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Rosch ha-Schana: Das Schofar und die Glocke @VladislavZeevSlepoy

QADMA Judentum als Schulfach12:24 102 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 72 Zeilen
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  1. [Musik] Festgemauert in der Erden steht die Form aus Lehm gebrannt. Heute muss die Glocke werden. Frischgesellen sei zu Hand. Von
  2. der Stirne heiß rinnen muss der Schweiß. soll das Werk den Meister loben, doch der Segen kommt von oben. Dies sind die ersten Verse aus dem Lied von der
  3. Glocke, einem der berühmtesten Gedichter der deutschen Literatur. In diesem philosophischen Gedicht beschreibt Friedrich Schiller den
  4. Herstellungsprozess einer Kirchenglocke. Darin baut er einzahlreiche Betrachtungen über das Leben und den Tod, über Mensch und über die
  5. Menschheit, über die Liebe, das Individuum, die Gesellschaft und über vieles andere. Das Lied von der Glocke preist schöpferische Kraft des Menschen,
  6. seine Vernunft, seine geistigen und physischen Fähigkeiten, aber zugleich zeigt es auch die Kehrseiten dieser Eigenschaften. Die schöpferische Kraft
  7. kann sich leicht in Kraft der Zerstörung verwandeln, die Liebe in Hass, der Frieden in Krieg. Dies alles spiegelt sich wieder oder genauer klingt in dem
  8. Geläut einer Kirchenglocke. Wir kennen diese Klänge. Jeder, der in einer europäischen Stadt und besonders in einem Dorf lebt, kennt das Geläut der
  9. Kirchenglocke. Die Glocke schlägt die Stunden. Sie läutet an Sonntagen um den christlichen Feiertagen. Ihr Klang ist ein ständiger
  10. Teil der europäischen Landschaft, denn mit der Freude Feierklange begrüßt sie das geliebte Kind auf seines Lebens erstem Gange, den es in Schlaffes Arm
  11. beginnt. Im ruhen noch im Zeitenoße die schwarzen und die heiteren lose der Mutter liebe zarte Sorgen bewachen seinen goldenen Morgen. Die Glocke ist
  12. die Begleiterin eines gläubigen Christen. Aber Synagogen haben keine Glocken. Dies ist auch nicht verwunderlich. Das Judentum war seit der
  13. Zerstörung der letzten Spuren jüdischer Staatlichkeit durch das römische Reich bis hin zur Gründung des Staates Israel eine Religion der Minderheit. Eine
  14. Minderheit dazu noch eine unterdrückte und verfolgte kann sich nicht erlauben zu auffällig zu sein. Während die Kirchenglocke die gläubigen Christen zum
  15. Messe der Mins die gläubigen Moslems zum Gottesdienst laut ruft. War es bei uns Juden in den Zeiten, wo nicht jedes Haus über eine Uhr verfügte? Der sogenannte
  16. Schulklopfer, ein von der Gemeinde Angestellter Mann, der früh am Morgen vom Fenster zum Fenster der Häuser ging, um die Juden zum Morgenengottesdienst
  17. durch sein leises Klopfen zu wecken. Das Judentum ist eine ruhige, eine bescheidene Religion. Unsere Gottesdienste und andere religiösen
  18. Handlungen spielen sich meist zu Hause oder in der Synagoge ab. Nur selten machen wir etwas religiöses unter freiem Himmel. Das Judentum kennt keine
  19. Glocken. Aber wir haben etwas anders. Wir haben das Schuffar, das jedes Jahr einen Monat lang unser Leben begleitet. Zum ersten Mal erklingt es am ersten Tag
  20. des Monats Elul, des letzten Monats vor Rosana, dem jüdischen Neujahr. Ab diesem Tag beginnt man in den Synagogen nach dem Morgen Gottesdienst Schofa zu
  21. blasen. Einen Monat später an Rosana erreicht sein Klang den Höhepunkt, denn Rosana ist das Fest des Chauffers. An diesem Tag gibt es eine mit zwei ein
  22. Gebot, den Klang des Chauffards zu hören. Und zum letzten Mal hören wir es am zehn Tag des Monats Tischre am Ausgang von Yamkipur, dem
  23. Versöhnungstag, wenn der Ton des Chauffers das Ende des Fasttages verkündet. Das Chauffah und die Glocke. Aus ihrem Vergleich und ihrer
  24. Gegenüberstellung kann man viel über das Judentum lernen. Beginnen wir mit der Herstellung. Die Herstellung einer Glocke ist ein komplexer Prozess, bei
  25. dem vieles schiefgehen kann. Die Glocke wird aus Metall gegossen. Allein dessen Herstellung braucht viel Kunstfertigkeit. Dazu Schiller nehmet
