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Was verbirgt sich am tiefsten Punkt des Ozeans?
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 97 Zeilen
- . Die Welt kann uns manchmal ganz schön langweilig vorkommen.
- Wir haben alle entlegenen Inseln besucht, die Arktis erobert und den Dschungel erforscht.
- Aber einen unerschlossenen Ort gibt es noch: Eine nasse, unwirtliche Wüste, bewohnt von mysteriösen Kreaturen,
- die in totaler Dunkelheit leben: Die Tiefsee. Lasst uns abtauchen.
- *Intro* Betrachtet man die schiere Größe der Ozeane, ist es schwer vorstellbar,
- dass sie weniger als 2% der weltweiten Biomasse beherbergen. Und davon leben auch noch 90% nahe an der Oberfläche,
- innerhalb der ersten 200 m. Hier beginnen wir unsere Reise.
- Hier kann das Licht das Wasser noch durchdringen und Photosynthese kann betrieben werden.
- Phytoplankton, das sind Aberbillionen von einzelligen Algen und Bakterien,
- bildet das Fundament des marinen Ökosystems. Von ihm ernährt sich größeres Plankton,
- von dem sich wiederum größere Arten ernähren. In dieser Tiefe ähnelt der Meeresgrund dem Amazonas-Regenwald.
- Er ist häufig von Korallenriffen, Algen und anderen Meerespflanzen bedeckt und von zahlreichen Meerestieren bewohnt.
- Bisher hat der Mensch sich v.a. diesem angenehmen Teil des Meeres gewidmet:
- Hier wird gefischt, verschmutzt und geforscht. Tauchen wir noch weiter ab.
- Wir bewegen uns vom vertrauten Küstengebiet in tiefere und entlegene Gewässer,
- bis wir den Kontinentalschelf erreichen und vor uns den Kontinentalhang sehen,
- der uns in die Tiefsee hinab führt. Mit jedem weiteren Meter an Wasser nimmt das Licht stark ab.
- Das bedeutet, dass auch die Pflanzen immer weniger werden und der scheinbar endlose, steile Kontinentalhang
- erinnert zunehmend an die Mondoberfläche. Vor uns erstreckt sich der unendliche, weite Ozean.
- Lassen wir den Hang hinter uns und begeben wir uns in die sogen. Mesopelagial-Zone,
- das Tor zur Tiefsee. Je weiter wir nach unten sinken, desto gewaltiger wird der Druck.
- Beim tiefsten Geräte-Tauchgang der Menschheit wurden 332 Meter erreicht.
- In dieser Tiefe entspricht der Druck dem von über 200 aufeinander gestapelten Autos.
- Und damit haben wir erst 3% unserer Reise zurückgelegt. Auch wenn diese Zone recht trostlos wirkt,
- verbringen doch viele Fische und andere Tiere mindestens die Hälfte ihres Lebens hier unten.
- Am Tag bietet das gewaltige, dunkle Wasser Sicherheit vor Räubern und ist ein guter Ort zum Ausruhen.
- Nachts können die Fische dann gefahrloser in flacheren und futterreichen Zonen nach Nahrung suchen.
- In dieser Übergangszone zwischen Dämmerung und Dunkelheit bekommt Licht eine besondere Bedeutung.
- Über 90% der hier beheimateten Arten erzeugen Licht mit Hilfe von biolumineszenten Chemikalien.
- Damit können sie sich im schwachen Sonnenlicht verstecken, Partner anlocken oder Angreifer verwirren und erschrecken.
- Oder sie nutzen es zum Jagen. Eine andere Überlebenstaktik im Dunklen ist Teamwork.
- In etwa 700 Meter Tiefe treffen wir auf eine Staatsqualle, einen Stock aus hunderten Polypen.
- Sie kann bis zu 50 Meter lang werden, ist dabei aber nur so breit wie ein Besenstiel.
- Um Beute anzulocken, sendet der Stock ein wunderschönes blaues oder rotes Licht aus.
- Jedes Lebewesen, das ihm zu nahe kommt, wird von seinem mit giftigen Nadeln gespickten Tentakelvorhang empfangen
- und getötet. Aber die meisten Arten, die hier unten leben,
- sind von einer anderen Ressource abhängig: Meeresschnee, einem weißen, flockigen Partikelstrom,
- der ständig von der Oberfläche auf den Grund sinkt. Er besteht aus toten Tier- und Pflanzenteilen,
- Ausscheidungen, Krebsschalen, Sand oder Staub. Auch wenn sich das nicht besonders lecker anhört,
- diese Flocken sind reich an organischen Substanzen und ohne sie würden die meisten Lebewesen in der Tiefsee
- wohl verhungern. Hier unten kann man faszinierende Kämpfe beobachten,
- die zwischen zwei ungleichen Feinden ausgetragen werden: Hausgroße Tintenfische werden von Pottwalen gejagt
- und angegriffen. Die Tintenfische wehren sich zwar mit aller Kraft,
- haben aber kaum eine Chance. Zumindest hinterlassen sie bleibende Spuren auf der Haut ihrer Mörder.
- Wir erreichen nun 1000 m, das ist tiefer als das höchste Bauwerk der Menschheit hoch ist.
- Wir müssen jetzt vorsichtig sein. Das ist das Bathypelagial, hier herrscht absolute Dunkelheit.
- Es ist eine kaum erforschte, nasse Einöde mit nichts als endlosem, schwarzen Wasser.
- Hier wäre es für Menschen schwieriger zu schwimmen als im All spazieren zu gehen.
