Arktis und Antarktis, die Welt der Polargebiete | Mit offenen Karten | ARTE ARTEde https://www.youtube.com/watch?v=LJcPdGdZiG8 Transkript (automatisch erstellt) 0:04 [musik] [musik] 0:17 [musik] Herzlich willkommen. Heute nehmen wir sie mit in zweiander gegenüberliegende 0:27 Regionen der Erde. Zunächst einmal ins Nordpolarmeer in die Arktis mit Wasser, Gletschern und Packeis, soweit das Auge reicht und dann auf die andere Seite der 0:38 Erde in die Antarktis rund um den Südpol. Dort sieht es ganz ähnlich aus, Meer, Gletscher und Packeis. Aber wir wollten die beiden Regionen 0:49 rund um den Nordpol und den Südpol ein wenig genauer miteinander vergleichen. Denn abgesehen von gemeinsamen Eigenschaften und Herausforderungen, 0:57 globale Erwärmung und geopolitische Interessen, sind sie sehr unterschiedlich in sozialer, wirtschaftlicher und juristischer 1:04 Hinsicht. Der grundlegende geographische Unterschied ist natürlich, dass die Arktis ein von Kontinenten umgebenes 1:11 Meer und die Antaris ein vom mehr umgebener Kontinent ist. Als Arktis bezeichnet man das Gebiet jenseits des nördlichen Polarkreises, 1:23 das heißt 66° nördlicher Breite. Dazu gehören die nördlichen Ausläufer Amerikas, Europas und Asiens sowie im Zentrum das Nordpolarmeer. Das ist zum 1:34 größten Teil von Packeis bedeckt, dessen Ausdehnung je nach Jahreszeit zu und abnimmt. Nordpolame, auch arktischer Ozean genannt ist, der kleinste Ozean 1:44 der Erde und es verbindet den Atlantischen mit dem Pazifischen Ozean. Unter den zahlreichen Anreinerstaaten nimmt Russland über die Hälfte der 1:52 arktischen Landfläche ein. Dadurch kommt ihm in der Region eine erhebliche Bedeutung zu. In der Arktis ist es sehr kalt. Im 2:01 Sommer durchschnittlich +10°, im Winter -30° mit Temperaturen bis zu -67° im russischen Vierchojansk. 2:13 Auf der gegenüberliegenden Seite der Erde liegt die Antaris. Dort befindet sich 1200 km von Argentinien entfernt zwischen dem 2:22 Pazifischen, dem Atlantischen und dem Indischen Ozean der Kontinent Antarkläche von 14 Millionen Quadratkm. 2:31 Dieser wird von einer bis zu 4 km dicken Eiskappe bedeckt und von bis zu 5000 m hohen Gebirgsketten durchzogen. Dort ist es noch kälter als in der Arktis. 2:42 durchschnittlich -20° im Sommer, -50° im Winter und bis zu -90° auf dem Dome A im Jahr 2010. Wie in der Arktis gefriert das 2:54 Meerwasser ab Winterbeginn im März, April zu Packeis, das bis zu 800 km ins Meer hineinreicht. Soweit zur geographischen 3:04 Beschaffenheit. Ein Ozean im Norden, ein Kontinent im Süden. Beiden gemeinsam sind sehr niedrige Temperaturen und Packeis, dessen Fläche je nach 3:14 Jahreszeit zu und abnimmt. Trotz der extrem rauen Lebensbedingungen sind beide Polargebiete besiedelt, aber auf sehr unterschiedliche Weise. In den 3:23 Randgebieten der Arktis leben indigene Völker, Inuit, Ewenken, Dolganen, Nensen und Samen. Sie sind inzwischen in der Minderheit, denn die strategischen, 3:34 logistischen und bergbaulichen Interessen der Region begünstigten den Zuzug anderer Bevölkerungsgruppen und die Entstehung von Städten wie Nuk, 3:43 Kirüa, Murmansk und Norelsk, einem ehemaligen Straflager und inzwischen der nördlichsten Großstadt der Welt. In der Antarktis ist das ganz anders. In 3:55 weniger als hundert Stationen führen Forscherinnen und Forscher wissenschaftliche Studien durch. Sie sind schwer zugänglich und es gibt 4:03 keine Möglichkeit, sich Nahrungsmittel zu beschaffen. Der Kontinent ist also praktisch unbewohnbar. Wenn also doch Menschen unter extremen 4:12 Bedingungen in den Polargebieten leben, dann natürlich, weil diese Ressourcen bergen und diese Ressourcen wecken immer mehr Begehrlichkeiten. 