Zum Inhalt springen
L

Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).

Was waren Zünfte und Gilden? | EINFACH ERKLÄRT

StudioEinfach - Wissen, das Klick macht! 6:54 2.038 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 45 Zeilen
Herunterladen
  1. Was waren Zünfte und Gilden? Tja, heute schauen wir uns das mal genauer an. Einfach erklärt. Klingt vielleicht erstmal nach angestaubtem
  2. Geschichtsunterricht, aber was, wenn ich dir sage, dass diese alten Clubs mehr mit deinem heutigen Job zu tun haben, als du vielleicht ahnst. Du wirst
  3. staunen, versprochen. Okay, stell dir das mal vor. Du lebst im Mittelalter, du bist jung, du willst was aus deinem Leben machen, einen Beruf
  4. lernen, Geld verdienen, vielleicht eine Familie gründen. Aber wie machst du das? Wo fängst du überhaupt an? Ja, genau. Kein Internet, keine Jobaps, keine
  5. Berufsschule, einfach nichts von alledem. Du konntest nicht mal eben googeln, welcher Bäcker in der Stadt einen Lehrling sucht. Absolut kein Plan.
  6. Es musste also irgendein System her, eine Struktur. Und genau hier kommen die Zünfte und Gilden ins Spiel. Genau. Die Lösung waren Zünfte und Gilden. Das
  7. waren sozusagen die exklusiven Berufsverbände des Mittelalters, die das komplette Arbeitsleben in den Städten ja organisiert und kontrolliert haben. Aber
  8. Moment, ganz wichtig, Zunft und Gilde sind nicht dasselbe. Also, der Unterschied ist eigentlich total simpel. Die Zünfte, das war der
  9. Club für die Handwerker. Denk an Bäcker, Schmiede, Maurer, also die, die wirklich was mit ihren Händen hergestellt haben. Und die Gilden, das waren die
  10. Vereinigungen der Kaufleute, die Händler, die z.B. mit teuren Stoffen oder exotischen Gewürzen gehandelt haben. Im Grunde also das gleiche
  11. Prinzip, nur für eine andere Berufsgruppe. Im Grunde waren Zümpfte und Gilden also ein Zusammenschluss von Leuten, die den gleichen Beruf hatten.
  12. Und warum haben die das gemacht? Na ja, um die wirklich wichtigen Dinge zu regeln. Also z.B. Beispiel die Qualität der Produkte sicherzustellen, feste
  13. Preise auszumachen und was super wichtig war für eine Art soziale Absicherung zu sorgen. Aber einfach so reinspazieren und mitmachen, näh, so lief das nicht.
  14. Es gab eine ganz klare Karriereleiter. Jede Sprosse musste einzeln erklommen werden. Und wie die aussah, das schauen wir uns jetzt mal genauer an.
  15. Also im Prinzip gab es immer diese drei Stufen. Ganz unten fängst du an als Lehrling. Das war quasi der Praktikant von damals. Hast du das überstanden,
  16. steigst du auf zum Gesellen. Das kannst du dir so ein bisschen wie einen Juniorangestellten heute vorstellen. Und ganz oben da stand der Meister, der
  17. Chef, der dann auch seinen eigenen Betrieb aufmachen durfte. Das war das große Ziel. Und allein diese erste Stufe ich Lehrling, die hatte es echt in sich.
  18. Wir reden hier von bis zu 7 Jahren. 7 Jahre, das ist eine verdammt lange Zeit, in der du dich komplett diesem einen Handwerk gewidmet hast. Und jetzt kommt
  19. der Haken oder besser gesagt der Deal. Als Lehrling gab es keine Kohle, gar nichts. Dein Gehalt war quasi Bett und was zu essen beim Meister. Du hast also
  20. mit deiner Arbeitskraft für deine Ausbildung bezahlt. Und klar, die ganzen einfachen Hilfsarbeiten im Haushalt und in der Werkstatt, die blieben natürlich
  21. auch an dir hängen. Okay. Und wie wurde man dann endlich Meister, also der Boss? Tja, dafür musstest du beweisen, was du wirklich drauf hast und zwar mit deinem
