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Teil 3: Sozialisation und das Gift des Neoliberalismus oder: Sind wir noch vernünftig?

Dr. Thomas Blech18:44 149 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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Transkriptautomatisch erstellt · 135 Zeilen
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  1. Ja, hallo zusammen. Wir befinden uns nur in dem Teil 3. Was ist Sozialisation? Und heute soll es darum gehen, dass wir die Sozialisation einen etwas größeren
  2. Kontext einbetten. Das heißt, wir müssen auch vom Kapitalismus und auch vom Neoliberalismus sprechen. Ich hoffe, das wird im Laufe der Ausführungen
  3. einigermaßen klar. Aber wir werden auch ein Stück weit den Kapitalismus erläutern, kurz, sehr kurz und dann eben auch auf den Neoliberalismus eingehen.
  4. Ja, wir müssen dann eben von der Wirtschaftsform des Kapitalismus sprechen, in der wir leben. Und zwar ohne Bewertung, sondern wirklich nur
  5. beschreibend. Ein Hinweis zu einem Buch, zur Geschichte des Kapitalismus findet ihr unten in der Videobeschreibung. Was ist der Kapitalismus? Sind Unternehmer
  6. und Mitarbeiter und Chefs einfach ganz natürlich? Wir kennen das ja schon seit ewigen Zeiten und alle, die geboren sind und ich auch, kennen eigentlich nur
  7. dieses Wirtschaftssystem und es gilt uns irgendwie als ganz natürlich. Es ist aber nicht natürlich. Also früher gab es früher heißt also wir reden jetzt hier
  8. vom 16. 17. Jahrhundert und noch früher Leibeigene, die mussten einen bestimmten Teil der Ernte an ihre Herren abgeben, ne? Das ist ja auch so bekannt. Das
  9. kennt ihr aus dem Geschichtsunterricht. Und wenn wir aber heute Wirtschaften sagen, dann meinen wir immer kapitalistisches Wirtschaften. Ein
  10. Wirtschaftssystem ist das, sagen wir mal ab 1800 herum, das Kapital als die treibende Kraft ansieht. Nun wird investiert, um Gewinne zu erzielen. Das
  11. war eben nicht immer so selbstverständlich. Klar, auch in der Zeit der Feudalherrschaft tauschten die Menschen Güter und so weiter, aber es
  12. war noch kein durchgängiger Kapitalismus, wo das Kapital von allen dann auch wirklich angelegt wurde. Ja, also wenn man ein bisschen weiter
  13. zurückgeht, z.B. sogar in die Antike, da gab es einen Denker, der hieß Aristoteles, der sprach auch von Ökonomik, aber das war für ihn ein
  14. gewisses Haushalten. Also Eukos kommt von Hausgemeinschaft und das war wirklich erstmal nur auf dem Bereich des Haushaltens begrenzt. Er hat dann noch
  15. mal die Krimatistik eingeführt. Das war dann eher die Kunst des Gelderwerbs. Das war für ihn aber eher unnatürlich. Also ihm ging es tatsächlich um das Haushalt
  16. und in kapitalistischen Gesellschaften geht es immer immer um Geld, Gewinnorientierung und ich wollte mit diesem Rückblick nur zeigen, dass das
  17. eben nicht immer so war, weil viele eben auch sagen, Kapitalismus gab es schon immer. Also klar, es gab auch früher Kapital, ne? Aber es war feudal alles
  18. eben so organisiert, dass das Kapital selbst nicht die treibende Kraft, also um 1600 fuhren auch Schiffe von Großbritannien nach Indien und da haben
