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Literatur der Aufklärung | musstewissen Deutsch

musstewissen Deutsch9:04 460.031 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 61 Zeilen
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  1. zur literarischen Epoche der Aufklärung. Viel Spaß. Es geht um Vernunft. Im 18. Jahrhundert rumort es in der Gesellschaft.
  2. Die Menschen haben genug vom Mittelalter. Verständlich. Die Kirche und der Adel haben das Sagen. Der Rest der Gesellschaft, also fast alle,
  3. sollen glauben, was die Kirche predigt, und machen, was der Adel wünscht. Irre, oder? Aber so war's.
  4. Die Menschen, die sich als Erste gegen diese Strukturen wenden, sind die Aufklärer. Die wollen nicht alles hinnehmen, nicht einfach alles glauben.
  5. Nur weil jemand als Adeliger geboren ist, ist er automatisch der Boss? Das ist doch Blödsinn, unfair, das ist Willkür,
  6. das ist, genau, unvernünftig. Genau darum geht es: Vernunft. Die Regeln für die Gesellschaft sollen aus dem menschlichen Geist,
  7. den Gedanken, unserer Vernunft entstehen, nicht länger willkürlich sein. Das sind die Gedanken der Aufklärer.
  8. Diese Gedanken wollen sie allen Menschen mitteilen. Es geht um neue Regeln. Aufklärerische Literatur ist Literatur,
  9. die Bürger für Bürger schreiben. Adel und Kirche sind erst mal nicht dabei. Es geht in dieser neuen Literatur um Themen,
  10. die für uns heute selbstverständlich sind oder sein sollten: Toleranz, Vernunft, Menschenrechte, Mitmenschlichkeit, der Glaube an wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt.
  11. Einer der ganz großen Aufklärer, Immanuel Kant, formulierte dazu zwei bedeutende Aussagen. Zum einen - der Kategorische Imperativ:
  12. Oder einfacher gesagt: Die zweite große Aussage ist: Der Leser soll also dazu gebracht werden, selbst nachzudenken,
  13. bevor er handelt. Wenn er dann handelt, dann bitte nach dem Kategorischen Imperativ. Es geht den Aufklärern auch um die Moral, darum, das Richtige zu tun,
  14. moralisch zu handeln, im Einklang mit unserem Gewissen. Ihr merkt, da steckt viel drin. Aufklärerische Literatur, das klingt zwar toll, aber auch kompliziert.
  15. Wie schreibt man Literatur, die all das kann? Diese Frage stellten sich auch die Schriftsteller. Zu Beginn der literarischen Epoche
  16. diskutieren die Aufklärer über Regeln, wie man aufklärerische Literatur schreibt. Christian Fürchtegott Gellert
  17. schreibt z.B. ein Handbuch, wie man Briefe schreibt. Er erklärt die Dinge, die für uns heute selbstverständlich scheinen. Zum Beispiel, dass man nur dann gut schreiben kann,
  18. wenn man über das Thema Bescheid weiß, und dass es wichtig ist, eine strukturierte Struktur und Beweise für Argumente zu haben.
  19. Und dass man sich Kritik und Tipps von Freunden holen soll, die gut schreiben können. Für das Theater entwickelt Johann Christoph Gottsched
  20. eine neue "Dramentheorie". Er überlegt sich, wie ein Drama, also die Textvorlage für ein Theaterstück aussehen soll.
  21. Dabei legt er viele Regeln fest. Das Wichtigste an einem Theaterstück ist die Moral, also die Message, die das Stück vermitteln soll.
  22. Die soll vor dem Schreiben festgelegt werden. Danach soll sich die Geschichte an dieser Moral orientieren und sie so deutlich machen, dass jeder Zuschauer sie versteht.
  23. Dabei sollen die Geschichten möglichst realitätsnah sein. Fantastische Elemente, also übernatürliche und unrealistische Ereignisse,
  24. hält er für nicht zielführend. Außerdem legt Gottsched fest, wer die Figuren sein sollen: Tragödien sollen grundsätzlich im Adel spielen,
  25. Komödien bei den normalen Leuten. Dieses Prinzip nennt man Ständeklausel. Dahinter steckt die Ansicht, das Leben der normale Leute
  26. sei schlicht, nicht spannend und dramatisch genug für eine Tragödie. Gotthold Ephraim Lessing ist damit nicht einverstanden. Er hält nicht viel von Gottscheds Regeln und stellt sich gegen ihn.
  27. Dazu gleich mehr. Es geht um die Bürger, um die Menschen. Die aufklärerische Literatur ist v.a. eine bürgerliche Literatur.
  28. Besonders in dem Sinn, dass die Welt des Adels, um die es bislang ging, nicht mehr Vorbild ist. Die Schriftsteller beschäftigen sich mit Themen,
  29. die aus der Bürger-Welt stammen. Auch die bürgerliche Moral und die Lebensweise werden wichtiger als die des Adels.
  30. Damit richtet sich die Literatur gegen den Ständestaat, also gegen die althergebrachte, festgefügte Gesellschaft mit einem von Gott eingesetzten Herrscher an der Spitze.
  31. Auch die Macht der Kirche wird infrage gestellt. Was die Kirche oder die Bibel sagte, galt immer als Wahrheit. Jetzt soll sich die Religion der Vernunft unterordnen.
