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STRAßENSLANG || Wie Rap Deutschland verändert mit Celo&Abdi, Gio19, Mo Chachrour, Özge Inan

HYPECULTURE19:43 453.415 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 235 Zeilen
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  1. Man hat Heckmeck mit Amcas, Iba'ash und Muftara. Wegen Tijara mit Inz3n, Sattla und Beyda.
  2. Abhängen mit Achis, Bratuchas und Habibis. Per Tokat ein paar Miskins und Picos treffen.
  3. Bis vor ein paar Jahren hätte kein Tobias und keine Annika verstanden, was das bedeutet.
  4. Aber wie kam es dazu, dass deutsche Kids heute einen Remix aus unzähligen Sprachen sprechen?
  5. Und was haben Joachim Ringelnatz, mittelalterliche Gauner und Jan Böhmermann damit zu tun?
  6. (Lockere Musik) (Rap-Musik)
  7. ♪ Scheiß auf Grammatik, Subjekt, Artikel, ♪ ich sag es, wie ich's will.
  8. Auf der Straße wurde schon immer anders gesprochen als im Könighaus, vor Gericht oder im Parlament.
  9. Es gab eine Amtssprache und eine, sagen wir mal, eine Otto-Normalverbraucher-Sprache.
  10. Ja, jeder kennt diese Telefonistenstimme. Da steht man neben einem Kumpel, wenn er bei Amt anruft oder so.
  11. "Ja, hallo, ich wollte mich mal melden." Ich weiß nicht, woher das kommt. Straße, nicht Straße, Bürgersteig.
  12. Bevor Martin Luther die Bibel ins Hochdeutsche übersetzte, konnten sich die Deutschen dank der vielen unterschiedlichen Dialekte
  13. eh kaum untereinander verstehen. Schon im Spätmittelalter entstand Rotwelsch,
  14. eine Milieusprache der Gauner und Vagabunden. Mit Wörtern aus dem Deutschen, Jiddischen und den Romanessprachen,
  15. der Romnja und Sintizze, wurde Rotwelsch bis ins 20. Jahr- hundert als Geheimsprache benutzt.
  16. Als Code, der für die Polizei und das Bürgertum unverständlich war. Wird auch in Frankfurt auf der Straße gesprochen - Rotwelsch.
  17. Übrigens wurde Rotwelsch immer dann besonders populär, wenn große Kriege zu Ende gingen
  18. und viele Söldner und Heimatlose unterwegs waren. An manchen Orten haben sich bis heute Variationen des Rotwelsch gehalten.
  19. In Münster spricht man Masematte, in Gießen Manisch, in Paderborn Mastbrucher Emmes
  20. und in Minden gibt es bis heute die Böttjersprache. Der Mindener Rapper Curse benutzte deswegen schon vor über 20 Jahren
  21. Worte wie "Chabo", "Chaya", "Lacho" und "Kosengs". Konkret Finn aus Frankfurt,
  22. wo die Hip-Hopper schon seit den 80ern an der Hauptwache auf unterschiedliche Subkulturen und Milieus trafen,
  23. rappte sogar schon 1993: Das Krasse ist, die Zeilgalerie gibt's ja nicht mehr.
  24. Leider. Rap ist einfach das Sprache der Straße.
  25. Und zwar nicht nur bei den Themen, die die Rapper behandeln, sondern auch in der Art, wie sie reden.
  26. In den Nullerjahren diskutierten deutsche Medien immer wieder über das Kiezdeutsch.
  27. Ein Multi-Ethnolekt aus Großstadtvierteln, die stark von Migration geprägt sind.
  28. Also das, was man heute Straßenslang nennen würde. Sprachwissenschaftler:innen beobachten,
  29. dass sich hier das Vokabular der Umgangssprache vergrößert und die Grammatik dafür vereinfacht wird.
  30. Der Wortschatz vergrößert sich, aber für Deutsche ist unser Slang für immer
  31. dieses Erkan-und-Stefan-Deutsch. Die haben einfach so zu dir gesagt, ohne Grund:
  32. "Boah, krass ey." - "Konkret". Konkret.