  19. sie dann die Gewürze geklaut oder gekauft und dann diese Gewürze dann eben zu Hause teuer verkauft. Das war eben natürlich auch schon Kapitalismus, aber
  20. ein Handelskapitalismus. Die ganze allgemeine Produktionsweise war noch nicht kapitalistisch. Die bürgerliche Gesellschaft schuf dann irgendwann die
  21. Feudalgesellschaft ab, dann waren die Bürger frei. Das war nat ein gesellschaftlicher Fortschritt. Wer will das? Streit Menschen gehörten und nicht
  22. mehr Menschen. Aber man darf auch nicht verschweigen in der Foralherrschaft ohne sie zu rechtfertigen. Hatten dann eben die Leibeigene trotzdem noch einige Tage
  23. für sich frei und konnten arbeiten, meist sogar auf dem eigenen Acker und das auch für sich behalten. Sie mussten ja immer nur einen Teil abgeben. Jetzt
  24. aber, nachdem die Fordalherrschaft abgeschafft wurde, hatten sie auch keine Mittel mehr, keine Geräte, kein Acker mehr. Alles war weg. Das heißt, die
  25. Arbeiter lebten zwar frei, aber gewissermaßen auch nicht unbedingt viel besser. Sie mussten sich nämlich jetzt in den Fabriken Arbeit suchen. Sie waren
  26. doppeltfrei, sagte Marx. Ja, also frei vom Herren, aber auch frei von den Produktionsmitteln, die sie aber gebraucht hätten, um überleben zu
  27. können, ne? Gerätschaften z.B. Und das Bürgertum hatte nun die Produktionsmittel und die brauchten natürlich jetzt die Menschen. Da
  28. entstand der Kapitalismus. Das Kapital wurde die treibende Kraft und zwar ganz allgemein und durchzog nun auch wirklich alle Bereiche. Keiner konnte sich dem
  29. mehr entziehen. Natürlich gab es auch einen technologischen Fortschritt, gar keine Frage. Aber in den Subsistenzgesellschaften vorher noch, da
  30. fand eben ein Tausch statt, der auch auf Märkten statt. Aber nun, das ist der Unterschied. Deswegen mache ich noch mal ganz kurz immer so diesen Sprung früher
  31. und dann eben in den Kapitalismus. Nun musste jeder Arbeit annehmen und jede Arbeit musste angenommen werden und das oft unter den übelsten Bedingungen.
  32. Tägliche Arbeitszeiten von bis zu 16 oder 18 Stunden. Arbeitskämpfe begannen dann auch, um die kleinsten Zugeständnisse überhaupt nur zu
  33. erreichen. Dieses ganze System basierte auf einer extremen Ungleichheit. Viele arbeiteten für die Unternehmen und einige wenige häuften dann die Gewinne
  34. an. Es ging ständig um Wachstum und dafür war eine marktförmige Organisation nötig. Es wurde eine Tendenz dann eben auch sichtbar, dass immer mehr
  35. Produktionsmittel in wenigen Händen waren, eine zunehmende Privatisierung erfolgte. Dieses System war, man kann sich das denken, sehr konfliktreich, ne?
  36. Weil natürlich es immer wieder Aufstände gab, die dann auch zum Teil ein bisschen versucht wurden einzuhegen. Stichwort Sozialgesetze von Bismarck und so
  37. weiter. Das war nicht nur eine reine Wohltat, sondern der wollte natürlich letztendlich eben auch verhindern, dass ich bei den Arbeitern eine Bewegung
  38. formierte, die vielleicht sogar in eine Revolution münden könnte. Also, es ging immer darum, Eigentumsrechte zu wahren. Das interessierte die Eigentümer, ne?
