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Überwachungsdruck

Unter Beobachtungsdruck leidet derjenige, der überwacht wird. Er wird in seiner Freiheit und Unbeschwertheit beeinträchtigt. Ein Überwachungsdruck ist …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Formen der Überwachung
  3. 3. Wirkungen auf Verhalten und Öffentlichkeit
  4. 4. Kriminalitätsbekämpfung
  5. 5. Gesundheitliche und soziale Folgen
  6. 6. Überwachungsstaat

Begriff und Bedeutung

Überwachungsdruck entsteht, wenn eine Person überwacht wird und darunter leidet. Die betroffene Person wird in ihrer Freiheit und Unbeschwertheit beeinträchtigt. Ein Überwachungsdruck liegt schon dann vor, wenn jemand glaubt, überwacht zu werden, oder dies zumindest nicht ausschließen kann, und sich deshalb in seinem Verhalten eingeschränkt fühlt.

Der Begriff betrifft nicht nur tatsächliche Überwachung, sondern auch die Wirkung einer möglichen Beobachtung. Entscheidend ist also, dass Menschen ihr Verhalten ändern, weil sie mit Kontrolle rechnen. Dadurch kann die freie Entfaltung der Persönlichkeit gehemmt werden.

Formen der Überwachung

Überwachung durch Privatpersonen wird als Stalking bezeichnet. In Deutschland stellt § 238 StGB diese Form des Nachstellens und der Überwachung unter Strafe.

Bei Videoüberwachung entsteht ein asymmetrisches Verhältnis zwischen Beobachter und Beobachteten: Die beobachteten Personen können die Beobachter nicht sehen. Deshalb wissen sie nicht, ob sie tatsächlich beobachtet werden. Meist ist auch unklar, ob die Daten aufgezeichnet werden, wer die Aufnahmen wann ansieht und wann sie wieder gelöscht werden.

Wirkungen auf Verhalten und Öffentlichkeit

Überwachungsdruck kann den Rückzug ins Private fördern und normenkonformes Verhalten erzwingen. Normenkonform bedeutet, dass Menschen sich stärker an erwartete Regeln und soziale Erwartungen anpassen.

Personen können dadurch gehemmt werden, ihre Persönlichkeit frei zu entfalten. Zum Beispiel können sie Versammlungen auf überwachten öffentlichen Plätzen meiden, wenn sie befürchten, registriert zu werden und später von Dritten wegen ihrer Teilnahme kritisiert zu werden.

Auch die theoretische Möglichkeit, dass fremde Personen Zugriff auf die eigenen Kommunikationswege haben, kann das Verhalten verändern. Als Beispiel nennt der Artikel eine anlassunabhängige Internetüberwachung. Schon diese Möglichkeit genügt oft, damit Menschen ihr Kommunikationsverhalten bewusst oder unbewusst anpassen. Dies wird als „Schere im Kopf“ beschrieben.

Kriminalitätsbekämpfung

Als Mittel der Kriminalitätsbekämpfung hat sich Überwachungsdruck laut Artikel nicht bewährt. Beobachtungsdruck, egal ob durch direkte Überwachung oder durch Videoüberwachung aus der Ferne, führt demnach lediglich dazu, dass Kriminalität in weniger überwachte Gebiete verlagert wird.

Der Artikel beschreibt also keinen dauerhaften Rückgang von Kriminalität, sondern eine räumliche Verschiebung.

Gesundheitliche und soziale Folgen

Viele Betroffene leiden unter vegetativen Erscheinungen. Damit sind körperliche Reaktionen gemeint, die mit Stress und innerer Anspannung zusammenhängen. Genannt werden Unruhe, Schreckhaftigkeit, Kopfschmerzen, Angstsymptome, Schlafstörungen, Magenbeschwerden sowie daraus folgende geistige und körperliche Erschöpfung.

Viele Betroffene sind schnell gereizt und reagieren in bestimmten Situationen unbegründet aggressiv. Ein nicht geringer Teil der Opfer leidet unter depressiven Verstimmungen, einige darunter unter Depressionen.

Besonders bei Personen, denen aufgelauert wird oder die körperlich bedroht und verfolgt werden, können rasch tendenziell pathogene Verhaltensmuster auftreten. Pathogen bedeutet krankheitsfördernd oder krankhaft. Beispiele sind Vermeidungsverhalten, Abkapselung beziehungsweise Vereinsamung und Kontrollverhalten. Wie der Täter auf sein Opfer fixiert ist, kann auch das Opfer durch die als lästig und unberechenbar empfundene Bedrohung auf den Überwachenden fixiert werden.

Nach langer und intensiver Verfolgung kann unter Umständen eine Posttraumatische Belastungsstörung auftreten. Der Artikel vergleicht dies mit psychischen Folgen, die bei Soldaten nach unmenschlichen Kriegserlebnissen vorkommen können, wenn diese Erfahrungen nicht verarbeitet werden konnten.

Überwachungsstaat

Die Intensität von Beobachtungs- und Überwachungsdruck kann ein sozialer Indikator für das Vorhandensein und die soziale Intensität eines Überwachungs- und Präventionsstaates sein. Ein Präventionsstaat richtet staatliches Handeln stark auf Vorbeugung und Gefahrenabwehr aus.

Ein solcher Staat argumentiert laut Artikel häufig, Personen, die sich nichts zuschulden kommen ließen, hätten auch nichts zu befürchten. Dadurch werden Überwachungsgegner und andere Bürger grundsätzlich unter den Verdacht gestellt, straffällig zu sein. Der Artikel verweist in diesem Zusammenhang auf Gefahrenabwehr und die Unschuldsvermutung im Gefahrenabwehrrecht.

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