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USA: Trumps Wirtschaftspolitik verstehen | ARTE Hintergrund

ARTEde15:38 205.854 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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Transkriptautomatisch erstellt · 99 Zeilen
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  1. [Musik] Donald Trump Trump vernichtet mit seiner wissenschaftsfeindlichen Ideologie ganz einfach all das, was den strukturellen
  2. Reichtum der US-Wirtschaft ausmachte. [Musik] Herzlich willkommen bei den geopolitischen Aspekten. Über die
  3. Bedeutung der Politik von Donald Trump für die US-Wirtschaft und die Weltwirtschaft sprechen wir heute mit Erik Eer. Herzlich willkommen. Guten
  4. Tag. Sie leiten die Abteilung Analyse und Prognose der Denkfabrik OFC. Vielleicht können Sie uns ein paar Grundlagen zu Zöllen vermitteln. In der
  5. Schule haben wir gelernt, dass durch die Globalisierung der weltweite Handel mit allen Mitteln erleichtert werden soll und zwar durch eine möglichst umfassende
  6. Abschaffung von Zöllen. Man hat den Eindruck, dass Donald Trump mit der Anhebung der Einfuhrzölle genau das Gegenteil tut. Ist Trump also ein
  7. Globalisierungsgegner? Zumindest mag Trump die derzeitige Globalisierung nicht, denn er hat den
  8. Eindruck, dass die USA bei dieser Globalisierung zu den Verlierern gehören und dass andere Länder die USA ausnutzen. Weltweit ist der Außenhandel
  9. immer ausgeglichen. Einem Gebiet mit einem Überschuss steht immer ein Gebiet mit dem entsprechenden Defizit gegenüber.
  10. Und die Handelsbilanz der USA weist seit etwa 30 Jahren ein Defizit auf, während China, die Eurozone und Japan große Handelsbilanzüberschüsse
  11. aufweisen. Der Gedanke, die Globalisierung ein wenig zu ändern, ist nicht neu. Das wollte Trump bereits in seiner ersten Amtszeit tun. Und auch Joe
  12. Biden hat das in seiner Amtszeit versucht. Nun geht Trump noch weiter. Das macht ihn nicht zum Globalisierungsgegner, aber er will die
  13. Weltwirtschaftsordnung ändern. Können Sie uns mehr über dieses strukturelle Defizit der Handelsbilanz der USA
  14. sagen? Die Handelsbilanz ist die wertmäßige Differenz aus allen Waren, die ein Land exportiert und den Waren, die es
  15. importiert. Allgemein gesagt verbrauchen die USA sehr viel. Die Haushalte und die Unternehmen verschulden sich, um zu konsumieren und je mehr sie konsumieren,
  16. umso mehr importieren sie. Das Problem der USA ist, dass sie nicht so viel exportieren, wie sie importieren. Sie verbrauchen zu viel.
  17. Dazu kommen große Haushaltsdefizite. Sie kurbeln den Verbrauch immer weiter an und würden gern mehr Waren
  18. exportieren. Das erreicht man entweder, indem man Marktanteile im Ausland erobert, um mehr auszuführen oder indem man weniger einführt. Und das versucht
  19. Donald Trump zu tun, indem er sagt, er werde Zölle auf eingeführte Waren erheben. Er hofft, dass ausländische Unternehmen ihre Produktion in die USA
  20. verlagern und so die Handelsbilanz ein wenig ausgeglichen wird. Das war meine nächste Frage. Was genau verspricht sich Donald Trump für die
  21. US-Wirtschaft von der Anhebung der Zölle? Steckt eine belastbare Theorie dahinter? Was ist sein
  22. Plan? Eine Möglichkeit wäre, dass er durch die Ankurbelung der US-Wirtschaft durch bedeutende Steuersenkungen mehr Kaufkraft generieren will.