4:22 An erster Stelle stehen die unterschiedlichen Meerestierarten. Der Fischfang, von dem große Teile der indigenen Volksgruppen in der Arktis 4:30 leben, hat sich seit Ende des 20. Jahrhunderts erheblich ausgeweitet und sogenannte Fabrikschiffe bedrohen die Bestände, z.B. die des Kabeliaus. 4:40 In der Antaris sind die in der Fischzucht verwendeten Grillschwärme von Überfischung bedroht, was dort die gesamte Marine Nahrungskette gefährdet. 4:50 Die Polargebiete sind aber auch reich an energetischen und nichtenergetischen Rohstoffen Diamanten, Kupfer, Nickel, Kohle, Eisen, Gold, seltene Erden, 5:00 Erdöl, Erdgas und Uran. Ihr Abbau führt zu zahlreichen Umweltproblemen in der Arktis, ist aber in der Antarktis verboten, 5:11 denn auf dem antarischen Kontinent und im Südpolarmeer ruhen alle Gebietsansprüche. Verwaltet wird die Antarktis durch die 5:19 Unterzeichnerstaaten des Antarktis Vertrags und 1991 unterzeichneten fast alle Länder der 5:26 Welt das Madrider Protokoll, dem zufolge die Region als ein dem Frieden und der Wissenschaft gewidmetes Schutzgebiet ohne bergbauliche Ausbeutung oder 5:36 militärische Nutzung ist. Allerdings könnten Länder wie China und Russland, deren Forschungspersonal in der Antarktis sehr aktiv ist, diesen 5:45 Schutz eines Tages in Frage stellen. Zum Fischfang und den Boden schätzen kommt etwas hinzu, das für manche ebenfalls als eine wertvolle Ressource gilt. 5:55 Süßwasser. Die Arktis birgt 10% der weltweiten Süßwasservorräte. Die Antarctis 80%. Dazu kommen die Einnahmen aus dem 6:05 Tourismus. 10 Millionen Besucher in der Arktis und gut 100.000 in der Antarktis waren es 2022. Der Tourismus ist zwar eine 6:15 Einnahmequelle, aber auch eine Bedrohung für das präre ökologische Gleichgewicht. Ein letzter Aspekt ist die logistische Bedeutung der Arktis. Die beiden 6:25 Seewege, die es dort gibt, sind mehr und mehr befahrbar, denn durch die globale Erwärmung geht das Packeis immer weiter zurück. Aber die Schiffahrt ist dort 6:34 weiterhin gefährlich, auch für Eisbrecher. Trotzdem nahm Peking die Nordostpassage in sein Seidenstraßenprojekt auf. Aber 6:43 auch für die sogenannte transpolare Route interessiert man sich in China. Durch sie würde sich der Weg für Güter von Shanghai nach Europa um vierzig 6:53 verkürzen und man würde die Piraten und die Engpässe auf dem Weg durch die Straße von Malaka vermeiden. Doch das Projekt macht wenig Fortschritte und 7:02 steckt noch im Forschungsstadium. Nach der Vorstellung der Polargebiete, ihrer Ressourcen und der Begehrlichkeiten, die sie wecken, 7:10 blicken wir nun auf die geopolitischen Rivalitäten in diesen untypischen Regionen. Im kalten Krieg war die Arktis für die Sowjetunion und die USA von 7:19 großem Interesse. Nach dem Wegfall des eisernen Vorhangs kaum noch. Seit den 2000er Jahren ändert sich das vor allem seit Russlands Überfall auf die Ukraine. 7:29 Russland baut dort seine Stützpunkte aus. In Severomors sind zwei Drittel seiner strategischen U-Boote stationiert und es führt große Manöver durch. Auch 7:38 die NATOänder führen seit 2006 alle zwei Jahre Manöver namens Cold Response durch. 2022 nahmen 30.000 Soldatinnen und Soldaten daran teil. Russlands 7:49 Überfall auf die Ukraine veranlasste übrigens Finnland, der NATO beizutreten und Schweden dürfte ihm bald folgen. Ganz anders ist die Lage in der 7:58 Antarctis, denn ihr internationaler Status verbietet jegliche Präsenz von Militär und Atomwaffen. Nur die friedliche Nutzung ist erlaubt. 