  26. Holz vom Fichten Stamme, doch recht trocken las sein, dass die eingepresste Flamme Schlage zu dem Schwalch hinein kocht des Kupfersbrei schnell das Zinn
  27. herbei, dass die zählockten Speise fließe nach der rechten Weise. Nichts davon steckt in einem Chauffar. Das Chauffar ist ein recht einfaches, im
  28. Grunde ein primitives Musikinstrument. Es ist nichts anders als ein hohes Widern, das schon von sich ausklingt. Während die Glocke die technologischen
  29. Fähigkeiten des Menschen repräsentiert, bringt uns das Chauffah zurück zur Natur in ihrem puren, ihrem unangetasteten gottchaffenen Zustand. Roshana ist der
  30. Tag der Erschaffung der Welt und des Menschen. Der Herrschaftsauftrag, den Gott dem Menschen verlie, als er sagte: "Bezwingt die Erde und herrscht über
  31. sie. Dieser Herrschaftsauftrag tritt an Rosana hinter dem Gedanken zurück. Der Mensch ist kein Schöpfer, sondern ein Geschöpf. Und als Geschöpf tritt ein
  32. Rosasana Gott und anderen Menschen entgegen. Und als Ausdruck dieser Nähe zur Natur nehmen wir das Chauffah. Aber selbstverständlich ist der Mensch auch
  33. ein Schöpfer. In seinem Ebenbild, so heißt es in der Bibel, schuf Gott den Menschen. Mensch ist das Ebenbild Gottes, weil auch er ein Schöpfer ist
  34. und weil er durch sein Schaffen die Welt zu einem besseren Ort machen kann. Auch Schiller sieht es so. Den schlechten Mann muss man verachten, der nie
  35. bedacht, was er vollbringt. Das ist ja was den Menschen zieret und dazu wart in der Verstand, dass er im inneren Herzen spüret, was er erschafft mit seiner
  36. Hand. Dies können wir Juden gemeinsam mit Schiller verkünden. Doch während die Glocke den Menschen in seiner
  37. Eigenschaft als Schöpfer und Gebieter der Welt preist, verweist das Schauffer auf seinen Ursprung in der Natur darauf, dass in seiner Schöpfungskraft der
  38. Mensch niemals vergessen darf, dass auch er ein Teil der Natur ist und ein Geschöpf ist und dass in diesem Geschöpfsein seine Tatkraft und seine
  39. Kreativität ihre natürliche und ethische Grenze findet. Doch nicht nur in der Herstellung, auch in ihrem Klang sind Glocke Schuffaar verschieden. Der
  40. metallene Klang der Glocke ist kein Klang der Natur. Es ist keine Menschenstimme. Der Klang des Chauffers wird hingegen stets mit der menschlichen
  41. Stimme, mit der weinenden menschlichen Stimme verglichen. Das emotionale steht hier im Vordergrund. Oh zarte Sehnsucht, süßes Hoffen der ersten Liebe, goldene
  42. Zeit. Das Auge sieht den Himmel offen, es schwälkt das Herz in Selkeit. Oh, dass sie ewig grünen bliebe. Die schöne Zeit der jungen Liebe. Die Stimme des
  43. Chauffers ist auch eine Stimme der Freude. Mit dem Klang begrüßen wir das neue Jahr genauso wie die Christen ihr neues Jahr mit dem Glockengeläut
  44. begrüßen. Doch wir grüßen das neue Jahr nicht nur fröhlich, sondern auch ernst. Das Chafah erinnert uns daran, dass ein neues Jahr auch eine neue
  45. Herausforderung, neue Verantwortung bedeutet. In ihrer Wirkung sind aber Chauffaar und Glocke durchaus ähnlich. Der Klang der Glocke weckt und mahnt den
  46. Menschen. Auch die Stimme des Chauffas weckt und mahnt ihn. Aber die Glocke ist ein Produkt der menschlichen Tätigkeit und als solches spricht sie den Menschen
  47. an und sie tut es von außen. Das Chauffah, dessen Klang an die Stimme des Menschen erinnern soll, tut dies aus dem Innern. Rosana ist nach der jüdischen
  48. Auffassung der Tag des göttlichen Gerichts über den Einzelnen, die Völker und Länder der Erde und über die ganze Welt. Die Stimme des Chauffards soll in
  49. diese strenge Gerichtsstimmung einen milden Ton hineinhauchen, denn Gericht, in dem nur strenge herrscht, kann nicht gerecht sein. Schiller schreibt dazu:
  50. "Denn wo das strenge mit dem Zarten, wo starkes sich und mildes Barten, da gibt es einen guten Klang." Die Glocke klingt stündlich das ganze Jahr hindurch. Das
  51. Chauffah hingegen können wir nur einen Monat lang hören und es würde eigentlich ausreichen, wenn man seinen Plank nur an den beiden Tagen von Rosana hören würde.
