Literatur der Aufklärung | musstewissen Deutsch musstewissen Deutsch https://www.youtube.com/watch?v=GLfBwjUXxUo Transkript (automatisch erstellt) 0:02 zur literarischen Epoche der Aufklärung. Viel Spaß. Es geht um Vernunft. Im 18. Jahrhundert rumort es in der Gesellschaft. 0:12 Die Menschen haben genug vom Mittelalter. Verständlich. Die Kirche und der Adel haben das Sagen. Der Rest der Gesellschaft, also fast alle, 0:20 sollen glauben, was die Kirche predigt, und machen, was der Adel wünscht. Irre, oder? Aber so war's. 0:26 Die Menschen, die sich als Erste gegen diese Strukturen wenden, sind die Aufklärer. Die wollen nicht alles hinnehmen, nicht einfach alles glauben. 0:35 Nur weil jemand als Adeliger geboren ist, ist er automatisch der Boss? Das ist doch Blödsinn, unfair, das ist Willkür, 0:43 das ist, genau, unvernünftig. Genau darum geht es: Vernunft. Die Regeln für die Gesellschaft sollen aus dem menschlichen Geist, 0:51 den Gedanken, unserer Vernunft entstehen, nicht länger willkürlich sein. Das sind die Gedanken der Aufklärer. 0:58 Diese Gedanken wollen sie allen Menschen mitteilen. Es geht um neue Regeln. Aufklärerische Literatur ist Literatur, 1:06 die Bürger für Bürger schreiben. Adel und Kirche sind erst mal nicht dabei. Es geht in dieser neuen Literatur um Themen, 1:13 die für uns heute selbstverständlich sind oder sein sollten: Toleranz, Vernunft, Menschenrechte, Mitmenschlichkeit, der Glaube an wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt. 1:25 Einer der ganz großen Aufklärer, Immanuel Kant, formulierte dazu zwei bedeutende Aussagen. Zum einen - der Kategorische Imperativ: 1:41 Oder einfacher gesagt: Die zweite große Aussage ist: Der Leser soll also dazu gebracht werden, selbst nachzudenken, 1:56 bevor er handelt. Wenn er dann handelt, dann bitte nach dem Kategorischen Imperativ. Es geht den Aufklärern auch um die Moral, darum, das Richtige zu tun, 2:05 moralisch zu handeln, im Einklang mit unserem Gewissen. Ihr merkt, da steckt viel drin. Aufklärerische Literatur, das klingt zwar toll, aber auch kompliziert. 2:18 Wie schreibt man Literatur, die all das kann? Diese Frage stellten sich auch die Schriftsteller. Zu Beginn der literarischen Epoche 2:26 diskutieren die Aufklärer über Regeln, wie man aufklärerische Literatur schreibt. Christian Fürchtegott Gellert 2:33 schreibt z.B. ein Handbuch, wie man Briefe schreibt. Er erklärt die Dinge, die für uns heute selbstverständlich scheinen. Zum Beispiel, dass man nur dann gut schreiben kann, 2:43 wenn man über das Thema Bescheid weiß, und dass es wichtig ist, eine strukturierte Struktur und Beweise für Argumente zu haben. 2:51 Und dass man sich Kritik und Tipps von Freunden holen soll, die gut schreiben können. Für das Theater entwickelt Johann Christoph Gottsched 2:59 eine neue "Dramentheorie". Er überlegt sich, wie ein Drama, also die Textvorlage für ein Theaterstück aussehen soll. 3:06 Dabei legt er viele Regeln fest. Das Wichtigste an einem Theaterstück ist die Moral, also die Message, die das Stück vermitteln soll. 3:14 Die soll vor dem Schreiben festgelegt werden. Danach soll sich die Geschichte an dieser Moral orientieren und sie so deutlich machen, dass jeder Zuschauer sie versteht. 3:24 Dabei sollen die Geschichten möglichst realitätsnah sein. Fantastische Elemente, also übernatürliche und unrealistische Ereignisse, 3:32 hält er für nicht zielführend. Außerdem legt Gottsched fest, wer die Figuren sein sollen: Tragödien sollen grundsätzlich im Adel spielen, 3:40 Komödien bei den normalen Leuten. Dieses Prinzip nennt man Ständeklausel. Dahinter steckt die Ansicht, das Leben der normale Leute 3:48 sei schlicht, nicht spannend und dramatisch genug für eine Tragödie. Gotthold Ephraim Lessing ist damit nicht einverstanden. Er hält nicht viel von Gottscheds Regeln und stellt sich gegen ihn. 3:59 Dazu gleich mehr. Es geht um die Bürger, um die Menschen. Die aufklärerische Literatur ist v.a. eine bürgerliche Literatur. 4:06 Besonders in dem Sinn, dass die Welt des Adels, um die es bislang ging, nicht mehr Vorbild ist. Die Schriftsteller beschäftigen sich mit Themen, 4:15 die aus der Bürger-Welt stammen. Auch die bürgerliche Moral und die Lebensweise werden wichtiger als die des Adels. 4:22 Damit richtet sich die Literatur gegen den Ständestaat, also gegen die althergebrachte, festgefügte Gesellschaft mit einem von Gott eingesetzten Herrscher an der Spitze. 