  33. Da denkst du dir: Was hab ich gemacht? Du hast ganz normal geredet.
  34. Boah ey, krass. - Mit dieser Bewegung. Hat eigentlich einen ganz einfachen Grund.
  35. Wo viele Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen zusammenkommen,
  36. bringt jeder seine eigenen Worte mit. Dafür wird vieles weggelassen, was die Kommunikation erschwert.
  37. Komplizierte Grammatik wie der Genitiv zum Beispiel. Manche Wortendungen verschwinden, Artikel und Präpositionen ebenso.
  38. Außerdem ändert sich häufig die Reihenfolge im Satzbau. Zentrale Informationen rücken an den Anfang.
  39. All das macht die Kommunikation effektiver und das Leben damit leichter.
  40. Ja, da sind ganz viele direkte Übersetzungen. Satzbautechnisch oder Redewendungen.
  41. Zentrale Informationen an den Anfang ist nicht nur eine Vereinfachung, sondern auch sinnvoller einfach.
  42. Zum Beispiel "Wo ist Ali?" So ein älterer Mann hat einmal gesagt: "Ali, wo ist?"
  43. Ich appelliere an den Duden, ändert es. Auch wenn man heute eher "Fanta 4",
  44. "Fettes Brot" oder "Die Beginner" kennt, Hip-Hop wurde in Deutschland in den 80ern hauptsächlich
  45. von migrantischen Jugendlichen aufgebaut. Nur logisch, dass 1990 im Straßenslang gerappt wurde.
  46. (Lockere Musik) ♪ Zwei Jahre her, ich nicht viel gefreut,
  47. ♪ mein Leben sei nicht schwer, mein Arbeitschef mir sagen: ♪ "Kanake, ey, wie geht's?"
  48. ♪ Ich sag "Hastirlan" ... Aber auch typisch für Sprecher:innen von Kiezdeutsch,
  49. Rapper Tacheles wechselte zur Mitte der Strophe in akzentfreies Hochdeutsch.
  50. "Code Switching" nennt man das. ♪ Wir sitzen in der Bahn, da kommt ein besoffener Mann
  51. ♪ und sitzt nebenan, der Mann sagt: ♪ "Du Knoblauch stinken."
  52. Man redet schon anders. Wenn ich einen Deutsch-Deutschen ... Fang ich an zu Berlinern.
  53. Da red ick so mit den Deutschen. Aber kennt ihr dieses extra-falsch-Deutsch-Sprechen?
  54. "Lass mal diese". Du weißt genau, dass nicht "Lass mal diese" heißt.
  55. Vielleicht will man sich ein bisschen von den Leuten abheben, die auf einen herabschauen.
  56. Im Mainstream waren die Meinungen zum Kiezdeutsch gespalten. Einige Sprachwissenschaftler:innen waren der Meinung,
  57. Kiezdeutsch sei eine Art neuer Dialekt und würde bloß bestehende Tendenzen der deutschen Sprache aufgreifen
  58. und vorantreiben. Sie prophezeien, in Zukunft würde sich auch das Hochdeutsch
  59. in Richtung der Umgangssprache verändern. Andere hingegen befürchten den Verfall der deutschen Sprache.
  60. Vor allem der konservative Verein Deutsche Sprache und Politiker von CDU, CSU und AfD
  61. schlagen bis heute immer wieder Alarm. Das fällt denen zufällig immer bei Wahlkampf gerade ein.
  62. Das ist so typisches, so ultrakonservatives Nazi-Gebabble. Es ist ja auch ein bisschen getragen
  63. von dieser Idee von Überfremdung allgemein. Ja, wenn es aus dem Orientalischen kommt, dann ist es nicht angebracht.
  64. Dann fuckt's ab. - Dann fuckt's ab. Dann stört's.
  65. Ich kann's verstehen als Deutscher, dass du deine Sprache nicht verlieren willst,
  66. aber Sprache entwickelt sich halt. Reden die immer noch wie Goethe sein Großvater?
