Afrika: Frankreich auf dem Rückzug | Mit offenen Karten | ARTE ARTEde https://www.youtube.com/watch?v=Fl0swH0Yho8 Transkript (automatisch erstellt) 0:02 [Musik] Herzlich willkommen beien Karten. 13 wurde Frankreichspräsident François Oland in Bamaco, der Hauptstadt Malis 0:31 als Held empfangen. Der damalige Präsident Mal hatte die französische Armee um Hilfe im Kampf gegen djihadistische Angriffe gebeten. 0:42 Knapp 10 Jahre später tauchte in Bamaco bei Demonstrationen die Flagge von Wladimir Putins Russland auf. Die Machthaber haben gewechselt und 0:53 Malis neue Regierung will keine französische Präsenz mehr im Land. Ähnliches ist auch in anderen ehemaligen Kolonien Frankreichs in Afrika zu 1:03 beobachten. Dort ist Frankreich vor dem Hintergrund neuer Einflüsse und Machtverhältnisse auf dem Rückzug. Ein Blick auf unsere Karten. Zunächst sehen 1:14 wir uns an, wie es mit Frankreichs Militärpräsenz in den Ländern südlich der Sahara noch vor 5 Jahren bestellt war. Stützpunkte gab es in Jibuti, der 1:24 zentralafrikanischen Republik, dem Chat, Niger, Mali, Burkina Faso, Senegal, der Elfenbeinküste und Gabun. Im Rahmen von Verteidigungsabkommen waren dort 1:34 insgesamt 3150 Soldaten stationiert und Jibuti, Njamena und Abidjan waren die wichtigsten Stützpunkte. 1:44 Nun zur heutigen Lage. Die französischen Truppen haben bereits Mali und die zentralafrikanische Republik sowie Niga und Burkinafaso verlassen. 1:56 2024 verlangten der Chat und Senegal die Schließung der Stützpunkte in Jamena, Faja und Abche sowie in Dakar. Anfang kündigte der ivorische Präsident Watara 2:10 die Rückgabe des Stützpunkts in Abidjan vor den Wahlen im Dezember an. Im Februar verließen die letzten französischen Soldaten den 2:18 Marinestützpunkt, auf dem sie seit 1960 stationiert waren. Übrig bleiben nur ein großer Stützpunkt in Jibuti mit 1500 Soldaten und eine symbolische Präsenz in 2:31 Libre Wele. Das ist das Ergebnis einer langen Entwicklung. Die Zahl der französischen Soldaten in Afrika ging ständig zurück, 2:40 seit dort die Staaten ihre Unabhängigkeit erlangten. 30.000 waren es 1960, 10190 und 6600 2014. 2:51 Seit dem Ende des Algerienkriegs 1962 führte Frankreich über 50 militärische Operationen in Afrika durch und ist damit eine Ausnahme unter den ehemaligen 3:03 Kolonialmächten. Zum Verständnis dieser Ausnahmestellung hilft ein Blick auf die Geschichte der französischen Kolonien in Afrika. 1885 3:13 teilten auf der Kongokonferenz Europas Staaten das Jahrhundertelang durch den Sklavenhandel geschwächte Afrika untereinander auf. 3:22 Frankreich eroberte riesige Gebiete vor allem in Zentral und in Westafrika und unterwarf ein Volk nach dem anderen durch Waffen oder Verhandlungen. 3:32 Zu Beginn des Ersten Weltkriegs reichte sein afrikanisches Kolonialreich von Marokko bis Madagascar. Das Zentrum seiner Kolonien bildeten 3:41 Französisch-Westafrika und Französischorialfrika. Die Ausbeutung der Bevölkerung und der Bodenschätze erfolgte ausschließlich 3:51 zugunsten des Mutterlands und die Besitzungen verliehen Frankreich den Status einer Weltmacht. Doch ab 1945 4:00 entstanden Unabhängigkeitsbewegungen. 1958 wurde Guinea unter Oppositionsführer Ahmed Sekutouré als erste französische 4:11 Kolonie südlich der Sahara unabhängig. Bei einem Referendum wurde der Beitritt zu der von de Goa als Ersatz für das Kolonialreich geschaffenen französischen 4:21 Gemeinschaft abgelehnt. 