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67. Sitzung vom 25.03.2026. TOP 1: Befragung der Bundesregierung (Bundeskanzler)
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Transkriptautomatisch erstellt · 543 Zeilen
- Hierfür hat die Bundesregierung den Bundeskanzler, Herrn Friedrich Merz, benannt. Er wird zunächst die Gelegenheit
- haben für einleitende Ausführungen. Das hat den Umfang von acht Minuten. Sie haben nun das Wort. Herr Bundeskanzler, bitte sehr.
- Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Erlauben Sie mir, dass ich mich zunächst namens der Bundesregierung
- den mitfühlenden Worten unserer Präsidentin zum plötzlichen Tod unseres Kollegen Carsten Träger anschließe.
- Wir haben heute Morgen zu Beginn der Sitzung des Bundeskabinetts seiner gedacht.
- Carsten Träger hat mehrfach Platz genommen am Tisch des Bundeskabinetts in Vertretung seines Ministers, Carsten Schneider, und die Interessen
- des Umweltministeriums am Kabinettstisch vertreten. Er wird auch uns fehlen. Ich möchte namens der Bundesregierung
- seiner Familie, seiner Frau, seinen Töchtern, aber auch seinen politischen Wegbegleitern ein herzliches Wort des Mitgefühls zum
- Ausdruck bringen. Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir leben
- in außergewöhnlich herausfordernden Zeiten. Der Krieg im Mittleren Osten, der anhaltende Krieg Russlands gegen
- die Ukraine, aber auch eine ganze Reihe von weiteren größeren und kleineren Konflikten auf dieser Welt fordern uns heraus, betreffen uns,
- auch mittelbar und unmittelbar. Zugleich ringen wir in Europa, in dieser Europäischen Union, um die
- Zukunft des europäischen Kontinents, nicht mehr und nicht weniger. Vor diesem Hintergrund möchte ich Ihnen zunächst in wenigen Sätzen
- sagen, wovon die Bundesregierung und auch ich persönlich uns leiten lassen in den Antworten, die wir als Bundesregierung der Bundesrepublik
- Deutschland zu geben versuchen. Erstens. Wir müssen als Bundesrepublik Deutschland
- unsere Interessen definieren. Wir müssen sie definieren, aber wir müssen sie auf der Welt auch durchsetzen.
- Und unser wichtigstes Interesse ist darauf ausgerichtet, die Freiheit, den Frieden, den Wohlstand und auch den Sozialstaat der Bundesrepublik
- Deutschland in diesen schwierigen Zeiten zukunftsfähig zu halten. Zweitens. Dies alles geht nur in einer starken
- Europäischen Union. Die Geschichte unseres Landes wäre anders verlaufen, wenn wir denen
- gefolgt wären, die diesen Weg nicht mit uns gehen wollten. Das betrifft die Europäische Union, das betrifft aber auch das
- Nordatlantische Verteidigungsbündnis, die NATO. Dass wir heute hier zusammen im Deutschen Bundestag in Berlin sitzen,
- ist diesen Grundentscheidungen für unsere Bundesrepublik Deutschland vor Jahren und Jahrzehnten zu verdanken. Dieses Erbe dürfen
- wir nicht verspielen. Und schließlich drittens. Die Bundesrepublik Deutschland ist
- nur dann stark in Europa und kann auch nur dann ihre Interessen auf der Welt wahrnehmen, wenn sie selbst stark ist.
- Und stark zu sein in diesen Zeiten, heißt, eine prosperierende Volkswirtschaft zu sein, Arbeitsplätze zu sichern und neue zu
- ermöglichen und gleichzeitig verteidigungsfähig zu werden. Ich sage bewusst „zu werden“; denn wir sind es nicht mehr.
- Darauf alle Anstrengungen auszurichten, ist die wichtigste Aufgabe der Bundesregierung in diesen herausfordernden Zeiten.
- Ich will den Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes aber auch sagen: Wir stehen nicht vor Problemen, die unbewältigbar sind.
- Die meisten der Probleme, die wir heute in unserem Land haben, sind hausgemacht, sind von uns selbst mit herbeigeführt.
- Deswegen liegt es auch und vor allem an uns, dafür zu sorgen, dass diese Probleme wieder kleiner werden und dass sie am besten bald verschwinden.
- Eine starke Volkswirtschaft, eine verteidigungsfähige Bundesrepublik Deutschland und eine Gesellschaft, die nach innen hin einen neuen
- Grundkonsens findet – das ist die Antwort auf die Aufgaben, die wir gemeinsam lösen wollen, und das ist genau der Geist, der uns in der
- Koalition trägt, in der Koalition aus CDU/CSU und SPD. Ich danke Ihnen.
- Ich bedanke mich. – Der Bundeskanzler hat die Zeit nicht ganz ausgeschöpft und gibt uns damit mehr Zeit, zu fragen.
- Für die Befragung sind 60 Minuten vorgesehen. Eine Verlängerung ist laut Geschäftsordnung nicht vorgesehen.
- Jetzt beginnen wir mit dem eigentlichen Teil der Befragung. Ich will das kurz einführend sagen: Sie können Fragen zum
- Geschäftsbereich des Bundeskanzlers und den Kabinettssitzungen stellen und auch allgemeine Fragen an den Bundeskanzler richten.
- Alle Fraktionen erhalten hierfür in mehreren Runden nacheinander das Wort, beginnend mit der größten Oppositionsfraktion.
- Noch ein Hinweis: Für die Hauptfrage und die Antwort steht jeweils eine Minute zur Verfügung. Für eine Nachfrage des Fragestellers
- und die Antwort darauf gibt es lediglich 30 Sekunden. Weitere Nachfragen von anderen Abgeordneten sind in der Befragung
- des Bundeskanzlers nicht möglich. Ich bitte Sie alle – auch Sie, Herr Bundeskanzler –, die vereinbarten Zeiten einzuhalten, damit möglichst
- viele Fragen beantwortet werden können. Wir beginnen jetzt mit der Befragung des Bundeskanzlers, und das Wort hat
- für die AfD der Abgeordnete Dr. Michael Espendiller. – Bitte sehr.
- Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, der Iran hat vor ein paar Tagen zwei Raketen auf den Stützpunkt Diego Garcia abgefeuert, was zeigt, dass
- auch Deutschland theoretisch im Radius solcher Raketen liegt. Weil sich genau solche immer neuen Bedrohungslagen in den letzten Jahren
- gehäuft haben, hat der Verfassungsgesetzgeber der Regierung die Möglichkeit gegeben, weitere Sonderschulden zu machen, um auf
- diese Bedrohungslagen zu reagieren. Die Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben wurde ausgesetzt, und zwar mit der
- sogenannten Bereichsausnahme. Das ist neben dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität der zweite große Schuldentopf, mit
- dem Ihre Regierung gestartet ist. Letzte Woche wurde nun bekannt, dass es beim Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität zu
- milliardenschweren Zweckentfremdungen gekommen ist, die wir als AfD-Bundestagsfraktion auch so vorhergesehen haben und die wir ganz
- klar als Verfassungsbruch werten. Seit diesem Montag wissen wir nun, dass das SPD-Finanzministerium – Ihre Fragezeit ist um.
- eine weitere zusätzliche Zweckentfremdung der Sonderschulden der Bundeswehr plant. Ihre Fragezeit ist abgelaufen.
- Wie stehen Sie dazu, Herr Kanzler? Herr Kollege, wir haben im letzten Jahr entschieden, dass wir zunächst unsere eigenen
- Verteidigungsanstrengungen erheblich vergrößern, und haben uns im Rahmen der NATO verpflichtet, 3,5 Prozent unseres BIP für die reine
- Verteidigung auszugeben und zusätzlich 1,5 Prozent für die militärisch notwendige Infrastruktur. Diesen Weg werden wir konsequent
- weitergehen, und ich sehe aus heutiger Sicht keine Veranlassung, daran etwas zu ändern, weder die Anstrengungen zu verringern noch sie
- noch einmal zu verstärken. Zweitens. Wir haben eine Verabredung getroffen
- im Hinblick auf die Infrastruktur und auch dafür, noch einmal einen größeren Geldbetrag zur Verfügung zu stellen.
- Ich lese die Berichte der Forschungsinstitute. Ich lese allerdings in diesen Berichten auch Fußnoten.
- Und in einer dieser Fußnoten kommt zum Ausdruck, dass 95 Prozent der Mittel, die wir bereitstellen, für Investitionen zur
- Verfügung gestellt werden. Und wir halten auch die uns selbstgesetzte Investitionsquote von 10 Prozent aus dem
- laufenden Haushalt ein. Ihre Zeit. Deswegen sehe ich Klagen, wenn sie denn kommen, mit
- größter Gelassenheit entgegen. Danke sehr.
- Sie haben die Chance zu einer 30-sekündigen Nachfrage. Ganz kurz: Wenn das Zeichen gelb wird, sollte man eigentlich anfangen, die Frage zu stellen.
- Machen Sie sich mal ganz locker. Wir kriegen das hier richtig und ordentlich hin, keine Sorge.
- Frau Weidel, welches Problem haben Sie jetzt gerade? Wollen Sie gerade mit mir darüber diskutieren?