  67. Die deutsche Sprache ist von Jahrhundert zu Jahrhundert verfallen, theoretisch.
  68. Also, die hat sich geändert, entwickelt mit der Zeit. Da haben eure Lieblingsrapper natürlich eine klare Haltung.
  69. Diese Debatten fallen in die erste große Blütezeit des deutschen Straßenraps.
  70. Deswegen werden in Artikeln aus dieser Zeit auch häufig Rapper wie Bushido und Sido erwähnt.
  71. Wenn man sich deren alte Tracks heute anhört, muss man aber allerdings sagen,
  72. klar, die Sprache bei Aggro ist hart, aber eher Hochdeutsch. Bushido wäre vielleicht sogar nie so erfolgreich geworden,
  73. hätte er damals so viel Slang benutzt wie Rapper heute. Medien und Politik zeichnen nämlich häufig ein Stereotyp
  74. des türkischen Machos. Gewaltbereit, kriminell und patriarchal.
  75. Die sieht in dir offenbar irgendwie eine Karikatur und eine Bedrohung. Ey, dass man da in dem Zusammenhang
  76. von einem türkischen Macho gesprochen hat, in dem Zeitungsartikel, zeigt,
  77. wie scheißegal denen das ist, woher wir kommen. Diese Identitätsfrage ist egal.
  78. Ach so, ja, wir sind alle Türken. Alle Kanaken, alle Türken.
  79. Was willst du dagegen machen außer "Hä, ist gar nicht so"? Und Ausländerslang war im Mainstream oft nur dann zu hören,
  80. wenn man sich darüber lustig machte. Comedians wie Kaya Yanar, Erkan und Stefan und Mundstuhl
  81. brachten ihr deutsches Publikum mit erfundenem Türkenslang und rassistischen Stereotypen zum Lachen.
  82. Hey Tarkan, geb ich dir (Unverständlich), brauchst du Gesichtsmorphie?
  83. Guten Morgen. Ich hätte gern ein Nummer.
  84. Ich mach Auszubildung zu Groß- und Einzelhandelkauffrau Oder wie der heißt.
  85. (Lachen) Über einen Kulturkreis, wie er redet, lachen die darüber.
  86. Diese Leute haben der Community mehr geschadet, als dass sie Gutes für uns gemacht haben.
  87. In der Süddeutschen Zeitung kam ein Artikel vor zwei Wochen oder so über Neukölln, Titel "Was guckst du?"
  88. Junge, es ist 25 Jahre her, kommt drüber hinweg. Unser Künstler Olexesh, der hat ja ein Lied mit Vanessa Mai gemacht,
  89. also einer berühmten Schlagersängerin, und er hat einen Hip-Hop-Part gemacht.
  90. Das war so ein Crossover, ein raplastigeres Lied. Und damit ist sie aufgetreten.
  91. Und dann hat die gute Barbara in so alter Erkan-und-Stefan-Manier angesagt so:
  92. "Boah, krass ey", irgend so was. Die haben uns die Türen auf jeden Fall
  93. noch ein bisschen mehr zugemacht. Da würde man am liebsten umdrehen und wieder nach Hause gehen.
  94. Wo wohnt sie? Ist sie einmal auf die Straße gegangen? Wohnt sie in Isolierhaft?
  95. Also, ich denke mir so, das kann doch nicht sein. Einer der ersten, der auch arabische Wörter
  96. in deutschen Rap-Texten verwendet hat, war Massiv. Er hängt übrigens immer noch ab mit Chahrours aus Beirut.
  97. Das hat mich damals sehr, sehr, sehr hart gecatcht, auf jeden Fall. Das hat natürlich voll viel Anklang gefunden auf der Straße,
  98. dieses "Al'Hamdulillah". Einfach nur dieses Aussprechen von arabischen Worten hat funktioniert.
