meter breit und 10 Meter hoch und umgab die Clubhalle und den Schienenbus als Schall- und Wetterschutz. Als weithin sichtbares Erkennungszeichen stand darin ein Baukran mit einer bei Clubbetrieb beleuchteten Diskokugel.

Im Mai 2017 wurde der Schienenbus erneut zur Hochschule für Fernsehen und Film transportiert. Zusammen mit Zelten und einem Schiffscontainer bildet er dort seitdem den eigenständigen Club Minna Thiel. Dessen Name bezieht sich auf die Ehefrau der Hauptfigur in Hauptmanns Novelle.

Ausbau am Viehbahnhof

Nach Abschluss eines Fünf-Jahres-Vertrags mit der Stadt München zog der Bahnwärter Thiel im Herbst 2017 an einen neuen, zunächst dauerhaft vorgesehenen Standort auf dem ehemaligen Viehbahnhof. Dieser liegt nur etwa 400 Meter von der früheren Containerburg entfernt. Bahngleise und Viehgatter erinnern dort noch an die ursprüngliche Nutzung des Geländes. Neben Clubnächten und Konzerten waren in den Containern ein Programmkino, ein festes Theater, Künstlerateliers, Workshops und Proberäume für Musiker vorgesehen.

Im Frühjahr 2018 kam ein ausrangierter U-Bahn-Triebwagen hinzu. Während der Clubnächte dient er als zweiter Floor, also als zusätzliche Tanz- und Musikfläche; bei sommerlichen Raves wird sein Führerstand als DJ-Kanzel genutzt. Im Oktober 2018 folgten zwei weitere U-Bahn-Wagen der MVG-Baureihe B. Einer davon wurde mit einem Kran erhöht auf vier Betonsäulen montiert. Die Wagen waren als Künstlerkantine und als „Open Workspace“, also offener Arbeitsraum, vorgesehen.

Die Clubhalle wurde erneut mit Seefracht-Containern gegen Schall abgeschirmt. Im Inneren entstand am DJ-Pult eine futuristisch wirkende Lichtinstallation aus stählernen Halogenlampen. Im Mai 2019 wurde außerdem ein aus Ulm stammender, ausrangierter Trambahnwagen von 1967 aufgestellt. Er sollte als Jugendtreff und Ort für Kunstworkshops dienen.

Konflikte und Brände

Der neue Standort löste eine Debatte über Gentrifizierung und Freiräume für Subkultur in München aus. Teile der örtlichen Graffiti-Szene befürchteten, durch die Clubszene verdrängt zu werden und das zum legalen Sprayen genutzte Gelände zu verlieren. Daniel Hahn erklärte dagegen, die Einbindung von Graffiti sei von Anfang an geplant gewesen. Die örtlichen Künstler sollten Wände und Container mitgestalten. Mitarbeiter des Clubs, die Stadt München und Teile der Graffiti-Szene errichteten außerdem eine 100 Meter lange Holzwand als zusätzliche Graffiti-Fläche. Einige Künstler hielten diese irrtümlich für eine Abgrenzung, die Sprayer vom Gelände ausschließen sollte.

Im Mai 2018 wurde ein Brandanschlag auf den Bahnwärter Thiel verübt. Ein mit Möbeln gefüllter Holzschuppen brannte nieder; eine berstende Wasserleitung verhinderte, dass die Flammen auf das Clubgebäude übergriffen. Da ein technischer Defekt ausgeschlossen wurde und ein politisches Motiv möglich erschien, übernahm der Staatsschutz die Ermittlungen. Bereits Monate zuvor hatte auf dem Gelände ein Bagger gebrannt. Außerdem waren dort meterhohe Graffiti mit Parolen wie „Bahnwärter Thiel angreifen“ angebracht worden.

Im Dezember 2018 kam es zu einem dritten Brand, bei dem mehrere Wohnwagen und ein Überseecontainer ausbrannten. In diesem Fall ermittelte die Polizei jedoch einen technischen Defekt als Ursache.

Pelzverbot und Zukunft

Seit Anfang Februar 2020 verweigert der ansonsten für eine lockere Türpolitik bekannte Club allen Gästen den Eintritt, die Pelzkleidung oder ein Pelz-Accessoire tragen. Der Bahnwärter Thiel begründete dies damit, dass etwa Pelzkragen keine notwendige Funktion erfüllten, sondern als Statussymbol dienten und Tiere allein für ihren Pelz getötet würden. Das Verbot führte deutschlandweit zu Berichten und Diskussionen. Der Deutsche Tierschutzbund begrüßte die Entscheidung, der Handelsverband Bayern bewertete sie kritisch. PETA zeichnete den Club dafür als „Helden für Tiere“ aus.

Der Mietvertrag für das Gelände sollte ursprünglich 2022 enden, wurde aber bis 2027 verlängert. Gleichzeitig verändert sich der Viehhof: Der Bau des neuen Münchner Volkstheaters hatte bereits begonnen, und auf Teilen des Geländes ist ein neues Wohnviertel geplant.

Seit 2018 betreibt die Crew wenige hundert Meter entfernt außerdem die Alte Utting. Das frühere Passagierschiff vom Ammersee steht auf einer stillgelegten Eisenbahnbrücke im Stadtbezirk Sendling und wird hauptsächlich als Restaurant, Bar, Kleinkunstbühne und Veranstaltungsort für Konzerte genutzt.

Lernvideos zu Bahnwärter Thiel (Club)

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