  23. Doch wenn er das macht und andere Länder im Gegenteil ihre Defizite durch eine Sparpolitik verringern, dann wird sich das Handelsbilanzdefizit noch
  24. verschärfen. Darauf würde er reagieren, indem er die Einfuhren mit Zöllen belegt und sie damit verringert. Das wäre die eine Art, seine
  25. haushaltspolitische Wirtschaftsförderung ein wenig wirksamer zu gestalten. Das ist also die erste Möglichkeit, aber sie scheint mir nicht sehr wahrscheinlich.
  26. [Musik] Die zweite Möglichkeit wäre, dass er sich sagt, ich möchte sehr viel haben. Ich möchte mir die kanadischen Gewässer
  27. einverleiben. Ich möchte die Bodenschätze aus Grönland haben und ich möchte seltene Erden aus der Ukraine
  28. bekommen. Außerdem sollen die Europäer mehr von mir kaufen und deshalb wende ich alle Mittel und Wege an, um das zu
  29. erreichen. An die Zölle glaube ich nicht. Er sagt, dass er Zölle erheben wird, aber das sind erst einmal nur Drohungen. Er verwendet das nur, um zu
  30. sagen, wenn du nicht tust, was ich will, dann erhöhe ich die Zelle. Die dritte Möglichkeit ist eher politische Art. Er ist für ein
  31. Wahlprogramm gewählt worden, das enorme Steuersenkungen und weniger öffentliche Ausgaben beinhaltet. Die Kürzungen hat er Elon Musk anvertraut, aber die
  32. gleichen die Steuersenkungen nicht aus. Deshalb wird das Haushaltsdefizit durch seine Politik stark ansteigen. Und wenn man sich nun die Höhe der Zölle ansieht,
  33. dann entspricht die mehr oder weniger den Steuersenkungen. Vielleicht will er so seine Ankurbelung der Wirtschaft finanzieren. Nur reagieren die Börsen
  34. auf diese wirtschaftlichen Theorien Trumps eher verhalten, denn Mexiko, die USA und Kanada sind wirtschaftlich eng miteinander
  35. verflochten. So werden z.B. die USFahrzeuge in Werken auf der mexikanischen Seite der Grenze gefertigt. Die Folgen einer Zollerhöhung
  36. sind also für beide Seiten negativ. Das müsste Trump eigentlich wissen. Warum tut er es
  37. trotzdem? Wahrscheinlich, weil er seine Ziele vor allem mit Drohungen erreichen will. Trump sagt sich, ich will das nicht tun. Ich weiß ganz genau, dass
  38. kurzfristig die Inflation in meinem Land steigen wird und dass die Börsenkurse sinken
  39. werden, denn er hat ja versprochen, die Inflation zu senken und die Aktienkurse in die Höhe zu treiben. Er stellt sich also selbst ein
  40. Bein. Ich glaube, dass er hoffte, die anderen Länder würden seinen Drohungen nachgeben und alles tun, was er will. Das fällt also in gewisser Weise auf ihn
  41. zurück. Er hat es nicht mehr in der Hand und bisher funktioniert das noch mit der Methode, Achtung, das sind
  42. Drohungen. Aber auch wenn die Wirtschaft keine exakte Wissenschaft ist, weiß man doch zumindest, dass es, wenn alle Länder Zölle erheben, nur Verlierer
  43. gibt. wäre schwer verständlich, wenn Trump und seine Berater mit dieser Politik weitermachen.
  44. Er wird also entweder im letzten Moment einen Rückzieher machen oder anlässlich der Zwischenwahlen seine Strategie ändern, um eher das zu tun, was er
  45. versprochen hat. mehr Kaufkraft für die US-amerikanischen Verbraucher. Im Börsenmilie liest man natürlich die konservative britische
  46. Tageszeitung Financial Times, die allerdings ins Lager der Gegner von Trump übergegangen zu sein scheint. Könnte Trump vom eigenen Lager überredet
  47. werden, seine Politik zu ändern? Inzwischen deutet sich an, dass das Vertrauen schwindet und die Börsenkurse haben in den USA seit seinem Amtsantritt
  48. 6% an Wert verloren, während sie in Europa 4% an Wert gewonnen haben. Wenn sich das bestätigen und noch verstärken sollte, dann könnten einige Medien in
  49. der Tat ihre Meinung ändern und zwar Medien, die bisher hinter Trump standen. muss natürlich seine Reaktion abwarten, aber das könnte ihn seine
  50. Meinung ändern lassen. Neben Amerika und Europa gibt es noch Asien im Allgemeinen und China im Besonderen. Welcher dieser großen