  99. Es spricht das nähere Familienumfeld an. Also, mit was man aufgewachsen ist.
  100. Jeder, der sich so viel mit Massiv befasst hat, weiß halt, der redet halt so.
  101. Der ist schon relativ ins Herz gegangen. Der ist ins Herz gegangen.
  102. Dass heute auch Akademiker, Kinder und ZDF-Zuschauer:innen wissen, was Tijara, Wallah und Para bedeutet,
  103. ist vor allem drei Rappern zu verdanken. Celo, Abdi und Haftbefehl.
  104. Vor etwa zehn Jahren haben die den Frankfurter Straßenslang in den Deutschrap-Mainstream befördert.
  105. (Ernste Musik) Und in der Konsequenz auch in Feuilleton, ins Fernsehen.
  106. Und ins Wörterbuch. Ich hab auch nur die Hälfte verstanden.
  107. Ich sag dir ehrlich, der ist schon sehr krass mit seinem Slang. Wir waren ja in Artikeln drin so: "Oh, wie reden die denn exotisch?"
  108. Und so. Und dann nach zwei, drei Jahre haben die alle so gerappt im Endeffekt.
  109. Dann war es nicht mehr exotisch, dann war es so alltäglich. Vor 20 Jahren war noch Kanakensprache, jetzt Jugendsprache.
  110. Weil ja auch im Rap dann viele sich auch an diesen Wörtern bedient haben. Dieses Wort "Tijara", ich hab mich gar nicht mehr getraut, das zu sagen.
  111. Es war so ausgelutscht. Dabei gab es gerade zu Beginn auch echt noch viel negatives Feedback.
  112. Man kann sich gut vorstellen, dass der hessische Sprachmix für ein breites Publikum erst mal recht verwirrend war.
  113. (Durcheinanderreden) Le "Mecro". Mecro ist ein Mercedes.
  114. Ah. In Frankreich sagen die zu Mercedes "Mecro".
  115. Allein in der Line stecken Deutsch, Arabisch, Französisch, Englisch und Slangwörter aus dem kriminellen Milieu.
  116. Du musst es ja nicht mal verstehen, um es zu feiern. Das ist ja das Gute an Rap einfach.
  117. Und Celo rappt in seiner Strophe vom ... Das "069", versteht man nur, wenn man im Bahnhofsviertel zu Hause ist.
  118. "Chivatos", Verräter, kennt jeder. Musst nur (Unverständlich) geguckt haben.
  119. Zum Glück hat sich das Duo Nomero Uno auf seinem zweiten Album die Mühe gemacht,
  120. den Hinterhofjargon auch für Hans und Franzi verständlich zu erklären. (Rockige Rapmusik)
  121. Das ist Berbisch. Tijara ist aus dem Arabischen.
  122. Muschteri ist auch ein osmanisches Wort. Eko Fresh hatte sogar schon ein Jahr vorher
  123. den Song "Türkenslang" veröffentlicht. ♪ Der Türkenslang, lan, bring mir bei.
  124. ♪ "Hallo, ich will Tee", heißt "Selam, bring mir Çay". Straßenrap war für Mainstream
  125. schon immer ein Fenster in eine Parallelwelt. Die Azzlack waren besonders authentisch,
  126. weil sie aus dieser Welt in ihrer eigenen Sprache berichteten. Haftbefehl hatte auch gleich einen Namen für den Slang parat.
  127. Richtig reclaimed ist es dann, wenn es in der Mehrheitsgesellschaft keine beleidigende Wirkung
  128. mehr entfalten kann, weil alle sich so nennen. Mit dem Begriff "Kanackis"
  129. eigneten sich die Rapper eine rassistische Fremdbezeichnung an, machten sie zum eigenen Image und definierten ihre eigene Zivilgruppe.
  130. ♪ An alle Chabos, an alle Azzlacks. An alle Chos, Chayas und Kahbas. Dass sie sich Azzlackz, also asoziale Kanaken nannten.
  131. Ist das ein türkisches Wort? Ich weiß nicht, ob das von Deutschen gegen Ausländer sind
  132. oder unter Ausländern unter Ausländern. Wir sind abgegangen, wenn jemand uns Kanake genannt hat.
