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Wie ein Deutscher im Wohnzimmer das Computer-Zeitalter startete | Die Konrad Zuse Doku

Ralf Steinhoff9:53 169 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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Transkriptautomatisch erstellt · 58 Zeilen
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  1. Berlin-Kreuzberg, Mfesselstraße 7, ein scheinbar ganz normales Berliner Mietshaus im Jahr 1936. Doch hinter diesen Mauern entsteht die
  2. Zukunft. Wer damals das Wohnzimmer der Familie Zuse betrat, fand keine gemütliche Stube. Die bürgerlichen Möbel waren komplett an
  3. die Wände geschoben. Der gesamte Raum war besetzt von provisorischen Werkbänken, Metallspänen, Konstruktionsplänen
  4. und hunderten handverdrateten Relais. Inmitten dieses Chaos arbeitet Tag und Nacht ein 26-jähriger deutscher Bauingenieur an seiner bahnbrechenden
  5. Erfindung. Suse hatte gerade seinen sicheren Job bei den Flugzeugwerken gekündigt. Er hatte das endlose manuelle Berechnen von Statikformeln einfach
  6. satt. Später sollte er schzend sagen, ich war zu faul zum Rechnen, also erfand ich den Computer.
  7. Während in Amerika Konzerne wie IBM mit gigantischen Budgets an Rechenmaschinen bauten, stand Suse in Berlin völlig isoliert da.
  8. Er hatte keine Investoren, keine staatlichen Fördermittel und kein akademisches Forschungsinstitut im Rücken.
  9. Sein Team war winzig. Ein eng befreundeter Studienkollege brachte elektrotechniknisches Knohow und die visionäre Idee von Vakuumröhren ein und
  10. seine Familie half. Die Mutter gab ihr Erspartes, die Schwester lie und der Vater schnitzte Bauteile aus Holz.
  11. In diesem Berliner Wohnzimmerlabor legte dieser junge Mann das Fundament für das gesamte digitale Zeitalter. Doch seine Geschichte ist nicht nur ein
  12. Triumph. Sie ist die Tragödie eines Computerpioniers, der seiner Zeit weit voraus war und dann im Schatten der Weltbühne verschwand. Für
  13. Standardbauteile fehlte das Geld. Zuse stöberte auf Berliner Schrottplätzen und kaufte ausrangierte Telegraphenrelais säckeweise.
  14. Als Speichermedium Zweckentfremdete er alte 35 mm Kinofilme, in die er die Programmbefehle Loch für Loch von Hand einstzte. Sein erster Entwurf, der
  15. mechanische Z1 von 1938, scheiterte noch im Alltag. Die handgesägten Bleche verklemmten sich ständig. Doch Zuse lernte aus dem
  16. Rückschlag. Er ersetzte die hakende Mechanik durch elektromagnetische Schalter. Der Weg zum Z3 war frei. 12. Mai 1941,
  17. Berlin. Vor einer Handvoll Wissenschaftler schaltet der geniale Tüftler seine fertige Maschine feierlich ein.
  18. Ein unscheinbarer Moment, doch ein Epochenbruch. Es ist der erste funktionierende frei programmierbare Computer der Menschheit.
  19. Der Koloss wog über eine Tonne, schaltete mit 2000 Relais und berechnete eine Addition in gerade einmal 0,8 Sekunden. Das Geniale war Zuses Prinzip.
  20. Während die Amerikaner krampfhaft am Zehner System bauten, setzte Zuse voll auf das Binärsystem. Nur Nullen und Einsen.
  21. Schalter an, Schalter aus. eine radikale Reduktion auf pure, unfehlbare Logik. Genau dieses binäre Fundament treibt bis
  22. heute bis heute jeden modernen Prozessor auf der Welt an, von Intel bis Apple. Die USA feierten Jahre später Maschinen wie den Harvard Mark ein oder den Iniac
  23. als Pioniere des Computerzeitalters. Doch die historische Wahrheit ist, einzelner Berliner Bauin Ingenieur hatte sie im Wohnzimmer um Jahre geschlagen.
