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Wannsee-Konferenz | EINFACH ERKLÄRT
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 47 Zeilen
- Was war die Wannseekonferenz? Klingt erstmal nach einer trockenen Geschichtsstunde, ich weiß, aber in Wirklichkeit war das eine der
- furchtbarsten Besprechungen der Menschheitsgeschichte. Wir [schnauben] schauen uns heute mal ganz genau an, was da eigentlich
- passiert ist. Also, stell dir das mal vor. Es ist der 20. Januar 1942, ein kalter Wintertag und wir sind in einer wirklich schicken Villa direkt am
- Wannsee in Berlin. Eine fast schon idyllische Sinnem. Man könnte meinen, ein ganz normaler Tag. In dieser Villa treffen sich 15 Männer. Es ist eine
- Besprechung und dazu gibt's Frstück. Das Ganze dauert auch nur 90 Minuten, also kürzer als die meisten Kinofilme. Klingt alles ziemlich harmlos und alltäglich,
- oder? Tja, aber das Ergebnis dieser kurzen Besprechung ist nichts anderes als die eiskalte Organisation eines Völkermords. Diese Männer haben in nur
- anderthalb Stunden den Mord an Millionen von Menschen bis ins Detail durchgeplant. Und die Frage, die uns bis heute umtreibt, ist, wie zur Hölle war
- das möglich? Um das zu verstehen, müssen wir einen Schritt zurückgehen, denn das, was da am Wannsee besprochen wurde, fiel ja nicht einfach so vom Himmel. Und
- jetzt kommt ein Punkt, der super wichtig ist und den viele oft falsch verstehen. Auf der Wannseekonferenz wurde der Holocaust nicht beschlossen. Der war
- schon längst im Gange. Die Konferenz hatte einen ganz anderen, noch viel perfederen Zweck. Schauen wir uns das mal an. Seit Kriegsbeginn 1939
- wurde die Verfolgung der Juden immer brutaler. Spätestens [schnauben] 1941 mit dem Angriff auf die Sowjetunion begannen systematische
- Massenerschießungen. SS Einsatzgruppen haben hunderttausende jüdische Männer, Frauen und Kinder zusammengetrieben und einfach
- erschossen. Ende 41 suchten die Nazis danach Methoden, um das Morden effizienter zu gestalten und haben mit sogenannten Gaswagen experimentiert. Das
- waren LKWs, in deren Ladefläche Abgase geleitet wurden. Der Völkermord war also schon in vollem Gange. Kommen wir also zu den Leuten, die da am Tisch saßen.
- Wer waren diese 15 Männer, die da beim Frühstück über das Schicksal von Millionen Menschen entschieden haben? Das war die absolute Verwaltungselite
- des NS-Staates. Hohe Beamte aus den wichtigsten Ministerien, die Topleute von SS und Polizei. Eingeladen und geleitet wurde das Ganze von Reinhard
- Heidrich, dem Chef des Reichs Sicherheitshauptamtes, einer der schlimmsten Schreibtischtäter des Regimes. Und das ist das, was einen
- wirklich schockiert. Das waren keine ungebildeten Schläger. Ganz im Gegenteil. Acht von diesen 15 Männern hatten einen Doktortitel. Das waren
- Juristen, Experten für Verwaltung, Staatssekretäre, Leute, die ganz genau wussten, wie man einen Staat organisiert. Und genau dieses Wissen
- haben sie eingesetzt, um ein unfassbares Verbrechen zu planen. Ihr Ziel war es also nicht, den Mord zu beschließen, der passierte ja schon. Ihr Ziel war es, den
- Mord zu perfektionieren. Sie wollten die Endlösung der Judenfrage, so ihre schreckliche Wortwahl, in ganz Europa koordinieren und beschleunigen. Alle
- Behörden, alle Ministerien sollten wie Zahnräder ineinander greifen, um den Völtermord zu einer perfekt organisierten industriellen
- Tötungsmaschinerie zu machen. Und jetzt kommen wir zu einem Punkt, der einem wirklich die Sprache verschlägt. wenn man sich die Dokumente von damals
