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Literatur der Aufklärung | musstewissen Deutsch
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 61 Zeilen
- zur literarischen Epoche der Aufklärung. Viel Spaß. Es geht um Vernunft. Im 18. Jahrhundert rumort es in der Gesellschaft.
- Die Menschen haben genug vom Mittelalter. Verständlich. Die Kirche und der Adel haben das Sagen. Der Rest der Gesellschaft, also fast alle,
- sollen glauben, was die Kirche predigt, und machen, was der Adel wünscht. Irre, oder? Aber so war's.
- Die Menschen, die sich als Erste gegen diese Strukturen wenden, sind die Aufklärer. Die wollen nicht alles hinnehmen, nicht einfach alles glauben.
- Nur weil jemand als Adeliger geboren ist, ist er automatisch der Boss? Das ist doch Blödsinn, unfair, das ist Willkür,
- das ist, genau, unvernünftig. Genau darum geht es: Vernunft. Die Regeln für die Gesellschaft sollen aus dem menschlichen Geist,
- den Gedanken, unserer Vernunft entstehen, nicht länger willkürlich sein. Das sind die Gedanken der Aufklärer.
- Diese Gedanken wollen sie allen Menschen mitteilen. Es geht um neue Regeln. Aufklärerische Literatur ist Literatur,
- die Bürger für Bürger schreiben. Adel und Kirche sind erst mal nicht dabei. Es geht in dieser neuen Literatur um Themen,
- die für uns heute selbstverständlich sind oder sein sollten: Toleranz, Vernunft, Menschenrechte, Mitmenschlichkeit, der Glaube an wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt.
- Einer der ganz großen Aufklärer, Immanuel Kant, formulierte dazu zwei bedeutende Aussagen. Zum einen - der Kategorische Imperativ:
- Oder einfacher gesagt: Die zweite große Aussage ist: Der Leser soll also dazu gebracht werden, selbst nachzudenken,
- bevor er handelt. Wenn er dann handelt, dann bitte nach dem Kategorischen Imperativ. Es geht den Aufklärern auch um die Moral, darum, das Richtige zu tun,
- moralisch zu handeln, im Einklang mit unserem Gewissen. Ihr merkt, da steckt viel drin. Aufklärerische Literatur, das klingt zwar toll, aber auch kompliziert.
- Wie schreibt man Literatur, die all das kann? Diese Frage stellten sich auch die Schriftsteller. Zu Beginn der literarischen Epoche
- diskutieren die Aufklärer über Regeln, wie man aufklärerische Literatur schreibt. Christian Fürchtegott Gellert
- schreibt z.B. ein Handbuch, wie man Briefe schreibt. Er erklärt die Dinge, die für uns heute selbstverständlich scheinen. Zum Beispiel, dass man nur dann gut schreiben kann,
- wenn man über das Thema Bescheid weiß, und dass es wichtig ist, eine strukturierte Struktur und Beweise für Argumente zu haben.
- Und dass man sich Kritik und Tipps von Freunden holen soll, die gut schreiben können. Für das Theater entwickelt Johann Christoph Gottsched
- eine neue "Dramentheorie". Er überlegt sich, wie ein Drama, also die Textvorlage für ein Theaterstück aussehen soll.
- Dabei legt er viele Regeln fest. Das Wichtigste an einem Theaterstück ist die Moral, also die Message, die das Stück vermitteln soll.
- Die soll vor dem Schreiben festgelegt werden. Danach soll sich die Geschichte an dieser Moral orientieren und sie so deutlich machen, dass jeder Zuschauer sie versteht.
- Dabei sollen die Geschichten möglichst realitätsnah sein. Fantastische Elemente, also übernatürliche und unrealistische Ereignisse,
- hält er für nicht zielführend. Außerdem legt Gottsched fest, wer die Figuren sein sollen: Tragödien sollen grundsätzlich im Adel spielen,
- Komödien bei den normalen Leuten. Dieses Prinzip nennt man Ständeklausel. Dahinter steckt die Ansicht, das Leben der normale Leute
- sei schlicht, nicht spannend und dramatisch genug für eine Tragödie. Gotthold Ephraim Lessing ist damit nicht einverstanden. Er hält nicht viel von Gottscheds Regeln und stellt sich gegen ihn.
- Dazu gleich mehr. Es geht um die Bürger, um die Menschen. Die aufklärerische Literatur ist v.a. eine bürgerliche Literatur.
- Besonders in dem Sinn, dass die Welt des Adels, um die es bislang ging, nicht mehr Vorbild ist. Die Schriftsteller beschäftigen sich mit Themen,
- die aus der Bürger-Welt stammen. Auch die bürgerliche Moral und die Lebensweise werden wichtiger als die des Adels.
- Damit richtet sich die Literatur gegen den Ständestaat, also gegen die althergebrachte, festgefügte Gesellschaft mit einem von Gott eingesetzten Herrscher an der Spitze.
- Auch die Macht der Kirche wird infrage gestellt. Was die Kirche oder die Bibel sagte, galt immer als Wahrheit. Jetzt soll sich die Religion der Vernunft unterordnen.