  39. Und heute in Zeiten der sogenannten Finanzialisierung, also nicht mehr Industrialisierung, wir haben ja heute einen finanziellen Kapitalismus, wo halt
  40. Millionen, Milliarden und noch mehr in Sekundenschnelle um den Erdball hin und her transferiert werden. Einige sprechen auch vom digitalen Kapitalismus, sind
  41. wir wieder in einer anderen Phase des Kapitalismus eingetreten. Dann wird auch oft gesagt, na ja, der Kapitalismus habe aber doch viele gute Entwicklungen
  42. vorangetrieben, ne? Wohlstand, Sicherheit, einige sagen sogar die Demokratie. Da müssen wir tatsächlich klar widersprechen. Der Kapitalismus
  43. funktioniert auch ganz prächtig in autoritären Staaten. Die beiden Demokratie und Kapitalismus hängen nicht zwangsläufig zusammen. Ja, also das muss
  44. man tatsächlich immer wieder sagen, dass auch der ganze moderne Wohlfahrtsstaat nach 45 nicht nur einfach so entstanden ist, weil die Politik und Wirtschaft
  45. sich dachte, jetzt tun wir mal was ganz Gutes. sein. Sie bemerkt ganz früh, dass etwas getan werden musste, um tatsächlich auch die Privilegien und
  46. auch das Eigentum von einigen zu sichern. Wohlfahrt heißt dann, es muss selbstverständlich mehr Verteilung her und auch der Konsum muss angeregt
  47. werden, damit der Gewinn steigt. Ja, das war nicht nur eine moralische Aktion, dass die Wohlfahrt unterstützt wurde, sondern Kapitalakkumulation musste dann
  48. eben auch weiter unterstützt werden. Kapital ist dann nur Kapital, wenn es sich vermehrt, wenn es arbeitet, ne? Aber selbstverständlich, das muss auch
  49. gesagt werden, sollte es mit der Wohlfahrt nicht so weit gehen, dass die Masse zunehmend mehr hat. Es kann ja nicht so verteilt werden, dass die
  50. Reichen langsamer reich werden, um das ein bisschen polemisch zu sagen. Da muss man hal die Frage stellen, in welcher Form von Demokratie leben. Ist es
  51. wirklich die sogenannte Herrschaft des Volkes oder ist es eher eine plutokratische Demokratie? Also schauen wir in die USA, die sogenannte älteste
  52. Demokratie der Welt war reinster Kapitalismus und fuß Ausschluss auf Rassismus, Diskriminierung und hatte niemals im Blick, die Gleichheit aller
  53. in irgendeiner Weise auch anzustreben durch eine bestimmte Verteilung des Reichtums, ne? Wir haben bald den ersten Billionär und die Sorge, dass die Masse
  54. letztendlich nicht mit dem Geld umgehen kann oder anders ausgedrückt nicht auf eine sinnvolle Produktion ausst, das Geld anlegt oder wie auch immer, sondern
  55. auf Raub, egoistisch ist, ihr Geld verschleudert und so weiter für Konsum, für ungesunde Sachen. Diese Sichtweise zeigt letztendlich auch die Verachtung
  56. und auch die Arroganz des Kapitals und ihrer Vertreter gegenüber der Massen. Das gab es aber auch schon immer und gibt es immer noch. Hier im folgenden
  57. füge ich mal eine kleine Tonspur ein, wo das noch einmal ganz deutlich wird. Im Kölner Reichenviertel Marienburg hat Thomas Pher zwei Häuser. In einem lebt
  58. er, in dem anderen dieser Villa ist nicht viel mehr als sein Büro, aus dem er sein Vermögen verwaltet. Wie reich sind Sie denn? Im Internet
  59. steht 1,4 Milliarden. Ja, Quatsch. Totaler Blitze. Da steht dieses sein, der reichste Kölner. Ja, das bin ich vielleicht
  60. tatsächlich, aber es dürften ja schon, wir haben ja die Häuser in Berlin z.B. gesehen, mehrere hundert Millionen sind.
  61. Das ist richtig. Das schon richtig. 50% der Deutschen, also die ärmere Hälfte besitzt was glauben Sie, wie viel
  62. Prozent des Gesamtvermögens? Das ist, ich kenne diese Statistiken 1,4%. Ja. Ja, klar. Und wenn die jetzt 10 20%
  63. kriegen, was passiert dann? Haben sie 20% der Konsole. Also kurzer Blasen, ne? Sie haben ein bisschen mehr. Sicherheit im Leben.
  64. Wenn die das entsprechend, wenn die das entsprechend entsprechend tatsächlich in dieser Richtung benutzen würden, dann haben Sie recht. Tun sie das? Weiß ich
  65. nicht. Aber das klingt jetzt so, als würden die Leute mit dem Geld nicht umgehen können. Ich sorge dafür, dass gewisse Sachen
  66. passieren. Wenn das Geld verteilt wird, wird es nicht investiert, wird ausgegeben. Das kann ja auch investiert werden. Die
  67. Leute können nur nicht haben. Dann sagen sie mir mal, wer das ist die Deutschen sind kein Land der Eigenverantwortung.
