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Buchvideo: Hiob

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Transkriptautomatisch erstellt · 95 Zeilen
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  1. Das Buch Hiob. Es ist aus vielen Gründen ein sehr tiefgehendes und einzigartiges Buch.
  2. Die Geschichte spielt in einem sehr rätselhaften Land namens Uz, weit weg von Israel. Der Hauptcharakter Hiob ist nicht einmal Israelit.
  3. Und der anonyme Autor verortet die Geschichte in keiner klaren Epoche der Antike. Trotzdem wirkt das alles beabsichtigt.
  4. Es ist, als wollte der Autor nicht, dass wir von geschichtlichen Fragen abgelenkt werden, sondern uns einfach auf die Geschichte von Hiob konzentrieren
  5. und die Fragen, die zu seinem Leiden aufgeworfen werden. Das Buch Hiob hat eine klare, literarische Struktur.
  6. Es beginnt und endet mit einem kurzen erzählerischen Prolog und Epilog. Der Hauptteil des Buchs besteht aus dichter, hebräischer Poesie.
  7. Hiob unterhält sich in diesem Teil mit vier Gesprächspartnern, die „die Freunde“ genannt werden.
  8. Diese Gespräche sind in Versform geschrieben. Die Gespräche werden dann durch eine Reihe von poetischen Reden von Gott an Hiob abgeschlossen.
  9. Lasst uns eintauchen um zu sehen, wie alles zusammenpasst. Der Prolog stellt uns Hiob vor, von dem es heißt, dass er schuldlos und ein aufrichtiger
  10. Mann ist, der Gott ehrt. Er ist ein super Kerl.
  11. Und plötzlich befinden wir uns im Himmel, wo Gott sich gerade mit seinem Hofstaat trifft. Es ist ein geläufiges Bild im Alten Testament, das beschreibt, wie Gott die Welt regiert.
  12. Unter den himmlischen Wesen ist auch eine Figur, die „der Satan” genannt wird, was auf Hebräisch „der Ankläger“ oder „der Widersacher“ bedeutet.
  13. Man kann sich das vorstellen wie eine Szene im Gericht. Gott stellt Hiob als wahrhaft gerechten Mann vor.
  14. Und dann kommt der Ankläger und stellt Gottes Vorgehensweise der Belohnung aufrichtiger Menschen wie Hiob infrage.
  15. Er sagt, „Der einzige Grund, warum Hiob dir gehorcht, ist, weil du ihn mit Wohlstand segnest.
  16. Lass ihn leiden und wir werden sehen, wie gerecht er wirklich ist“. Daraufhin stimmt Gott zu, dass der Ankläger Hiob Leid zufügt.
  17. An diesem Punkt in der Geschichte fragen sich die meisten: “Was? Warum hat Gott das getan?”
  18. Und wir nehmen an, dass das Buch eine Antwort auf die Frage gibt; warum Gott zulässt, dass gute Menschen leiden müssen.
  19. Aber wenn du weiterliest, siehst du, dass das Buch diese Frage nicht beantwortet. Nichts in dem Buch liefert eine Antwort auf diese Frage.
  20. Im Prolog erfahren wir die wirklichen Fragen, die das Buch versucht zu beantworten. Fragen zu Gottes Gerechtigkeit und ob er das Universum nach dem strengen
  21. Grundsatz der Gerechtigkeit regiert. Die Antworten darauf erhältst du, wenn du das Buch bis zum Ende liest –
  22. nicht gleich am Anfang. Der eigentliche Grund für Hiobs Leid wird nie wirklich offenbart.
  23. Am Ende des Vorworts lesen wir von einem leidenden und verwirrten Hiob, der von seiner Frau getadelt wird.
  24. Er wird von drei Freunden aufgesucht, die versuchen werden, ihm mit Weisheit und Ratschlägen zu helfen.
  25. Es sind Eliphas, der Temaniter, Bildad, der Schuchiter und Zophar, der Naamiter. Genau wie Hiob sind sie keine Israeliten.