  133. Wenn es im richtigen Mund ist, ist es was anderes. Als wenn es jemand mit Hass sagt.
  134. Du kannst es mit Liebe sagen. Wir haben uns den Begriff zurückgeholt, und das ist krass.
  135. Und die haben da schon auch sehr viel zu beigetragen, dass das Teil der Identität geworden ist.
  136. Und Haftbefehl von sich als Azzlack-Stereotyp sprach, machte deutlich, dass sich die Straßenrapper
  137. der Vorurteile bewusst waren. Sie spielten mit den Bildern,
  138. dass ihnen die deutsche Mehrheitsgesellschaft als Kinder von Migranten zusprach.
  139. Durchaus erfolgreich. Haftbefehl, Celo und Abdi wurden zur Blaupause
  140. für modernen deutschen Straßenrap. Und Ende 2012 hatte Haftbefehl mit "Chabos wissen, wer der Babo ist",
  141. den großen Hit, mit dem sein Straßenslang auch all diejenigen erreichte,
  142. die sich vorher nie für Rap interessiert hatten. 2013 wurde Babo dann auch gleich zum Jugendwort des Jahres gewählt.
  143. Deutscher Straßenrap erlebte seine zweite Blüte. Wohin man auch schaute, gab es neue Artists,
  144. die real waren und sich ebenso real ausdrückten. Schwesta Ewa beispielsweise
  145. brachte einige Begriffe aus dem Rotlichtmilieu rein. Auch Xatar und SSIO aus Bonn prägten die Jugendsprache mit Slang,
  146. der viral ging. Außerdem vermischt er sich hier Straßenslang mit lokalen Eigenheiten
  147. wie der Bonner Bi-Sprache. (Dröhnende Rapmusik)
  148. Der Dichter Joachim Ringelnatz hat schon 1928 ein Gedicht in Bi-Sprache geschrieben.
  149. "Ibich habibebi dibich, Libittebi ..." Eigentlich ist das wie Rotwelsch, eine Geheimsprache.
  150. Muss ja nicht jeder Bobille mitbekommen, wenn SSIO und Co über Pabicks, Kobiks und Nubitten reden.
  151. Gerade am Telefon, nicht wahr, Pasha? Genau. Solche Codes gibt's seit vielen Generationen
  152. auch im Pariser Banlieues, wo Jugendliche neue Wörter formen, indem sie selben vertauschen.
  153. "Verlan" heißt das und kommt von: À l'envers heißt umgedreht.
  154. Verlan ist umgedreht. Umgedreht: drehtgeum. Du nimmst die erste Silbe oder die ersten zwei Silben
  155. und drehst das um. Das ist auch meine Heimatsprache.
  156. Das ist Chatrovatski. Das ist auch so eine Räubersprache.
  157. (Er bringt Beispiele.) Also, du nimmst die erste Silbe oder die ersten zwei Silben
  158. und drehst das um. Die sagen nicht Polizei, sondern Zeipoli. Lizpo.
  159. Josef, Sefjo, Poker, Kerpo. Rimka. - (beide:) Karim.
  160. Ähnlich machen das Kids in Belgrad, Zagreb und Sarajevo. Und auch dort werden Wörter aus der Romanessprache benutzt.
  161. Außerdem hat jede Gegend eigene Begriffe, von denen man vielleicht gar nicht mehr so genau weiß,
  162. woher sie kommen. Wo kommt das jetzt her, Sumi? Warum sage ich das?
  163. Du kennst das ja, man hat so im Laufe des Lebens immer so ein paar Begriffe aufgeschnappt.
  164. Und dann, keine Ahnung, automatisch wird das so zu deinem Jargon. Und aber jetzt wieso, weshalb oder woher,
  165. die Entstehung des Begriffs, keine Ahnung. Also, aber das sagt man so halt auf jeden Fall.
  166. Etymologieren oder her, fest steht, Straßenrapslang ist ein Ausdruck eines ganz bestimmten Milieus,
  167. das von der Gesellschaft ausgegrenzt wird. Ja, aber sind auch 'ne Inklusion statt.