- Sie haben jetzt 30 Sekunden. Bitte sehr. Das ist interessant, Herr Kanzler. Ich hatte nach der Zweckentfremdung
- der Sonderschulden für die Bundeswehr gefragt und zu dem, was wir seit Montag wissen. Ich wollte es auch gerne im
- Haushaltsausschuss diskutieren. Wir haben es auf die Tagesordnung gesetzt. Das wurde von Ihren Obleuten
- allerdings mit dem Hinweis auf vertrauliche Informationen abgelehnt und wird gleich abgesetzt werden. Das heißt, es ist schön, wenn Sie
- sich hierhinstellen und sagen, Sie möchten dieses Geld für die Bundeswehr einsetzen, wenn wir jetzt doch den nächsten milliardenschweren
- Skandal haben, wo solche Gelder zweckentfremdet werden. Wir haben die höchsten Steuereinnahmen der Welt.
- Sie zweckentfremden das Sondervermögen, und jetzt noch die Bundeswehrsachen. Ich frage mich: Was machen Sie denn
- mit dem Geld, und warum diskutieren Sie jetzt eine Mehrwertsteuererhöhung oder die Streichung – Ihre Zeit ist abgelaufen.
- der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern in der GKV? Herr Kollege, wenn im Verteidigungsausschuss, dem ich
- selbst einmal eine Wahlperiode angehört habe, etwas als Vertraulich eingestuft wird, dann ist es vertraulich, und dann bleibt es auch
- in der Plenarsitzung des Deutschen Bundestages vertraulich. Die einfache Antwort auf Ihre Frage ist: Wir bleiben dabei, dass wir
- dieses Geld für die Verteidigung ausgeben. Wir werden auch die Beschaffungsprozesse jetzt noch
- einmal überprüfen und verbessern, und dann werden wir wieder verteidigungsfähig.
- Wir kommen jetzt zur nächsten Hauptfrage. Für die SPD-Fraktion hat nun der Kollege Sebastian Roloff das Wort.
- Bitte sehr. Frau Präsidentin, ich darf mich zunächst bei Ihnen für Ihre sehr
- freundliche Würdigung des Kollegen Träger und beim ganzen Haus für die Anteilnahme bedanken, durchaus auch im Namen meiner Landesgruppe; wenn
- ich das kurz sagen darf. Herr Bundeskanzler, Sie wissen: Es gibt eine große Unsicherheit der Menschen im Land mit Blick auf die
- Entwicklung der Öl- und Gaspreise, nicht nur an den Zapfsäulen, sondern auch mit Blick auf Heizkosten etc. Es ist gut und richtig, dass wir das
- Kraftstoffmaßnahmenpaket diese Woche auf den Weg bringen. Aber klar ist auch, dass das keine kurzfristige Entlastung beim
- Spritpreis mit sich bringen wird, sondern eher die Entwicklung hemmt. Der Bundesfinanzminister hat zum Beispiel eine höhere Pendlerpauschale
- und eine Übergewinnsteuer vorgeschlagen und prüft das. Wie stehen Sie zu diesen Vorschlägen des Bundesfinanzministers?
- Herr Kollege, ich teile mit der Bundesregierung und auch mit Ihnen die Sorge um die steigenden Energiepreise.
- Wir werden morgen das erste Maßnahmenpaket schon in zweiter und dritter Lesung hier beschließen – das kann dann am Freitag bereits im
- Bundesrat beschlossen werden – im Hinblick auf die Preisfestsetzungsmechanismen und auf die kartellrechtliche Überprüfung
- dieser Preisgestaltung. Aber dies alles wird nicht ausreichen, um die Preise so zu dämpfen, dass sie wieder verträglich
- werden für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Deswegen sind durchaus weitere Maßnahmen denkbar.
- Die Pendlerpauschale könnte eine solche Maßnahme sein; sie wirkt allerdings erst im nächsten Jahr mit den jeweiligen Steuererklärungen.
- Andere Maßnahmen sehe ich skeptisch, und ich will das wiederholen, was ich vor Jahren schon gesagt habe: Auch eine Übergewinnsteuer scheint mir
- schon bei der Definition des Übergewinns erhebliche steuerrechtliche Probleme auszulösen. Aber ich bin
- offen für jede Diskussion. Sie haben die Möglichkeit zu einer Nachfrage.
- Bitte. Vielen Dank für Ihre Antwort. Gibt es denn Maßnahmen, die Sie sich vorstellen können, die konkret
- entlastend wirken – also in diesem Zwischenbereich, nicht nur mittelfristig und nicht erst mit der Steuererklärung –, zum Beispiel mit
- Blick auf die Frage der Spritpreisbremse oder steuerliche Maßnahmen? Herr Kollege, steuerliche Maßnahmen
- werden ja auch aus Ihren Reihen von Ministerpräsidenten oder Ministerpräsidentinnen vorgeschlagen, die allerdings dann sofort zu
- erheblichen Einnahmeausfällen für den Bundeshaushalt führen. Das sind Maßnahmen, über die wir nachdenken können.
- Ich will allerdings auch hinzufügen: Wir können nicht jede Preisentwicklung durch steuerliche Maßnahmen oder durch Maßnahmen aus
- dem Bundeshaushalt heraus ausgleichen. Das beste Mittel, um die Preise wieder unter Kontrolle zu bringen,
- ist eine Beendigung des Krieges im Iran, und dafür tut die Bundesregierung alles – auch ich persönlich in meinen Gesprächen –, um
- dies möglichst schnell auch zu erreichen. Die nächste Hauptfrage geht an die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, an
- Frau Abgeordnete Lena Gumnior. Bitte. Vielen Dank. – Die Frauen in diesem Land diskutieren seit Tagen über das
- große Problem von Gewalt gegen Frauen im Internet, und sie wünschen sich von der Bundesregierung mehr Schutz in Bezug auf digitalisierte Gewalt.
- Es ist gut, dass sich bereits viele Politikerinnen geäußert haben, aber Sie, Herr Merz, bislang nicht. Deswegen meine Frage an Sie: Viele
- Frauen wünschen sich doch einen Kanzler in diesem Land, der genau in solchen Momenten nicht schweigt, und deswegen frage ich Sie: Warum haben
- Sie sich bisher nicht geäußert? Frau Kollegin, darf ich zunächst einmal festhalten, dass nicht nur die
- Frauen in diesem Land über dieses Thema diskutieren und sprechen, sondern auch viele Männer, und ich gehöre dazu.
- Ich weiß nicht, wie lange Sie dem Deutschen Bundestag schon angehören. Ich weiß es nicht. Ich kann Ihnen nur aus der letzten
- Wahlperiode sagen, dass wir noch nach dem Auseinanderbrechen der Ampel hier im Deutschen Bundestag mit den Stimmen meiner Fraktion, die ich
- damals geführt habe, auf meinen Wunsch hin eine Mehrheit ermöglicht haben für ein Gewaltschutzgesetz, für das Sie in der auseinanderbrechenden
- Ampel damals keine Mehrheit mehr hatten. Das haben wir ermöglicht.
- Und, Frau Kollegin, wir haben heute Morgen im Bundeskabinett den Gesetzentwurf zur Stärkung der Rechte von Verletzten insbesondere schwerer
- Gewalt- und Sexualstraftaten auf psychosoziale Prozessbegleitung verabschiedet.
- Wir werden weitere Maßnahmen ergreifen, – Die Zeit. und wir werden, Frau Kollegin, auch die Speicherung von IP-Adressen
- ermöglichen, – Ihre Zeit. die die Strafverfolgung auch bei Straftaten im Internet ermöglicht.
- Sie dürfen nachfragen. Bitte. Unser Einsatz für den Schutz von Frauen vor Gewalt hängt ja zum Glück
- nicht von unserer Anwesenheit und Dauer im Parlament ab. Trotzdem, finde ich, ist es doch ein skandalöser Zustand, dass Millionen
- unserer Töchter in diesem Land Opfer von digitaler sexualisierter Gewalt werden, und deswegen frage ich Sie: Was planen Sie denn konkret, um diese
- größte Sicherheitskrise in unserem Land zu beenden? Frau Kollegin, es sind weitere Gesetzgebungsvorhaben der
- Bundesregierung bereits auf dem Weg, zum Teil abgeschlossen. Ich habe gerade die Speicherung der IP-Adressen genannt.
- Ich möchte allerdings auch an Ihre Fraktion und an die sozialdemokratische Fraktion appellieren, morgen im Europäischen
- Parlament den Weg freizumachen für die weitere Geltung der sogenannten CSA-Verordnung. Das ist eine Verordnung zum Schutz
- von Kindern gegen Gewalt im Netz. Und genauso, wie Sie völlig zu
- Recht – Ihre Zeit. den Schutz von Frauen hier in Anspruch nehmen, möchte ich für die gesamte Bundesregierung – Die Zeit.
- auch den Schutz von Kindern vor sexualisierter Gewalt in Anspruch nehmen, Frau Kollegin.
- Ich bitte, auf die Zeit zu achten. – Für die CDU/CSU-Fraktion hat die nächste Hauptfrage Frau Abgeordnete Susanne Hierl.
- Bitte sehr. Danke, Frau Präsidentin. – Herr Bundeskanzler, wir haben ja nicht nur
- digitale Gewalt gegen Frauen, so wie das gerade gesagt worden ist, sondern das Thema ist ja ein größeres. Wir haben immer wieder
- aufsehenerregende Fälle in der digitalen Welt oder im realen Leben von Gewalt gegen Frauen, und es geht meist um die Ausübung von Macht und
- um Erniedrigung. Diese medienwirksamen Fälle sind aber keine Einzelfälle, sondern sie sind nur die Spitze des Eisbergs, und es
- gibt unzählige Betroffene. Sie haben schon erwähnt, was wir in der letzten Wahlperiode dazu
- vorgehabt hatten, wozu es leider nicht mehr gekommen ist. Ich möchte die Frage noch mal erweitern: Welche Maßnahmen werden
- getroffen werden, nicht nur im digitalen Raum, sondern auch in der analogen Welt? – Danke schön.