  26. Sie stehen für das beste Denken, das es im antiken Nahen Osten über Gott und menschliches Leid gab.
  27. An dieser Stelle beginnt der Hauptteil des Buchs. Zuerst spricht Hiob.
  28. So funktioniert dieser ganze Abschnitt: zuerst spricht Hiob, dann folgt eine Antwort von einem seiner Freunde.
  29. Dann antwortet Hiob diesem Freund und ein anderer Freund antwortet dann auf Hiobs Antwort. Und so weiter, und so fort – über drei Rederunden.
  30. Und diese ganze Diskussion dreht sich um drei Fragen: „Ist Gott in seinem Wesen wirklich gerecht?
  31. Und „Regiert Gott das Universum nach dem strengen Grundsatz der Gerechtigkeit?”. Und wenn das der Fall ist, „Wie kann Hiobs Leid erklärt werden?“
  32. Wir werden sehen, dass Hiob und seine Freunde eine genaue Vermutung davon haben, wie Gottes Gerechtigkeit in der Welt auszusehen hat, nämlich dass alles in der Welt nach dem strengen
  33. Grundsatz der Gerechtigkeit abläuft. Wenn du also ein weiser, guter Mensch bist und Gott ehrst, werden dir gute Dinge passieren.
  34. Gott wird dich belohnen. Aber wenn du dich böse und dumm verhältst und sündigst, wird dir Unglück widerfahren.
  35. Gott wird dich bestrafen. Hiob bringt in seinen Reden immer wieder das gleiche Argument: erstens ist er unschuldig
  36. und daraus folgt, dass sein Leid keine göttliche Strafe ist. Aus dem Vorwort wissen wir, dass diese beiden Aspekte stimmen.
  37. Erinnere dich, wie Gott selbst sagte, dass Hiob gerecht und schuldlos ist. Hiob beendet seine Argumentation indem er Gott die Schuld gibt.
  38. Entweder regiert Gott die Welt nicht in Gerechtigkeit, oder noch schlimmer, er selbst ist einfach ungerecht.
  39. Auf der anderen Seite widersprechen ihm seine Freunde. Sie sagen, dass Gott gerecht ist.
  40. Daraus folgt, dass Gott die Welt immer in Gerechtigkeit regiert und sie schlussfolgern, dass nicht Gott die Schuld trifft, sondern Hiob.
  41. Hiob muss etwas sehr, sehr Schlimmes angestellt haben, dass Gott ihn so bestraft. Sie erfinden sogar mögliche Sünden, die Hiob begangen haben muss.
  42. Hiob widerspricht all dem. Am Ende hat er die Nase voll von ihnen und gibt sie einfach auf.
  43. Er tritt direkt vor Gott für seine Sache ein. Hier muss man berücksichtigen, das Hiob in diesen Gedichten emotional Achterbahn fährt.
  44. Er dachte immer, Gott ist gerecht. Aber jetzt kann er diesen Gedanken nicht mit seinem Leiden vereinbaren.
  45. Deshalb beschuldigt er Gott in einigen Gefühlsausbrüchen als Tyrannen. Ein Mal behauptet er sogar, dass Gott die ganze Ungerechtigkeit in der Welt geplant hat.
  46. Aber in dem Moment, in dem er diesen Gedanken ausspricht, fürchtet er sich davor, denn er möchte hoffen und glauben, dass Gott wirklich gerecht ist.
  47. Hiob ist in diesem Abschnitt total durcheinander. Er beteuert ein letztes Mal seine Unschuld und fordert Gott auf, persönlich zu kommen
  48. und sich zu erklären. An dieser Stelle erscheint überraschend ein weiterer Freund: Elihu der Busiter.
  49. Er ist zwar kein Israelit, hat aber einen hebräischen Namen. Und Elihu hat die gleiche Grundannahme wie Hiob und seine Freunde.