4:32 Auch die Macht der Kirche wird infrage gestellt. Was die Kirche oder die Bibel sagte, galt immer als Wahrheit. Jetzt soll sich die Religion der Vernunft unterordnen. 4:41 Heute meint man immer, dass diese Forderung gegen die Religion an sich gerichtet ist. Das stimmt so nicht, es geht vielmehr darum, 4:48 dass die christl.Religion den anderen Religionen nicht überlegen ist. In "Nathan der Weise" stellt Lessing Christentum, Islam und Judentum auf eine Stufe. 4:57 Die literarischen Formen verändern sich. Schriftsteller wissen genau, was sie mit ihren Werken erreichen wollen, wen sie kritisieren wollen und welche Regeln es dafür gibt. 5:07 Aber es gibt viele verschiedene Arten. Manche verändern sich, wie z.B. das Drama, andere werden neu erfunden. Dramen sind in dieser Zeit sehr beliebt. 5:16 Im Theater können die Zuschauer mit den bürgerlichen Figuren mitleiden und sich moralisch bessern. Die Zeit der Aufklärung 5:23 ist aber auch die große Zeit der Lehrgedichte und Fabeln. In einer Farbe spielen meist Tiere die Hauptrolle, die wie Menschen handeln und reden können. 5:32 Gottsched, der Typ, der Regeln für's Theater aufgestellt hat, will zwar, dass Literatur möglichst nah an der Realität ist, aber für Fabeln macht er eine Ausnahme. 5:41 Die sind nämlich besonders auf die Vermittlung einer bestimmten Moral ausgelegt. Das ist für Gottsched besonders wichtig. 5:48 In Fabeln erleben die Tiere etwas, das in einer lehrreichen Pointe verendet, so dass man daraus eine moralische Lehre ziehen kann. 5:56 In Lessings Fabel "Der Rabe und der Fuchs" macht ein Fuchs einem Raben so lange falsche Komplimente, bis er ihn dazu überredet hat, 6:03 sein geklautes Stück Fleisch dem armen Fuchs zu überlassen. Doch das Fleisch ist giftig. Er stirbt, nachdem er es gegessen hat. Die Moral der Geschichte: 6:12 Ehrlichkeit ist besser als Lügen und Eitelkeit. Lessing und Gellert schreiben Fabeln, weil sie hoffen, damit auch die Einfachen, Nichtgebildeten zu erreichen. 6:21 Besonders Gellert Fabeln sind Bestseller. Vor der Aufklärung gehörte der Roman in die Schmuddelecke. Jetzt wird er zu einer ernstzunehmenden literarischen Form. 6:30 Christoph Martin Wieland schreibt den ersten Bildungsroman. In einem Bildungsroman wird die persönliche Entwicklung einer oft jungen Person dargestellt. 6:39 Hier wird deutlich, dass jetzt das Individuum besonders wichtig ist. Wieland schreibt auch Satiren. 6:45 Darin benutzt man auf lustige Art und Weise Ironie und Übertreibung, um Personen oder die bestehenden Verhältnisse zu kritisieren. Interessanter Nebenaspekt: 6:55 Die Schriftsteller der Aufklärung sind stets mit der Zensur konfrontiert. Also die Regierungen verbieten bestimmte Werke. 7:02 Manchmal müssen Dichter sogar wegen ihrer Schriften ins Gefängnis. Zurück zu den literarischen Formen: Eine Form der neuen Literatur wird ganz wichtig, 7:11 das Bürgerliche Trauerspiel. Hier sind die Hauptfiguren plötzlich Bürger, die unter dem Adel leiden. 7:17 Zwar hatte Gottsched gesagt, dass Tragödien nur in Adelskreisen spielen sollen, aber Lessing hält das für Quatsch 7:23 und kreiert das Bürgerliche Trauerspiel. Z.B. in "Emilia Galotti". Dazu habe ich auch schon ein Video gemacht. 7:30 Einfach auf das "i" klicken, dann könnt ihr es euch anschauen. Lessing widersetzt sich bewusst der alten Adelstragödie und trägt so dazu bei, 7:37 dass die Literatur der Aufklärung bürgerlich wird. Lessing ist wichtig. Euch ist sicherlich aufgefallen, dass sein Name häufiger gefallen ist 7:46 in diesem Video. Das hat einen Grund: Lessing ist DER aufklärerische Schriftsteller und wird deswegen auch oft in der Schule durchgenommen. 7:54 Aber warum? Weil seine Werke oft beispielhaft für die Werte der Aufklärung sind und neue Welten der Literatur eröffnen. 8:01 Mit seinen Dramen zeigt er, wie Literatur nutzen und erfreuen kann. In "Minna von Barrenhelm" steht eine eigenständig denkende, selbstbewusste Frau im Mittelpunkt. Das Thema ist Emanzipation. 8:13 In "Emilia Galotti" übt er Kritik an der Adelsherrschaft, in "Nathan der Weise" wird er für religiöse Toleranz. Mit seinen Fabeln will er zum eigenständigen Denken erziehen. 8:23 Also kein Wunder, dass seine Stücke heute noch überall rauf und runter gespielt werden. Das war ganz schön viel Stoff. 8:30 Noch mal zur Übersicht: Woran könnt ihr Literatur der Aufklärung erkennen? Habt ihr noch Fragen zur Aufklärung, schreibt sie in die Kommentare. 8:54 Wollt ihr noch mehr über andere literarische Epochen erfahren, schaut euch die Playlist an. Bis dann, tschüss. Untertitel: ARD Text im Auftrag von Funk (2018)