- Frau Kollegin, danke für diese ergänzende Frage. Ich will es gerne noch einmal in der Dimension des Problems beschreiben:
- Wir haben eine explodierende Gewalt in unserer Gesellschaft, und zwar im analogen wie im digitalen Raum, und dagegen müssen wir
- gemeinsam etwas tun. Aber dann müssen wir auch über die Ursachen miteinander reden. Dann müssen wir auch darüber
- sprechen, wo diese Gewalt herkommt. Und dann müssen wir auch ansprechen, dass ein beachtlicher Teil dieser Gewalt aus den Gruppen der Zuwanderer
- in die Bundesrepublik Deutschland kommt. Auch das gehört zur Vollständigkeit des Bildes dazu.
- Ich sage auch, und damit wird das Problem keinesfalls relativiert – – – Erlauben Sie mir, dass ich noch auf einen Sachverhalt hinweise, den wir
- im Kabinett auch bereits auf den Weg gebracht haben, auch gegen den erbitterten Widerstand insbesondere dieser Fraktion.
- Wir haben die sogenannte elektronische Aufenthaltsüberwachung auf den Weg gebracht. Ihre Zeit.
- Das heißt nichts anderes, als dass wir nach spanischem Vorbild Straftäter, die verurteilt worden sind, auch in Zukunft mit der
- sogenannten Fußfessel in ihrem Bewegungsspielraum drastisch einschränken können. Ich muss auf die Zeit hinweisen.
- Das ist eine Maßnahme, die wir ergänzend ergreifen werden. Ganz kurz, bevor ich die Nachfrage zulasse. – Das hier ist ein
- Parlament, wo man Meinungen austauschen kann. Man muss die Meinungen nicht teilen, aber es gehört dazu, dass man zuhört,
- wenn eine Frage gestellt wird, und bei der Antwort genauso. Sie sind nachher auch noch dran. Sie dürfen eine Nachfrage stellen.
- Bitte. Danke schön. Im Zusammenhang mit den – – Wir halten kurz die Zeit an. – Ich bitte
- Sie, sich jetzt wirklich noch mal zusammenzureißen und nicht die üblichen Reaktionen hier zu bedienen. Hier wird geantwortet auf Fragen.
- Wer will, kann nachfragen und kommt dann nachher auch noch dran. – Und jetzt bitte ich um Aufmerksamkeit für die Kollegin, die 30 Sekunden für die
- Nachfrage hat. Im Zusammenhang mit den Straftaten im Netz kommt immer wieder die Forderung nach der Speicherung der IP-Adressen
- auf; wir haben es gerade schon gehört. Auch Justizministerin Hubig hat in den „Tagesthemen“ am 20. März die
- IP-Adressen-Speicherung mit einem wirksamen Opferschutz verknüpft. Sie haben gerade gesagt, die IP-Adressen-Speicherung kommt.
- Wann kommt die Speicherpflicht? Und meinen Sie, sie ist ausreichend? Frau Kollegin, der Referentenentwurf der Bundesjustizministerin befindet
- sich bereits in der Ressortabstimmung. Ich gehe davon aus, dass wir noch im Monat April im Bundeskabinett den
- Gesetzgebungsbeschluss fassen können. Reicht das aus? Ziemlich sicher nicht.
- Wir sehen uns mit vielfältigsten Formen der Bedrohung, der Kriminalität, der Angriffe auch auf die persönliche Integrität von
- Frauen, von Kindern, von vielen anderen Gruppen in unserer Bevölkerung konfrontiert. Dies ist eine allgemeine Frage: Wie
- gehen wir mit Gewalt um? Und meine Antwort ist: Ein Staat, der den inneren Frieden erhalten will, – Ihre Zeit.
- darf keine Form von Gewalt akzeptieren, auch nicht Gewalt, die von anderen gegen andere in Anspruch genommen wird.
- Für die Fraktion Die Linke hat nun Frau Abgeordnete Heidi Reichinnek das Wort. Bitte.
- Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Auch wir möchten uns zuallererst der Anteilnahme für Kollege Träger anschließen.
- Unsere Gedanken sind bei seiner Familie. Danke für die Worte. Herr Merz, Sie hatten acht Minuten
- Zeit für eine Rede; vier haben Sie ungefähr genutzt. Sie sprachen über die Volkswirtschaft und die Verteidigungsfähigkeit.
- Worüber Sie nicht sprachen, waren die Menschen in diesem Land. Vor allem haben Sie nicht darüber gesprochen, dass diese immer weiter
- belastet werden. Ja, die Reaktion der Union überrascht mich jetzt nicht. Ich weiß, das ist kein Thema für Sie.
- Aber uns geht es auch um die soziale Situation. Wir sehen: Die Mieten werden immer weiter erhöht,
- die Lebensmittelpreise ebenfalls. Und jetzt explodieren auch noch die Spritkosten. Viele Menschen wissen nicht mehr ein
- noch aus. Was Sie als Regierung machen, ist, ein großes Reformpaket anzukündigen. Ständig hören wir neue Vorschläge,
- die sofort wieder dementiert werden. Die Menschen sind unsicher. Und ein Thema wabert die ganze Zeit durch die Presse – wer das
- durchsticht, kann ich so nicht sagen; das ist aber auch nicht meine Aufgabe –; das ist das Thema Mehrwertsteuer.
- Eine Mehrwertsteuererhöhung würde die Menschen in diesem Land massiv belasten. Deswegen würde ich Sie an dieser
- Stelle bitten, mir klar zu sagen: Wird es mit Ihnen eine Mehrwertsteuererhöhung in dieser Wahlperiode geben oder nicht?
- Frau Kollegin, vielleicht darf ich noch mal Bezug auf meine einleitenden Worte nehmen. Ich habe gesagt, das Wichtigste für
- uns ist, die Freiheit und den Frieden in unserem Lande zu erhalten, die Wirtschaftskraft unseres Landes zu stärken und den Sozialstaat
- Bundesrepublik Deutschland zu erhalten. Ich denke, wenn ich das sage, dann sind damit 83 Millionen Menschen in
- unserem Land gemeint, die auf genau diese Institutionen unseres Staates setzen und wollen, dass sie erhalten bleiben.
- Wir diskutieren in der Koalition weitere Reformschritte. Wir haben allerdings vieles schon auf den Weg gebracht; manches steht in
- dieser Woche in zweiter und dritter Lesung zur Verabschiedung an. Ja, wir werden mehr tun müssen, auch um die verfügbaren Nettoeinkommen der
- Arbeitnehmerhaushalte in Deutschland zu vergrößern. Darüber sprechen wir. Wir diskutieren verschiedene
- Maßnahmen, die wir ergreifen können. Wir wollen insbesondere die Belastung durch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge
- reduzieren. Auf diesem Weg suchen wir nach Lösungen. Wir schließen nichts aus; aber wir
- haben ein klares Ziel. Ihre Zeit. Und das klare Ziel heißt: Entlastung der Arbeitnehmerhaushalte
- und der Betriebe. Bevor wir zur zweiten Fraktionsrunde kommen, noch eine Nachfrage.
- Bitte sehr. Sie haben deutlich gesagt, Sie schließen eine Mehrwertsteuererhöhung nicht aus.
- Ich halte das für hochproblematisch; denn das trifft, wie gesagt, vor allem Menschen mit geringen und mittleren Einkommen.
- Deswegen noch mal meine konkrete Frage: Sie sagen, Sie möchten die Menschen entlasten; aber Sie haben jetzt noch keine
- konkreten Ideen vorgelegt. Alles, was bisher von dieser Regierung gekommen ist, hat die Menschen eher belastet oder den
- Status quo nicht verändert. Also noch mal: Was werden Sie in den nächsten Wochen und Monaten tun, um die Menschen wirklich zu entlasten –
- wenn Sie schon die Situation mit einer Mehrwertsteuererhöhung noch weiter verschärfen wollen?
- Also, Frau Kollegin, nur damit auch das noch einmal klar ist: Das, was ich hier gerade gesagt habe, ist für
- Sie keine Legitimation, zu behaupten, wir planten eine Mehrwertsteuererhöhung.
- Ja, Sie sind sich offenkundig mal wieder einig in der Bewertung dieser Frage. Es wäre ja zur Entlastung der
- Haushalte mit sehr niedrigen Einkommen zum Beispiel auch denkbar, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Lebensmittel deutlich zu senken.
- Auch das wäre eine Option, Frau Kollegin, die ich nicht ausschließe. Ihre Zeit. Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
- Wir kommen nun zur zweiten Fraktionsrunde, und für die AfD-Fraktion hat der Abgeordnete Herr Dr. Gottfried Curio das Wort.
- Bitte sehr. Herr Bundeskanzler, seit 2015 erreichten Deutschland jährlich
- Hunderttausende, meist junge Muslime. Seitdem gibt es das Problem eines islamistischen Extremismus. Gängiges Narrativ ist, dem sei durch
- Integrationskurse beizukommen. Ein Jahrzehnt später sind laut der BKA-Studie MOTRA-Monitor von den Muslimen unter 40 Jahren – das sind
- über 3 Millionen Menschen – 45 Prozent islamismusaffin – sie ziehen die Scharia dem Grundgesetz vor –, darunter
- 11 Prozent offen islamistisch. Die Vorstellung einer Integration hat sich weitgehend als illusorisch erwiesen.
- Die Migrationspolitik hat zu einem Millionenheer von Scharia-Freunden und Hunderttausenden Islamisten in Deutschland geführt.
