Was verbirgt sich am tiefsten Punkt des Ozeans? Dinge Erklärt – Kurzgesagt https://www.youtube.com/watch?v=q6fgbYWsMgw Transkript (automatisch erstellt) 0:00 . Die Welt kann uns manchmal ganz schön langweilig vorkommen. 0:04 Wir haben alle entlegenen Inseln besucht, die Arktis erobert und den Dschungel erforscht. 0:10 Aber einen unerschlossenen Ort gibt es noch: Eine nasse, unwirtliche Wüste, bewohnt von mysteriösen Kreaturen, 0:19 die in totaler Dunkelheit leben: Die Tiefsee. Lasst uns abtauchen. 0:27 *Intro* Betrachtet man die schiere Größe der Ozeane, ist es schwer vorstellbar, 0:41 dass sie weniger als 2% der weltweiten Biomasse beherbergen. Und davon leben auch noch 90% nahe an der Oberfläche, 0:49 innerhalb der ersten 200 m. Hier beginnen wir unsere Reise. 0:55 Hier kann das Licht das Wasser noch durchdringen und Photosynthese kann betrieben werden. 1:00 Phytoplankton, das sind Aberbillionen von einzelligen Algen und Bakterien, 1:06 bildet das Fundament des marinen Ökosystems. Von ihm ernährt sich größeres Plankton, 1:11 von dem sich wiederum größere Arten ernähren. In dieser Tiefe ähnelt der Meeresgrund dem Amazonas-Regenwald. 1:19 Er ist häufig von Korallenriffen, Algen und anderen Meerespflanzen bedeckt und von zahlreichen Meerestieren bewohnt. 1:26 Bisher hat der Mensch sich v.a. diesem angenehmen Teil des Meeres gewidmet: 1:31 Hier wird gefischt, verschmutzt und geforscht. Tauchen wir noch weiter ab. 1:38 Wir bewegen uns vom vertrauten Küstengebiet in tiefere und entlegene Gewässer, 1:43 bis wir den Kontinentalschelf erreichen und vor uns den Kontinentalhang sehen, 1:49 der uns in die Tiefsee hinab führt. Mit jedem weiteren Meter an Wasser nimmt das Licht stark ab. 1:55 Das bedeutet, dass auch die Pflanzen immer weniger werden und der scheinbar endlose, steile Kontinentalhang 2:01 erinnert zunehmend an die Mondoberfläche. Vor uns erstreckt sich der unendliche, weite Ozean. 2:08 Lassen wir den Hang hinter uns und begeben wir uns in die sogen. Mesopelagial-Zone, 2:13 das Tor zur Tiefsee. Je weiter wir nach unten sinken, desto gewaltiger wird der Druck. 2:19 Beim tiefsten Geräte-Tauchgang der Menschheit wurden 332 Meter erreicht. 2:25 In dieser Tiefe entspricht der Druck dem von über 200 aufeinander gestapelten Autos. 2:31 Und damit haben wir erst 3% unserer Reise zurückgelegt. Auch wenn diese Zone recht trostlos wirkt, 2:37 verbringen doch viele Fische und andere Tiere mindestens die Hälfte ihres Lebens hier unten. 2:43 Am Tag bietet das gewaltige, dunkle Wasser Sicherheit vor Räubern und ist ein guter Ort zum Ausruhen. 2:49 Nachts können die Fische dann gefahrloser in flacheren und futterreichen Zonen nach Nahrung suchen. 2:54 In dieser Übergangszone zwischen Dämmerung und Dunkelheit bekommt Licht eine besondere Bedeutung. 3:01 Über 90% der hier beheimateten Arten erzeugen Licht mit Hilfe von biolumineszenten Chemikalien. 3:08 Damit können sie sich im schwachen Sonnenlicht verstecken, Partner anlocken oder Angreifer verwirren und erschrecken. 3:16 Oder sie nutzen es zum Jagen. Eine andere Überlebenstaktik im Dunklen ist Teamwork. 3:24 In etwa 700 Meter Tiefe treffen wir auf eine Staatsqualle, einen Stock aus hunderten Polypen. 