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Fin de siècle, Dekadenz, Ästhetizismus | Literaturgeschichte verständlich erklärt

MOOCit Education Matters Lernvideos für die Schule5:47 515 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 49 Zeilen
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  1. Heute wollen wir uns mal einer echt faszinierenden Frage widmen. Warum eigentlich fühlen wir uns von der
  2. Ästhetik des Verfalls oft so angezogen? Fangen wir doch mal mit einem Gefühl an, dass ihr vielleicht kennt diese seltsame
  3. Faszination für die Ästhetik des Scheiterns, des Zusammenbruchs. Auf der einen Seite sehen wir da Begriffe
  4. unserer Zeit wie Doom Asthetics oder Vibe Culture. Aber wisst ihr was? Das ist gar nichts Neues. Auf der anderen
  5. Seite finden wir nämlich die historische Parallele dazu, das Lebensgefühl des Fien des Jeckel und ein Gefühl, das man
  6. damals Überdruss nannte. Und da stellt sich natürlich die Frage, warum ziehen uns die Schönheit des Moben und der
  7. Verfall so in ihren Bann? Um unsere heutige Stimmung zu verstehen, müssen wir eine kleine Zeitreise machen, zurück
  8. zum Ursprung. Und damit landen wir direkt im sogenannten Feier. Das ist Französisch und heißt wörtlich nichts
  9. anderes als Ende des Jahrhunderts. Also, was war das genau? Na ja, der Begriff beschreibt weniger einen konkreten Stil
  10. als viel mehr eine geteilte Stimmung in Europa. So ungefähr von 1890 bis zum Ersten Weltkrieg. Stellt euch das mal
  11. vor. Eine total paradoxe Mischung aus Endzeitstimmung und Überreizung. Einerseits Skepsis gegenüber dem
  12. Fortschritt, andererseits eine riesige Faszination für alles, was modern war. Es war also eine zeitvoller, wirklich
  13. intensiver Widersprüche und wenn es ein Gefühl gab, dass diese Era so richtig geprägt hat, dann war das die sogenannte
  14. Nervosität. Und Nervosität, das war damals viel mehr als nur persönliche Angst. Man sah das
  15. als ein Zustand der ganzen Gesellschaft, quasi in der medizinische Diagnose für eine Kultur, die mit diesem neuen
  16. wahnsinnigen Tempo und der ständigen Reizüberflutung einfach nicht mehr klar kam.
  17. Okay, aber wie wird aus so einem Gefühl, aus dieser kollektiven Nervosität plötzlich ein Kunststil? Die Antwort
  18. lautet Dekadenz. Und das war ein ganz bewusstes künstlerisches Programm. Man hat das künstliche, das Inszenierte
  19. gefeiert und sich damit ganz klar gegen das Natürliche gestellt, was ja im 19. Jahrhundert noch das große Ideal war.
  20. Stellt euch diesen Kontrast mal vor. Weg von Natur, Echtheit und Erde hin zu Parfüm, Performance und Samt. Plötzlich
  21. ging es nicht mehr darum, ob Kunst eine moralische Botschaft hatte. Nein, es zählte nur noch die Schönheit, die Form.
  22. Man liebte das raffinierte und verachtete quasi das Rohe. Dahinter steckten natürlich auch bestimmte
  23. Strömungen, z.B. der Ästhetizismus, also Kunst um der Kunst willen oder der Symbolismus, wo es viel mehr um
  24. Andeutungen und Stimmungen ging als um klare Ansagen. Das ging so weit, dass man das Leben selbst als eine Art
  25. Kunstwerk gesehen hat, dass man bis ins kleinste Detail gestalten muss. Und dieser Stil hat natürlich auch seine
  26. Stars hervorgebracht, seine Archetypen. Da war zum einen der Dandy, ein Typ, der sein ganzes Leben als Kunstprojekt
  27. inszeniert hat, immer mit einer gewissen ironischen Distanz. Und auf der anderen Seite die Fem fatal, eine total
  28. zwiespältige Figur. Sie stand gleichzeitig für die pure Verführung, aber auch für die ganzen Ängste, die mit
  29. Begehren und den sich wandelnden Geschlechterrollen verbunden waren. Aber mal ehrlich, in was für einer Welt muss
  30. man leben, um so ein Bedürfnis nach künstlerischer Flucht und gestylter Distanz zu entwickeln? Ein ganz
  31. entscheidender Faktor, die moderne Metropole. Die war quasi ein regelrechter Angriff auf die Sinne.
  32. Alles wurde schneller, überall nur noch anonyme Menschenmossen. Dazu dieser ständige überwältigende Lärm und überall
  33. Werbung, die um deine Aufmerksamkeit kämpft. Und das Ergebnis von alldem. Für viele war es eine ganz tiefe
  34. grundlegende Erschöpfung. Diese ganze Epoche war also von dieser Spannung geprägt, ein echtes Minenfeld der
  35. Widersprüche. Fortschritt und Angst, die gingen da Hand in Hand. Auf der einen Seite versprach die Moderne so viel,
  36. z.B. neue Wissenschaften und Freiheiten. Aber jede dieser Medaillen hatte eben eine Kehrseite, Sinnkrisen, neue soziale
  37. Kontrolle und diese allgegenwärtige Angst und Überreizung. Und genau da schließt sich der Kreis zu heute. Denn
  38. mal ehrlich, kommen euch diese Spannungen nicht auch irgendwie bekannt vor? Diese Doom Aesthetics von heute,
  39. diese ganzen kuratierten Vibes im Netz, das ist natürlich keine eins zu ein Kopie von damals, aber es ist ein Echo,
  40. ein ganz klares Echo auf eine Welt, die uns heute genauso komplex und überfordernd vorkommt. Die Parallelen
  41. sind schon echt verblüffend. Klar, die Quellen sind heute andere. Damals war es die Reizüberflutung in der Großstadt,
  42. heute ist es die digitale Informationsflut. Damals die Futon Kultur, heute die
  43. Aufmerksamkeitsökonomie von Social Media. Aber das Gefühl dahinter, diese Beschleunigung, diese Sättigung, diese
  44. Unsicherheit, das ist erstaunlich ähnlich und es führt zu einer ganz ähnlichen kulturellen Reaktion. Und das
  45. ist der springende Punkt. Damals wie heute scheinen wir unsere Ängste dadurch zu bewältigen, dass wir sie
  46. ästhetisieren. Wir packen sie in einen Style, den man teilen und konsumieren kann. Wir geben unserer Sorge quasi eine
  47. schöne Form. Und das wirft am Ende eine Frage auf, die damals genauso aktuell war wie heute. Diese ganze Ästhetik der
  48. Erschöpfung. Ist das eigentlich Widerstand? Ist es ein echtes Symptom unserer Zeit? Oder ist es am Ende
  49. vielleicht doch nur eine coole Pose?

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