  22. Meisterstück. Das war im Prinzip deine Abschlussarbeit. Du musstest ein absolut perfektes Werkstück anfertigen, um den anderen Meistern zu zeigen: "Hey, seht
  23. her, ich kann's, ich bin bereit." Eine Zunft war aber viel mehr als nur ein Karriereplan. Stell sie dir wie einen Club vor, einen Club mit verdammt
  24. strengen Regeln und die hatten wie so oft ihre Vor und Nachteile. Schauen wir uns erstmal die guten Seiten an. Zum einen die Qualität. Die Zunft hat dafür
  25. gesorgt, dass nur gute Ware verkauft wird. Murx war absolut tabu. Dann die Preise, die waren fest. Das hieß kein ruinöser Preiskampf untereinander und
  26. ein sicheres Einkommen für alle. Und das ist vielleicht das Wichtigste. Die Zunft war ein soziales Netz. Ist ein Meister gestorben, hat sich die Zunft um seine
  27. Witwe und die Weisen gekümmert. Das gab eine unglaubliche Sicherheit. Aber und das ist ein großes Aber es gab natürlich auch Nachteile. Zünfte waren
  28. im Prinzip Monopole. Heißt, wenn du nicht im Club warst, durftest du in der Stadt deinen Job nicht machen. Konkurrenz gab's nicht, war verboten.
  29. Reinzukommen war super schwer. Oft wurden die Plätze einfach in der Familie weiter vererbt und diese ganzen strengen Regeln, die haben oft auch Fortschritt
  30. und neue Ideen einfach ausgebremst. Um das mal konkret zu machen, es gab z.B. bei den Hutmachern in London 1347 die Regel keiner Arbeit bei Nacht.
  31. Klingt erstmal komisch, oder? Aber der Grund war total logisch. Gearbeitet wurde nur bei Tageslicht, damit die Aufseher der Zunft jederzeit reinkommen
  32. und die Qualität checken konnten. So sollte Schummeln verhindert werden. Clever, aber auch ganz schon kontrollierend. Klar, so ein starres
  33. System konnte nicht für immer funktionieren. Die Welt hat sich weitergedreht und irgendwann haben die Zfte an Bedeutung verloren. Aber sind
  34. sie deshalb komplett von der Bildfläche verschwunden? Schauen wir mal, was aus ihnen geworden ist. Es waren vor allem drei große Dinge, die den Zünften den
  35. rausgemacht haben. Los ging es im 16. Jahrhundert mit der Reformation, die diesen starken religiösen Zusammenhalt aufgeweicht hat. Im 18. Jahrhundert kam
  36. dann der Kapitalismus um die Ecke mit der Idee vom freien Wettbewerb, also genau das Gegenteil von dem, was die Zünfte wollten. Und der letzte Nagel zum
  37. Sark war dann im 19. Jahrhundert die industrielle Revolution. Riesige Fabriken, Massenproduktion, da war das alte System einfach nicht mehr
  38. konkurrenzfähig. Okay, die alten Zünfte mit ihren seltsamen Regeln sind also weg, aber diese Grundidee, also, dass man sich in
  39. einem Beruf zusammenschließt, um Standards zu setzen und die eigenen Interessen zu schützen, ist die wirklich verschwunden?
  40. Überhaupt nicht. Schaut euch doch mal um. Handwerkskammern, die heute die Ausbildung und die Meisterprüfungen regeln, das ist die Zunftidee in
  41. Reinform. Oder denkt mal an Ärztekammern und Anwaltskammern, die entscheiden, wer überhaupt als Arzt oder Anwalt arbeiten darf. Das ist doch pures Zunfdenken.
  42. Selbstgewerkschaften, Gütesiegel für Qualität. Die Wurzeln von allem liegen genau hier und ja, sogar die Freimaurer haben hier ihren Ursprung. Die Idee ist
  43. also quick lebendig. Und das führt uns zu einer ziemlich spannenden Frage zum Schluss. Wenn wir uns das alles so ansehen, diese ganzen
  44. Kammern und Verbände, die heute unsere Berufe regeln, sind das dann nicht eigentlich einfach nur zümpfte 2.0, ein altes System im neuen Look? Was meint
  45. ihr? Denkt mal drüber nach. Wir hören uns.

Zum Nachlesen