- Frage – Integrationswilligkeit hat auch mit dem Selbstverständnis dieser Gruppe zu tun –: Werden wir immer mehr oder immer weniger?
- Letztes Jahr kamen über Asylantrag und Nachzug wieder über 200 000 Muslime hinzu. Glauben Sie, dass eine solche Politik
- das Problem entschärft? Oder wurden da nicht wieder – ausgehend von den Prozentzahlen des MOTRA-Monitors – Tausende
- Islamisten hereingelassen? Herr Kollege, ich erlaube mir, zunächst einmal darauf hinzuweisen,
- dass wir gegen manche Widerstände im letzten Jahr – einen Tag nachdem die Bundesregierung ins Amt gekommen war – Grenzkontrollen verfügt haben.
- Na ja, das hören Sie nicht gerne. Aber die Wahrheit ist, dass wir die Zahl der irregulär nach Deutschland einwandernden Migranten im
- Jahresvergleich um ungefähr 50 Prozent verringert haben. Wir wissen, dass wir dieses Problem noch nicht vollständig gelöst haben;
- das versuchen wir. Wir versuchen auch, konsequent in der Abschiebung zu sein. Das ist nicht immer ganz leicht, weil
- das überwiegend auch eine Aufgabe der Länder ist. Aber ich will hier zum Thema Islam etwas sagen.
- Nicht alle diejenigen, die dem islamischen Glauben angehören, sind gleichzeitig Islamisten.
- Im Gegenteil: Wir haben in Deutschland Hunderttausende Muslime; die SPD und wir – Die Zeit. haben sie auch als Mitglieder in
- unserer Fraktion. Bei Ihnen – – – Das sei dahingestellt. Die Zeit.
- Ich habe keinen Zweifel daran, dass es viele Menschen gibt, – Ihre Zeit. die fest und ganz auf dem Boden des Grundgesetzes der Bundesrepublik
- Deutschland stehen. Und die wollen wir in Anspruch nehmen, – Ihre Zeit. um dafür zu sorgen, dass der
- religiöse Friede in unserem Land erhalten bleibt. Ich bitte, die Zeit einzuhalten. – Sie können jetzt, wenn Sie eine
- Nachfrage haben, etwas länger als 30 Sekunden nachfragen. Bitte. Laut BKA-Studie sind unter den unter
- 40-jährigen Muslimen 45 Prozent islamismusaffin. Das sind nicht ganz wenige. Gut zu wissen, dass „vom ersten Tag
- an ausnahmslos alle zurückgewiesen“ heißt, dass 200 000 neue Muslime im Land sind. Die hohen Zahlen haben auch mit
- Abschiebehindernissen zu tun. Der CDU-Bundesparteitag hat beschlossen, die Abkehr von einer Einbürgerung nach fünf Jahren zu
- fordern, sodass diese wieder nach frühestens acht Jahren erfolgen kann. Sollte man nach Ihrer Meinung – Sie sind auch Mitglied dieses Hauses –
- diesen Wunsch Ihrer Partei unterstützen oder ablehnen? Werden Sie selbst dem nachher zustimmen, oder werden Sie den
- Beschluss Ihrer eigenen Partei ablehnen? Herr Kollege, ich werde allem zustimmen, was meine Partei auf dem
- Bundesparteitag – auf welchem auch immer – beschlossen hat und was in der Koalition mehrheitsfähig ist. Mit Ihnen zusammen nicht.
- Punkt! Ich weiß ja, dass das Thema hier
- beunruhigt, aber das Programm wollen wir jetzt heute doch durchziehen. Das kriegen wir doch hin, dass jetzt
- die Kollegen dran sind. Jetzt hat für die SPD-Fraktion die Frau Abgeordnete Derya Türk-Nachbaur
- das Wort. Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Bundeskanzler, Sie haben es eingangs gesagt: Wir leben in sehr
- herausfordernden Zeiten. Nun erleben wir, dass der Irankrieg seit fast vier Wochen läuft, und ein Ende ist bislang nicht absehbar.
- Das Regime scheint nach wie vor gefestigt zu sein. Und die negativen Auswirkungen des Krieges reichen weit
- über die Region hinaus. Sie sind auch bei uns deutlich spürbar und unübersehbar. Die Weltwirtschaft droht, in eine
- Rezession abzugleiten, während Russland von den stark gestiegenen Rohölpreisen profitiert und damit diesen völkerrechtswidrigen Angriff
- auf die Ukraine finanzieren kann. Welche konkreten Schritte planen Sie, Herr Bundeskanzler, gemeinsam mit unseren Partnern und Verbündeten im
- Rahmen der EU, der NATO, der G7 oder der G20 eine Beendigung des Krieges herbeizuführen und eine Rückkehr zur Diplomatie zu ermöglichen?
- Frau Kollegin, ich habe wenige Tage nach dem Beginn dieses Krieges – und das war ein zeitlicher Zufall – mit dem amerikanischen Präsidenten in
- Washington darüber gesprochen und ihm gegenüber auch meine Bedenken zum Ausdruck gebracht. Ich habe am letzten Sonntag erneut
- ein längeres Telefonat mit ihm geführt und ihn auch auf die Risiken hingewiesen, die für die gesamte Weltwirtschaft aus diesem Krieg
- entstehen, und nicht zuletzt auch auf die Möglichkeiten, die damit für das Regime in Moskau einhergehen, den Krieg gegen die Ukraine fortzusetzen.
- Ich stimme mich eng mit den Kolleginnen und Kollegen in der Europäischen Union und darüber hinaus auch mit Kolleginnen und Kollegen in
- Großbritannien, Norwegen und vielen anderen Ländern ab. Wir versuchen, alles zu tun, um die Vereinigten Staaten von Amerika und
- Israel dazu zu bewegen, jetzt eine diplomatische Lösung dieses Krieges zu suchen. Manches, was da gesagt wird,
- erschließt sich uns in der strategischen Dimension nicht. Insofern suchen wir nach Wegen, wie wir aus der Europäischen Union und
- darüber hinaus unser Gewicht einbringen können, um zu einem Ende dieses Krieges beizutragen. Das setzt allerdings Bereitschaft auf
- allen Seiten voraus, auch auf der Seite des Iran, die im Augenblick offensichtlich nicht erkennbar ist.
- Auf die Bereitschaft aller Beteiligten hoffen wir alle. – Gibt es seitens der Bundesregierung denn konkrete Überlegungen für eine
- mögliche Beteiligung Deutschlands an der Stabilisierung der Region und der Sicherung internationaler Gewässer für die Zeit
- nach Beendigung der Kampfhandlungen? Und, falls ja, streben Sie dafür ein internationales Mandat an, um dieses Engagement
- völkerrechtlich abzusichern? Frau Kollegin, es ist für uns selbstverständlich, dass wir nach dem
- Ende der Kampfhandlungen Beiträge leisten wollen, um auf Dauer zu einer Stabilisierung der Region beizutragen.
- Allerdings setzt das voraus, dass die Kampfhandlungen beendet sind. Und das setzt voraus, dass wir ein internationales Mandat haben, sei es
- der Vereinten Nationen, sei es anderer Organisationen internationaler Sicherheit. Und dann brauchen wir die Zustimmung
- des Deutschen Bundestages dafür. Es steht also unter mehrfachem Vorbehalt, und das letzte Wort – ja – haben Sie hier
- im Deutschen Bundestag. Danke schön. – Wir kommen nun zur nächsten Hauptfrage aus der Fraktion
- Bündnis 90/Die Grünen. Das Wort hat Frau Lisa Badum. Bitte sehr.
- Herr Bundeskanzler, die Kollegin hat es angesprochen: Es tobt ein Krieg im Nahen Osten. Der führt uns erneut vor Augen, wie
- teuer uns – oder, ehrlicher gesagt, die Bürgerinnen und Bürger – die Abhängigkeit von Öl und Gas zu stehen kommt.
- Das Traurige ist: Sie befeuern diese weiter durch Ihr neues Heizungsgesetz, das Mieter/-innen in die Kostenfalle schickt.
- Gleichzeitig sollen kleine Solaranlagen für Häusleeigentümer nicht mehr vergütet werden. Daher frage ich Sie: Was wollen Sie
- jetzt gegen diesen Kreislauf fossiler Abhängigkeit unternehmen? Und bitte nennen Sie mir jetzt nicht die E-Auto-Prämie, die auch
- für hybride Autos gilt, oder die Stromsteuersenkung, die Sie seit einem Jahr versprechen, oder die Ausschreibung im Bereich der
- Erneuerbaren, die nur Lücken stopft. Was werden Sie konkret tun, um diesen Kreislauf fossiler Abhängigkeit zu durchbrechen?
- Frau Kollegin, wenn Sie mir in Ihrer Frage eine ganze Reihe von Antworten schon nicht mehr erlauben, dann wird es schwer, sie zu beantworten.
- Aber gut. Ich will vielleicht einen Hinweis geben im Hinblick auf die Abhängigkeit von Öl und Gas.
- Wir verbrennen Öl und Gas ja nicht nur. l und Gas sind ein wichtiger Rohstoff für unsere Industrie.
- Deswegen muss Deutschland auch in Zukunft die Möglichkeit haben, Öl und Gas zu importieren und Gas vielleicht sogar selbst zu fördern.
- Das halte ich für zwingend notwendig. Wenn uns das nicht mehr möglich sein soll, wenn wir sozusagen vollständig aus jedem Bezug von Öl und Gas
- aussteigen, dann sind große Teile unserer Industrie in Deutschland – ich nenne hier insbesondere die chemische Industrie –
- nicht mehr lebensfähig. Und das ist nicht der Weg, den die Bundesregierung geht. Wir wollen die Abhängigkeit von
- fossilen Brennstoffen systematisch weiter reduzieren. Auf diesem Weg sind wir, und das Ziel geben wir auch nicht auf.