  68. Ja, wie ihr gehört habt, ist diese Meinung auch sicherlich keine einzelne Meinung. Es gibt auch moralische Reiche, die versuchen mit ihrem Geld auch was
  69. anzustellen. Die Tendenz ist aber eher und da können die Reichen und Millionäre und Milliardäre gar nichts für, weil das innerhalb der Logik des Kapitalismus
  70. ist, dass das Eigentum gewahrt und das Kapital weiterarbeiten muss, sonst verliere ich es zumindestens teilweise. Also kurzum, der Kapitalismus ist eine
  71. Wirtschaftsordnung, in der es um Marktwettbewerb, Gewinnorientierung, ständiges Wachstum und private Eigentumsrechte geht. Der
  72. Neoliberalismus ist dann eher eine Strömung innerhalb des Kapitalismus. Dann geht's darum, dass noch weniger Regeln für Firmen, Unternehmen und so
  73. weiter gelten sollen. Mehr Privatisierung, mehr freier Handel nach der Devise der Markt wird es schon regeln, weniger staatliche Eingriffe,
  74. ne? Also er versucht die, also der Neoliberalismus versucht die schon vorhandene Logik des Marktes, die auch schon vorher da war, noch stärker
  75. auszuprägen, zu schärfen, freier zu gestalten. Nun geht's noch mehr um Effizienz, aber auch um Eigeninteresse, auch um Gewinnmaximierung. Diese Logik
  76. wird zunehmend auch auf andere Bereiche übertragen bzw. ist auch schon längst geschehen. Und Stichwort nur die selbstständige Schule hört sich erstmal
  77. ganz toll an, dass wir selbstständig sind und entscheiden können. Können wir aber nicht. Wir können nicht über die Bildungspläne entscheiden. Wir können
  78. über so viele Sachen nicht entscheiden, weil das alles für uns entschieden wird. Aber wir stehen in einer gewissen Konkurrenz um Schüler mit anderen
  79. Schulen, damit unsere Lehrerstellen gewahrt bleiben. Also das nur zum Punkt Neoliberalismus auch im Schulsystem. Nun wird es gemäß auch einiger Kritiker
  80. gefährlich für die Demokratie. Denn wenn überspitzt formuliert jedes Verhalten, jedes menschliche Verhalten unter ökonomischen Gesichtspunkten gestellt
  81. wird nach dem Motto: "Lohnt sich die Beziehung, die Bewerbung, dieses oder jenes Verhalten, dann hat es die Gerechtigkeit oder auch die Bekämpfung
  82. von Ungleichheit schwer als ein Selbstzweck angesehen zu werden, ohne die Frage zu stellen, was habe ich eigentlich davon?" Es geht jetzt nun
  83. weiter. Klammer auf, ich komme auch gleich zur Sozialisation, aber dies hier ist wichtig, weil es uns alle prägt und auch unsere Realität ist, die wir doch
  84. als Subjekte produktiv verarbeiten sollen, um irgendwie in der Gesellschaft klarzukommen. Also eine Verteilung des Reichtums ist dem Neoliberalismus auch
  85. nicht geheuer. Klar, die erfolglosen und die Loser, die dürfen eine bescheidene Existenzsicherung haben. Da gab's mal Harz, Bürgergeld, Grundsicherung. einige
  86. sprechen ein bisschen böse vom Untertanen Geld, aber wenn der Staat dann noch auf die Idee kommt, den Wettbewerb oder gar die Eigentumsrechte
  87. nur zu diskutieren, dann wird er zum Feind des Neoliberalismus. Dann sehen Sie die Freiheit schwinden. Die Frage ist selbstverständlich, was die
  88. Neoliberalen eigentlich unter Freiheit verstehen und wessen Freiheit schwindet. Ja, also Freiheit, das hier nur am Rande ist, immer auch die dialogische Freiheit
  89. in Bezug zu anderen. Das äh scheint mir hier eher so eine missverständliche Form von Freiheit zu sein. Also, die Auswirkungen des Neoliberalismus sehen
  90. und spüren wir alle bzw. fast alle. eine gewisse Endsolidarisierung, eine Vereinzelung, ein Einzelkämpfertum, Polarisierung, Arbeiter gegen
  91. Arbeitslose, gesetzlich, privat, Männer, Frauen, heterosexuell, divers. Diese ganzen Pole werden immer auch politisch und medial bespielt, ne? Also teile und
  92. herrsche, da hat man immer so ein Spannungsfeld, da sind die Leute ganz gut beschäftigt und stellen die gesellschaftlichen Strukturen eben nicht
  93. in Frage. Diese extreme Individualisierung, die auch durch den Neoliberalismus weiter vorangetrieben wird, klammer auf, hier hat Heitme ja
  94. auch einiges zu gesagt, bezogen auf Gewalt und Kriminalitätstheorien. Klammer zu. Und die Sozialisation spielt sich ja gewissermaßen permanent ab,
  95. sobald ich auf die Welt komme, ne? Wir leben, man könnte auch sagen, in der neoliberalen Luft oder Atmosphäre und atmen die ständig bildig gesprochen ein.