8:08 Da aber die Länder, die mit der Verwaltung der Antarktis beauftragt sind, nicht wirklich in der Lage sind, diese Grundsätze durchzusetzen, ist es 8:16 schwer Staaten wie China davon abzuhalten, dort Geräte zur Überwachung von Satelliten und Hochleistungsteleskop mit militärischen Anwendungen in Betrieb 8:25 zu nehmen. Durch diese lässt sich unter anderem die Präzision von Raketenflugbahnen erhöhen. Die Haltung Chinas, seine Annäherung an 8:34 Russland und die regionalen Ambitionen von Ländern wie Australien könnten den Schutz der antarischen Ökosysteme in Frage stellen. Aber das Madrider 8:43 Protokoll beinhaltet rechtliche Bestimmungen, die eine Militarisierung und eine uneingeschränkte Nutzung verhindern. Das gilt auch für den Fall 8:52 von Neuverhandlungen. Während die Polargebiete aufgrund ihrer Ressourcen und ihrer strategischen Bedeutung Begehrlichkeiten wecken, sind 9:01 sie darüber hinaus der globalen Erwärmung ausgesetzt, deren Ausmaß dort noch schwerwegender ist als in anderen Regionen. 9:10 Denn die Arktis erwärmt sich fast viermal so schnell wie der weltweite Durchschnitt, um 0,7° pro Jahrzehnt gegenüber 0,2°. 9:20 Diese schnelle Erwärmung hat zahlreiche Folgen. Zunächst einmal schmelzen die Gletscher, von denen manche wie der Okoküttel bereits verschwunden sind. 9:30 Insgesamt ist der grönländische Eisschild seit 2002 bereits um 4700 Milliarden Tonnen zurückgegangen. Durch die globale Erwärmung könnte das 9:41 Packeis ab dem Jahr 2035 im Sommer ganz verschwinden. Außerdem tauen die Permafrostböten auf. Dadurch werden große Mengen an Methan freigesetzt, was 9:51 in erheblichem Maße zum Treibhauseffekt und dadurch zur globalen Erwärmung beiträgt. In der Antarktis sieht es ähnlich aus. Dort ist der Eisschild seit 10:01 2002 um 2700 Milliarden Tonnen zurückgegangen und die Ausdehnung des Packeises war sowohl im Sommer als auch im Winter noch nie so gering wie 2023. 10:13 Die Gletscherschmelze in den Polargebieten könnte dramatische Folgen haben, denn sie führt zu einem Anstieg des Meeresspiegels. 10:20 Schätzungen zufolge könnte dieser bei einem vollständigen Schmelzen des grönländischen Eisschildes um 3 bis 6 m steigen. Beim Schmelzen der Gletscher in 10:29 der West Antarktis um 10 bis 12 m. Bei solch einem Anstieg um insgesamt 13 bis 18 m könnten pessimistischen Prognosen zufolge der größte Teil der großen 10:41 Ballungsgebiete bis zum Jahr 2300 überschwemmt werden. Soweit zu unserer Reise in die Polargebiete. 10:50 Übrigens fand im November 2023 auf Initiative Frankreichs in Paris das erste Gipfeltreffen zu Gletschern und Polargebieten statt unter dem Vorsitz 11:00 Frankreichs und Norwegens. Dort tauschten sich Vertreter aus Wissenschaft und Politik aus etwa 40 Ländern aus. Eine Milliarde Euro sollen 11:09 in die Polarforschung fließen. Die Klimadiplomatie steht erst am Anfang. Zum heutigen Thema empfehlen wir der Kampf um den Nordpol. Ein Buch von 11:19 Michael Paul über die Arktis, den Klimawandel und die Rivalität der Großmächte und in französischer Sprache den Atlas Depol von Erik Canobio ein 11:28 Buch über die ungewisse Zukunft der Polarregionen. Damit endet unsere heutige Ausgabe. Wir sehen uns nächste Woche wieder am 11:38 gleichen Ort und zur gleichen Zeit. Bis dahin finden Sie uns auf arte.tv und in den sozialen Netzwerken. Bis bald. [musik]