- Eine Nachfrage? Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, Fracking würde mehr Gelder in fossile
- Energien lenken und damit genau das Gegenteil bewirken. Das ist seit vielen Jahren abgelehnt worden.
- Selbst der Brauer-Bund sagt: Wir wollen sauberes Trinkwasser, kein Fracking. Aber jetzt zu meiner Frage.
- Ich wundere mich über diese Antwort; denn, Herr Merz, Sie sind selbst siebenfacher Großvater. Sie haben 2024 gesagt, ein großer
- Antrieb für Ihre politische Motivation ist die Zukunft der Generation unserer Kinder und Enkelkinder.
- Aber ich habe noch keine Antwort darauf gehört, was Ihre wichtigste strukturelle Maßnahme dafür ist, dass unsere Kinder und Enkelkinder nicht
- in ein paar Jahren wieder in dieser fossilen Öl- und Gaskostenfalle landen. Ihre Zeit.
- Was werden Sie konkret tun? Frau Kollegin, der Zwischenruf mit „Fracking“ kam aus Ihrer Fraktion.
- Ich habe das nicht gesagt. Es gibt auch andere Methoden, Öl und Gas zu fördern, außer Fracking. Also bitte, nur zur Klarheit zwischen
- uns hier: Es ist nicht meine Absicht, einen solchen Vorschlag zu machen, und es ist auch nicht Gegenstand der Erörterungen, die wir in der
- Bundesregierung darüber haben. Die weitere Elektrifizierung, der weitere Weg in die Unabhängigkeit,
- auch von fossilen Brennstoffen, ist vorgezeichnet. Der Bundesumweltminister hat heute Morgen im Bundeskabinett den
- Klimaschutzbericht für die nächsten Jahre vorgelegt. Die Zeit. Wir sind auf der Zielgeraden, wir
- sind im Plan, und wir wollen alles tun, um auch dauerhaft die planmäßigen Ziele zu erreichen.
- Für die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat das Wort Herr Abgeordneter Jürgen Hardt. Bitte sehr.
- Danke schön, Frau Präsidentin. – Herr Bundeskanzler, in den ersten zehn Monaten Ihrer Amtszeit haben Sie durch verschiedene Besuche in
- Washington, durch Gespräche mit Trump am Rande von internationalen Konferenzen und durch viele Telefonate – zuletzt am Sonntag –
- eine vernünftige Gesprächsatmosphäre mit dem US-Präsidenten aufgebaut, anders als manch anderer in der Welt.
- Ich möchte Sie an dieser Stelle nur ermutigen: Bleiben Sie dabei, und gehen Sie jetzt nicht mit knalligen Forderungen oder einer härteren
- Gangart in diese Gespräche! Bleiben Sie vielmehr dabei, Kritik gegebenenfalls hinter verschlossenen Türen vorzutragen; denn anders
- funktioniert das nicht. Jetzt sind die Erwartungen Amerikas und der Welt an Deutschland natürlich groß.
- Was sind die Felder, die Sie vorrangig sehen, wo wir als Deutsche und Europäer die transatlantischen Beziehungen unsererseits beleben und
- stärken können? Vielen Dank, Herr Kollege, für die Frage, die mir Gelegenheit gibt, das noch mal zu ergänzen, was ich zu
- Beginn gesagt habe: Wir haben im Rahmen der NATO vor allem die Verpflichtung übernommen, den nordöstlichen Teil des
- Bündnisgebietes zu schützen. Und das tun wir mit großer Intensität. Ich bin in der vorletzten Woche
- selbst in Norwegen gewesen und habe mir die große Übung angeschaut, die dort unter Beteiligung von über 12 000 deutschen Soldatinnen und
- Soldaten abgehalten wurde. Ich habe dort nur Zustimmung und großes Lob für den Ausbildungsstand
- der deutschen Soldatinnen und Soldaten erfahren. Das ist genau die Aufgabe, die wir im Bündnis wahrnehmen.
- Die werden wir weiter wahrnehmen, und wir werden sie intensiver wahrnehmen. Und wir werden vor allen Dingen Amerika deutlich machen, dass wir den
- gesamten nördlichen Teil des Bündnisgebietes – unter Einschluss von Grönland – alle gemeinsam im Blick behalten, damit dieser
- keinerlei Gefahren von außen ausgesetzt ist. Wo sehen Sie angesichts der Lage jenseits der Verteidigungspolitik
- Felder der transatlantischen Zusammenarbeit, auf denen wir einen Zahn zulegen können, und wo können wir vielleicht sogar
- neue Gebiete erschließen? Sie wissen, Herr Kollege, dass ich die Außenhandelspolitik der EU-Kommission nach
- Kräften unterstütze. Die Tatsache, dass die Kommissionspräsidentin gerade in dieser Woche in Australien gewesen
- ist, um dort ein weiteres Freihandelsabkommen der Europäischen Union abzuschließen, ist richtig. Das Europäische Parlament diskutiert
- morgen, am Donnerstag, über das Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten von Amerika. Ich habe dem US-Präsidenten am
- Sonntag noch einmal erläutert, dass wir in Europa in dieser Woche zu einer Entscheidung kommen können. Und ich wünsche mir sehr, dass auch
- die Amerikaner das tun. Ich möchte, dass wir die Verabredungen, die wir im letzten Jahr mit den Amerikanern getroffen
- haben, jetzt auch abschließend ratifizieren, in Kraft setzen, – Die Zeit. damit die Unsicherheit an den Märkten
- so schnell wie möglich vorbei ist. Für die Fraktion Die Linke hat Frau Abgeordnete Janine Wissler das Wort.
- Herr Bundeskanzler, für viele Menschen in diesem Land ist das Leben kaum noch bezahlbar: die hohen Preise im Supermarkt, die steigenden Mieten,
- jetzt die hohen Benzinpreise. Und die Bundesregierung tut nichts, um die Kriegs- und Krisengewinne der Mineralölkonzerne in
- diesem Land abzuschöpfen. Ich will das noch mal deutlich sagen: Es handelt sich um zusätzliche Gewinne in Höhe von 21 Millionen
- Euro – pro Tag! –, und das auf Kosten der Verbraucherinnen und Verbraucher, der Pendlerinnen und Pendler. Denen wird das Geld
- aus der Tasche gezogen. Bisher haben Sie sich ja immer gegen Steuererhöhungen für Unternehmen ausgesprochen – bei der
- Mehrwertsteuer sehen Sie es offensichtlich anders – und haben gesagt, die Zitrone sei ausgepresst. Nun scheint die Zitrone der
- Mineralölkonzerne ja relativ viel Saft zu enthalten. Deshalb meine Frage: Wie wollen Sie die Menschen vor
- dieser Abzocke schützen? Ihr Bundesfinanzminister, Ihr Vizekanzler, möchte ja die Einführung einer Übergewinnsteuer prüfen.
- Unterstützen Sie ihn in diesem Vorhaben? Frau Kollegin, ich habe bereits mehrfach versucht, deutlich zu
- machen, dass wir alles tun wollen, um diesen Krieg zu beenden. Das ist die wichtigste Voraussetzung dafür, dass die Preise wieder sinken.
- Das Zweite ist, dass wir natürlich über Maßnahmen nachdenken, wie wir den Preisanstieg dämpfen können. Dazu gibt es in dieser Woche ein
- konkretes Gesetzgebungsvorhaben, das hier zur Abstimmung steht und dem Sie natürlich auch zustimmen könnten.
- Und das Dritte ist: Ja, wir denken über die Mechanismen nach, wie die Preise gestaltet werden. Ich will allerdings meine Vorbehalte
- gegen eine sogenannte Übergewinnsteuer noch einmal zum Ausdruck bringen. Ich halte das nicht für rechtssicher
- definierbar, was ein Übergewinn ist und wie man ihn besteuert. Natürlich werden die Unternehmen besteuert.
- Sie unterliegen der ganz normalen Besteuerung, und höhere Gewinne werden natürlich auch höher besteuert.
- Aber wie ein Übergewinn zu qualifizieren ist, ist eine steuerrechtlich außergewöhnlich schwierige Frage, die bis heute noch
- niemand auf der Welt zutreffend beantworten konnte. Die Kolleginnen und Kollegen der Linkspartei wäre die
- Ersten, die das könnten. Eine Nachfrage? – Bitte. Der Bundesfinanzminister scheint ja
- eine Vorstellung davon zu haben, was das ist; denn er sagt deutlich, er möchte diese Gewinne abschöpfen. Deswegen wird er auch eine
- Vorstellung davon haben, was genau die Übergewinne sind. Und ich gehe davon aus, dass Sie mit Ihrem Vizekanzler im
- engen Austausch sind. Sie haben davon gesprochen, dass Sie Maßnahmen ergreifen. Nichts davon wird jetzt aber dazu
- führen, dass die Menschen kurzfristig entlastet werden. Eine Übergewinnsteuer würde natürlich dazu führen, dass die Anreize für
- Preiserhöhungen reduziert werden. In anderen Ländern war das möglich, und damit wurden auch Menschen gezielt entlastet.
- Wenn es in anderen Ländern Europas möglich ist, – Die Zeit. warum soll es dann nicht auch in Deutschland möglich sein?
- Frau Kollegin, ich habe versucht, Ihnen meine Bedenken zum Ausdruck zu bringen. Ja, der Bundesfinanzminister hat den
- Vorschlag gemacht; wir diskutieren über diesen Punkt. Ich habe Ihnen meine Bedenken wiedergegeben.