- Es ist extrem schwierig, hier unten Nahrung zu finden, das Leben musste sich also entsprechend anpassen
- und sehr energieeffizient werden. Wie z.B. der 30 cm lange Vampirtintenfisch,
- der bewegungslos durchs Wasser treibt, die langen Fangarme weit ausgebreitet.
- Mit Hilfe von kleinen, steifen Härchen, kämmt er Nahrung aus dem Wasser.
- Dadurch ist kein aktiver Essensfang nötig und das spart viel Energie. Für Raubfische ist es viel schwieriger,
- hier unten Nahrung zu finden, denn lebende Beutefische sind rar. Die Räuber müssen gleich beim ersten Mal gut zupacken,
- sonst flüchtet sich die Beute in die Dunkelheit. Deshalb haben viele Tiefsee-Raubfische
- oftmals mehrere Reihen von langen, tödlichen Zähnen. Wie der Viperfish, der seine langen Zähne benutzt,
- um große Beute einzufangen und im ganzen zu verschlingen. Oder der Kragenhai.
- Er kann mit seinem beeindruckenden Gebiss, aus 300 nach innen gebogenen Zähnen, die Beute unentrinnbar festhalten.
- Wir sinken noch weiter, bis auf unter 3.800 Meter. In dieser Tiefe befindet sich das Grab der Titanic.
- Wir sind nun in abyssalen Tiefen. Alles passiert hier in Zeitlupe.
- Jedes bisschen Energie zu sparen ist überlebenswichtig. Alle Lebewesen treiben bewegungslos im Wasser
- oder schwimmen mit einer trägen Eleganz. Die Bewohner dieser Zone machen nur dann rasche Bewegungen,
- wenn sie in Gefahr sind. Wie der Dumbo-Oktopus,
- der mit seinen ohrenähnlichen Flossen paddelt. Oder der Grenadierfisch, der mit langsamen Schlägen
- seiner aalähnlichen Schwanzflosse durch das Wasser gleitet. In 4000 Meter Tiefe erreichen wir wieder den Meeresgrund:
- Die Abyssal-Ebene. Sie ist von grauem Schlamm und Steinen bedeckt,
- die mit den letzten Resten des Meeresschnees bestäubt sind. Letzterer ernährt Tiere wie Seegurken, Garnelen,
- Seeigel und Würmer. In manchen Gebieten kann man kleine dunkle Mineralablagerungen
- auf dem Boden erkennen. Es handelt sich um Manganknollen.
- Tiefseekorallen und Schwämme nutzen sie, um sich am Seeboden zu verankern.
- Obwohl Leben auf dem Tiefseegrund selten ist, gibt es auch hier unten Oasen.
- Dort, wo tektonische Platten auseinanderdriften, heizt das Magma unter der hier sehr dünnen Erdkruste Meerwasser auf.
- Bis zu 400 Grad heiße, dunkle Ströme aus Wasser und Mineralien steigen in komplexen Säulen und Türmen empor.
- Extremophile Bakterien, die auf unwirtliche Umgebungen spezialisiert sind,
- wandeln die Mineralien in organische Substanzen um. Sie bilden die Basis für ganz erstaunliche Ökosysteme.
- Wir tauchen noch weiter ab und erreichen in 6000 Metern Tiefe den tiefsten Punkt der Abyssal-Ebene.
- In den meisten Teilen der Ozeane ist hier Schluss. Wollen wir aber den allertiefsten Punkt der Weltmeere erreichen,
- haben wir erst die Hälfte geschafft. Wir erreichen nun die Hadal-Zone, die Unterwelt der Meere.
- Sie besteht aus langen, engen Tiefseerinnen, die nur etwa 0,25% der Ozeane ausmachen
- und zu den extremsten Orten der Erde gehören. Nur Extremophile halten es hier unten aus,
- wie der Pseudoliparis swirei, der mit rund 8.000 Metern den Tiefenrekord unter den Fischen hält.
- Spitze und scharfe, schwarze Steine ziehen an uns vorbei, während wir auf mehr als 10.000 Meter absinken.
- Der letzte Hang liegt vor uns, ein Graben innerhalb des Marianengrabens.
- Sanfte Hänge rahmen ein etwa 1,6 km breites Tal ein. Wir sind da.
- Am tiefsten Punkt, dem Challengertief. 11.000 Meter unter der Meeresoberfläche.
- Der Wasserdruck beträgt 1.086 bar. Wollte man hier schwimmen,
- wäre das, als müsste man das Gewicht von 1.846 Elefanten aushalten. Aber auch hier hat sich das Leben eingerichtet.
- Neben Seegurken wuseln hier weiße und hellrosa Flohkrebse durchs Wasser.
- Ihre Größe ist erstaunlich. Während ihre Verwandten in flacheren Zonen nur wenige cm lang sind,
- können die Tieefseeflohkrebse bis zu 30 cm erreichen. Und es gibt noch etwas, das hier elegant durchs Wasser treibt:
- Plastiktüten, die 2018 von Wissenschaftlern entdeckt wurden. Sogar der entlegenste Ort der Welt
- ist nicht vor dem Einfluss der Menschen sicher. Jetzt gibt es hier für uns nichts mehr zu tun
- und der Sauerstoff wird langsam knapp, lasst uns also aufsteigen. Nach stundenlanger Dunkelheit sehen wir endlich wieder Licht.
- Wir erreichen die ruhige Wasseroberfläche. Die Ozeane sind unfassbar tief,
- so tief, dass wir uns das kaum vorstellen können. Wir müssen einfach versuchen, sie so gut wie möglich zu erhalten,
- das sind wir uns und den Generationen, die nach uns kommen, schuldig.
- Schließlich gibt es noch so viel mehr zu entdecken. Untertitel: ARD Text im Auftrag von Funk (2019)
Zum Nachlesen
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