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Augustus Wollaston Franks

Sir Augustus Wollaston Franks (geboren am 20. März 1826 in Genf; gestorben am 21. Mai 1897 in London) war ein englischer Altertumsforscher und Mäzen.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Wer war Augustus Wollaston Franks?
  2. 2. Leben und Ausbildung
  3. 3. Tätigkeiten am Britischen Museum
  4. 4. Wichtige Erwerbungen und persönliche Sammlungen
  5. 5. Ehrungen und Veröffentlichungen

Wer war Augustus Wollaston Franks?

Sir Augustus Wollaston Franks (geboren am 20. März 1826 in Genf; gestorben am 21. Mai 1897 in London) war ein englischer Altertumsforscher und Mäzen. Ein Mäzen ist jemand, der Kunst und Wissenschaft finanziell unterstützt. Franks war von 1866 bis 1896 der erste Kurator (Leiter einer Museumssammlung) der Abteilung für britische Altertümer und Kunstdenkmale des Altertums und des Mittelalters am Britischen Museum in London. In diesen drei Jahrzehnten wurde er zu einem der wichtigsten Antiquare (Forscher alter Kunstgegenstände) und Sammler in der Geschichte des Britischen Museums. Der Museums-Historikerin Marjorie Caygill zufolge war er „der vermutlich wichtigste Sammler in der Geschichte des Britischen Museums“. Auf seine Sammeltätigkeit gehen bedeutende Kunstschätze wie das Runenkästchen von Auzon („Franks Casket“), der Lothar-Kristall und der Royal Gold Cup zurück. Franks starb 1897 unverheiratet und wurde auf dem Londoner Friedhof Kensal Green beerdigt.

Leben und Ausbildung

Franks war der älteste Sohn von Frederica Anne Franks und Frederick Franks, einem Kapitän der Royal Navy. Sein Großvater mütterlicherseits war der Politiker und Landwirtschafts-Reformer John Saunders Sebright, 7. Baronet; sein Pate war der Physiker und Chemiker William Hyde Wollaston. Die Kindheit verbrachte er meist auf dem europäischen Festland, vor allem in Genf und Rom. Von 1839 bis 1843 besuchte er das Eton College, von 1845 bis 1852 das Trinity College in Cambridge (B.A. 1849, M.A. 1852). Schon als Student begann er „brass rubbings“ anzulegen – Abrieb-Kopien von Gravuren, vor allem von Grabinschriften und -bildern; diese Sammlung hinterließ er der Society of Antiquaries. Er war Mitgründer der Cambridge Architectural Society und Mitglied der Cambridge Antiquarian Society. Ab 1849 engagierte er sich im 1844 gegründeten Royal Archaeological Institute und betreute dessen Sammlungen für jährliche Kongresse – so legte er sein Wissen über antike und mittelalterliche Kunst auf. 1849 erschien seine erste Veröffentlichung, „A Book of Ornamental Glazing Quarries“, eine Sammlung von Abbildungen dekorativ verzierter rautenförmiger Glasscheiben in Kirchenfenstern. 1850 betreute er die erste Ausstellung mittelalterlicher Kunst in den Räumen der Society of Arts. 1851 folgte die erste Anstellung am Britischen Museum. Franks war sich bewusst, dass seine extreme Sammelleidenschaft Züge eines Krankheitsbildes hatte, und schrieb in einem 1983 entdeckten Lebensbericht: „Sammeln ist eine Erbkrankheit, und, wie ich fürchte, unheilbar“.