  52. Sowohl die Glocke als auch das Chauffah sollen durch ihre Klänge den Menschen zur Rue und Selbstprüfung bewegen. Doch wie heißt es so schön bei Schiller? Der
  53. Warn ist kurz, die Reue ist lang. Die Glocke führt und begleitet den Menschen das ganze Jahr hindurch. Das Chauffah gibt ihm nur den ersten Stoß. Den
  54. restlichen Weg muss der Mensch selbst machen. Das Schauf klingt nur kurz, doch seine Stimme, genauer die Wirkung dieser Stimme soll den Menschen das ganze Jahr
  55. hindurch begleiten, ohne dass er sie ständig hören muss. In dieser Tatsache steckt ein tiefes Vertrauen in den Menschen. Die Leidenschaft flieht, die
  56. Liebe muss bleiben, die Blume verblüht, die Frucht muss treiben, sagt auch Schiller. Und die Glocke hat auch eine soziale Funktion. Sie kann den Menschen
  57. zur Versammlung oder eine Feier rufen. Diese Funktion hat das Schauffer nicht, obwohl es auch im Judentum etwas gab, was der Glocke in dieser ihrer Funktion
  58. ähnelte. Ich meine die beiden silbernen Trompeten, von welchen die Torah berichtet und die auf zahlreichen alten jüdischen Münzen und sogar auf dem
  59. berühmten Titusbogen in Rom abgebildet sind. Diese Trompeten sollten die Juden versammeln, ein Fest verkünden oder zum Krieg rufen. Darin würden sie der Glocke
  60. ähneln. Aber mit dem Verlust des Tempels gingen auch die Trompeten verloren. Was übrig blieb, war das Chauffah. Die Klänge des Schauffas sind Klänge der
  61. Hoffnung auf Frieden. Vor allem, weil dessen Klang die Menschen vereint, denn es ist üblich, dass an Rosana die ganze Gemeinde sich versammelt, um das Chauffa
  62. zu hören. Im Unterschied zur Glocke an deren ständige Klänge, die Menschen gewöhnen sind und die siee oft gar nicht richtig wahrnehmen, ist der Klang des
  63. Chaufas immer etwas besonders und daher sind seine Klänge besonders gut dazu geeignet, die Gemeinde zu vereinen. Allzu oft und allzu leicht kann die
  64. Glocke auch zu einem zerstörischen Ruf werden. Wenn die Menschen zum Bösen durch sie gerufen sind, dann nichts Heiliges ist mehr. Es lösen sich alle
  65. Bande from Scheu. Das Gute räumt den Platz den Bösen und alle Lasterwalten frei. Die Juden in Europa wussten dies allzu gut. Das Geläut der Kirchenglocken
  66. bedeutete für Juden oft eine Bedrohung. Es ist eine ideale Welt, in welcher das Chauff und die Glocke auf ihre Weise und in ihrer Sprache die Menschen zum
  67. Frieden und Eintracht rufen und nicht umsonst nennt Schiller seine Glocke Konkordia. Doch die Glocke, die an einem Kirchenturm befestigt wird, tut dies von
  68. oben herab. Hoch überm niedren Erdenleben soll sie im blauen Himmelszelt die Nachbarin des Donners schweben und grenzen an die Sternenwelt.
  69. soll eine Stimme sein von oben, wie der gestirne helle Schar, die ihren Schöpfer wandelnd, loben und führen das begrenzte Jahr. Das Chauffah erklingt nicht von
  70. oben herab, es erklingt aus der Mitte der Gemeinde. Das Chauffah ist die Stimme der Gemeinde, die nicht nur zu, sondern auch aus dem Menschen spricht.
  71. Wenn wir also die Klänge des Chauffers hören, dann hören wir auch uns selbst und hoffentlich auch einander. Да.
  72. [Musik]

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