  51. Weltregionen könnte die Politik der Strafzölle, die Donald Trump ja trotzdem erheben will, am meisten weh tun?
  52. Wenn man in Betracht zieht, was angekündigt wird, aber das ändert sich ja täglich, dann kann man sagen, dass der große Verlierer Mexiko ist und
  53. danach Kanada und die USA. Erst weit dahinter kommen China und Europa. Die großen Gewinner des Ganzen sind die anderen großen Länder und
  54. Regionen, die bisher überhaupt nicht von Trumps Politik betroffen sind. Donald Trump. Lassen Sie uns über die massiven Haushaltskürzungen sprechen,
  55. für die insbesondere Elon Musk zuständig ist. Wie werden sich die auf die Wirtschaft und auf die Gesellschaft in den USA
  56. auswirken? Meiner Meinung nach schießt sich da Donald Trump selbst ins Knie. Trump Trump vernichtet mit seiner wissenschaftsfeindlichen Ideologie ganz
  57. einfach all das, was den strukturellen Reichtum der US-Wirtschaft ausmachte. Dazu braucht man nur die Berichte von Mario Dragi oder Jean Tirol
  58. lesen. Darin steht, dass Europa gegenüber den USA seit etwa 20 Jahren ins Hintertreffen [Musik]
  59. gerät und verantwortlich dafür sei vor allem, dass wir in Europa aufgehört haben, in neue Technologien und Bildung zu investieren. Und genau das machte den
  60. Reichtum der USA aus. Durch die massiven Kürzungen bei den Ausgaben für Bildung, Gesundheit,
  61. Forschung und Entwicklung wird der komparative Kostenvorteil zu nichte gemacht, durch den die Produktivität hoch war und der trotz eines nicht
  62. besonders ausgeprägten Sozialsystems immerhin Wachstum und eine relativ niedrige Arbeitslosenquote
  63. ermöglichte. Nur zwei Beispiele, um Ihnen beizupflichten. Erneuerbare Energien und Elektroautos.
  64. In beide Bereiche hatte die vorherige Regierung unter Joe Biden erheblich investiert. Trump ändert diese Politik nun und man hat das Gefühl, dass er
  65. damit seinem Rival in China ein großes Geschenk macht. Ja, Joe Biden stand ja vor dem gleichen Problem wie Donald Trump.
  66. Er fragte sich, wie es kommen konnte, dass die USA ein Handelsbilanzdefizit aufweisen und alle anderen Länder überschüsse.
  67. Deindustrialisierung wurde ja auch von Joe Biden thematisiert, aber beidens Reaktion war, wir werden eine Wiederansiedlung
  68. fördern, indem wir die Unternehmen subventionieren, die in den USA produzieren. Egal, woher sie stammen, aus China, Spanien, Frankreich oder