  32. Heute meint man immer, dass diese Forderung gegen die Religion an sich gerichtet ist. Das stimmt so nicht, es geht vielmehr darum,
  33. dass die christl.Religion den anderen Religionen nicht überlegen ist. In "Nathan der Weise" stellt Lessing Christentum, Islam und Judentum auf eine Stufe.
  34. Die literarischen Formen verändern sich. Schriftsteller wissen genau, was sie mit ihren Werken erreichen wollen, wen sie kritisieren wollen und welche Regeln es dafür gibt.
  35. Aber es gibt viele verschiedene Arten. Manche verändern sich, wie z.B. das Drama, andere werden neu erfunden. Dramen sind in dieser Zeit sehr beliebt.
  36. Im Theater können die Zuschauer mit den bürgerlichen Figuren mitleiden und sich moralisch bessern. Die Zeit der Aufklärung
  37. ist aber auch die große Zeit der Lehrgedichte und Fabeln. In einer Farbe spielen meist Tiere die Hauptrolle, die wie Menschen handeln und reden können.
  38. Gottsched, der Typ, der Regeln für's Theater aufgestellt hat, will zwar, dass Literatur möglichst nah an der Realität ist, aber für Fabeln macht er eine Ausnahme.
  39. Die sind nämlich besonders auf die Vermittlung einer bestimmten Moral ausgelegt. Das ist für Gottsched besonders wichtig.
  40. In Fabeln erleben die Tiere etwas, das in einer lehrreichen Pointe verendet, so dass man daraus eine moralische Lehre ziehen kann.
  41. In Lessings Fabel "Der Rabe und der Fuchs" macht ein Fuchs einem Raben so lange falsche Komplimente, bis er ihn dazu überredet hat,
  42. sein geklautes Stück Fleisch dem armen Fuchs zu überlassen. Doch das Fleisch ist giftig. Er stirbt, nachdem er es gegessen hat. Die Moral der Geschichte:
  43. Ehrlichkeit ist besser als Lügen und Eitelkeit. Lessing und Gellert schreiben Fabeln, weil sie hoffen, damit auch die Einfachen, Nichtgebildeten zu erreichen.
  44. Besonders Gellert Fabeln sind Bestseller. Vor der Aufklärung gehörte der Roman in die Schmuddelecke. Jetzt wird er zu einer ernstzunehmenden literarischen Form.
  45. Christoph Martin Wieland schreibt den ersten Bildungsroman. In einem Bildungsroman wird die persönliche Entwicklung einer oft jungen Person dargestellt.
  46. Hier wird deutlich, dass jetzt das Individuum besonders wichtig ist. Wieland schreibt auch Satiren.
  47. Darin benutzt man auf lustige Art und Weise Ironie und Übertreibung, um Personen oder die bestehenden Verhältnisse zu kritisieren. Interessanter Nebenaspekt:
  48. Die Schriftsteller der Aufklärung sind stets mit der Zensur konfrontiert. Also die Regierungen verbieten bestimmte Werke.
  49. Manchmal müssen Dichter sogar wegen ihrer Schriften ins Gefängnis. Zurück zu den literarischen Formen: Eine Form der neuen Literatur wird ganz wichtig,
  50. das Bürgerliche Trauerspiel. Hier sind die Hauptfiguren plötzlich Bürger, die unter dem Adel leiden.
  51. Zwar hatte Gottsched gesagt, dass Tragödien nur in Adelskreisen spielen sollen, aber Lessing hält das für Quatsch
  52. und kreiert das Bürgerliche Trauerspiel. Z.B. in "Emilia Galotti". Dazu habe ich auch schon ein Video gemacht.
  53. Einfach auf das "i" klicken, dann könnt ihr es euch anschauen. Lessing widersetzt sich bewusst der alten Adelstragödie und trägt so dazu bei,
  54. dass die Literatur der Aufklärung bürgerlich wird. Lessing ist wichtig. Euch ist sicherlich aufgefallen, dass sein Name häufiger gefallen ist
  55. in diesem Video. Das hat einen Grund: Lessing ist DER aufklärerische Schriftsteller und wird deswegen auch oft in der Schule durchgenommen.
  56. Aber warum? Weil seine Werke oft beispielhaft für die Werte der Aufklärung sind und neue Welten der Literatur eröffnen.
  57. Mit seinen Dramen zeigt er, wie Literatur nutzen und erfreuen kann. In "Minna von Barrenhelm" steht eine eigenständig denkende, selbstbewusste Frau im Mittelpunkt. Das Thema ist Emanzipation.
  58. In "Emilia Galotti" übt er Kritik an der Adelsherrschaft, in "Nathan der Weise" wird er für religiöse Toleranz. Mit seinen Fabeln will er zum eigenständigen Denken erziehen.
  59. Also kein Wunder, dass seine Stücke heute noch überall rauf und runter gespielt werden. Das war ganz schön viel Stoff.
  60. Noch mal zur Übersicht: Woran könnt ihr Literatur der Aufklärung erkennen? Habt ihr noch Fragen zur Aufklärung, schreibt sie in die Kommentare.
  61. Wollt ihr noch mehr über andere literarische Epochen erfahren, schaut euch die Playlist an. Bis dann, tschüss. Untertitel: ARD Text im Auftrag von Funk (2018)

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