1960 wurden nach Guinea dann 14 weitere französischsprachige Länder unabhängig. Doch die Abhängigkeit von Frankreich war 4:34 damit nicht beendet und bei den nun mehr postkolonialen Beziehungen, auch Franzik genannt, zog afrikapolitischer Berater Jacques Fokar alle Felden. 4:46 Zur Bewahrung seines Einflusses, den es für seine Sicherheit und Rohstoffversorgung für strategisch wichtig erachtete, wurde Paris zunächst 4:54 auf politischer Ebene aktiv. Man unterstützte befreundete Staatschefs wie Felix Unifenbeinküste, Leopold Zangor in Senegal, Omach Bongo 5:05 in Gabun und Paul Bia in Kamerun. In wirtschaftlicher Hinsicht bekam man durch Investitionen einen privilegierten Zugang zu Märkten und Bodenschätzen. 5:16 Erdöl aus Gabun und der Republik Kongo, Uran für die Atomkraftwerke aus Niger. Sodan kontrollierte man die Währungspolitik der jungen Nationen 5:26 durch den an den Franc gekoppelten CFA Fran. In kultureller und wissenschaftlicher Hinsicht entsandte man Entwicklungshelfer und junge 5:34 Menschen aus Afrika Studierten in Frankreich. Schließlich schloss man Verteidigungsabkommen und intervenierte 5:41 zur Unterstützung autoritärer Ein Parteienregime. In Kamerun kam es sogar zu einem Krieg mit Unterstützung französischer Truppen 5:50 gegen eine Oppositionsbewegung bis 1971. Der kalte Krieg zwischen dem Westen zu dem Frankreich gehörte und dem Ostblock 6:01 spielte sich auf seinem Höhepunkt auch südlich der Sahara ab. In diesem Kontext galt Frankreich als Gendarm Afrikas und es brach die Beziehungen zu Ländern ab, 6:11 die sich Zuseher der UDSS annäherten, wie Mali unter Modibo Keita und Benin unter Mathieu Keriku. 1990 deutete die im westfranzösischen 6:23 Labol von Präsident Miteron angekündigte Unterstützung Frankreichs für die Demokratisierung im französischsprachigen Afrika auf eine 6:31 neue Epoche hin. Doch als seine Regierung 1994 in Rwanda das für den Völkermord verantwortliche Regime von Präsident Habiari zu lange unterstützte, 6:43 warf das für lange Zeit einen Schatten auf den Ruf Frankreichs. 21. Jahrhundert gelangte auf dem jüngsten Kontinent der Welt und in 6:53 Frankreich eine neue Generation an die Macht. Ein neuer afrikanischer Nationalismus entsteht, andere wirtschaftliche und 7:00 politische Akteure und neue Einflüsse verdrängen die ehemalige Kolonialmacht. Durch das Anheizen der Proteste gegen den sogenannten französischen 7:10 Neokolonialismus wurde Putins Russland zu einem direkten Konkurrenten Frankreichs in Afrika. In dener Jahren profitierte unter 7:21 anderem die Wagnergruppe von der Ausbreitung djihadistischer Gruppen und der politischen Instabilität, um die französische Armee in mehreren Ländern 7:30 zu ersetzen. In Mali, Burkinafaso, der zentralafrikanischen Republik und Niger. Dabei ist Mali ein typisches Beispiel für die Strategie Russlands, einer 7:42 Kombination aus Angebot von Schutz und Propaganda, um Frankreich zu diskreditieren. In Bimaco hatte 2013 Präsident Jonkunda 7:53 Traure aufgrund der Bedrohung durch djihadistische Angriffe die französischen Truppen zu Hilfe gerufen. Doch im Laufe der Jahre stockte deren 8:02 Operation Bachkan. Da sie die Angriffe nicht verhindern konnten, verloren sie in den Augen der Bevölkerung ihre Legitimität 8:11 und Russland schürte durch Desinformationskampagnen in den sozialen Medien den Hass auf Frankreich. 