  69. Deutschland. Wenn sie in den USA produzieren, haben Sie Anrecht auf Subvention.
  70. Alle europäischen Politiker, ob von der Lion, Macron oder damals Scholz, kamen zu Joe Biden und sagten ihm, das kannst du nicht machen. Dadurch wird Europa
  71. noch weiter von den USA abgehängt. Das hätte wirklich katastrophale Folgen für die Wirtschaft
  72. in Europa und China haben können. Nun sagt Trump, dass das eine schlechte Strategie gewesen sei und man sie nun ändern werde, indem man Zölle
  73. erhebt. Damit macht er in der Tat diesen Volkswirtschaften ein Geschenk, denn sie hätten wohl unter beidens Strategie gelitten, weil sie nicht die gleichen
  74. Haushaltsmöglichkeiten haben wie die USA. Aber Donald Trump hat den Amerikanern einen historischen Aufschwung
  75. versprochen. Er hat versprochen, dass wieder nach Öl gebohrt wird, dass die Steuern sinken und dass die Inflation sinkt. Wollen Sie sagen, dass er keins
  76. dieser Versprechen einhalten kann? Seine Wahlversprechen widersprechen einander ja zum Teil. Wenn er z.B. Drill Baby Drill sagt und
  77. dermaßen die Suche nach Öl fördert, dann wird der Barrelpreis auf 50$ sinken und bei einem Barrelpreis von 50$ lohnt es sich nicht mehr nach Öl zu bohren. Die
  78. Ölförderung in den USA ist teuer und die OPEC wird versuchen, den Preis bei etwa 70$ zu halten. Das Versprechen kann er so nicht einhalten. Das ist ein
  79. Weltmarkt. Anschließend ist es merkwürdig, die Inflation senken zu wollen, indem man Einfuhrzölle erhebt, denn das treibt die Inflation
  80. automatisch an, zumindest in den ersten zwei Jahren. Danach kann man auf strukturelle Änderungen hoffen, aber die werden auch
  81. nicht unbedingt eintreten. Die Widersprüche sind also offensichtlich. Diese Widersprüche kommen daher, dass er die Wirtschaft nur
  82. als Drohmittel einsetzen wollte und nicht auf die Folgen abzielte, die man von solchen Maßnahmen erwartet. Mir scheint, dass er das nicht umsetzen
  83. will. Jeder Berater wird ihm sagen: "Passen Sie auf, das treibt die Inflation in die Höhe. Die Verbraucher werden ihr Vertrauen verlieren und die
  84. Börsenkurse werden einbrechen. Das ist das Realitätsprinzip. Wenn man Geschäfte machen will, muss man
  85. in einer starken Position in Verhandlungen eintreten und über gute Waffen verfügen. Trump weiß, dass die USA eine
  86. Großmacht sind und dass solange sich die Spirale dreht, man ihm zutraut, das Spiel sehr weit zu treiben. Die Drohungen umzusetzen, ob in
  87. militärischer oder wirtschaftlicher Hinsicht, das wäre letztendlich kein guter Plan.
  88. Eine letzte Frage. Trumps Schwäche für Kryptowährungen ist bekannt. Können Sie uns kurz deren Prinzip erklären und was Trump damit zu tun
  89. hat? Kryptowährungen haben mehrere Eigenschaften. Zum einen sind sie nicht sehr transparent. Man kann anonym bleiben und wenn man anonym bleibt, hat
  90. das einerseits Vorteile. Andererseits kann es aber auch schmutziges Geld sein, das im Umlauf ist. Das zweite, was Trump daran
  91. interessieren dürfte, sind die großen Kursschwankungen. Der Wert kann sehr hoch steigen und sehr tief fallen. Man kann also Geld damit
  92. verdienen. Und das dritte Element ist geradezu revolutionär, denn nicht mehr die Staaten oder die Zentralbanken kontrollieren die Währung. Und das
  93. dürfte Trump gefallen, denn erstens mag er die Zentralbank nicht. Seit seiner ersten Amtszeit ist Jerome Paul
  94. US-Notenbankchef und den hat er auf dem Kicker, denn Paul sagt nein zu allem. Eine Währung zu schaffen, die nicht von der Zentralbank kontrolliert wird, das
  95. gefällt ihm. Dazu kommt etwas, worüber nur wenig gesprochen wird. Trump hat das Gesetz
  96. zum Verbot von Bestechung einfach abgeschafft. Regeln zu nutzen, die ein wenig in die Unterwelt führen, das macht ihm nichts aus.
  97. Und Kryptowährungen sind eine Möglichkeit Sachen zu tun, die nicht ganz sauber sind. Vielen Dank für das
  98. Gespräch. Eric Eier leitet die Abteilung Analyse und Prognose des OFCE. Vielen Dank. Ihnen zu Hause danke ich für Ihre Aufmerksamkeit und für Ihr Interesse.
  99. Sie finden unsere Videos auf arte.tv. Dort können Sie auch unsere Newsletter abonnieren. Bis bald. [Musik]

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