  168. Nicht nur von außen, sondern auch man selbst hat sich ein bisschen isoliert und selbst empowert.
  169. Es gibt auch Banker, die sagen: "Chab, was geht?" Haben die von ihrem Dealer gelernt. (Lachen)
  170. Nenn es wie du willst. Kiezdeutsch, Ausländerdeutsch, Kanaksprach, Straßenslang,
  171. Hinterhofjargon oder Kanackis. Für viele Menschen bedeutet diese Sprache
  172. nicht bloß effiziente Kommunikation, sondern auch Heimat. Untereinander erkennt man einfach, wer ein Echter ist.
  173. Es ist eine Heimat, die sonst oft verwehrt bleibt. Egal, ob als angeblich Fremder in Deutschland
  174. oder als vermeintlich Deutscher in den Herkunftsländern der Eltern und Großeltern.
  175. Zu Hause ist, wo Leute sprechen wie ich. Heimat ist halt, wo man sich nicht erklären muss,
  176. sondern wo es irgendwie klar ist. Digga, Sprache macht viel.
  177. Das ist ja auch ein bisschen wie Personalausweis. Du merkst direkt, wenn die Frankfurter Jungs quatschen
  178. oder wenn die Berliner Jungs quatschen. Ich hab keine Vorurteile.
  179. Außer wenn du Sächsisch sprichst, denk ich manchmal, du bist ein Nazi. Ja, aber so ist das.
  180. Vielleicht haben wir alle ein bisschen unsere Vorurteile. Vielleicht müssen wir alle daran arbeiten.
  181. Genau deswegen ist es auch bisschen schwierig, wenn privilegierte Rapfans den Jargon einfach übernehmen,
  182. ohne sich damit auseinanderzusetzen, wo er eigentlich herkommt. Klar, manche Herkunftsdeutsche
  183. sind genauso auf der Straße aufgewachsen wie ihre postmigrantischen Freunde.
  184. Auch geil, dass ausländische Wörter und Redewendungen ihren Weg in die deutsche Umgangssprache gefunden haben.
  185. Aber Jan Böhmermann etwa musste sich schon viel Kritik anhören, weil er den Straßenslang als Gimmick für seine Comedy benutzt.
  186. ♪ Achtung, muck nicht, sonst hol' ich Polizei. ♪ Fährt mit Limousine bei dir zu Haus vorbei.
  187. Es ist die Sprache einer Klasse, der wahrscheinlich niemand so wenig angehört wie Jan Böhmermann.
  188. Er kann das nicht, und man hört's raus, weil die Attitude dahinter nicht stimmt.
  189. Wir sind so aufgewachsen, Digga. Was soll ich dir sagen? Man kennt's einfach, man fühlt es, ob es echt ist.
  190. YouTuber wie Freshtorge schminken sich mit dunklem Make-up einen Migrationshintergrund an.
  191. Äffen rassistische Stereotype nach und stellen pauschal Straßenslang mit Dummheit gleich.
  192. Wallah, nee. Das ist zu schwer, Junge.
  193. Woher sollen wir das wissen? Wir sind keine Politi- ... (beide:) Wir sind keine Politizen.
  194. Ich find das heftig asozial. Und ich kann nicht kapieren, wie die Leute,
  195. die sich über jeden Scheiß aufregen, den noch gewähren lassen. Ich find's jetzt auch nicht, dass ich sage, "Rassist".
  196. Ich fühl mich nicht getriggert. Ich find's nicht lustig. Wer das Video guckt und sagt:
  197. "Boah, solche Menschen gibt's in der Gesellschaft, voll traurig". Wähl AfD und geh einfach.