8:19 Nach zwei Militärputschen durch junge Offiziere kündigte Paris seine Absicht an, seine Truppen aus Mali abzuziehen. Die neue Militärregierung bat die 8:29 russische Wagnermiliz um Hilfe und kündigte das Verteidigungsabkommen mit Frankreich auf. 2022 zog Frankreich seine letzten 8:38 Soldaten aus Mali ab. Damit begann sein Rückzug aus der Sahelregion. Doch auch in wirtschaftlicher Hinsicht bekommt es Frankreich mit neuen 8:46 Konkurrenten zu tun. So ist das seit langem in Afrika präsentlich China inzwischen der wichtigste Handelspartner des Kontinents 8:55 weit vor Frankreich und den anderen Ländern Europas. Chinas Unternehmen investieren in Häfen, Bahnstrecken, Gaspipelines, Stadien und 9:06 Einkaufszentren und seine Banken leihen das Geld für die Finanzierung der Projekte. Chinesische Medien und Konfuzius 9:14 Institute bauen Chinas kulturellen Einfluss in Afrika aus. Aber auch andere Länder haben ihren wirtschaftlichen Einfluss südlich der 9:23 Sahara ausgebaut und so ist Frankreich nur mehr einer der Partner der afrikanischen Staaten. Angesichts der neuen Lage hat Frankreich 9:32 seine Afrikapolitik verändert. Die Handelsbeziehungen und die französischen Investitionen richten sich nun auch auf Länder außerhalb des ehemaligen 9:42 Kolonialreichs, auf Südafrika, Nigeria und Angola. Wirtschaftliche Schwergewichte des Kontinents. Frankreich diversifiziert auch seine 9:53 Versorgung mit strategischen Rohstoffen aus Afrika und anderen Regionen. So kaufen französische Unternehmen inzwischen mehr Erdöl aus Angola und 10:02 Nigeria als aus Gabun und der Republik Kongo. Frankreichs Atomkonzern Oranu ersetzt das Uran aus Niga durch Uran aus 10:12 Zentralasien, Australien und bald auch Namibia. Und der wegen Korruptionsvorwürfen in Togo in Schwierigkeiten geratene Bolor 10:22 Konzern hat seine zahlreichen Hafenkonzessionen und Logistikaktivitäten abgestoßen. Frankreichs schwindender Einfluss in 10:32 Afrika kommt auch auf politischer Ebene zum Ausdruck, z.B. in der Elfenbeinküste. Dort versuchte Frankreichspräsident 10:40 Macron den seit 2011 amtierenden Präsidentenara diskret davon abzubringen, sich für eine vierte Amtszeit zur Wahl zu stellen. 10:49 Vergeblich, Watara will mit 83 Jahren zum vierten Mal antreten. Soweit zum schwindenden Einfluss Frankreichs in Afrika aufgrund einer 11:01 tiefen Abneigung gegen die ehemalige Kolonialmacht, aber auch aufgrund neuer Einflüsse, unter anderem Russlands und Chinas. 11:10 Doch es gibt weiter ein besonderes Verhältnis zu Frankreich, auch durch den CFA Franc, ein Überbleibsel aus der Kolonialzeit für die einen, ein Symbol 11:19 wirtschaftlicher Stabilität für die anderen. Und auch die französische Sprache ist in Afrika noch weit verbreitet. Frankreichs 11:27 Weg in den kommenden Jahren ist nicht einfach. Es muss neue Beziehungen zu Afrika knüpfen, ohne die Last der kolonialen Vergangenheit. 11:38 Mehr zum Thema der heutigen Sendung finden Sie in Afrika in Ketten Reportagen aus den Kolonien des französischen Journalisten Albert Londra 11:46 aus den 20er Jahren. Damit endet unsere heutige Ausgabe. Wir sehen uns nächste Woche wieder am gleichen Ort und zur gleichen Zeit. Bis 11:55 dahin finden Sie alle unsere Videos auf arte.tv. Dort können Sie auch unsere Newsletter abonnieren. Bis bald. [Musik]