  96. Das prägt auch unsere spezifische Art des Denkens. Unsere Vernunft ist damit infiziert, sagt Wendy Brown. Also, welche Werte herrschen hier eigentlich
  97. vor? Was erlebt die heranwachsende Generation? Leistung, Konkurrenzdruck. Es ist normal, dass es Verlierer gibt, die haben sich eben nicht genug
  98. angestrengt. Selber Schuld, Egoismus, was soll ich studieren? und damit machen. Wo kann ich am meisten Geld verdienen? Lohnt sich der Studiengang?
  99. Was willst du denn damit machen? Fragen die Eltern. Interesse, Leidenschaft für exotische Bereiche ohne möglichen Gewinn gelten schon fast als Realitätsflucht.
  100. Nun gibt's Theorien, die dann zeigen, wie das Individuum sich genau diese Werte, diese Glaubenssätze, könnte man ja schon sagen, angeeignet, eingesogen,
  101. inkorporiert würde Bordieu sagen, Sie Teil 2, also im wahrsten Sinne des Wortes einverleibt hat. Das heißt, wir denken auch in diesen Kategorien. Man
  102. müsste sogar sagen, wir fühlen und nehmen Dinge in diesen Kategorien wahr. Wir bewerten andere und uns nach diesen Werten und Kriterien. Wir glauben daran.
  103. Der nächste Schritt: Wir optimieren uns auch selbst, um auf dem Markt bestehen zu können und glauben meist noch, das machen wir für uns selbst. Und der
  104. nächste Schritt: Selbst innerhalb unserer Beziehungen wenden wir die Logik des Bewertens, Vermessens, des Bilanzierens und der Nutzenabwegung an.
  105. Sicherlich nicht alle, aber es gibt ganz deutliche messbare und beobachtbare Tendenzen. Wir sollten uns einmal alle fragen, ob wir von dieser Nutzenabwung
  106. frei sind und wo die überall auftritt. Was heißt nun unter diesen Gesichtspunkten produktive Realitätsverarbeitung nach Hurelmann?