3:30 Sie kann bis zu 50 Meter lang werden, ist dabei aber nur so breit wie ein Besenstiel. 3:35 Um Beute anzulocken, sendet der Stock ein wunderschönes blaues oder rotes Licht aus. 3:41 Jedes Lebewesen, das ihm zu nahe kommt, wird von seinem mit giftigen Nadeln gespickten Tentakelvorhang empfangen 3:47 und getötet. Aber die meisten Arten, die hier unten leben, 3:51 sind von einer anderen Ressource abhängig: Meeresschnee, einem weißen, flockigen Partikelstrom, 3:58 der ständig von der Oberfläche auf den Grund sinkt. Er besteht aus toten Tier- und Pflanzenteilen, 4:04 Ausscheidungen, Krebsschalen, Sand oder Staub. Auch wenn sich das nicht besonders lecker anhört, 4:10 diese Flocken sind reich an organischen Substanzen und ohne sie würden die meisten Lebewesen in der Tiefsee 4:16 wohl verhungern. Hier unten kann man faszinierende Kämpfe beobachten, 4:20 die zwischen zwei ungleichen Feinden ausgetragen werden: Hausgroße Tintenfische werden von Pottwalen gejagt 4:27 und angegriffen. Die Tintenfische wehren sich zwar mit aller Kraft, 4:31 haben aber kaum eine Chance. Zumindest hinterlassen sie bleibende Spuren auf der Haut ihrer Mörder. 4:38 Wir erreichen nun 1000 m, das ist tiefer als das höchste Bauwerk der Menschheit hoch ist. 4:44 Wir müssen jetzt vorsichtig sein. Das ist das Bathypelagial, hier herrscht absolute Dunkelheit. 4:51 Es ist eine kaum erforschte, nasse Einöde mit nichts als endlosem, schwarzen Wasser. 4:57 Hier wäre es für Menschen schwieriger zu schwimmen als im All spazieren zu gehen. 5:02 Es ist extrem schwierig, hier unten Nahrung zu finden, das Leben musste sich also entsprechend anpassen 5:08 und sehr energieeffizient werden. Wie z.B. der 30 cm lange Vampirtintenfisch, 5:14 der bewegungslos durchs Wasser treibt, die langen Fangarme weit ausgebreitet. 5:19 Mit Hilfe von kleinen, steifen Härchen, kämmt er Nahrung aus dem Wasser. 5:24 Dadurch ist kein aktiver Essensfang nötig und das spart viel Energie. Für Raubfische ist es viel schwieriger, 5:31 hier unten Nahrung zu finden, denn lebende Beutefische sind rar. Die Räuber müssen gleich beim ersten Mal gut zupacken, 5:38 sonst flüchtet sich die Beute in die Dunkelheit. Deshalb haben viele Tiefsee-Raubfische 5:44 oftmals mehrere Reihen von langen, tödlichen Zähnen. Wie der Viperfish, der seine langen Zähne benutzt, 5:51 um große Beute einzufangen und im ganzen zu verschlingen. Oder der Kragenhai. 5:56 Er kann mit seinem beeindruckenden Gebiss, aus 300 nach innen gebogenen Zähnen, die Beute unentrinnbar festhalten. 6:04 Wir sinken noch weiter, bis auf unter 3.800 Meter. In dieser Tiefe befindet sich das Grab der Titanic. 6:12 Wir sind nun in abyssalen Tiefen. Alles passiert hier in Zeitlupe. 6:18 Jedes bisschen Energie zu sparen ist überlebenswichtig. Alle Lebewesen treiben bewegungslos im Wasser 6:24 oder schwimmen mit einer trägen Eleganz. Die Bewohner dieser Zone machen nur dann rasche Bewegungen, 6:30 wenn sie in Gefahr sind. Wie der Dumbo-Oktopus, 6:33 der mit seinen ohrenähnlichen Flossen paddelt. Oder der Grenadierfisch, der mit langsamen Schlägen 6:39 seiner aalähnlichen Schwanzflosse durch das Wasser gleitet. In 4000 Meter Tiefe erreichen wir wieder den Meeresgrund: 6:47 Die Abyssal-Ebene. Sie ist von grauem Schlamm und Steinen bedeckt, 6:51 die mit den letzten Resten des Meeresschnees bestäubt sind. Letzterer ernährt Tiere wie Seegurken, Garnelen, 6:57 Seeigel und Würmer. In manchen Gebieten kann man kleine dunkle Mineralablagerungen 7:03 auf dem Boden erkennen. Es handelt sich um Manganknollen. 