- Wenn sie überwunden werden können, bin ich auf das Ergebnis gespannt. Es gibt eine weitere Frage.
- Sie kommt von dem fraktionslosen Kollegen Herrn Stefan Seidler. Bitte sehr.
- Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Bundeskanzler, Sie sind zu Recht Verfechter eines geeinten Europas; das haben Sie eben noch mal sehr
- deutlich betont. Gerade jetzt muss klar sein, dass wir dieses Europa mehr denn je brauchen und es stärken müssen.
- Das passiert jedoch nicht durch mehr Zentralisierung in Brüssel oder in den europäischen Hauptstädten, sondern vor Ort in starken
- europäischen Regionen. Ich selbst komme aus einer Region, in der EU-Fördermittel eine große Rolle spielen und die europäische Idee
- sichtbarer machen. Umso kritischer blicken ich und viele andere auf die Vorschläge der EU-Kommission zum Mehrjährigen
- Finanzrahmen 2028. Zu den zentralen Vorschlägen gehört, die EU-Förderprogramme stärker zu zentralisieren und über die
- Hauptstädte zu steuern. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass die europäischen Regionen auch künftig Mitspracherecht und direkten
- Zugang zu EU-Mitteln behalten und eine Zentralisierung zulasten der Regionen verhindert wird? Herr Kollege, vielen Dank. – Da Sie
- aus Schleswig-Holstein kommen, erlaube ich mir den Hinweis: Ich habe mit der dänischen Ministerpräsidentin vor einigen Wochen das erste
- bilaterale Energiehandelsabkommen abgeschlossen, das es in der Europäischen Union gibt, für einen gemeinsamen Energiehub auf
- der Insel Bornholm. Das entspricht genau meiner Vorstellung davon, wie wir auch innerhalb der Europäischen Union auf
- regionaler und lokaler Ebene zusammenarbeiten können. Ich bin sehr dankbar, dass es möglich war, dieses Abkommen mit der
- dänischen Regierung abzuschließen. Was den MFR betrifft: Wir haben die Beratungen begonnen. Es gibt im Europäischen Rat
- breitesten Widerstand gegen die Vorstellungen der Kommission, in Zukunft eine solche Zentralisierung vorzunehmen.
- Darüber werden wir im Laufe des Jahres noch intensiv zu beraten haben. ber Höhe und Methodik des zukünftigen
- Mehrjährigen Finanzrahmens der Europäischen Union wird es eine intensive Diskussion geben. Ich bin noch nicht sicher, ob wir sie
- wirklich in diesem Jahr zum Abschluss bringen; aber die Intention, diese Mittel weiter auch auf regionaler und lokaler Ebene zu
- verteilen, teile ich. Und der zentrale Ansatz, wie er im Augenblick von der EU-Kommission vorgeschlagen wird, wird von den
- meisten Kolleginnen und Kollegen so nicht geteilt. Sie haben das Wort für eine Nachfrage.
- Vielen Dank für die klare Antwort, Herr Bundeskanzler. – Wie wollen Sie dann sicherstellen, dass diese Mittel weiterhin in den Regionen ankommen?
- Haben Sie Vorstellungen hinsichtlich Mechanismen, wie Sie das konkret umsetzen wollen? Ja und nein.
- Wir sind am Anfang der Beratungen. Das werden sehr schwierige Beratungen werden. Wir werden auch im EU-Haushalt neue
- Prioritäten setzen müssen. Und neue Prioritäten kann man nicht setzen, indem man alles lässt, wie es ist, und dann da, wo mehr gebraucht
- wird, mehr Mittel zur Verfügung stellt. Auch da gibt es Grenzen für den europäischen Haushalt.
- Die Vorstellung der EU-Kommission, ihn so weit auszuweiten, wie wir es in den Vorschlägen jetzt sehen, ist aus meiner Sicht als Regierungschef
- eines der wenigen Nettozahlerländer in der Europäischen Union nicht akzeptabel. Das würde einen hohen zweistelligen
- Milliardenbetrag an zusätzlichen Mitteln, die wir in den europäischen Haushalt überweisen müssten, bedeuten.
- Die Zeit. Das kann die Bundesrepublik Deutschland, das kann der Bundeshaushalt nicht leisten.
- Insofern: Wir stehen am Anfang schwierigster Beratungen in der Europäischen Union.
- Wir kommen nun zur dritten Fraktionsrunde. Und die erste Hauptfrage stellt für die AfD-Fraktion der Abgeordnete Herr
- Dr. Paul Schmidt. Bitte. Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, vor drei Jahren wurden unsere letzten
- drei Kernkraftwerke abgeschaltet: Isar 2, Neckarwestheim II und Emsland – zusammen über 4 Gigawatt flexible elektrische Grundlast für
- 3 Cent pro Kilowattstunde. Sie haben das als großen Fehler bezeichnet, Ihre Energieministerin Reiche gestern in den USA als
- riesigen Fehler, Ihre Parteifreundin, die EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, als strategischen Fehler. Eine Reihe von Firmen wartet nur
- darauf, unsere Kernkraftwerke wieder instand zu setzen, und doch werden diese jeden Tag weiter zurückgebaut. Warum stoppen Sie diese Vernichtung
- unseres Volksvermögens nicht einfach hier und jetzt, indem Sie den Betreibern die Rückkehr zur Kernkraft in Aussicht stellen?
- Herr Kollege, die Bewertung dessen, was da am 15. April 2023 vollzogen wurde, teile ich; ich teile auch, was die EU-Kommissionspräsidentin dazu
- gesagt hat. Allerdings stimmen wir bei der Schlussfolgerung nicht überein. Die Kernkraftwerke, die in
- Deutschland stillgelegt worden sind, sind aus heutiger Sicht nicht mehr zurückholbar ans Netz; sie werden abgebaut.
- Dann haben Sie andere Kenntnisse als wir. – Wir haben im Zusammenhang mit unseren Koalitionsverhandlungen intensiv mit den Betreibern
- gesprochen, und die übereinstimmende Antwort war: Wir sind beim Abbau zu weit, es geht nicht mehr. Und wenn es gehen würde, würde es
- Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, bis die Kraftwerke wieder ans Netz gehen könnten. – Diesen Weg können wir nicht gehen, und wir gehen ihn
- auch nicht. Eine Nachfrage? – Bitte.
- Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, der Branchenverband KernD sagt etwas anderes. Das sind die Firmen, die bereit
- wären, die Kernkraftwerke wieder in Betrieb zu setzen. Sie sagen: Kosten pro Block 1 bis 3 Milliarden Euro,
- Wiederinbetriebnahme innerhalb von drei Jahren. Das betrifft die drei zuletzt abgeschalteten Kraftwerke
- und Brokdorf. Das ist das, was die Industrie dazu sagt. Es gibt weitere Firmen, die in den
- USA solche Reparaturen, wie wir sie brauchen, vor zehn Jahren in großem Stil mit Erfolg durchgeführt haben; sie stehen bereit, das
- für uns zu tun. Sie müssen nur den Energieversorgern sagen, dass es in diese Richtung gehen soll.
- Ihre Zeit. Es liegt an Ihnen. Danke.
- Herr Kollege, noch einmal: Wir haben zu Beginn des letzten Jahres mit den Betreibern gesprochen. Die Auskunft der Betreiber war
- eindeutig: Es geht technisch nicht mehr. Und deswegen erschließt sich ein Weg für uns politisch – ich sage:
- leider – auch nicht mehr. Nun hat für die SPD-Fraktion Frau Kollegin Heubach das Wort.
- Sie nutzen die Gebärdensprachdolmetschung. Bitte sehr.
- Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, mit dem morgigen Tag ist die
- UN-Behindertenrechtskonvention für Deutschland seit 17 Jahren verbindlich.
- Nur 3 Prozent der Menschen mit Behinderungen werden mit einer Behinderung geboren; die übrigen 97 Prozent erwerben diese erst im
- Laufe ihres Lebens. Vor diesem Hintergrund, dass jeder Mensch irgendwann in seinem Leben betroffen sein könnte, frage ich:
- Welche Bedeutung messen Sie einer inklusiven Gesellschaft bei? Und würden Sie der Forderung zustimmen, dass alle Menschen das
- gleiche Recht auf Teilhabe haben sollen? Vielen Dank, Frau Kollegin, für diese Frage.
- Wir haben ja schon bei meiner letzten Befragung über dieses Thema gesprochen. Ja, wir wollen einen menschenwürdigen
- Umgang; wir wollen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben auch für alle Menschen mit Behinderungen ermöglichen.
- Und ich darf vielleicht hinzufügen, dass es in meinem Wahlkreis mit die größten Einrichtungen für behinderte Menschen in der gesamten Region gibt
- und ich um das Schicksal vieler Menschen mit Behinderung weiß, auch um das Schicksal der Familien, die deren Teilhabe am gesellschaftlichen
- Leben mit ermöglichen müssen. Wir sprechen darüber, wir müssen darüber sprechen; wir müssen allerdings auch über die hohe
- Kostenbelastung sprechen, die durch das Bundesteilhabegesetz ausgelöst worden ist. Das ist ein Thema, das insbesondere
- die Kommunen betrifft. Die Kommunen haben erhebliche Finanzierungsprobleme in diesem Bereich.
- Deswegen müssen wir versuchen, beides miteinander zu vereinbaren, nämlich Teilhabe der Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben und
- gleichzeitig die Tragfähigkeit der Kosten für die kommunale Ebene. Das ist eine Aufgabe, der sich die Bundesregierung stellt.