  50. Er argumentiert, dass Gott gerecht ist und das Universum immer in Gerechtigkeit regiert. Aber dann zieht er eine viel durchdachtere Schlussfolgerung darüber,
  51. warum gute Menschen leiden. Es ist vielleicht gar keine Strafe für eine Sünde aus der Vergangenheit.
  52. Gott könnte Leid auch als Warnung zulassen, um Sünde in der Zukunft zu verhindern. Oder er gebraucht den Schmerz und das Leid, um den Charakter einer Person zu formen oder
  53. ihr eine wichtige Lehre zu erteilen. Elihu behauptet nicht, zu wissen, warum Hiob leidet.
  54. Aber einer Sache ist er sich sicher: Hiobs Anschuldigungen an Gott, nicht gerecht zu sein, sind falsch.
  55. Hiob antwortet Elihu gar nicht mehr und das Gespräch ist beendet. Es ist, als ob die alten Weisheiten erschöpft sind und das Geheimnis einfach bleibt.
  56. Und dann taucht Gott plötzlich in einem Wirbelsturm auf und antwortet Hiob persönlich. Er reagiert auf Hiobs Anschuldigung, dass er ungerecht sei und unfähig, die Welt zu
  57. regieren. So nimmt Gott Hiob mit auf eine virtuelle Reise durch das Universum und stellt ihm all
  58. diese Fragen über die Ordnung und den Ursprung des Kosmos. War Hiob dabei, als Gott die Erde entworfen oder die Gestirne angeordnet hat?
  59. Hat er jemals den Sonnenaufgang befohlen oder das Wetter kontrolliert? Gott hat all diese kosmischen Details im Blick, die Hiob sich nicht einmal vorstellen kann.
  60. Dann geht Gott ins Detail und beschreibt das Weideverhalten bei Bergziegen und wie Rehe gebären, oder die Fressgewohnheiten von Löwen und Wildeseln.
  61. Was ist der Sinn von all dem? Erinnere dich an die Annahme von Hiob und seinen Freunden, wie es ist, wenn Gott die
  62. Welt in Gerechtigkeit regiert. Dieser Annahme liegt eine noch tiefergehende Überzeugung zugrunde: nämlich dass Hiob
  63. und seine Freunde eine Sicht auf das Leben haben, die umfassend genug ist, um zu sagen, wie Gott die Welt regieren sollte.
  64. Mit diesem virtuellen Rundgang liefert Gott eine Antwort, die all diese Vermutungen widerlegt. Es zeigt vor allem, dass die Welt ein riesiger, komplexer Ort ist und dass Gott alles im Blick
  65. hat – jedes einzelne Detail. Hiob dagegen kann sich nur auf den kleinen Horizont seiner Lebenserfahrung beziehen.
  66. Seine Sicht auf die Welt ist sehr begrenzt. Deshalb muss das, was aus Hiobs Perspektive wie göttliche Ungerechtigkeit aussieht,
  67. in einem unendlich viel größeren Kontext betrachtet werden. Hiob ist einfach nicht in der Position, um so eine große Anklage gegen Gott zu erheben.
  68. Nach dem virtuellen Rundgang fragt Gott Hiob, ob er die Welt für einen Tag nach dem strengen Grundsatz der Gerechtigkeit regieren möchte, von dem Hiob und seine Freunde ausgehen; nämlich
  69. dass jede böse Tat von jeder einzelnen Person in jedem Moment mit ausgleichender Gerechtigkeit geahndet wird.
  70. Tatsache ist, dass es in einer Welt wie unserer extrem kompliziert ist, gerecht zu sein. Es ist nie schwarz und weiß, wie Hiob und seine Freunde es scheinbar glauben.