7:07 Tiefseekorallen und Schwämme nutzen sie, um sich am Seeboden zu verankern. 7:12 Obwohl Leben auf dem Tiefseegrund selten ist, gibt es auch hier unten Oasen. 7:17 Dort, wo tektonische Platten auseinanderdriften, heizt das Magma unter der hier sehr dünnen Erdkruste Meerwasser auf. 7:25 Bis zu 400 Grad heiße, dunkle Ströme aus Wasser und Mineralien steigen in komplexen Säulen und Türmen empor. 7:33 Extremophile Bakterien, die auf unwirtliche Umgebungen spezialisiert sind, 7:38 wandeln die Mineralien in organische Substanzen um. Sie bilden die Basis für ganz erstaunliche Ökosysteme. 7:46 Wir tauchen noch weiter ab und erreichen in 6000 Metern Tiefe den tiefsten Punkt der Abyssal-Ebene. 7:52 In den meisten Teilen der Ozeane ist hier Schluss. Wollen wir aber den allertiefsten Punkt der Weltmeere erreichen, 7:59 haben wir erst die Hälfte geschafft. Wir erreichen nun die Hadal-Zone, die Unterwelt der Meere. 8:06 Sie besteht aus langen, engen Tiefseerinnen, die nur etwa 0,25% der Ozeane ausmachen 8:12 und zu den extremsten Orten der Erde gehören. Nur Extremophile halten es hier unten aus, 8:19 wie der Pseudoliparis swirei, der mit rund 8.000 Metern den Tiefenrekord unter den Fischen hält. 8:26 Spitze und scharfe, schwarze Steine ziehen an uns vorbei, während wir auf mehr als 10.000 Meter absinken. 8:33 Der letzte Hang liegt vor uns, ein Graben innerhalb des Marianengrabens. 8:38 Sanfte Hänge rahmen ein etwa 1,6 km breites Tal ein. Wir sind da. 8:45 Am tiefsten Punkt, dem Challengertief. 11.000 Meter unter der Meeresoberfläche. 8:52 Der Wasserdruck beträgt 1.086 bar. Wollte man hier schwimmen, 8:57 wäre das, als müsste man das Gewicht von 1.846 Elefanten aushalten. Aber auch hier hat sich das Leben eingerichtet. 9:05 Neben Seegurken wuseln hier weiße und hellrosa Flohkrebse durchs Wasser. 9:11 Ihre Größe ist erstaunlich. Während ihre Verwandten in flacheren Zonen nur wenige cm lang sind, 9:17 können die Tieefseeflohkrebse bis zu 30 cm erreichen. Und es gibt noch etwas, das hier elegant durchs Wasser treibt: 9:25 Plastiktüten, die 2018 von Wissenschaftlern entdeckt wurden. Sogar der entlegenste Ort der Welt 9:32 ist nicht vor dem Einfluss der Menschen sicher. Jetzt gibt es hier für uns nichts mehr zu tun 9:38 und der Sauerstoff wird langsam knapp, lasst uns also aufsteigen. Nach stundenlanger Dunkelheit sehen wir endlich wieder Licht. 9:54 Wir erreichen die ruhige Wasseroberfläche. Die Ozeane sind unfassbar tief, 10:00 so tief, dass wir uns das kaum vorstellen können. Wir müssen einfach versuchen, sie so gut wie möglich zu erhalten, 10:07 das sind wir uns und den Generationen, die nach uns kommen, schuldig. 10:11 Schließlich gibt es noch so viel mehr zu entdecken. Untertitel: ARD Text im Auftrag von Funk (2019)