Tätigkeiten am Britischen Museum

1851 wurde Franks, noch vor Abschluss seines Studiums, als Assistent in der Antiken-Abteilung des Britischen Museums angestellt – eine neu geschaffene Position zum Aufbau einer Sammlung britischer Altertümer. In 45 Berufsjahren wurde er einer der wichtigsten Kuratoren und Sammler des Museums. Am Museum und als Direktor der Society of Antiquaries of London (seit 1858) wurde er zur führenden Autorität Englands für Zeugnisse der frühen und mittelalterlichen Geschichte der britischen Inseln; er beschäftigte sich auch mit Porzellan, Glas und anderen Artefakten dieser Zeit. Von 1866 bis 1896 leitete er die neu gegründete Abteilung für britische und mittelalterliche Altertümer und Ethnographie (seit 2003 reorganisiert als Department of Britain, Europe and Prehistory). 1853 wurde er Fellow of the Society of Antiquaries (FSA), war deren Direktor 1858–1867 und 1873–1880, und von 1891 bis zu seinem Tod 1897 deren Präsident.

Wichtige Erwerbungen und persönliche Sammlungen

Zu Franks’ wichtigsten Erwerbungen für das Britische Museum gehören: 1855 der Aufkauf großer Teile der Sammlung des verstorbenen Politikers und Kunstsammlers Ralph Bernal – das bekannteste Stück war der Lothair Crystal, eine Gemme aus dem 9. Jahrhundert. Das Franks Casket, ein Elfenbeinkästchen mit Runeninschriften (Northumbria, frühes 8. Jahrhundert), erwarb er 1858 selbst, nachdem der Ankauf vom Museum abgelehnt worden war, und stiftete es 1867 dem Museum; es wurde nach ihm benannt. 1892 erwarb er den Royal Gold Cup (Frankreich, spätes 14. Jahrhundert): Er übernahm zunächst die Kosten vollständig aus eigenem Vermögen und warb danach die Beiträge anderer Stifter ein – eine Erwerbung, auf die er besonders stolz war. Neben diesen Erwerbungen baute Franks mit seinem beträchtlichen Privatvermögen eine eigene Sammlung historischer Kunstgegenstände auf, die über kurz oder lang ebenfalls in den Bestand des Museums überging: umfangreiche Keramik und mittelalterliche Kunst, viele Stücke aus dem Oxus-Schatz (aufgebaut durch Kontakte zu Händlern in Indien und den Ankauf der Sammlung von Alexander Cunningham) sowie eine große Exlibris-Sammlung (Exlibris sind Eigentumszeichen in Büchern), die durch die Freundschaft zu John Warren entstand. Insgesamt stiftete Franks mehr als 25.000 Gegenstände für das Britische Museum sowie ein Konvolut von etwa 70.000 gedruckten Ephemera (Gelegenheitsschriften), davon mehr als 50.000 Exlibris. Seine persönlichen Sammlungen gingen seinem Willen entsprechend ans Britische Museum. Weitere gestiftete Objekte sind unter anderem drei römische Silberlöffel (5. Jahrhundert), ein Wagen mit Lenker aus dem Oxus-Schatz (4.–6. Jahrhundert v. u. Z.), ein „Junger Herkules“ aus Rom (2. Jahrhundert), eine spanische Pyxis (Hostien-Behälter, um 800), eine chinesische Kanne (um 1600) sowie das Triple-Porträt des Kardinals Richelieu von Philippe de Champaigne (um 1642), das 1869 der National Gallery gestiftet wurde.

Ehrungen und Veröffentlichungen

Franks erhielt zahlreiche Ehrungen: Fellow of the Society of Antiquaries (1853, Präsident 1891–97), Fellow of the Royal Society (1874), Ehrendoktorwürden der Universitäten Cambridge (1889) und Oxford (1895), Companion of the Order of the Bath (1888) und Knight Commander of the Order of the Bath (1894). Seine wichtigsten Veröffentlichungen waren: „A Book of Ornamental Glazing Quarries“ (1849), „Examples of Ornamental Art in Glass and Enamel“ (1858), „Himyaritic Inscriptions from Southern Arabia“ (1863), „Catalogue of a Collection of Oriental Porcelain and Pottery“ (1876, 2. Auflage 1878), „Japanese Pottery, Being a Native Report“ (1880) und „Catalogue of a Collection of Continental Porcelain“ (1896).

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