- ansieht, die Sprache, die diese Mörder benutzt haben. Einer der Teilnehmer, Adolf Eichmann, hat das offizielle Protokoll dieser Besprechung
- geschrieben. Und wenn du dieses Dokument liest, fällt dir sofort was auf. Wörter wie Mord, Tötung, Vergasung oder Vernichtung tauchen darin kein einziges
- Mal auf, nicht ein einziges Mal. Stattdessen haben sie eine zynische Tarnsprache benutzt. Wenn im Protokoll von Evakuierung in den Osten die Rede
- ist, meinten sie in Wahrheit die Deportation in die Vernichtungslager. Wenn das stand: "Jemand wird sonder behandelt oder entsprechend behandelt,
- dann war das das Todesurteil. Das war die kalte Sprache von Bürokraten, die den größten Massenmord der Geschichte organisieren. Aber warum haben die das
- gemacht? Warum haben sie nicht einfach Klartext geredet, zumindest unter sich? Es ist so perfide wie simpel. Durch diese emotionslose technische
- Sprache haben sie den Massenmord zu einem reinen Verwaltungsakt gemacht. Es klingt dann nicht mehr wie die Planung eines Völkermords, sondern wie ein
- Logistikproblem. So haben die Täter das Unfassbare für sich selbst normalisiert und ganz alltäglich klingen lassen. Nach diesen
- 90 Minuten in der Villa am Wannsee war der Weg frei. Die Maschinerie des Todes konnte jetzt in ganz Europa auf Hochtouren laufen. Der Plan wurde zur
- Tat. Im Protokoll gibt es eine Liste. Darauf steht, wie viele Juden in den einzelnen Ländern Europas leben. Die Summe am Ende
- über 11 Millionen. Das war die Zahl der Menschen, die nach diesem Plan systematisch ermordet werden sollten. Ihre Tod-Do Liste des Grauens. Und wie
- sah der Plan aus? Ganz konkret, zuerst sollten alle Juden in Europa erfasst und dann in den Osten deportiert werden. Dort sollten sie Zwangsarbeit leisten.
- Die, die das überleben, so steht es im Protokoll, sollten dann entsprechend behandelt werden, also ermordet. Die Wanseekonferenz war damit der
- Startschuss für den Ausbau der großen Vernichtungslager wie Auschwitz zu industriellen Todesfabriken. Okay, man könnte jetzt sagen, das ist
- alles furchtbar, aber auch lange her. Warum ist es so wichtig, sich das heute noch anzuschauen? Die Antwort darauf liegt in dem Dokument selbst. Die Nazis
- wußten ganz genau, was für ein Verbrechen sie da dokumentiert hatten. Gegen Ende des Krieges haben sie versucht, alle Beweise zu vernichten.
- Von den 30 Kopien des Wannsee Protokolls haben sie auch fast alle erwischt. Aber eine einzige Kopie hat durch reinen Zufall in den Akten des auswärtigen
- Amtes überlebt. Und dieses eine Dokument ist heute einer der wichtigsten Beweise für den Holocaust. Es zeigt schwarz auf weiß.
- Der Völkermord war kein außer Kontrolle geratener Exzess. Er war von der Spitze des Staates kaltblütig geplant und von allen wichtigen Behördenstabsmäßig
- organisiert. Dieses Protokoll widerlegt jede Leugnung, jede Verharmlosung. Der Holocaust überlebende Primo Levi hat mal einen Satz gesagt, der uns allen
- eine Warnung sein sollte. Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen. Die Wseekonferenz zeigt uns auf die schrecklichste Weise, wozu
- Menschen fähig sind, wenn Ideologie, Bürokratie und menschliche Gleichgültigkeit zusammenkommen. Und das bringt uns zur letzten alles
- entscheidenden Frage. Was hat das mit uns heute zu tun? Was lernen wir daraus? Was passiert, wenn Hass und Hetze in eine kalte bürokratische Sprache
- verpackt werden? Und an welchem Punkt müssen wir aufstehen und lauten nein sagen? Denk mal drüber nach.