- Möchten Sie eine Nachfrage stellen? Ja. – Ich danke für Ihre Antwort.
- Der Gesetzentwurf des Behindertengleichstellungsgesetzes, kurz BGG, wurde in der Ressortabstimmung durch das
- Wirtschaftsministerium stark abgeschwächt. In der aktuellen Version ist die Teilhabe nicht garantiert.
- Da dieses Vorgehen vermuten lässt, dass Wirtschaft eine größere Rolle, eine wichtigere Rolle als Menschenrechte spielt, ist meine
- Frage an Sie: Teilen Sie diese Haltung? Nein, Frau Kollegin, ich teile diese Grundannahme nicht.
- Natürlich versuchen wir, auch unterschiedliche Interessen miteinander in Übereinstimmung zu bringen.
- Bei diesem Gesetz ging es zum Beispiel um die Frage, ob wir den Unternehmen in Deutschland zwingend bauliche Veränderungen auferlegen, um
- Menschen mit Behinderungen uneingeschränkten Zugang in alle Betriebsgebäude, in alle Räume zu geben.
- Wir haben uns entschlossen, das nicht zu tun, weil wir im Augenblick auch darauf achten müssen, dass Unternehmen in Deutschland mit
- solchen Kosten nicht überfrachtet werden. Deswegen sind wir zu der Abwägung gekommen, – Die Zeit.
- es gesetzlich nicht verpflichtend einzuführen. Die Zeit. Das mindert aber nicht unseren Respekt
- und unsere Arbeit für die Menschen mit Behinderungen, die genau diesen gesellschaftlichen Zugang auch in Zukunft brauchen.
- Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat Herr Abgeordneter Robin Wagener das Wort.
- Frau Präsidentin! Herr Bundeskanzler, Sie haben sich in Brüssel höchstpersönlich richtigerweise für die Nutzung der
- eingefrorenen russischen Vermögen für die Ukraine eingesetzt. Damit sind Sie gescheitert. Der Kompromiss war dann:
- 90 Milliarden Euro Kredit für die Ukraine. Auch das droht zu scheitern. Der Ukraine
- droht die Zahlungsunfähigkeit. Viktor Orbán missbraucht die EU für seinen Wahlkampf. Deutschland war im Europäischen Rat
- noch nie so wenig durchsetzungsfähig wie unter Ihrer Kanzlerschaft. Das wäre Angela Merkel nie passiert.
- Was, Herr Bundeskanzler, ist Ihr Plan, sollte Viktor Orbán die Wahl gewinnen, um dieses Veto zu umgehen? Wie wollen Sie die Finanzierung der
- Ukraine sicherstellen? Und: Erlauben Sie mir, Herr Bundeskanzler – Sie brauchen darauf nicht zu antworten –, einen Nachsatz
- zur ersten Runde. Als Mann, Herr Bundeskanzler, schäme ich mich dafür, wie wenig Empathie und klare Entschlossenheit Sie
- angesichts der krassen sexualisierten Gewalt zum Ausdruck bringen. Herr Kollege, die letzte Bemerkung ist Ihnen unbenommen.
- Ich empfinde sie als ehrenrührig. Aber auch das ist hier im Parlament erlaubt.
- Es hat in der Geschichte der Europäischen Union selten oder nie eine solche Herausforderung gegeben wie mit diesem
- Krieg gegen die Ukraine. Wir bemühen uns seit Jahren und in den Monaten, seitdem ich im Amt bin,
- um nichts mehr als um ein Ende dieses Krieges in der Ukraine. Allerdings nicht auf dem Weg, den Sie vorschlagen.
- Das ist wahr. Da haben Sie recht. Den Weg gehe ich nicht.
- Ich habe einen Vorschlag gemacht über die Nutzung der eingefrorenen russischen Vermögenswerte, der zu Recht erhebliche Vorbehalte ausgelöst
- hat, die ich auch geteilt habe, die ich auch in meinem Namensbeitrag, den ich veröffentlicht habe, genannt habe.
- Wir haben nach meinem Empfinden einen besseren Vorschlag beschlossen, allerdings den im Wege der vertieften Zusammenarbeit von
- 24 der 27 Mitgliedstaaten. Dass unter den 27 einer ist, der alles blockiert, – Sie müssten auf die Zeit achten.
- ist in der Geschichte der Europäischen Union neu. Wir sind nicht mehr in der Lage, in der Europäischen Union zu handeln,
- wenn es ein Mitglied gibt, das sich jeder Zusammenarbeit entzieht und nur noch sein Veto einlegt. Das ist bedauerlicherweise
- der Staat Ungarn. Die Zeit. Ich hoffe, dass wir dieses Problem in der mittleren Frist gelöst bekommen.
- Aber es ist außergewöhnlich schwierig. Herr Kollege, Sie haben die Möglichkeit, eine
- Nachfrage zu stellen. Herr Bundeskanzler, ich bleibe bei Ihren gescheiterten Zusagen für die Ukraine.
- Ein bekannter Oppositionsführer hat vor einiger Zeit gesagt: „Wenn“ Putin „nicht innerhalb von 24 Stunden aufhört, die Zivilbevölkerung in der
- Ukraine zu bombardieren, dann müssen aus der Bundesrepublik Deutschland auch Taurus-Marschflugkörper geliefert werden […].“ Herr
- Bundeskanzler, ich nehme an, die Worte kommen Ihnen bekannt vor. Sie sind von Ihnen ganz persönlich. Wann stehen Sie zu Ihrem Wort?
- Wann liefert Ihre Bundesregierung der Ukraine die nötigen Taurus, um sich zu verteidigen? Herr Kollege, ich habe dies zu einem
- Zeitpunkt und in einem anderen Kontext gesagt, den Sie natürlich kennen. Ich habe das gesagt zu einem
- Zeitpunkt, wo ich angenommen habe, dass es in den Beständen der Bundeswehr genügend funktionsfähige Taurus-Marschflugkörper gibt, die wir
- an die Ukraine liefern können. Heute hat die Ukraine selbst Langstreckenwaffen in ihren Depots,
- die sie selbst gebaut hat, zum Teil mit unserer Hilfe, die wesentlich wirkungsvoller sind als die relativ kleine Zahl von
- Taurus-Marschflugkörpern, die wir hätten liefern können. Die Ukraine ist heute besser bewaffnet als je zuvor.
- Sie hat allerdings erhebliche Finanzierungsschwierigkeiten. Deswegen lösen wir im Augenblick kein Problem mit zusätzlichen Waffen.
- Die Waffen sind da. Aber wir müssen Geld mobilisieren für die Ukraine, damit diese Waffen auch weiter gebaut werden können.
- Die Ukraine ist heute waffentechnologisch weit, weit, weit vorangekommen – Die Zeit. gegenüber dem, was wir damals
- diskutiert haben, als dieser Krieg angefangen hat. Der nächste Fragesteller ist für die Unionsfraktion Tilman Kuban.
- Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Bundeskanzler, Sie haben vorhin selbst gesagt: Europa muss stark sein als prosperierende Volkswirtschaft
- und mit starken Arbeitsplätzen. – Sie haben dafür im Europäischen Rat das Thema „Wettbewerbsfähigkeit“ zum Topthema gemacht.
- Ich möchte Sie fragen: Welche zentralen Ergebnisse aus dem letzten Rat sind für Sie von besonderer Bedeutung, gerade mit Blick auf die
- Themen „Bürokratierückbau“ und „Vertiefung des Binnenmarktes“? Vielen Dank, Herr Kollege. – Es ist in der Tat so: Wir haben mit auf
- meine Initiative hin am 12. Februar einen ganzen Tag mit dem Europäischen Rat in der Nähe von Lüttich über zwei Fragen beraten, nämlich erstens: Wie
- können wir die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie verbessern? Und zweitens: Wie können wir den
- europäischen Binnenmarkt besser gestalten? Beides hängt ganz eng miteinander zusammen.
- Die Kommission hatte zugesagt, zum Europäischen Rat in der letzten Woche ausführliche Vorschläge zu unterbreiten, angelehnt an die
- Schlussfolgerungen, die wir dann auch verabschiedet haben. Genau diese Vorschläge hat die Kommission gemacht.
- Sie hat umfangreiche Vorschläge vorgelegt zum Bürokratierückbau. Sie hat zum Beispiel vorgeschlagen, ein sogenanntes 28.
- Regime für junge Unternehmen zu etablieren, damit sie sich schnell gründen können, ohne auf die einzelnen Mitgliedstaaten angewiesen
- zu sein, also praktisch eine Rechtsform, die in ganz Europa vom ersten Tag an gilt. Ich glaube, das sind sehr gute, sehr
- vernünftige Vorschläge. Die Kommission hat jetzt die Vorschläge, die sie uns gemacht hat, in die Prozesse gebracht.
- Es werden Richtlinien- und Verordnungsentwürfe kommen. Und sie hat zugesagt, dass wir das noch im Laufe des Jahres 2026
- gemeinsam verabschieden. Ich habe die Hoffnung, dass es gelingt, in diesem Jahr wirklich einen großen Schritt nach vorn zu
- kommen, was Wettbewerbsfähigkeit – Ich darf an die Zeit erinnern. und Bürokratierückbau in der Europäischen Union betrifft.
