Wie ein Deutscher im Wohnzimmer das Computer-Zeitalter startete | Die Konrad Zuse Doku Ralf Steinhoff https://www.youtube.com/watch?v=klc-vSayJAw Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Berlin-Kreuzberg, Mfesselstraße 7, ein scheinbar ganz normales Berliner Mietshaus im Jahr 1936. Doch hinter diesen Mauern entsteht die 0:09 Zukunft. Wer damals das Wohnzimmer der Familie Zuse betrat, fand keine gemütliche Stube. Die bürgerlichen Möbel waren komplett an 0:18 die Wände geschoben. Der gesamte Raum war besetzt von provisorischen Werkbänken, Metallspänen, Konstruktionsplänen 0:26 und hunderten handverdrateten Relais. Inmitten dieses Chaos arbeitet Tag und Nacht ein 26-jähriger deutscher Bauingenieur an seiner bahnbrechenden 0:37 Erfindung. Suse hatte gerade seinen sicheren Job bei den Flugzeugwerken gekündigt. Er hatte das endlose manuelle Berechnen von Statikformeln einfach 0:46 satt. Später sollte er schzend sagen, ich war zu faul zum Rechnen, also erfand ich den Computer. 0:56 Während in Amerika Konzerne wie IBM mit gigantischen Budgets an Rechenmaschinen bauten, stand Suse in Berlin völlig isoliert da. 1:06 Er hatte keine Investoren, keine staatlichen Fördermittel und kein akademisches Forschungsinstitut im Rücken. 1:14 Sein Team war winzig. Ein eng befreundeter Studienkollege brachte elektrotechniknisches Knohow und die visionäre Idee von Vakuumröhren ein und 1:24 seine Familie half. Die Mutter gab ihr Erspartes, die Schwester lie und der Vater schnitzte Bauteile aus Holz. 1:34 In diesem Berliner Wohnzimmerlabor legte dieser junge Mann das Fundament für das gesamte digitale Zeitalter. Doch seine Geschichte ist nicht nur ein 1:44 Triumph. Sie ist die Tragödie eines Computerpioniers, der seiner Zeit weit voraus war und dann im Schatten der Weltbühne verschwand. Für 1:52 Standardbauteile fehlte das Geld. Zuse stöberte auf Berliner Schrottplätzen und kaufte ausrangierte Telegraphenrelais säckeweise. 2:03 Als Speichermedium Zweckentfremdete er alte 35 mm Kinofilme, in die er die Programmbefehle Loch für Loch von Hand einstzte. Sein erster Entwurf, der 2:13 mechanische Z1 von 1938, scheiterte noch im Alltag. Die handgesägten Bleche verklemmten sich ständig. Doch Zuse lernte aus dem 2:24 Rückschlag. Er ersetzte die hakende Mechanik durch elektromagnetische Schalter. Der Weg zum Z3 war frei. 12. Mai 1941, 2:34 Berlin. Vor einer Handvoll Wissenschaftler schaltet der geniale Tüftler seine fertige Maschine feierlich ein. 2:42 Ein unscheinbarer Moment, doch ein Epochenbruch. Es ist der erste funktionierende frei programmierbare Computer der Menschheit. 2:52 Der Koloss wog über eine Tonne, schaltete mit 2000 Relais und berechnete eine Addition in gerade einmal 0,8 Sekunden. Das Geniale war Zuses Prinzip. 3:05 Während die Amerikaner krampfhaft am Zehner System bauten, setzte Zuse voll auf das Binärsystem. Nur Nullen und Einsen. 3:15 Schalter an, Schalter aus. eine radikale Reduktion auf pure, unfehlbare Logik. Genau dieses binäre Fundament treibt bis 3:26 heute bis heute jeden modernen Prozessor auf der Welt an, von Intel bis Apple. Die USA feierten Jahre später Maschinen wie den Harvard Mark ein oder den Iniac 3:39 als Pioniere des Computerzeitalters. Doch die historische Wahrheit ist, einzelner Berliner Bauin Ingenieur hatte sie im Wohnzimmer um Jahre geschlagen. 