  24. Dezember 1943. Ein schwerer Bombenangriff trifft Berlin Kreuzberg. Zuses Lebenswerk versinkt in Schutt und
  25. Asche. Nur ein einziger Prototyp überlebt wie durch ein Wunder geschützt in einem Kellergewölbe. Die weiterentwickelte
  26. Rechenmaschine Z4. In den chaotischen letzten Kriegstagen 1945 flieht Zuse mit der tonnenschweren Maschine getarnt auf einem
  27. Pferdefuhrwerk Richtung Süden. Er rettet den Z4 in das abgelegene Alluer Bergdorf Hinterstein. Weit weg von den Frontlinien, doch
  28. völlig ohne Werkstatt und Strom. Abgeschnitten von der Welt, nutzt der geniale Tüftler den Stillstand für eine Geniet. Auf einfachem Papier entwirft er
  29. den sogenannten Plankalkül. Es ist die weltweit erste universelle Programmiersprache, ein Meilenstein, der Softwareentwicklung
  30. um Jahrzehnte voraus war. 1949 wagt Zuse den Neuanfang. Im Hessischen Neukirchen gründet er die Zuse KG, Deutschlands erste kommerzielle Computerfirma.
  31. 1950 wird der instandgesetzte Z4 feierlich an die renommierte ETH Zürich in die Schweiz geliefert. Damit ist der Z4 der allererste
  32. kommerziell vermietete Computer der Welt, noch vor dem US-amerikanischen Konkurrenten UniVAC. Das Wirtschaftswunder entfacht einen Boom.
  33. Ab 1957 geht der legendäre Z22 in Serie. angetrieben von modernen Elektronenröhren. Universitäten, Optikkonzerne wie Zeis und
  34. Bauunternehmen in ganz Europa setzen nun auf Rechenzentren von Zuse. Über 1000 Mitarbeiter beschäftigt die Firma zur Blütezeit. Aus dem einstigen
  35. Bastler ist der Chef eines europäischen Tech Imperiums geworden. Während die Zuse KG in Europa floriert, zieht auf der anderen Seite des
  36. Atlantiks ein gigantischer Sturm auf. In den USA erkennt die Regierung früh die fundamentale militärische und wirtschaftliche Macht der
  37. Computertechnik. Hunderte Millionen Dollar an Staatsgeldern. und Rüstungsaufträgen
  38. fließen direkt in US-Konzerne wie IBM. In Westdeutschland hingegen bleibt staatliche Unterstützung für Zusis
  39. Pionierarbeit fast vollständig aus. Deutsche Banken zögern. Das neue Feld der Elektronik gilt als riskant.
  40. Wagniskapital ist mangelware. Um den rasanten Technologiesprung zur Transistortechnik mitzugehen, muss Zuse
  41. enorme Investitionen stemmen. Doch der Weltmarkt dreht sich zu schnell. 1964 geht das Geld aus.
  42. Die Zuse KG gerät in schwere Schieflage. Der Gründer muss die Kontrolle abgeben. Die Firma wird zunächst von Rheinstahl
  43. übernommen. 1967 folgt die komplette Eingliederung in Siemens.
  44. Der Name Zuse verschwindet von den Gehäusen. Gleichzeitig schreiben amerikanische Autoren die Historie neu. Der US-Rechner
  45. Eniak wird als erster Computer gefeiert. Im globalen Gedächtnis wird Zuse über Jahrzehnte zur bloßen Fußnote der
  46. Technikgeschichte degradiert. Der Pionier zieht sich zurück und widmet sich der Malerei. Unter dem Namen
  47. Kunoose band er die Computerwelt auf Leinwand. Erst spät, in den 1980er und 1990er Jahren, setzte sich allmählich die
  48. historische Gerechtigkeit durch. Nach jahrzehntelangen weltweiten Analysen
  49. erkannten führende Informatiker endlich offiziell an. Der Z3 aus dem Jahr 1941 war der unbestreitbar erste
  50. funktionierende programmierbare Computer der Menschheit. Am 18. Dezember 1995 schloss der große deutsche Pionier im Alter von 85 Jahren
  51. für immer die Augen. Er hinterließ kein Milliardenimperium wie modern wie moderne Techkonzerne, doch etwas Ungleich Größeres.
  52. Zuse schuf das fundamentale logische Fundament, auf dem unsere gesamte digitale Zivilisation ruht.
  53. Wenn wir heute auf Touchscreens tippen, Daten streamen oder komplexe Algorithmen berechnen lassen, arbeiten all diese Systeme nach
  54. Prinzipien, die einst mit Schrottrelais und 35 mm Filmmillimeter Filmstreifen begannen. Heute steht sein Werk im Deutschen
  55. Technikmuseum in Berlin als stummer Zeuge eines historischen Triumphs.
  56. Das Firmenimperium der Zuse KG ist vergangen, doch der Geist der Erfindung blieb unzerstörbar.
  57. Der Funke, den ein junger Bauingenieur in der Berliner Mädfesselstraße entzündete, veränderte die Welt für immer.
  58. Aus einem Kreuzberger Wohnzimmer in die Unendlichkeit. Suses Vermächtnis lebt in jedem einzelnen Bit weiter.

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