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Wannsee-Konferenz | EINFACH ERKLÄRT

StudioEinfach - Wissen, das Klick macht! 7:15 629 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 47 Zeilen
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  1. Was war die Wannseekonferenz? Klingt erstmal nach einer trockenen Geschichtsstunde, ich weiß, aber in Wirklichkeit war das eine der
  2. furchtbarsten Besprechungen der Menschheitsgeschichte. Wir [schnauben] schauen uns heute mal ganz genau an, was da eigentlich
  3. passiert ist. Also, stell dir das mal vor. Es ist der 20. Januar 1942, ein kalter Wintertag und wir sind in einer wirklich schicken Villa direkt am
  4. Wannsee in Berlin. Eine fast schon idyllische Sinnem. Man könnte meinen, ein ganz normaler Tag. In dieser Villa treffen sich 15 Männer. Es ist eine
  5. Besprechung und dazu gibt's Frstück. Das Ganze dauert auch nur 90 Minuten, also kürzer als die meisten Kinofilme. Klingt alles ziemlich harmlos und alltäglich,
  6. oder? Tja, aber das Ergebnis dieser kurzen Besprechung ist nichts anderes als die eiskalte Organisation eines Völkermords. Diese Männer haben in nur
  7. anderthalb Stunden den Mord an Millionen von Menschen bis ins Detail durchgeplant. Und die Frage, die uns bis heute umtreibt, ist, wie zur Hölle war
  8. das möglich? Um das zu verstehen, müssen wir einen Schritt zurückgehen, denn das, was da am Wannsee besprochen wurde, fiel ja nicht einfach so vom Himmel. Und
  9. jetzt kommt ein Punkt, der super wichtig ist und den viele oft falsch verstehen. Auf der Wannseekonferenz wurde der Holocaust nicht beschlossen. Der war
  10. schon längst im Gange. Die Konferenz hatte einen ganz anderen, noch viel perfederen Zweck. Schauen wir uns das mal an. Seit Kriegsbeginn 1939
  11. wurde die Verfolgung der Juden immer brutaler. Spätestens [schnauben] 1941 mit dem Angriff auf die Sowjetunion begannen systematische
  12. Massenerschießungen. SS Einsatzgruppen haben hunderttausende jüdische Männer, Frauen und Kinder zusammengetrieben und einfach
  13. erschossen. Ende 41 suchten die Nazis danach Methoden, um das Morden effizienter zu gestalten und haben mit sogenannten Gaswagen experimentiert. Das
  14. waren LKWs, in deren Ladefläche Abgase geleitet wurden. Der Völkermord war also schon in vollem Gange. Kommen wir also zu den Leuten, die da am Tisch saßen.
  15. Wer waren diese 15 Männer, die da beim Frühstück über das Schicksal von Millionen Menschen entschieden haben? Das war die absolute Verwaltungselite
  16. des NS-Staates. Hohe Beamte aus den wichtigsten Ministerien, die Topleute von SS und Polizei. Eingeladen und geleitet wurde das Ganze von Reinhard
  17. Heidrich, dem Chef des Reichs Sicherheitshauptamtes, einer der schlimmsten Schreibtischtäter des Regimes. Und das ist das, was einen
  18. wirklich schockiert. Das waren keine ungebildeten Schläger. Ganz im Gegenteil. Acht von diesen 15 Männern hatten einen Doktortitel. Das waren
  19. Juristen, Experten für Verwaltung, Staatssekretäre, Leute, die ganz genau wussten, wie man einen Staat organisiert. Und genau dieses Wissen
  20. haben sie eingesetzt, um ein unfassbares Verbrechen zu planen. Ihr Ziel war es also nicht, den Mord zu beschließen, der passierte ja schon. Ihr Ziel war es, den
  21. Mord zu perfektionieren. Sie wollten die Endlösung der Judenfrage, so ihre schreckliche Wortwahl, in ganz Europa koordinieren und beschleunigen. Alle
  22. Behörden, alle Ministerien sollten wie Zahnräder ineinander greifen, um den Völtermord zu einer perfekt organisierten industriellen
  23. Tötungsmaschinerie zu machen. Und jetzt kommen wir zu einem Punkt, der einem wirklich die Sprache verschlägt. wenn man sich die Dokumente von damals