  71. Das führt uns zu Gottes letztem Punkt. Er beginnt, zwei fantastische Kreaturen zu beschreiben: Behemot und Leviatan.
  72. Manche glauben, die zwei seien poetische Beschreibungen eines Nilpferds und eines Krokodils. Es ist aber wahrscheinlicher, dass sie sich auf bekannte Kreaturen aus der antiken, nahöstlichen
  73. Mythologie beziehen, die an anderer Stelle in der Bibel als Symbole für Unordnung und Gefahren stehen, die es in Gottes guter Welt gibt.
  74. Diese Kreaturen sind nicht böse. Gott ist sogar sehr stolz auf sie.
  75. Trotzdem sind sie nicht zahm. Der Punkt ist, dass Gottes Welt wunderbar und sehr gut ist, auch wenn sie nicht immer
  76. perfekt oder ungefährlich ist. Gottes Welt ist ordentlich und schön, aber auch wild und manchmal gefährlich; genau
  77. wie diese zwei fantastischen Kreaturen. Wir kommen zurück zur großen Frage nach Hiobs Leiden.
  78. Warum gibt es Leid in Gottes Welt? Egal ob von Erdbeben, wilden Tieren oder durch andere Menschen?
  79. Gott erklärt nicht, warum. Er sagt, dass wir in einer extrem komplexen, wunderbaren Welt leben, die zumindest im Moment
  80. nicht dazu ausgelegt ist, Leid zu verhindern. Das ist Gottes Antwort.
  81. Hiob hat Gottes Gerechtigkeit infrage gestellt. Gott antwortet, dass Hiob nicht genug über die Welt weiß, um eine solche Anklage zu erheben.
  82. Hiob verlangte eine vollständige Erklärung von Gott und dieser bittet ihn um Vertrauen in seine Weisheit und sein Wesen.
  83. Hiob antwortet darauf mit Demut und Reue. Er entschuldigt sich für seine Anschuldigungen und räumt ein, dass er seine Grenzen überschritten hat.
  84. Das Buch endet unvermittelt mit einem kurzen Epilog. Zuerst sagt Gott, dass die Freunde falsch lagen.
  85. Dass ihre Vorstellungen von Gottes Gerechtigkeit zu einfach und falsch in Bezug auf die Komplexität der Welt oder Gottes Gerechtigkeit waren.
  86. Er sagt auch, dass Hiob richtig von ihm gesprochen hat. Das ist überraschend, denn das kann eigentlich nicht auf alles zutreffen, was Hiob gesagt hat.
  87. Wir wissen, dass Hiob voreilige und falsche Schlüsse zog. Aber Gott erkennt Hiobs Ringen an; und wie er ehrlich mit all seinen Gefühlen und seinem
  88. Schmerz vor Gott kam und einfach mit ihm selbst sprechen wollte. Und Gott sagt, dass das der richtige Weg ist, das alles zu verarbeiten:
  89. durch den Kampf im Gebet. Das Buch endet damit, dass Hiob wieder gesund wird, und dass seine Familie und sein Vermögen
  90. wiederhergestellt werden; nicht als Belohnung für gutes Verhalten, sondern als großzügiges Geschenk von Gott.
  91. Das ist das Ende vom Buch. Es löst nicht das Rätsel um die Frage, warum guten Menschen böse Dinge widerfahren.
  92. Es lädt eher dazu ein, Gottes Weisheit zu vertrauen, wenn wir uns mit Leid konfrontiert sehen, anstatt die Gründe dafür herauszufinden.
  93. Wenn wir nach Gründen suchen, tendieren wir dazu, Gott zu vereinfachen – so wie es die Freunde taten, oder – so wie Hiob – Gott anzuklagen,
  94. aber auf Grundlage einer begrenzten Perspektive. Das Buch lädt uns ein, ehrlich und aufrichtig unseren Schmerz und unseren Kummer
  95. vor Gott zu bringen und zu vertrauen, dass Gott sich wirklich kümmert und weiß, was er tut. Darum geht es im Buch Hiob.

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