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Jugendstrafrecht: Können Kinder ins Gefängnis kommen? | neuneinhalb | WDR

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Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 81 Zeilen
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  1. Ich bin mit 9 über einen Baustellenzaun geklettert und hab mich da rumgetrieben.
  2. Als 13-Jährige habe ich buntes Haarspray geklaut und die Wände meiner Schule besprüht.
  3. Ich habe mit 15 die Unterschrift meines Vaters gefälscht. Was ihr gehört habt,
  4. waren Geständnisse aus der neuneinhalb-Redaktion. Hausfriedensbruch, Diebstahl, Urkundenfälschung.
  5. Das sind Taten, für die Gefängnis verhängt werden kann. Wir klären, was passieren kann, wenn Kinder verbotene Dinge tun.
  6. Wir eröffnen das... Schauen wir uns den 2. Fall an.
  7. Da hatte die 13-jährige Täterin buntes Haarspray geklaut. Hätte sie dafür angeklagt werden können, wenn man sie erwischt hätte?
  8. Glaubt ihr "A", mit 13 kann man noch nicht angeklagt werden? Oder "B", ja, aber die Strafe fällt nicht so hart aus?
  9. Oder "C", nur wenn das Diebesgut wertvoller gewesen wäre? Was meint ihr?
  10. Die richtige Antwort lautet "A". In Deutschland ist man ab 14 Jahren strafmündig.
  11. Das bedeutet, dass man für das, was man tut strafrechtlich die Verantwortung übernehmen muss.
  12. Und gegebenenfalls vor Gericht verurteilt werden kann. Die Altersgrenze für die Strafmündigkeit
  13. ist je nach Land unterschiedlich. In Großbritannien können Kinder mit 10
  14. vor ein Gericht gestellt werden. In Belgien gilt man erst mit 18 als strafmündig.
  15. Sieht so aus, als ob man in Deutschland fein raus wäre, wenn man jünger ist als 14 Jahre.
  16. Die nächste Frage: Glaubt ihr "A", Kinder unter 14 können machen, was sie wollen?
  17. Oder "B", das Jugendamt kann sich einschalten? Oder "C", noch nicht, die Strafe wird später nachgeholt?
  18. Was glaubt ihr? Die richtige Antwort lautet "B".
  19. Da Kinder unter 14 Jahren nicht vor ein Gericht kommen können, können sie keine gerichtliche Strafe bekommen.
  20. Manchmal schaltet sich das Jugendamt ein, um die Familie bei der Erziehung zu unterstützen.
  21. In schlimmen Fällen, wenn Eltern einen schlechten Einfluss auf ihr Kind haben, können Kinder auch in einem Heim
  22. oder einer Pflegefamilie untergebracht werden. Ganz wichtig ist, das Kind soll geschützt
  23. und auf den richtigen Weg gebracht werden. Es geht nie darum, zu bestrafen, auch wenn es sich so anfühlen kann.
  24. Was passiert, wenn man über 14 Jahre alt ist? Warum wird ein Unterschied gemacht,
  25. ob ein Kind oder ein Erwachsener eine Tat begeht? Das will ich von jemandem erfahren, der sich auskennt.
  26. Bertolt Sellmann in den Zeugenstand. Berthold Sellmann war viele Jahre Jugendrichter.
  27. Er hatte es mit jugendlichen Täter*innen ab 14 zu tun. Hallo Luam.
  28. Wir haben geklärt, dass Kinder unter 14 nicht vor Gericht gestellt werden dürfen.
  29. Ab 14 ändert sich das. Warum? Das hat mit der Reife zu tun.
  30. Jugendliche mit 14, die haben was gelernt zu Hause bei den Eltern, was falsch und richtig ist.
  31. Man geht davon aus, dass die Entwicklung von einem Jugendlichen so weit ist, dass er Verantwortung für sein Verhalten übernehmen kann.
  32. Währenddessen bei Kindern das noch nicht der Fall ist. Auch wenn sich Jugendliche für ihre Taten verantworten müssen,
  33. werden sie anders behandelt als Erwachsene. Grundsätzlich sind für Jugendliche zwischen 14 und 17
  34. dieselben Taten strafbar wie für Erwachsene. Zum Beispiel Sachbeschädigung, Diebstahl oder Urkundenfälschung.
  35. Sie werden nicht nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt, sondern nach dem Jugendstrafrecht.
  36. Das gibt es seit über 100 Jahren. Auch wenn es im Namen steckt, beim Jugendstrafrecht geht es nicht
  37. um Strafe, sondern mehr um Unterstützung und Erziehung. Jugendliche sollen durch die Maßnahmen lernen, ihre Aggressionen
  38. zu kontrollieren oder sich in andere hineinzuversetzen. Manchmal gilt das Jugendstrafrecht
  39. für Heranwachsende zwischen 18 und 20 Jahren. Warum gilt für Jugendliche ein besonderes Strafrecht?