  24. ansieht, die Sprache, die diese Mörder benutzt haben. Einer der Teilnehmer, Adolf Eichmann, hat das offizielle Protokoll dieser Besprechung
  25. geschrieben. Und wenn du dieses Dokument liest, fällt dir sofort was auf. Wörter wie Mord, Tötung, Vergasung oder Vernichtung tauchen darin kein einziges
  26. Mal auf, nicht ein einziges Mal. Stattdessen haben sie eine zynische Tarnsprache benutzt. Wenn im Protokoll von Evakuierung in den Osten die Rede
  27. ist, meinten sie in Wahrheit die Deportation in die Vernichtungslager. Wenn das stand: "Jemand wird sonder behandelt oder entsprechend behandelt,
  28. dann war das das Todesurteil. Das war die kalte Sprache von Bürokraten, die den größten Massenmord der Geschichte organisieren. Aber warum haben die das
  29. gemacht? Warum haben sie nicht einfach Klartext geredet, zumindest unter sich? Es ist so perfide wie simpel. Durch diese emotionslose technische
  30. Sprache haben sie den Massenmord zu einem reinen Verwaltungsakt gemacht. Es klingt dann nicht mehr wie die Planung eines Völkermords, sondern wie ein
  31. Logistikproblem. So haben die Täter das Unfassbare für sich selbst normalisiert und ganz alltäglich klingen lassen. Nach diesen
  32. 90 Minuten in der Villa am Wannsee war der Weg frei. Die Maschinerie des Todes konnte jetzt in ganz Europa auf Hochtouren laufen. Der Plan wurde zur
  33. Tat. Im Protokoll gibt es eine Liste. Darauf steht, wie viele Juden in den einzelnen Ländern Europas leben. Die Summe am Ende
  34. über 11 Millionen. Das war die Zahl der Menschen, die nach diesem Plan systematisch ermordet werden sollten. Ihre Tod-Do Liste des Grauens. Und wie
  35. sah der Plan aus? Ganz konkret, zuerst sollten alle Juden in Europa erfasst und dann in den Osten deportiert werden. Dort sollten sie Zwangsarbeit leisten.
  36. Die, die das überleben, so steht es im Protokoll, sollten dann entsprechend behandelt werden, also ermordet. Die Wanseekonferenz war damit der
  37. Startschuss für den Ausbau der großen Vernichtungslager wie Auschwitz zu industriellen Todesfabriken. Okay, man könnte jetzt sagen, das ist
  38. alles furchtbar, aber auch lange her. Warum ist es so wichtig, sich das heute noch anzuschauen? Die Antwort darauf liegt in dem Dokument selbst. Die Nazis
  39. wußten ganz genau, was für ein Verbrechen sie da dokumentiert hatten. Gegen Ende des Krieges haben sie versucht, alle Beweise zu vernichten.
  40. Von den 30 Kopien des Wannsee Protokolls haben sie auch fast alle erwischt. Aber eine einzige Kopie hat durch reinen Zufall in den Akten des auswärtigen
  41. Amtes überlebt. Und dieses eine Dokument ist heute einer der wichtigsten Beweise für den Holocaust. Es zeigt schwarz auf weiß.
  42. Der Völkermord war kein außer Kontrolle geratener Exzess. Er war von der Spitze des Staates kaltblütig geplant und von allen wichtigen Behördenstabsmäßig
  43. organisiert. Dieses Protokoll widerlegt jede Leugnung, jede Verharmlosung. Der Holocaust überlebende Primo Levi hat mal einen Satz gesagt, der uns allen
  44. eine Warnung sein sollte. Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen. Die Wseekonferenz zeigt uns auf die schrecklichste Weise, wozu
  45. Menschen fähig sind, wenn Ideologie, Bürokratie und menschliche Gleichgültigkeit zusammenkommen. Und das bringt uns zur letzten alles
  46. entscheidenden Frage. Was hat das mit uns heute zu tun? Was lernen wir daraus? Was passiert, wenn Hass und Hetze in eine kalte bürokratische Sprache
  47. verpackt werden? Und an welchem Punkt müssen wir aufstehen und lauten nein sagen? Denk mal drüber nach.