- Noch eine Nachfrage, Herr Kuban. Da in Deutschland jeder vierte Arbeitsplatz vom Export abhängt, sind
- natürlich Partner in aller Welt für uns von zentraler Bedeutung, und von zentraler Bedeutung ist auch, neue Märkte zu erschließen, gerade in
- Zeiten, wo der chinesische und auch der amerikanische Markt für uns und unsere Unternehmen schwieriger wird. Mich würde interessieren: Welche
- neuen Partner und welche neuen Abkommen sind für Sie in den nächsten Monaten von zentraler Bedeutung, um die Arbeitsplätze in
- unserem Land zu erhalten? Nach wie vor sind für uns die Vereinigten Staaten der größte oder zweitgrößte – das schwankt ein
- wenig – Handelspartner auf der Welt. Deswegen hoffe ich sehr, dass es gelingt, gerade auch in dieser Woche die entscheidenden Schritte im
- Europäischen Parlament zu tun, damit das kleine Handelsabkommen mit den USA – das Zollabkommen; mehr ist es ja nicht – in Kraft treten kann.
- Ich setze mich sehr dafür ein, dass das abgeschlossene Handelsabkommen mit Indien noch in diesem Jahr ratifiziert wird.
- Das ist möglich. Die Kommission hat das auch zugesagt. Das Abkommen mit Australien habe ich eben bereits genannt.
- Mercosur ist vorläufig in Kraft getreten, trotz des Widerstandes im Europäischen Parlament und auch von einigen hier in diesem Haus.
- Ich darf an die Zeit erinnern. Wir haben hier einiges auf den Weg gebracht in der Handelspolitik. Weitere Abkommen, zum Beispiel in der
- Perspektive ein Abkommen mit der Volksrepublik China, kann ich mir vorstellen. Wir brauchen jetzt strategische
- Partnerschaften auf der Welt, um uns stärker zu machen, auch und gerade im Export. Die nächste Fragestellerin ist für
- die Fraktion Die Linke Mandy Eißing. Herr Bundeskanzler, Sie haben das Ehrenamt großspurig
- zur Chefsache erklärt. Doch die Menschen bekommen von Ihnen nur die kalte Schulter gezeigt. Ministerin Prien plant einen
- radikalen Umbau von „Demokratie leben!“, dem großen Antiextremismusprogramm. Man bekommt das Gefühl, das Wort
- „Demokratie“ selbst ist irgendwie schon gefährlich geworden. Ich erlebe tolle, engagierte Menschen, die jetzt leiser werden,
- vorsichtiger, weil sie spüren: Wer klar Haltung zeigt, dem wird die Existenzgrundlage entzogen. Hunderte Projekte vor dem Aus!
- Das passiert auf allen Ebenen. Angriffe auf Buchläden, Förderstopp für die „Radikalen Töchter“, Kahlschlag bei „Demokratie leben!“!
- Was die Rechte seit Jahren fordert, wird hier brav von Ihnen geliefert. Die angekündigte Überprüfung des Programms läuft ja noch.
- Trotzdem ist die Entscheidung schon gefallen. Auf welcher Grundlage basiert das eigentlich?
- Wozu dann überhaupt noch evaluieren? Warum dieser Generalverdacht? Sollte eine starke Demokratie die Kritik nicht aushalten können?
- Frau Kollegin, zunächst einmal: Die im Kanzleramt tätige Staatsministerin für Sport und Ehrenamt hat sowohl für das Ehrenamt in den letzten Monaten
- sehr viel getan, unter anderem, indem wir auch die Ehrenamtspauschale für den Sport angehoben haben, als auch für den Sport ausweislich dessen,
- dass wir heute im Kabinett das Sportgesetz verabschiedet haben. Es ist selten in einer Regierung mehr für Sport und Ehrenamt getan worden
- als in dieser. Meine zweite Bemerkung geht hin auf die Überprüfung der Programme.
- Ja, wir überprüfen diese Programme, und sie werden jetzt wirklich auf diejenigen konzentriert, die sich für unsere Demokratie, für
- unser Land einsetzen. Und ich bin der Bundesfamilienministerin außerordentlich dankbar, dass sie
- genau das jetzt vorgeschlagen hat, was wir in der Koalition verabredet haben, nämlich eine Konzentration. Dass die eine oder andere
- Organisation, die Ihnen nahesteht, vielleicht nicht mehr ganz so bedacht wird wie in früheren Jahren, ist ein gewünschtes Ergebnis.
- Frau Kollegin, Sie haben die Möglichkeit zur Nachfrage. Und trotzdem bleibt der Eindruck, dass hier unbequemen Akteuren der
- Hahn zugedreht wird. – Die Frage: Haben Sie schon mal mit der Zivilgesellschaft gesprochen, haben Sie mit den Menschen gesprochen, und
- ist dieser radikale Kurswechsel in Ihrer Koalition abgestimmt, oder ist das ein Alleingang der Union?
- Also, Frau Kollegin, vielleicht darf ich das für mich und auch für meine Kolleginnen und Kollegen in Anspruch nehmen: Auch wir
- sind Teil der Zivilgesellschaft. Und natürlich sprechen wir mit vielen Akteuren.
- Wir sprechen mit den Sportverbänden, wir sprechen mit den Sportvereinen. Wir sind Wahlkreisabgeordnete. In meiner Bundestagsfraktion ist die
- Zahl der Listenabgeordneten sehr klein, die Zahl der Wahlkreisabgeordneten sehr groß.
- Die Wahlkreise gewinnen Sie nicht, wenn Sie nicht mit der Bevölkerung an Ort und Stelle engsten Austausch haben und engsten Kontakt halten.
- Ja, wir wissen, worum es geht. Das Vorhaben ist abgestimmt, und das Vorhaben wird auch umgesetzt.
- Wir kommen jetzt zur vierten Runde, die wir allerdings nicht mehr vollständig durchführen können. Ein Fragesteller ist auf jeden Fall
- noch möglich. Fragesteller für die vierte Runde ist für die AfD-Fraktion Dr. Götz Frömming.
- Das entscheiden nicht Sie, welche Frage wir noch zulassen und welche nicht.
- Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Bundeskanzler, zu Ihrem Geschäfts- und Verantwortungsbereich gehören ja auch Kultur und Medien; darüber haben
- wir heute noch wenig gesprochen. Sie haben damit den Staatsminister für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, beauftragt.
- Nun ist er ja schon eine ganze Weile im Amt und kommt aus den Schlagzeilen nicht mehr heraus. Erst ging es um die mögliche
- Verquickung privater Interessen mit seiner Amtsführung, dann ging es um die Berlinale, wo er sich nicht durchsetzen konnte –
- Antisemitismusvorwürfe –, und jetzt haben wir die Diskussion um den Buchhandlungspreis. Meine Frage lautet deshalb: Wie
- bewerten Sie die Amtsführung Ihres Staatsministers, und haben Sie mit ihm schon mal darüber gesprochen? Stehen Sie noch voll
- und ganz hinter ihm? Herr Kollege, Staatsminister Wolfram Weimer ist für Kultur und Medien zuständig, soweit der Bund dafür
- überhaupt eine Zuständigkeit hat. Das ist ja auch eine Institution, die erst vor einigen Jahren geschaffen worden ist, und natürlich ist ein
- Staatsminister des Bundes, der für Kultur und Medien zuständig ist, auch eine umstrittene Person, wenn er sich in schwierige Debatten begibt.
- Das ist aus meiner Sicht unvermeidlich, jedenfalls dann, wenn er seine Meinung zum Ausdruck bringt und wenn er auch Entscheidungen
- trifft, die natürlich nicht bei allen und jederzeit auf Zustimmung stoßen. Ich spreche natürlich mit ihm über diese Frage, und ich will Ihnen
- sagen: Wolfram Weimer hat mein Vertrauen, und ich bin sicher, dass er viele Dinge tut, die in der Kulturszene, im gesamten Bereich von
- Kultur und Medien, auch auf sehr große Zustimmung stoßen, und diese Zustimmung teile ich.
- Gestatten Sie mir eine konkrete Nachfrage dazu. – Herr Weimer hat ja drei Buchhandlungen vom Buchhandlungspreis ausgeschlossen;
- aber weitere wurden ausgezeichnet. Der Hauptpreis ging an eine Leipziger Buchhandlung, die unter anderem Antifa-Tipps zum Häuser- und
- Straßenkampf vertreibt. Eine andere Buchhandlung in Düsseldorf wurde ausgezeichnet, die mit der sogenannten
- Roten Hilfe kooperiert. Wie Sie wissen, ist das eine linksextremistische Vereinigung, die auch vom
- Verfassungsschutz beobachtet wird. Halten Sie es für richtig, dass Steuergelder an solche – na ja, wie soll man es nennen? –
- „Kultureinrichtungen“ ausgereicht wird? Ja, Herr Kollege, es sind Buchhandlungen, und es ist nun mal
- den meisten Buchhandlungen zu eigen, dass sie auch Bücher vertreiben, die nicht unbedingt die politische Meinung der
- jeweiligen Inhaber widerspiegeln. Das ist aber auch normal. Wenn ich in eine Buchhandlung gehe, liegen da auch nicht nur Bücher,
- denen ich vom Inhalt her zustimme. Ich unterstelle Ihnen aber nicht, dass Sie mit Ihrer Frage noch weitere Buchhandlungen von der Preisvergabe
- ausschließen wollten. Wenn Sie das allerdings so gemeint haben, dann haben wir beide uns hier gründlich missverstanden.
- Die Zeit für die Befragung des Bundeskanzlers ist abgelaufen. Ich schließe
- daher Tagesordnungspunkt 1. Und wir kommen zu Tagesordnungspunkt 2:
Zum Nachlesen
ParlamentInhaltsverzeichnis · Struktur, Aufgaben und Arbeitsweise von Parlamenten · Funktionen · Rechte · Liste der Parlamente · Geschichte des Parlaments · Literatur.
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