  107. Die nächste Generation müsste ja zuallererst über diesen Sachverhalt aufgeklärt werden, dass dies keine alternativlose Gesellschaft ist, in die
  108. ich mich produktiv irgendwie reinfummeln muss, sondern eine zu verändernde. Es müsste aufgeklärt werden, dass es eine mediale und auch akademische Hegemonie
  109. gibt. Ja, also eine überwiegend gleichlautende Erzählung, die man auf allen Kanälen und von den Politikern hört, die genau diesen Neoliberalismus,
  110. wenn nicht direkt predigen, aber doch durch mangelnde Aufklärung oder sogar Bewerbung. Ich sag nur private Rente, länger arbeiten, private Vorsorge, dann
  111. diese unsägliche Rieserrente, Rührup und so weiter klammert zu. Weiterhin gibt's dann auch das Problem mit einer Umgangsweise mit begründeter Kritik. Ja,
  112. also einige kritisieren dann die Ungleichheit, die Milliardäre, den Reichtum, die mangelnde Verteilung, eine zu geringe Erbschaftssteuer. Da kommen
  113. dann auch so Glaubenssätze wie die haben sich das doch verdient, die investieren doch auch wieder alles, die tragen doch das Risiko, die möchten doch nur das
  114. weitergeben, was sie sich erarbeitet haben und so weiter. Diese ganzen Sachen kann man alle tatsächlich argumentativ auch entkräften. Das kann ich jetzt hier
  115. nicht leisten, weil das Thema doch etwas anders ist. Aber solche mantraartig vorgetragenen Formeln werden ständig wiederholt. Kritisiert man diese, ist
  116. man neidig oder meckert doch nur. Ganz schlimm, man ist dann direkt nach links gedriftet und möchte die DDR wieder haben und schon ist jede sinnvolle
  117. Diskussion zerstört. In dieser Gemengelage gilt es nun, die nächste Generation mit kritischen geistigen Waffen auszustatten. Das ist kein
  118. leichtes Unterfangen. Man müsste sogar fragen, ob das Ziel in eine gelungene Beziehung zur Gesellschaft zu geraten, sich irgendwie in dieser Gesellschaft in
  119. eine sinnvolle Position einzunehmen, sogar eine Versöhnung von Individuum und Gesellschaft überhaupt nur zu denken, nicht widersprüchlich ist, weil gerade
  120. das Gift des Neoliberalismus dies im Vorhinein verhindert bzw. ich ja nur die Kriterien reproduziere, die ja in mir sind. Wir erinnern hier an die
  121. Bildungsziele aller Humbold, ne? Sehe hier auf dem Kanal die Bildungsvideos. Wenn alles zur Wahre wird und werden kann, selbst die Beziehung, das
  122. Verhältnis zu mir selbst, zu anderen, wie kann hier noch an humanistische Verwirklichung von Werten gedacht werden, die einen Selbstzweck haben?
  123. Womöglich ist das Individuum und auch die Eltern mit der Aufgabe völlig überfordert, vermutlich auch die Sozialisationsinstanzen wie die Schule,
  124. die alle von der Logik des Neoliberalismus und damit auch der Verwertungslogik des Kapitalismus infiziert sind. An dieser Stelle ist das
  125. Bildungssystem sicher gefragt, das nicht darauf abzielt, Humankapital zu produzieren, sondern tatsächlich mündige und kritische Bürger, so sollte es sein,
  126. die auch die Widersprüche und Risse in der Gesellschaft nicht als marginal wahrnehmen, sondern als die zentrale Entwicklungsaufgabe ansehen, darüber
  127. aufzuklären. Bildung müsste die zentrale Entwicklungsaufgabe sein. Allerdings sollten wir dann, dies kann ich hier nicht leisten und würde auch und würde
  128. ich auch gar nicht schaffen, unser Bildungssystem komplett verändern. vermutlich von der Kita bis zur Hochschule, ne? Also, der erste Schritt
  129. wäre, um das nur einmal anzuschneiden, jegliche Bildung müsste kostenlos sein. Privatschulen müssen abgeschafft werden. Wieso? Ja, dann würde jeder aus einer
  130. bestimmten Schicht und zwar auch aus der Mittel und Oberschicht mehr Druck auf das staatliche Bildungssystem ausüben, denn den eigenen kleinen Nachwuchs soll
  131. es ja gut gehen. Dann müsste sich das staatliche Bildungssystem sehr viel mehr rühren und sich reformieren. Das müsste jetzt ja alles mehr argumentativ
  132. ausgeführt werden. Ich wollte es zumindestens einmal zur Diskussion stellen. Ich hoffe, das reicht, um den Zusammenhang von Sozialisation und
  133. Neoliberalismus einmal deutlich gemacht zu haben, dass das nicht so einfach ist, sich produktiv der Realität zu stellen, wenn doch die Voraussetzungen schon
  134. neoliberal sind, inklusive noch der ganzen unterschiedlichen Kapitalsortenvoraussetzungen. Siehe, Teil 2. Bis bald und bleibt ja
  135. antineoliberal, wenn das noch geht.

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