  198. Das ist das Pendant von Du siehst einen arabischen Mann mit Turban, du denkst an Taliban.
  199. Dieser Typ mit fünf Millionen Abonnenten malt halt das Bild von der dummen Kanakenfrau.
  200. Steht dann halt unkritisch einfach da. Was stellst du dem entgegen?
  201. Diese Idioten gibt's einfach. Wir müssen auch mit denen klarkommen oder auch nicht.
  202. Währenddessen drucken CDU-Politiker Haftbefehl-Zitate auf Wahlplakate. Herkunftsdeutsche Mittelstandskids reden von Chabos und Schababs,
  203. um cool zu wirken. Vielleicht, weil sie ihre Stars nachahmen wollen.
  204. Für viele hat Gangster-Rap auch etwas Exotisches, das vielleicht interessanter erscheint
  205. als die eigene privilegierte Identität. Vielleicht hat die Faszination auch mit Voyeurismus und Grusel zu tun.
  206. Alle diese Leute haben eins gemeinsam: Viele profitieren vom Slang der Straßenrapper,
  207. ohne die entsprechende Sozialisation vorweisen zu können. Und wenn es nicht mehr angesagt ist, so zu reden,
  208. hören sie halt einfach damit auf. Wie ein Kostüm, das man ablegen kann.
  209. Währenddessen bekommen Kinder aus Gastarbeiter:innenfamilien auch in der zweiten, dritten oder vierten Generation Probleme
  210. auf dem Arbeitsmarkt, der Wohnungssuche oder beim Behördengang,
  211. wenn sie kein perfektes Hochdeutsch sprechen. Wer sich über das vermeintlich falsche Deutsch lustig macht,
  212. vermittelt manchmal den Eindruck, als würde sie die wirtschaftliche und soziale Diskriminierung von Migrant:innen
  213. und deren Nachkommen überhaupt nicht jucken. "Vermitteln manchmal den Eindruck", ist noch zu nett gesagt.
  214. Ich denke nicht, dass das böse gemeint ist oder rassistisch. Er hat aber den Vorteil natürlich, dass er es ablegen kann.
  215. Sei ihm gegönnt. Was dagegen hilft?
  216. Denn die deutsche Jugendkultur, sogar die deutsche Popkultur, wurde von Menschen mit Migrationsgeschichte geprägt.
  217. Respekt gegenüber dieser Historie bedeutet, sich gegen Rassismus und Klassismus stark zu machen,
  218. statt Witze darüber zu reißen. Das Problem ist nicht Klassismus im Sinne von,
  219. dass die unteren Klassen gemein behandelt werden. Das Problem ist, dass es überhaupt Klassen gibt.
  220. Leute, die tatsächlich aus einer Unterschicht kommen, die Probleme haben,
  221. auf deren Kosten machen andere ... aus einer gut gesitteten Familie ...
  222. Profit. Könnte man so sagen, ja.
  223. Ja, das sind die Dummen aus dem Armenviertel. Und die sind da, weil die den Arsch nicht hochbekommen.
  224. Weil guck mal, ich red auch so, aber ich bin angekommen. Die wissen aber nicht, wenn sich einer bewirbt,
  225. der von da herkommt, wo wir herkommen, vielleicht allein schon aufgrund der Adresse
  226. Bewerbung zusammengeknüllt wird und im Papierkorb landet. Im Endeffekt siehst du ja anhand der Kommentare dann,
  227. dass man ja recht hat, dass es so ist, dass die Leute das nicht verstehen.
  228. Und dass dann noch so ein Spruch kommt wie Hauptschüler, du willst jemanden wieder in deine Ecke tun,
  229. dass der nicht gebildet bist. Intelligenz hat Ebenen, Formen.
  230. Egal, ob du weißt, wann der Zweite Weltkrieg angefangen hat. 1. September 1939.
  231. Und bitte verstellt euch nicht für ein bisschen Cloud. Ihr seid doch gut, so wie ihr seid. Tamam?
  232. Schreibt mal in die Kommentare, welchen Hype sollen wir als Nächstes machen?
  233. Und habt ihr schon mal Yarak gegessen? Nein.
  234. (Lachen) (Unverständlich)
  235. Da gibt's noch einen, der so Tagesthemen-Sprecher, der hat doch gesagt ... - (mehrere:) Jajaja.

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