3:52 Dezember 1943. Ein schwerer Bombenangriff trifft Berlin Kreuzberg. Zuses Lebenswerk versinkt in Schutt und 4:01 Asche. Nur ein einziger Prototyp überlebt wie durch ein Wunder geschützt in einem Kellergewölbe. Die weiterentwickelte 4:10 Rechenmaschine Z4. In den chaotischen letzten Kriegstagen 1945 flieht Zuse mit der tonnenschweren Maschine getarnt auf einem 4:20 Pferdefuhrwerk Richtung Süden. Er rettet den Z4 in das abgelegene Alluer Bergdorf Hinterstein. Weit weg von den Frontlinien, doch 4:30 völlig ohne Werkstatt und Strom. Abgeschnitten von der Welt, nutzt der geniale Tüftler den Stillstand für eine Geniet. Auf einfachem Papier entwirft er 4:40 den sogenannten Plankalkül. Es ist die weltweit erste universelle Programmiersprache, ein Meilenstein, der Softwareentwicklung 4:50 um Jahrzehnte voraus war. 1949 wagt Zuse den Neuanfang. Im Hessischen Neukirchen gründet er die Zuse KG, Deutschlands erste kommerzielle Computerfirma. 5:03 1950 wird der instandgesetzte Z4 feierlich an die renommierte ETH Zürich in die Schweiz geliefert. Damit ist der Z4 der allererste 5:15 kommerziell vermietete Computer der Welt, noch vor dem US-amerikanischen Konkurrenten UniVAC. Das Wirtschaftswunder entfacht einen Boom. 5:25 Ab 1957 geht der legendäre Z22 in Serie. angetrieben von modernen Elektronenröhren. Universitäten, Optikkonzerne wie Zeis und 5:36 Bauunternehmen in ganz Europa setzen nun auf Rechenzentren von Zuse. Über 1000 Mitarbeiter beschäftigt die Firma zur Blütezeit. Aus dem einstigen 5:47 Bastler ist der Chef eines europäischen Tech Imperiums geworden. Während die Zuse KG in Europa floriert, zieht auf der anderen Seite des 5:58 Atlantiks ein gigantischer Sturm auf. In den USA erkennt die Regierung früh die fundamentale militärische und wirtschaftliche Macht der 6:09 Computertechnik. Hunderte Millionen Dollar an Staatsgeldern. und Rüstungsaufträgen 6:18 fließen direkt in US-Konzerne wie IBM. In Westdeutschland hingegen bleibt staatliche Unterstützung für Zusis 6:28 Pionierarbeit fast vollständig aus. Deutsche Banken zögern. Das neue Feld der Elektronik gilt als riskant. 6:39 Wagniskapital ist mangelware. Um den rasanten Technologiesprung zur Transistortechnik mitzugehen, muss Zuse 6:48 enorme Investitionen stemmen. Doch der Weltmarkt dreht sich zu schnell. 1964 geht das Geld aus. 6:59 Die Zuse KG gerät in schwere Schieflage. Der Gründer muss die Kontrolle abgeben. Die Firma wird zunächst von Rheinstahl 7:10 übernommen. 1967 folgt die komplette Eingliederung in Siemens. 7:18 Der Name Zuse verschwindet von den Gehäusen. Gleichzeitig schreiben amerikanische Autoren die Historie neu. Der US-Rechner 7:29 Eniak wird als erster Computer gefeiert. Im globalen Gedächtnis wird Zuse über Jahrzehnte zur bloßen Fußnote der 7:39 Technikgeschichte degradiert. Der Pionier zieht sich zurück und widmet sich der Malerei. Unter dem Namen 7:48 Kunoose band er die Computerwelt auf Leinwand. Erst spät, in den 1980er und 1990er Jahren, setzte sich allmählich die 7:58 historische Gerechtigkeit durch. Nach jahrzehntelangen weltweiten Analysen 8:07 erkannten führende Informatiker endlich offiziell an. Der Z3 aus dem Jahr 1941 war der unbestreitbar erste 8:17 funktionierende programmierbare Computer der Menschheit. Am 18. Dezember 1995 schloss der große deutsche Pionier im Alter von 85 Jahren 8:30 für immer die Augen. Er hinterließ kein Milliardenimperium wie modern wie moderne Techkonzerne, doch etwas Ungleich Größeres. 8:43 Zuse schuf das fundamentale logische Fundament, auf dem unsere gesamte digitale Zivilisation ruht. 8:54 Wenn wir heute auf Touchscreens tippen, Daten streamen oder komplexe Algorithmen berechnen lassen, arbeiten all diese Systeme nach 9:04 Prinzipien, die einst mit Schrottrelais und 35 mm Filmmillimeter Filmstreifen begannen. Heute steht sein Werk im Deutschen 9:15 Technikmuseum in Berlin als stummer Zeuge eines historischen Triumphs. 9:24 Das Firmenimperium der Zuse KG ist vergangen, doch der Geist der Erfindung blieb unzerstörbar. 9:33 Der Funke, den ein junger Bauingenieur in der Berliner Mädfesselstraße entzündete, veränderte die Welt für immer. 9:42 Aus einem Kreuzberger Wohnzimmer in die Unendlichkeit. Suses Vermächtnis lebt in jedem einzelnen Bit weiter.