- Heute meint man immer, dass diese Forderung gegen die Religion an sich gerichtet ist. Das stimmt so nicht, es geht vielmehr darum,
- dass die christl.Religion den anderen Religionen nicht überlegen ist. In "Nathan der Weise" stellt Lessing Christentum, Islam und Judentum auf eine Stufe.
- Die literarischen Formen verändern sich. Schriftsteller wissen genau, was sie mit ihren Werken erreichen wollen, wen sie kritisieren wollen und welche Regeln es dafür gibt.
- Aber es gibt viele verschiedene Arten. Manche verändern sich, wie z.B. das Drama, andere werden neu erfunden. Dramen sind in dieser Zeit sehr beliebt.
- Im Theater können die Zuschauer mit den bürgerlichen Figuren mitleiden und sich moralisch bessern. Die Zeit der Aufklärung
- ist aber auch die große Zeit der Lehrgedichte und Fabeln. In einer Farbe spielen meist Tiere die Hauptrolle, die wie Menschen handeln und reden können.
- Gottsched, der Typ, der Regeln für's Theater aufgestellt hat, will zwar, dass Literatur möglichst nah an der Realität ist, aber für Fabeln macht er eine Ausnahme.
- Die sind nämlich besonders auf die Vermittlung einer bestimmten Moral ausgelegt. Das ist für Gottsched besonders wichtig.
- In Fabeln erleben die Tiere etwas, das in einer lehrreichen Pointe verendet, so dass man daraus eine moralische Lehre ziehen kann.
- In Lessings Fabel "Der Rabe und der Fuchs" macht ein Fuchs einem Raben so lange falsche Komplimente, bis er ihn dazu überredet hat,
- sein geklautes Stück Fleisch dem armen Fuchs zu überlassen. Doch das Fleisch ist giftig. Er stirbt, nachdem er es gegessen hat. Die Moral der Geschichte:
- Ehrlichkeit ist besser als Lügen und Eitelkeit. Lessing und Gellert schreiben Fabeln, weil sie hoffen, damit auch die Einfachen, Nichtgebildeten zu erreichen.
- Besonders Gellert Fabeln sind Bestseller. Vor der Aufklärung gehörte der Roman in die Schmuddelecke. Jetzt wird er zu einer ernstzunehmenden literarischen Form.
- Christoph Martin Wieland schreibt den ersten Bildungsroman. In einem Bildungsroman wird die persönliche Entwicklung einer oft jungen Person dargestellt.
- Hier wird deutlich, dass jetzt das Individuum besonders wichtig ist. Wieland schreibt auch Satiren.
- Darin benutzt man auf lustige Art und Weise Ironie und Übertreibung, um Personen oder die bestehenden Verhältnisse zu kritisieren. Interessanter Nebenaspekt:
- Die Schriftsteller der Aufklärung sind stets mit der Zensur konfrontiert. Also die Regierungen verbieten bestimmte Werke.
- Manchmal müssen Dichter sogar wegen ihrer Schriften ins Gefängnis. Zurück zu den literarischen Formen: Eine Form der neuen Literatur wird ganz wichtig,
- das Bürgerliche Trauerspiel. Hier sind die Hauptfiguren plötzlich Bürger, die unter dem Adel leiden.
- Zwar hatte Gottsched gesagt, dass Tragödien nur in Adelskreisen spielen sollen, aber Lessing hält das für Quatsch
- und kreiert das Bürgerliche Trauerspiel. Z.B. in "Emilia Galotti". Dazu habe ich auch schon ein Video gemacht.
- Einfach auf das "i" klicken, dann könnt ihr es euch anschauen. Lessing widersetzt sich bewusst der alten Adelstragödie und trägt so dazu bei,
- dass die Literatur der Aufklärung bürgerlich wird. Lessing ist wichtig. Euch ist sicherlich aufgefallen, dass sein Name häufiger gefallen ist
- in diesem Video. Das hat einen Grund: Lessing ist DER aufklärerische Schriftsteller und wird deswegen auch oft in der Schule durchgenommen.
- Aber warum? Weil seine Werke oft beispielhaft für die Werte der Aufklärung sind und neue Welten der Literatur eröffnen.
- Mit seinen Dramen zeigt er, wie Literatur nutzen und erfreuen kann. In "Minna von Barrenhelm" steht eine eigenständig denkende, selbstbewusste Frau im Mittelpunkt. Das Thema ist Emanzipation.
- In "Emilia Galotti" übt er Kritik an der Adelsherrschaft, in "Nathan der Weise" wird er für religiöse Toleranz. Mit seinen Fabeln will er zum eigenständigen Denken erziehen.
- Also kein Wunder, dass seine Stücke heute noch überall rauf und runter gespielt werden. Das war ganz schön viel Stoff.
- Noch mal zur Übersicht: Woran könnt ihr Literatur der Aufklärung erkennen? Habt ihr noch Fragen zur Aufklärung, schreibt sie in die Kommentare.
- Wollt ihr noch mehr über andere literarische Epochen erfahren, schaut euch die Playlist an. Bis dann, tschüss. Untertitel: ARD Text im Auftrag von Funk (2018)
Zum Nachlesen
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