  40. Weil Jugendliche keine Erwachsenen sind. Die sind auf dem Weg dahin, erwachsen zu werden.
  41. Bei Jugendlichen ist die Gruppe wichtig. Wie man dasteht in der Gruppe.
  42. Dass man was macht, was verboten ist, um den anderen zu zeigen, ich bin cool.
  43. Zu welchen Strafen werden Jugendliche verurteilt? Jugendliche werden nicht bestraft, sie sollen erzogen werden.
  44. Der Klassiker sind Sozialstunden, dass man gemeinnützig arbeitet, zum Beispiel in der Küche vom Krankenhaus.
  45. Eine andere Maßnahme kann sein, dass man sich entschuldigt. Manchmal wird man dazu verurteilt, sich in Gesprächen
  46. oder schriftlich mit seiner Straftat zu beschäftigen. Schreib mal auf:
  47. Warum meinst du, dass das, was du gemacht hast, falsch ist? Warum ist es verboten zu stehlen, jemand anderes zu hauen?
  48. Einen Aufsatz schreiben oder Sozialstunden ableisten, das klingt harmlos.
  49. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es um Einbrüche, Waffenbesitz oder schwere Körperverletzung geht.
  50. Tatsächlich konnte man aber etwas feststellen: Jugendliche, die sich mit ihrer Straftat auseinandersetzen,
  51. ein Anti-Gewalt-Training absolvieren oder eine Ausbildung beginnen, begehen seltener noch mal eine Straftat.
  52. Eine Gefängnisstrafe hält Jugendliche oft nicht davon ab, wieder ähnliche Straftaten zu begehen.
  53. Gibt es Taten, die so schlimm sind, dass man als Jugendliche dafür ins Gefängnis kommen kann?
  54. Ja, das gibts. Wer nicht aufhört, schwere Straftaten zu begehen.
  55. Aber auch wenn es ganz, ganz, ganz schlimme Taten sind. Wenn ein Jugendlicher bewusst einen anderen Menschen tötet.
  56. Dass man dann im Gefängnis lernen muss, dass das eine solche Konsequenzen nach sich zieht.
  57. Auch wenn es selten ist, manchmal werden Jugendliche zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.
  58. Sie kommen für maximal 10 Jahre in ein Gefängnis für Jugendliche. Das kann anders aussehen als so eine Gefängniszelle hier.
  59. Wir sind zu Besuch in einem Jugendstrafvollzug in freier Form. Die Jugendliche, die hier leben, waren vorher im Jugendgefängnis.
  60. Im Seehaus Leonberg bekommen sie die Chance, an sich zu arbeiten. Ohne Gitter oder verschlossene Türen.
  61. Stattdessen Familienalltag mit Pflichten und klaren Strukturen. Das, was die Jungs hier hält, sind Beziehungen und Vertrauen.
  62. Damit haben wir super Erfahrungen gemacht. Das sind Andi und Sophia mit ihren 2 Kindern.
  63. Sie sind Hauseltern im Seehaus und leben auch hier. Das ist Alex. Er ist einer der Inhaftierten.
  64. Ich bin jetzt 19, ich werde nächsten Monat 20. Es gibt viele Gründe, warum ich ins Gefängnis bin.
  65. Das ist Körperverletzung. Diebstahl, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Einbruch.
  66. Raub. Das sind die Sachen. Ich war dumm, hatte falschen Freundeskreis.
  67. Die haben gesagt, lass uns das und das machen. Ist mir nicht bewusst geworden, was man für Konsequenzen kriegt.
  68. Einfach mitgemacht. Das Seehaus besteht, um Menschen eine 2. Chance zu geben.
  69. Gerade junge Häftlingen, die am Rand der Gesellschaft stehen. Jungs, vergesst nicht eure Mappen.
  70. Alex und die anderen Jugendlichen gehen hier zur Schule. Sie haben täglich Dienst in der Wohngemeinschaft
  71. und lernen einen Ausbildungsberuf. Ich bin in der Zimmerei. Ich mache Ausbildung.
  72. Ich glaube, dass es hart ist für die Jungs. Wir haben einen strengen Tagesablauf.
  73. Weg von dem, was die Jungs bisher gelebt haben. Entweder sind sie in die Schule gegangen, viele nicht.
  74. Raus gehen, Diebstähle begehen. Wir sehen das als Training, was ist wichtig für ein Leben:
  75. Pünktlich sein, arbeiten, einen Haushalt führen können. Für ihre Arbeit und ihr Verhalten werden die Jungs bewertet.
  76. Wer sich gut anstellt, kann sich Freiheiten erarbeiten. Wer gewalttätig wird oder einen Fluchtversuch startet,
  77. muss zurück ins Jugendgefängnis. Ich will keine Straftaten mehr machen.
  78. Ein normales Leben führen. Meine Familie stolz machen.
  79. Das war ein spannender Einblick. Jetzt interessieren mich eure Geständnisse.
  80. Habt ihr was Verbotenes gemacht? Schreibt es mir doch.
  81. Tschüs. Copyright WDR 2023

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